Micrometer und Lautsprecher

Als gelernter Maschinenbauer beschäftige ich mich täglich mit Mikrometern. Es soll ja Menschen geben, denen die Einheit nicht so geläufig ist: Maschinenbauer spalten den Meter in eine Million gleiche Teile. Das ist immer noch relativ abstrakt, ich weiß. Versuchen wir es gemeinsam mit einem Bild und Versuch. Reißt euch einfach mal ein Haar aus, gut zwickt ein bisschen, hilft aber deutlich. So ein Haar hat eine Dicke von ca. 50 Mikrometer. In Millimeter ausgedrückt, 0,05 mm. Meine tägliche Arbeit ist, diesen Wert um Faktor 10 weiter zu spalten, um hochgenaue zu zerspanende Werkstücke herstellbar zu machen. Ihr fragt euch: „Was hat der Kram jetzt mit Udos Konstruktionen zu tun?“ Schließlich geht’s hier um Lautsprecher, elektronischen Kram, Raummoden und so!

Kommen wir also zu etwas vollkommen anderem.
PS: Dieser Satz ist also nun wirklich geklaut!

Ich habe noch nicht alle Nachbarn mit Lautsprecher von Udo ausgestattet, arbeite allerdings daran, dass die Haushalte der Umgebung wohlgemuth’schen Wohlklang in die Wohnzimmer bekommen. Udo freut‘s und mir macht’s Spaß, Kistchen zu basteln.

Unsere Nachbarn, ein wunderbares Paar der Gattung Mensch, noch ein paar Jährchen mehr Lebenserfahrung als Udo, bekamen einen neuen TV geliefert. Ein paar Tage später haben wir über das neue Schätzchen gesprochen.

„Na Helmut, wie ist euer neuer Fernseher, sind die Programme besser geworden?“
„Nee, Achim, das nicht, aber das Bild ist schon toll. Der kann auch richtig viel, auch wenn wir nicht alles davon brauchen. Allerdings muss ich mich noch um den Fernsehton kümmern. Die Lautsprecher am Fernseher schauen neuerdings ja nach hinten in den Schrank rein und da kommt nun nach vorne recht wenig raus. Ich habe den passgenau in die Nische hinein gekauft. Da soll es irgendwelche Bars geben, die den Fernsehton verbessern.“

Muss ich mehr erzählen:-) – ja, muss ich.

Die alte Soni-Midi-Anlage mit Kassetten-Recorder und CD-Player musste auch weichen. Der Zahn der Zeit, also vor über 30 Jahren gekauft, führten zu immer mehr Ausfällen. Die Lautsprecher der Anlage standen auf dem Boden rechts und links neben dem Schrank. Genutzt wird die Anlage nur noch zum Radio hören.

Helmut: „Also ich brauche „so ne Bar“ und eine neue Stereoanlage!“

Wir haben gemeinsam über eine Lösung gesprochen. Die CD geht auch in den DVD-Player und die Anzahl der Kassetten hat sich auf eine Handvoll reduziert. Das geht auch ohne. Schließlich habe ich meinen China-Amp, den DAB-Empfänger und die RS100 ACL bei Nachbars ins Regal geschoben und angeschlossen. Der erste Wow-Effekt war gelungen. Die Kisten sind allerdings deutlich zu groß.

Und wieder kommen wir zu etwas vollkommen anderem!

Was hat der Bericht jetzt mit den Mikrometern zu tun?

Beim Sägen der ersten Bretter dachte ich nicht an die 12 x 12 cm Würfelchen der U_Do 31-13, sondern an den Subwoofer. Als ich diese Brettchen sägte, dachte ich „Mensch Udo, da kommt doch niemals Bass raus! Soooo klein ist der…“ Jetzt ist euch klar, warum ich die Mikrometer erklärte. Udo schafft immer wieder neue „Dimensionen“.

Die Säge hat natürlich auch die ganz kleinen Brettchen gesägt. Auch der bekannte Leim hat die Brettchen – ich kann nur in der verniedlichten, typisch schwäbischen Form berichten – gut zusammengehalten. Die ersten Brettchen sind geklebt.

Fertig ist auch der bereits mit Radien versehene Rohbau.

Herausforderung Furnieren: Um dem Anspruch des Wohnraums der Auftraggeber gerecht zu werden, runde ich die Ecken von der Front weg ab und Furniere nach der Bügelmethode. Meine persönliche Herausforderung war, das Furnier von der Schallwand weg in 2 unterschiedliche Richtungen geschmeidig und schön über die Radien zu bekommen. Die übliche Vorgehensweise für einen recht schlitzfreien Stoß der Furnierblätter macht man mit Fugenleimpapier. Dieses, durch das Foto dokumentierte Verfahren, funktioniert bei 0,6 mm starkem Furnier mit einer Kantenlänge von 13 cm NICHT:

Ergo: Ich habe die Blätter einzeln aufgebügelt. An der Stoßstelle muss das Furnier gerade abgeschnitten werden. Beim Bügeln in Richtung des Furnierstoßes bügeln. Ein Schlitz entsteht trotzdem häufig. Das Furnier zieht sich nach der Hitzeeinwirkung und dem folgenden Abkühlen einfach wieder zusammen. Hier meine Vorgehensweise: Erst die Frontfläche. dann um den Radius an die Seitenwände anbügeln.

Jetzt wird es tricky – mit dem Cutter den Radius so lange sanft anschneiden, bis das Furnier durchgeschnitten ist

Den Rest anbügeln, mit Cutter abschneiden und die Stirnkante scharfkantig schleifen.

Drei neue Erfahrungen habe ich beim Furnieren gemacht:

Erle ist butterweich. Fange das Schleifen mit „grobem“ Schleifpapier, also maximal 180er an. Du schleifst mit 120er sonst ganz schnell durch.

Vor dem Aufbügeln das Furnier immer gut anfeuchten. Das verhindert dunkelbraunes, verbranntes Furnier.

Wichtigste Erkenntnis: Nicht die Flaschen verwechseln sonst riechen die Boxen komisch und das Bier schmeckt dünn.

Die Kistchen mit Parkettöl in Seidenmatt 2x eingeölt. Vorher das Furnier gewässert, geschliffen, gewässert,… macht bei Eiche oder Buche einen Kinderpopo. Erle hat irgendwie eigene, andere Eigenschaften?!

Wie klingen die Monster: Erstaunlich gut. Höhen sind da. Der Mittelton kommt fundiert daher. Vorsicht mit dem Bassregler des 2.1-Verstärker, lieber den Pegel etwas reduzieren. Ein 13-er hat Grenzen – vor allem in Verbindung mit Lautstärke. Sofern ihr bei etwas „höherer Zimmerlautstärke“ bleibt, klingt es richtig gut.

Mikro-Heimkino in Komplettausstattung für unter 300.- € mit 2.1-Verstärker, DAB-Empfänger und natürlich Udos 31_13 Kombi.

Kleiner als „Mikro“ ist übrigens “Nano“. Kitzelt Udo einfach :-). Ideen hat er immer.

Hatte ich es schon erwähnt? Bass können die übrigens auch.

Achim

Zum U_Do 31_13 im Online-Shop

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Die Ecken sind ja echt gut geworden!

Mahlzeit Achim,

als Elektriker im Maschinenbau hat man so seine Standardsprüche wie
„Das passt 12H7“ oder „Auf´s My genau“ wenn was noch so gerade eben gut gegangen ist. In deinem Fall ist es sehr gut gegangen, die abgerundeten Furnierkanten gefallen mir ausgezeichnet.

Gruß,
-Sparky

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