25. Juni 2023

U_Do 74 – let’s have a party

Autor: leoville

Aus der Überlegung heraus, dass man seine halbwüchsige Tochter besser bei sich im Haus mit ihren Freund(inn)en Party machen lässt als sonstwo (denn so weiss man, wo sie ist und mit wem, und man muss sie nicht in den frühen Morgenstunden irgendwo abholen gehen), haben wir einen weiter nicht genutzten Kellerraum entrümpelt. Weil grad Pandemie war, musste zwar auch das eine oder andere Fitnessgerät da rein, aber grundsätzlich sollte daneben nach moderaten Renovationsarbeiten ein Party- und Gameraum entstehen.

Nun ist eine der Schlüsselzutaten für Parties nun mal Musik, dafür braucht’s Lautsprecher, und weil ich einschlägig vorbelastet bin, kam ich auf die Idee, selber zu bauen – passenderweise stand auch grad der Weihnachtsurlaub vor der Tür. Bei der Suche im Netz bin ich dann irgendwie hier bei Udo gelandet, habe mich im Forum beraten lassen (eher grosser Raum, die Lautsprecher sollten halbwegs pegelfest sein, aber nicht übermässig teuer, falls da mal ein Getränk oder eine Person drauffällt), und bin so bei der U_Do 74 gelandet. Gesagt, getan, bestellt, und nach wenigen Tagen erhalten.

In der Zwischenzeit hatte sich auch ein ausgesprochen netter Kollege hier aus dem Forum bei mir gemeldet, und gefragt, ob ich vielleicht Interesse hätte, dass er mir das Holz zusägt? Er mache so was auch von Berufs wegen, und wohne in der Gegend, und so. Hab’ ich mir nicht zweimal anbieten lassen, und konnte kurz darauf zwei Stapel mit MDF-Teilen abholen, komplett mit allen Ausfräsungen für Chassis und Anschlussterminals. Wie sich beim Bau dann gezeigt hat, war das allerhöchste Präzisionsarbeit, zehntelmillimetergenau und sauberst gemacht – danke, Adi!

Nun ging es also ans Zusammenbauen. Ich habe mich dazu hinreissen lassen, alles zu verdübeln – halten sollte das ja auch ohne, aber einerseits verrutscht dann beim Verleimen mit Garantie nichts, und andererseits wollte ich es halt einfach so gemacht haben. Mit dem üblichen Wolfcraft-Dübeldingens geht das ja auch recht einfach und präzise.

 

Das Vorgehen hat sich dann auch bewährt, das Ergebnis waren rundum praktisch perfekte Verleimungen, ohne nennenswerte Fugen und Ritzen.

 

Was nun folgte, habe ich noch nie besonders genossen: die Oberflächenbehandlung. Weil ich lackieren wollte, habe ich zuerst die Stirnflächen des MDF mit Epoxy eingepinselt, und verbleibende Fugen mit Spachtel behandelt, den ich aus Laminierharz und Talkum jeweils selber anmische – als Ex-Modellbauer hat man so was ja rumliegen. Der Vorteil gegenüber Polyester ist die mechanische Festigkeit, der Nachteil sind die sehr langen Aushärtezeiten, und gesund ist beides nicht. Jedenfalls hatte ich dann nach anschliessender Schleiforgie eine ziemlich gute Basis für die Grundierung – und die (später erfüllte) Hoffnung, dass sich die Stirnseiten unter dem Lack nicht so schnell abzeichnen würden.

 

Nun wäre die Endlackierung angestanden, aber damit wollte ich auf besseres Wetter warten, um das im Garten durchführen zu können. Und ausserdem waren mittlerweile die Weihnachtsferien um, und so schlecht sahen die Kisten mit der weissen Grundierung auch gar nicht aus. Erstaunlicherweise habe ich mich im Sommer dann tatsächlich dazu durchringen können, Nägel mit Köpfen zu machen, und habe über mehrere Tage hinweg immer wieder gerollt, geschliffen, wieder gerollt, und nochmals geschliffen, und so weiter. Es werden wohl so gegen 4-5 Schichten geworden sein (Acryl-Möbellack in seidenmatt), und das Ergebnis ist zumindest bei normaler Beleuchtung einigermassen makellos. Ich bin jedenfalls zufrieden damit. Zwischenzeitlich wurden auch die Weichen nach Udos Vorgabe auf ein Holzbrettchen geklebt, verdrahtet und verlötet. In der Box wurde sie hinter dem oberen Bass auf die Rückwand geschraubt, bevor die Kammern locker mit der Dämmwatte gefüllt wurden.

Und wie klingt das Ganze? Nun, ich habe als erstes mal die ganzen CDs meiner «audiophilen» Sturm- und Drangphase herausgekramt (der/die/das geneigte Lesende kann daraus unschwer mein ungefähres Geburtsjahr ableiten…). Und hatte grosse Freude an Flim & the BBs – das geht schon mal richtig laut. Dann Quincy Jones’ Birdland nachgelegt: geht auch ziemlich laut, das Grinsen wird breiter. Bei komplexeren Bläserpassagen geht vielleicht etwas die Übersicht verloren, aber angesichts der Preisklasse schon ziemlich schick. Ein ähnlicher Eindruck bei Raw Stylus’ 37 Hours: das knallt so, wie es muss, wenn auch hier in hektischen Phasen Details etwas zum Versumpfen neigen – was wiederum Nörgeln auf recht hohem Niveau ist.

Weil man aber nicht immer nur laut hören kann, musste anschliessend die überragende Live-Aufnahme von B.B. King im Apollo Theater ran – und gleich wurd’s trotzdem wieder laut. Und wiederum das Fazit: macht richtig Freude, mit vielleicht minimal Luft nach oben bei Dynamik und Auflösung. Und so ging das einmal quer durch meine Plattensammlung: was ich da an Sachen wiederentdeckt habe, von denen ich gar nichts mehr wusste.

So habe ich also nun eine ziemlich luxuriös klingende Party-Anlage im Keller stehen, wo ich mich ganz ungeplant gern und oft auch nur zum Musikhören davorsetze. Es macht einfach Spaß, in Ruhe gute Musik zu hören. Nur kommt blöderweise der Appetit beim Essen, und so denke ich manchmal, ich hätte auch etwas höher ins Regal greifen können. Sicher geht da mit der Bluesklasse abseits von Party noch mehr. Wer weiss, vielleicht gibt’s ja mal wieder ein Weihnachtsprojekt. Diesmal mit Satori…

Rainer (leoville)

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Nur damit ich es richtig verstehe –> ist die Leimfuge sichtbar oder die komplette Stärke der Plattenkante ?

Plattenkante:

Bei MDF saubere Kanten hinzubekommen heißt füllern, schleifen, füllern, schleifen …
… und wenn Du denkst es ist gut, dann füller und schleife lieber noch ein weiteres mal.

Knackpunkt dabei ist, dass man die Kanten am besten ohne Schleifunterlage (Schleifkork, Holzplättchen oder Schleifschuh) schleifen sollte. Vereinfacht gesagt schleift man beim Kantenschliff auf 2 Harten Decklagen und einer Weichen mittellage. Nutzt man nun einen Schleifkork, schleift man meist nur auf den Harten Decklagen, aber die breitere und weichere Mittellage wird nur wenig berührt.

Daher – Schleifpapier in die Hand nehmen, ohne irgendwas und schleifen bis die Finger taub werden.

Mir ist die Schleiferei zuwider, daher arbeite ich sowas auf Gehrung und habe dann nur “Fläche”. Das bissle an Radius das man hinfräst bekommt man i.d.R. gut geschliffen.

Eine weitere Option ist das aufbringen von sogenannten Grundierfolienkanten (oder Grundierkanten), dann ist die Kante gleich komplett geschlossen –> Die Kante sieht man nicht mehr, die Leimfuge aber halt trotzdem (weiter unten mehr)

Knackpunkt bei den 2 Varianten ist, dass Sie für denjenigen der Teile und Co. im Baumarkt kaufen muss nicht möglich sind da Baumärkte meist keine Kanten auffahren und keine Teile auf Gehrung sägen –> oder zumindest nicht so genau, dass die dann auch wirklich passen (2-seitige Gehrung geht ja noch, aber 3-seitig da muss es schon stimmen).

Falls die sichtbare Leimfuge gemeint ist:

Tjoa, da machste nix. Leimfugen sind uns Schreinern (oder Tischlern wie man in anderen Bundesländern sagt) schon immer ein wenig ein Sorgenkind.

Die Situation ist, dass der Leim einfach härter ist als das umliegende Material somit ergibt sich:

Schwindet Holz / Holzwerkstoff wird die Fuge erhaben und sichtbarerJe feiner man schleift umso mehr kann man die Fuge erfühlenDie alte Regel heißt:

Lack beschönigt nicht, Lack vergibt nicht !

Was in ver Vorarbeit nicht Perfekt war, ist nach der Lackierung gar noch schlimmer.

Last edited 11 Monate her by aggerflash

Hallo Rainer und Achim,

es gibt da noch die Methode von Andre. Er klebt auf die Kisten 3 mm HDF auf und hat so nur eine dünne Schnittkante. Beim Bericht zur Ceram 52 ACL gibt es ein Foto davon.

Gruß Udo

Sehr schöne Lautsprecher; wirklich gelungen.

Wo ich die 74er so sehe frage ich mich warum ich die 73er gebaut habe. Optisch machen deine Lautsprecher wirklich was her.

Vom Werdegang klingt es bei Dir genau wie bei mir auch; vermutlich kommt übern Winter eine der SB Serien ins Wohnzimmer.

Hallo aggerflash,

du hast doch schon eine der SB-Serien zu Hause 😉

Gruß Udo

Hallo Udo,

also wenn ich mich recht erinnere ist es eine U_Do73 🙂

https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/klang-fuers-wohnzimmer-mit-der-u_do73/

Gruß Achim

Hallo Achim,

… und wer ist der Hersteller der U_Do-Chassis? 😉

Gruß Udo

Ach so meinst Du 🙂 ich dachte eher an den Aufstieg von Einsteiger in bluesklasse 🙂

Gruß Achim

Hallo Rainer,

dein Projekt gefällt mir. Die Klebetechnik mit Gewichtscheiben ist auch bei mir gängige Praxis.

Mir gefällt die Optik der 74er mit 2 Bässen und einem Mitteltöner auch besser als die die ganzen Pseudo-D‘Appos mit 2 Mitteltönern. Leider gibt‘s sowas nicht durchgängig in allen Baureihen, weil die 4-Ohm-Chassis nicht so gut ins Serienkonzept passen und vielleicht die große Nachfrage nach sowas nicht da ist.

Die Dübelei braucht‘s für die Festigkeit nicht, sie hat aber wahrscheinlich einen anderen Vorteil: MDF arbeitet in Richtung der Ebene und Richtung der Plattendicke über die Zeit und die Schwankungen von Temperatur und Luftfechte minimal unterschiedlich. Der Holzleim bleibt auch nach dem Aushärten elastisch, so dass sich die lackierte Klebekante irgendwann abzeichnet, fast egal was man vorher drauf gespachtelt hat. Eventuell blockieren die Dübel diesen unerwünschten Effekt.

Whatever… Im Partyraum sitzt niemand mit der Lupe vor den Geräten.

Viel Spaß und beste Grüße,
Martin F

Moin und Glueckwunsch zum gelungenen Projekt! Besonders interessant fand ich das Einstreichen der Stirnseiten mit Epoxy, das habe ich bisher noch nicht probiert. Koennte dies ggf. auch bei Multiplex funktionieren? Und falls ja, welche Produkte koennte man nehmen (gerne auch per PM)?

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