29. Oktober 2023

With a little help of the boardies oder BelAir 91: Aktiv für Anfänger

Autor: Gipsohr

Wer den Hintergrund des leicht abgewandelten Titels von Lennon/ McCartney kennt, die dem relativ untalentierten Sänger Ringo Starr einen Titel auf dem Leib geschrieben haben, weiß, worauf ich hinaus will.

Als Endfünfziger, dessen erste Anlage aus Receiver, für die jüngeren Leser ein 2.0-Verstärker und Radio in einem Gerät, MC und Plattenspieler bestand, ein Traum – ich brauchte keinen Extra-Tuner. 10 Jahre später schließlich die CD… alles war doch recht chick! So war ich doch recht lange mit meinem Equiment zufrieden. Nuberts rundeten die Geschichte in den Nuller-Jahren ab.

Springen wir dennoch ins Jahr 2023. Ich war seit über 10 Jahren im Selbstbau tätig und und die Nuberts waren längst Geschichte. Digitale Quellen, Anschlüsse, Bluetooth, Streaming hatten sich bei mir inzwischen auch etabliert. Manchmal tue ich mich trotzdem schwer mit dem Kram. Eine Schallplatte auflegen ist tatsächlich einfacher, als eine Verbindung zum Receiver zu schaffen :-). Außerdem ist jedes Knacksen der Platte ein Hoch auf die Anfänge des Hifi-Hörens!

Ich wollte aktiv und hatte gehörigen Respekt vor dem Thema. Warum eigentlich aktiv: Ich hatte in meinem Musikräumchen mit diversen 17-ern schon sehr viel mit Raummoden zu kämpfen. Die logische Konsequenz: Aktiv, um dem Raum per DSP seine Unarten auszutreiben. Zum Ergebnis der Aktivierung komme ich nochmals ganz zum Schluss!

Vor dem Kauf auch nochmals mit Udo gemailt, und die Antwort kam prompt: „ … geh mal auf den Rundmacher zu, der hat sich intensiv damit beschäftigt…“ – flößte mir nicht unbedingt das nötige Selbstvertrauen ein. Was soll‘s. Wer wagt, gewinnt. Bausatz bestellt und es ging los. Die kurze Vorgeschichte der BelAir 91 und meine Beteiligung daran hat Udo in seinem Bericht beschrieben.

Was soll ich sagen: Ein Hoch auf die Boardies hier! Mit Rundmacher Kontakt aufgenommen, Termin vereinbart und eine halbe Stunde telefoniert. Ich hatte die Aktivmodule natürlich am PC hängen. Das Ergebnis unseres Telefonats war ein erstes Verständnis, wie die Aktivmodule funktionieren und alles wurde relativ einfach und klar. Zudem hatten wir ne Menge Spaß beim telefonieren miteinander. Das war aber noch nicht das Ende: Markus Zeller schickte mir das Gehäuse für das Display als 3-D-Druck zu. Tim, lieben Dank für die beruhigenden Fotos deiner Verkabelung. Martin Schulz, danke für den Tipp, bei wem ich das richtige Anschlussfeld bekomme, …

Deshalb MUSS dieser Baubericht mit diesem fetten DANKE an die Unterstützer beginnen!!!

Meinen Bericht möchte ich mit Udos Schlusssatz aus der Vorstellung der Gipsys beginnen: „Was lag da näher, als dem unverhofft hereinvagabundierenden Bausatz den Zusatz „Gipsy“ anzuhängen. Das passt in jeder Beziehung.“

Mein Englisch ist so lala, und Udos letzten Satz konnte ich zuerst nicht verstehen. Also musste doch mal wieder www herhalten. ZigeunerIn“ ist das Ergebnis der Recherche. Meine persönliche Meinung zu den Vagabunden: Es ist nicht der erste Bausatz, der in „Udos Welt“ hineinplatzte, und es wird ganz sicher nicht der letzte sein! Dafür sorgt Udo durch seine offene Art schon selbst. Und das ist gut so! Danke dafür.

Und nun zum eigentlichen Thema. Udo hat aus meinem ersten Mail zitiert „Ich habe einen ausgefallenen Bauplan für 30 Liter im Kopf.“ Ich hoffe, ich enttäusche keinen, wenn er gleich eine sargähnliche Kiste zu Gesicht bekommt. Ich wollte einfach mal relativ schnell bauen. Das Auge hört zwar mit, aber so schlimm wird’s schon nicht werden.

Meine ursprüngliche Idee war, wieder „rund“ zu bauen. Genauer gesagt eine Halbkugel mit Durchmesser 50 cm. Da gibt’s nen dänischen Hersteller. Ich habe meinen Enschluss doch geändert. “Rund“ steht in Form von SB12 ACL schon im Wohnzimmer. Im Musikraum darf es schlichter und einfacher sein.

Es stellt sich die Frage, was ist einfach?
Zweite Frage: Warum seht ihr jetzt ein Bild von unserem Esszimmerbereich?

Wir hatten vor 6 Jahren unser Wohnzimmer renoviert und ich bestelle grundsätzlich einfach mehr Holz, auch für den Boden. Wenn einer aus Sparsamkeit schon mal eine Fliese zu wenig hatte, der weiß, wovon ich spreche.

Zwei Dielen mit jeweils 2,20 m Länge waren noch übrig. 19 cm tief. Die grauen Zellen aktiviert und das Volumen von 4 Brettern mit 19 cm Tiefe überschlagen. Da kam ne Zahl mit einer 3 vorne raus. Passt.
2 Seiten, Boden und Deckel hatte ich schon. Zur Front komme ich später. Beim Sägen auf Gehrung hatte ich also nur eine Chance, eine zweite Chance bekomme ich nicht.

Jetzt ein paar Bilder zum Kistenbau und Design. Damit’s wirklich nicht ganz wie ein Sarg aussieht, sollten die Kisten leicht schräg stehen. Ein Grad neigung ist es geworden. Macht ca. 3 cm Schrägstand über die Höhe aus. Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich gerne etwas höher sitze, da kommt die leichte Abstrahlung nach oben meinem Ohr entgegen.

Kistenbau ist bei mir oft die Einzelbrettverleimung. Erstens kann ich nicht ganz so genau sägen, zweitens ist Holz etwas elastisch und lässt sich noch etwas verbiegen, was der Ungenauigkeit beim Sägen entgegenkommt. Also drei Seiten zusammengeleimt, mit etwas Schnur verspannt bis ich oben zwei rechte Winkel habe und anschließend das vertikale Versteifungsbrettchen eingeleimt. Passt.

Löcher fräsen und Stichsägearbeiten erspare ich euch.

Rohbau mit Heizung und Katze im Hintergrund!

Bild mit Teilbefüllung. Rückseite: so ein Dielenholz hat Vorteile – die Rückseite lässt sich prima in den Falz einleimen. Auch Nachteile: Ich habe jede Menge Versteifungsbrettchen eingeleimt. Besonders robust ist das Dielenholz nicht.

Der Boden wurde mit einem Rahmen gemacht und mit einer Platte verschraubt. Somit komm ich noch an die Anschlussbuchsen ran. Ich habe da so meine Erfahrungen mit kalten Lötstellen.

Rohbau ist fertig und die Chassis dürfen schon mal rein. Wenn die Chassis mal drin sind, können meine Ohren und ich mit dem Anschluss an die Quellen nicht mehr warten. Die meisten von euch kennen das „Problem“. Die Module habe ich in die Schublade verstaut und verkabelt. Der alte DVD-Player passte auch rein.

Alles zusammengestöpselt und alle Anschlüsse und Kabel sorgfältig überprüft. BlueRay Player ran. Einschalten – Spannung baut sich in mir auf…

Scan funktioniert. S/PDIF wird erkannt. Wohlklingende Töne füllen den Raum. Umschalten mit der Fernbedienung funktioniert tadellos. Die Chassis machen von Anfang an Freude. Uneingespielt.

Zwei bis drei Lieder weiter …mmh… irgendwas ist faul. Keine Bühne – „Doppelmono“? Älteren DVD-Player ran, ebenfalls nix. Mail an Udo mit der Antwort: „…vielleicht habe ich bei den Device Settings was Falsches eingestellt … Geh doch nochmal auf Rundmacher zu, der weiß soviel über die Module wie kein Zweiter…“ s.o.

Neu angestöpselt und Yello‘s „The Race“ laufen lassen. Geht doch. Paul Simon‘s „Diamonds on the soles of her shoes“ bestätigte es eindrucksvoll.

Was hatte ich in meiner Mail an Udo noch geschrieben „…brauche ein paar neue Erfahrungen“. Stoffbespannung ist auch so ein Thema. Magnete liegen auch schon hier – die bleiben allerdings vorerst liegen. Nun, in Holz sieht das auch ganz ok aus. Die Ohren sind immer noch begeistert. Bisschen schwarze Farbe stand noch herum. Sehen doch richtig gut aus, auch unrund!

Die SB 12 ACL in den Keller getragen und direkt an den Yammi angeschlossen. Natürlich ein unfairer Vergleich. 12-er gegen 19-er Bass. Das Ergebnis ist wenig überraschend. Die 19-er Bässe klingen tiefer, klarer, differenzierter. Hochtöner noch feiner auflösend.

Musik leise und trotzdem mit Bass hören zu können, stand noch im Pflichtenheft. Auch dieser Wunsch wurde von den Gipsies erfüllt.

Ach da war noch was…AKTIV! Wieso sind die Raummoden plötzlich weg? „Großer“ Bass ohne dröhnen! Dass kannte ich so gar nicht. Woran lags: Ich hatte alle LS mit 17-er Bass aus dem Hause verbannt und hörte ACL’s mit maximal 15-er Bässen. Zwischenzeitlich hatte ich den Raum verschönert und Hifi-tauglicher gemacht. Grauer Filz ersetzte das Laminat. Die Rückwand, einst Rauhfaser, erhielt Riemchen aus Stein. Ob der Rauhputz auf den restlichen Wänden ebenfalls zur Verbesserung beiträgt, weiß ich nicht.

Ist Aktiv nun überflüssig? Nee! Wenn ich Spaß haben will, wähle ich Preset 3 – mehr Bass und immer noch keine Moden!!!

Inzwischen sind meine Ohren ziemlich glücklich und der Mund dazwischen hat meist, sofern die Quellen gut sind, ein Lächeln auf den Lippen.

Lebensendlautsprecher: Frontlautsprecher JA! Aber wer das letzte Bild genau anschaut, sieht oben eine Leinwand…

Gipsohr Achim

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Hallo,

da sind sie ja, die Boxen welche es nicht geben sollte. 😉

Gut schauen sie aus, das Beste gemacht aus den Holzresten, mehr geht nicht.
Von vornherein etwas angewinkelt -sie kippen oben etwas nach hinten-, genau, das entkrampft etwas die allgemeine optisch-rechtwinklige Blockansicht.

Mit den Hypexmodulen das klappte doch recht problemlos. Ich denke, wenn nach der direkten Verkabelung eines aktiven Hypex-Bausatzes und dem Einschalten alles so funktioniert wie es sein soll das wäre bei den Hypex-Modulen purer Zufall.
Warum? Die Zuspiel-Varianten sind bei jedem individuell vorhanden.
Es muss konfiguriert werden.
(wenn man einen neuen AVR-Receiver verkabelt und einschaltet muss er auch konfiguriert werden)

Die Module haben zwar ihre eingespielten Presets und das ganze Filtergedöhns ist an die Chassis+Boxen angepasst, aber welche Eingänge werden verwendet? Welche Eingangspegel? Die Betriebsart beider Boxen?
Für die Inbetriebnahme benötigt man einen Windows-PC mit einer USB-Kabelverbindung zum Modul. Richtig gesagt zu beiden Modulen nacheinander. Um sie beide zu konfigurieren.

Es hatte ja wunderbar geklappt, unsere Online-Inbetriebnahme. Als das reale Leben ein wenig später einen Besuch bei mir ermöglichte konnten wir uns ganz angenehm einen ganzen Nachmittag über verschiedenste Dinge austauschen (wie das Falten von kleinen Boxen um eine Tischkante herum, da soll es ja bereits etwas geben), es gab aber auch beiderseits viel Interessantes zu berichten.

An was ich aber nicht glaube, also das ist solch ein Begriff wie “Lebensendlautsprecher”.
Ich meine so etwas existiert nicht. 😉

VG Rundmacher

Guten Morgen Achim,

ein sehr schöner und inspirierender Bericht, vor allem was sustainability angeht.
Resteverwertung in Perfektion!
Da sag noch einer DIY Lautsprecherbau sei nicht nachhaltig.

Ich muss gestehen, lieber Martin, Deine SB12ACL ist ein absoluter Hingucker. Wenn ich nicht schon 4 Paar Lautsprecher von Udo im Auental rumstehen hätte, würde ich schwach werden und ein Hobbitzimmer damit ausrüsten.

Lieber Achim, vielen Dank für Deinen inspirierenden Bericht.
(DSP und aktiv ist bei mir noch auf der Liste)

Viel Spass und Hörvergnügen

Liebe Grüße
Yoga

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