7. Juli 2024

MiniACL – Tims „Projekt Kofferradio“ im Garten

Autor: drumtim85

Wir hören gern Musik. Genau für diesen Zweck begleiten uns nun schon seit vielen Jahren selbst gebaute Lautsprecher aus der Feder eines gewissen Herrn Wohlgemuth. Im Laufe der Zeit entstanden so wohlklingende Stereopärchen aus AX-HR8, U_Do 1 (jetzt U_Do 41 ACL) und SB417. Nachdem wir im Haus also schon schönen Klängen aus selbst gebauten Lautsprechern lauschen können, wurde der Wunsch nach musikalischer Untermalung auch im Garten immer größer. Im Gegensatz zu den bereits gebauten Schallwandlern sollte es dieses Mal jedoch etwas Kleineres sein.

Also frisch ans Werk, um einmal Udos Website zu durchforsten. Lange musste ich nicht suchen, es galt jedoch eine Entscheidung zu treffen. ACL oder SUB-Unterstützung buhlten hier um die Gunst der Ohren. Aufgrund der klanglichen Erfahrung mit der U_Do 41 ACL und dem Wunsch so klein wie möglich zu bauen gewann hier das ACL-Prinzip. Und weil hier „klein“ schon im Namen steht, fiel die Wahl auf die MINI ACL. Außerdem verspreche ich mir von einem Stereo-Verstärker (China-Kracher) eine längere Spieldauer am USB-Akku als von einem 2.1-Verstärker (auch China-Kracher). Schließlich muss hier nicht noch der SUB mit WATT gefüttert werden.

Bei der Bauplanung habe ich mich ausgehend von der von Udo gezeichneten Form an mein finales Design angenähert. Da ich beide Lautsprecher optisch in „einem“ Gehäuse unterbringen wollte, streckte ich das Volumen eher in die Breite und erhielt für meine Geschmack eine gefällige Form der Gesamtkonstruktion. Es sollte ein bisschen an ein altes Radio oder eine retro-Gitarrenbox erinnern.

Die Frontbespannung zeichnete ich zunächst nur rudimentär. Damit wollte ich mich am „lebenden Objekt“ beschäftigen, sobald es soweit ist.

Nachdem ich von Udo im Forum grünes Licht für die geplante Kammergestaltung erhalten habe, drückte ich auf den Bestellknopf und beschaffte schonmal das Holzmaterial. Wo es möglich war, ließ ich die Platten bereits im Baumarkt auf Maß fertigen. Die restlichen Schnitte machte ich mit meiner Kappsäge.

Leider fiel mein Sägeergebnis im Bereich der äußeren Bretter nicht so maßhaltig aus, wie ich es gehofft hatte. Dicht sollten die Gehäuse schon sein. Also nochmal ab in den Baumarkt und neue Platten maßhaltig zuschneiden lassen. Buche Multiplex war im Angebot – Pappelsperrholz war leider aus. Nach dem Plan ist vor dem Plan – und das zusätzliche Gewicht der Buchensperrholzplatten ist sicherlich nicht klangschädigend.

In den kommenden Tagen entstand in angenehmer Feierabendarbeit bei schönem Wetter zunächst das innenliegende Konstrukt aus den Kammerteilern. Dabei hätte ich mir ab und an ein weiteres Paar Hände gewünscht. Mit etwas Übung gelang es dann aber doch, alle Platten an der richtigen Stelle zu verkleben. Da ich zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr richtig darangekommen wäre, habe ich hier nun schon die Lautsprecherkabel und einen Straps zum Halten des Akkus montiert.

Nun war es an der Zeit, die Schallwand vorzubereiten. Damit die Schrauben für die Lautsprecherchassis genug Halt finden, habe ich hier 12 mm MDF verwendet – im Gegensatz zum 10 mm starken Material des restlichen Gehäuses. Die Ausschnitte habe ich mit einem Fräszirkel und meiner Kantenfräse gemacht. Das funktioniert sehr gut. Dabei gehe ich wie folgt vor: zuerst wird penibel angezeichnet und ein Loch gebohrt für den Fräszirkel; danach bohre ich ein Loch mit Durchmesser 13 mm (sodass mein Bündigfräser durch passt) möglichst eng an der Kreisaußenkante; danach werden die Kreisausschnitte gefräst sodass noch ca. 2 mm Material übrig bleibt; am Schluss werden die Kreise mit dem Bündigfräser von der Rückseite aus freigelegt. Auch wenn es klanglich keine nennenswerte Auswirkung hat, habe ich den Chassis von hinten noch eine Fase zum freien Atmen gegönnt. Kantenfräsen macht einfach zu viel Spaß.

Bevor die Schallwand an ihre vorgesehene Stelle verklebt werden konnte, habe ich zuerst die Rückwand, den Deckel und das Innenleben miteinander verklebt. Der Deckel erhielt dann noch einen Holzgriff – den hätte ich später nur mit sehr spitzen Fingern montieren können. Zum Beschweren nutzte ich neben den Zwingen alles, was gerade greifbar war.

Fast vergessen hätte ich die Montage der Frequenzweichen, da ich keine Terminals nutze mussten sie irgendwo ins Gehäuse. Anstatt sie direkt in die großen Kammern zu kleben habe ich sie auf kleine Sperrholzplatten geklebt, welche ich mit Klettband an Ort und Stelle fixiert habe. So komme ich zur Not nochmal ran „falls mal etwas sein sollte“. Der Hauptgrund ist allerdings, dass ich meinem Heißkleber nicht ganz zutraue, auf den relativ glatten Grobspanplatten eine dauerhafte Klebeverbindung zu gewährleisten. Da die Kiste mobil ist, wackelt man oder stößt ab und zu an, nicht dass da nachher etwas klappert.

Jetzt war es endlich soweit und die Schallwand konnte eingeklebt werden. Das war nicht besonders spektakulär. Da der „Marienkäferstein“ zum Helfen eingesetzt wurde, war es mir trotzdem ein Foto wert.

Die Bodenplatte und die Seitenwände habe ich gleichzeitig verklebt, damit sie gut miteinander ausgerichtet werden konnten. Vor den Seitenplatten kam noch die grob in zwei gleich große Teile geschnittene Dämmwolle in die Hauptkammern.

Danach mussten nur noch die Überstände mit dem Bündigfräser entfernt und die Kanten mit ein paar Radien versehen werden. Nach dem Schleifen war ich wirklich zufrieden mit mir und meiner Arbeit.

So sahen die Lautsprecher schon richtig hübsch aus und normalerweise hätte ich einfach die Maserung mit Öl zur Geltung gebracht. Da ich aber einen „retro“-Look erzielen wollte, hatte ich dieses Mal auf dem Plan stehen, das Gehäuse in einem „Nussbaum-braun“ zu lasieren. Das lief leider überhaupt nicht wie geplant. Lasur und ich werden so schnell wohl keine Freunde.

Die Kanten und Ecken hatten viel zu viel Farbe abbekommen und sahen dementsprechend gar nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt habe – hatte ich mir doch vorher so viel Mühe mit dem Verrunden gegeben. In einem Akt der Verzweiflung und des „Ach egal, schlimmer kann es ja nicht werden“ entschied ich mich dazu, die Farbe wieder mit 120er Schleifpapier anzuschleifen und teilweise zu entfernen.

Der sich daraus ergebende „used“-Look gefällt mir ausgesprochen gut und erweckt den Eindruck einer gewissen Patina. Mehr Retro geht ja wohl nicht. Damit das Ganze trotzdem hübsch bleibt, habe ich die Flächen noch mit rötlich-brauner Möbelpolitur behandelt (die hatten wir noch da). So kann es bleiben. Die Montage der Lautsprecher und Bassreflexrohre war dann schnell erledigt und ich konnte es kaum erwarten zu hören wie das Ganze denn so klingt. Also noch den Stereo-bluetooth Verstärker und die Spannungsversorgung an den dafür vorgesehenen Plätzen montieren und es kann los gehen.

Ich war ziemlich aufgeregt. Klingt es? Kommen auch erwachsene Töne aus dem Zwerg? Oder hatte ich mich beim Ummodeln der ACL-Kammern vertan?

Und wie das klingt! Nicht nur im Garten, auch drinnen hören wir gern zum „nebenbei“ Musikhören mit dem kleinen Radio. Da man es bequem in jeden Raum mitnehmen kann, muss man nicht das ganze Haus beschallen, um adäquat musikalisch unterhalten zu werden. Plan erfüllt. Oder doch nicht? Da fehlt doch noch etwas. Der letzte optische Schliff.

Für die Schallwandabdeckung habe ich eine Sperrholzplatte aus dem Keller zugeschnitten und mit Ausschnitten versehen. Die Platte lag schon ein paar Jahre auf dem Stapel für Material, welches man nicht wegschmeißt, weil man es ja vielleicht noch irgendwann einmal braucht. Ein bisschen krumm ist sie in der Zeit geworden – krümmer wird sie aber wahrscheinlich nicht mehr.

Fürs gute Gewissen und um etwas Abstand zwischen den Chassis und der Bespannung zu schaffen, habe ich noch Leisten zur Versteifung aufgeklebt und die Sichtfläche mit der berüchtigten Lasur behandelt. Für den Stoff bin ich extra in ein größeres Kaufhaus mit Stoffabteilung gegangen, leider war dort auf den ersten Blick nichts Passendes verfügbar. Im Augenwinkel erhaschte ich dann aber einen Blick auf einen geschmacklich diskutierbaren Kissenbezug. Sogar im Sale! Gekauft.

Nachdem ich den passenden Stoffteil aus dem Bezug extrahiert hatte, wurde dieser gewissenhaft auf das vorbereitete Schallwandbrett umgeschlagen und festgetackert. Die Überstände habe ich abgeschnitten und die Ecken ordentlich vertackert.

Danach musste nur noch selbstklebendes Klettband auf die Abstandhalter und die Schallwand geklebt werden und schon konnte ich die schicke Frontbespannung montieren. Passenderweise zeigte sich die Feierabendsonne in bester Laune und rückte das neue Gartenradio ins richtige Licht.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank aussprechen. Danke Udo für die tollen Bauvorschläge. Egal ob die großen Kisten fürs Wohnzimmer oder die kleine Kiste für den Garten. Alles klingt wunderbar und man hört nicht die Lautsprecher – sondern die Musik.

Tim

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Boah, Deine Box sieht mal klasse aus! Ich ziehe alle meine Hüte!

Ich gehe auch schon lange mit so einer tragbaren Boombox schwanger, bin aber bisher nicht zu Potte gekommen. Idealerweise hätte ich gerne meine Lösung noch kleiner, aber das geht dann wohl nur als Mono.
Magst Du noch ein paar Worte über die Elektrik verlieren? Das Verstärkermodul scheint ein TDA3116 basiertes zu sein, dazu ein USB-C Lademodul und wenn Du schreibst 12V, dann ein 3S Akku aus 18650 Zellen? Hast Du mal getestet wie lange dein Lautsprecher mit einer Ladung läuft? – klar, ist lautstärkeabhängig.

Viele Grüße,

Uwe

Hallo Tim, Danke für Deine Erklärung, jetzt kann ich mir auch den elektrischen Part gut vorstellen.
Viele Grüße, Uwe

Rattenscharf! Das sieht doch mal richtig gut aus mit dem Vintage Look! Und alles äusserst tragbar. Tolle Idee das mit ACL in so ein Gehäuse zu bringen.

LG, Stefan

Moin.

Wow, da ist es wieder… Der Bausatz ist das eine, was kreative Leute daraus machen ist dann nochmal was ganz anderes.

Coole Idee, super Umsetzung, durch einen kleinen ‘Fehler’ diese Vintage Optik zu erreichen… Bestens, war alles so geplant! 😁

Gefällt mir sehr gut.

LG Andreas

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