15. März 2026

Nostalgische Berichte: Bau der SB 18 – Oktober 2012

Autor: Gastautor

Beim Stöbern in meinen Archiven habe ich doch glatt ein paar Berichte aus meinem alten Magazin gefunden, die bisher hier nie veröffentlicht wurden. Sie sind zwar viele Jahre alt, doch hat der Zahn der Zeit nirgendwo an ihnen geknabbert. Die Bausätze werden auch heute noch nahezu unverändert im Shop angeboten und immer noch genau so gebaut wie vor mehr als 10 Jahren. In loser Folge werden diese Berichte nach und nach wieder in das Licht des weiten Internets gerückt. Sie haben es nicht verdient, dauerhaft im Dunkel des Archivs zu verkümmern.

Vorab:
Ich bin ein blutiger Anfänger und habe keine Ahnung. Vielleicht hilft der Bericht anderen, die auch keine Ahnung haben.

Meine Auswahl-Kriterien waren:
bis 300€ Gesamt-Preis (+ Werkzeug, Material …), schöner, klarer Klang, auch wandnah aufstellbar, mit meinem kleinen NAD zu betreiben. Es wurde die SB 18.

Holzbeschaffung:
Baumarkt, wurde gut passend zugesägt, knapp 10€ pro Box, habe MDF genommen. 19 mm ist vollkommen ok, würde nächstes Mal vielleicht 22 mm nehmen. Schön wäre auch Multiplex oder für die Front schwarzes MDF. Außer den notwendigen Platten ist es gut, noch ein bis zwei Platten mehr zu kaufen, an denen man später das Fräsen üben kann.

Ein kleines Problem für mich als „Super-Laien“ war die Errechnung der richtigen Maße (Anmerkung der Redaktion: Es gab damals noch keine hilfreichen Freecad-Dateien). Bei der Beschreibung des Lautsprechers sind alle Maße schön übersichtlich angegeben – bezogen auf eine Brettstärke von 21 mm. Ich hatte nun aber 19 mm. Dadurch veränderten sich einige Maße um einige Millimeter.

Die Innenmaße müssen immer gleich bleiben. Die Außenmaße reduzierten sich. Bei den Seitenteilen zum Beispiel musste die Differenz von 2 mm zweimal abgezogen werden:

39,2 (- 2* 2mm) * 31,2 (- 2*2mm) (2*) Seiten
19,0 * 31,2 (- 2*2mm) (2*) Deckel / Boden
19,0 * 35,0 (1*) Rückwand
19,0 * 34,0 (1*) Front
19,0 * 14,0 (1*) Reflexbrett

So weit so gut.

Als nächstes mussten die Löcher für die Lautsprecher auf die Front und das Loch für das Terminal auf die Rückwand gezeichnet werden. Das ging auch noch recht gut.

Das Ausfräsen der Löcher und der Vertiefungen:
Eine Oberfräse ist wirklich ganz wichtig. Dazu braucht man einen Fräszirkel, mit dem man die Oberfräse im genau richtigen Radius im Kreis führen kann. Da ich nur einmal Boxen bauen will (vorerst), war ich zu geizig, um das Geld für den Kauf auszugeben (mindestens 70€ für eine Einhell-Oberfräse. Bessere und teurere gibt es natürlich viele). Ich lieh mir eine.

Bau eines Fräszirkels:
Im (alten) Magazin wird eine Anleitung gegeben, wie man einen „Fräszirkel“ bauen kann. Ich habe die Zutaten im Baumarkt nicht bekommen. Ein Forums-Veteran hat mir dann vorgeschlagen, einen provisorischen Wegwerf-Zirkel zu verwenden:

„Supereinfache Variante: einfach Fräse auf ein kleines Holzbrettchen schrauben, nach unten durchfräsen und dann von da aus den Radius ausmessen, den man fräsen will. An der Stelle ein 5er Loch ins Brett bohren.“

Ich habe mir einen Wegwerfzirkel gebaut und damit ausgefräst. Das war schwierig, weil die genauen Maße nicht richtig geklappt haben. Die Fräse hat sich gelockert …

Der innere Kreis wird ganz entfernt. Der äußere Ring wird nur tiefer gefräst, um den Lautsprecher dort aufzuschrauben. Dieses „Versenken“ sieht besser aus. Es ginge wohl auch ohne.

Es hat geklappt, den Versenkungsring auszufräsen. Den Mittelkreis ganz auszufräsen ging nicht, weil die Fräse nicht so tief kam. Ich bin leider nicht auf die Idee gekommen, das Brett einfach umzudrehen und vom gleichen Mittelpunkt aus (den man ja leicht durchbohren kann) zu fräsen! Es hätte so leicht sein können!

Ich habe die Löcher also ausgesägt, was nicht ganz rund wurde, aber ok; dann habe ich die Lautsprecher probeweise in die Löcher gehalten und festgestellt, dass die Löcher 2-3 mm zu klein waren: Mist !!! Wie soll man nachfräsen, wenn man die Mitte, wo der Fräszirkel angesetzt werden muss, bereits ausgesägt ist? – nochmal einkleben – puhh hat geklappt. Aber nächstes Mal werde ich auf jeden Fall nach dem Fräsen sofort nachmessen! (Anmerkung der Redaktion: Gefräste Fronten gab es optional noch nicht)

Das Leimen:
Ich habe Fugenleim von Ponal genommen – klasse.

Anfangs alles gut verschiebbar zum Ausrichten, fängt aber recht schnell an abzubinden. Ich habe ziemlich viel auf die Kanten aufgetragen, wäre wohl nicht nötig gewesen. Den rausquellenden Leim habe ich nicht sauber genug entfernt. Ich hätte den Leim mit sowas wie einem Spachtel gleich wegnehmen und dann feucht abwischen müssen. Habe ich leider nicht. Ich habe mit einem nassen Tuch einiges verschmiert. Später beim Lackieren hat das Holz dort den Lack nicht gut angenommen – Mist!

Ich habe Sprudelkästen zum Beschweren beim Trocknen drauf gestellt – ging gut. Ein Tag trocknen – fertig. Nächstes Mal hätte ich vielleicht aber doch ganz gerne diese schönen Spannzwingen (Die Redaktion empfiehlt eher Spanngurte)

Das Schleifen:
Ich hatte keine Geräte und habe mich durchgewurschtelt. Ein bisschen mit der Hand schleifen .. ein bisschen mit dem Schleifgerät des Nachbarn – gab eine zu tiefe Stelle in der Front – Mist! An diesem Punkt wurde mir auch klar, dass der Zusammenbau der Bretter „auf Stoß“ den Nachteil hat, dass die sichtbaren Kanten der Bretter eine gewisse Unebenheit behalten. An diesen Kanten wurde der Lack später anders – vor allem da, wo Reste vom Leim waren.

Noch ein Fehler war es, die Kanten zu rund zu schleifen – sieht nicht so schön exakt aus. Nächstes Mal würde ich vielleicht doch die Bauweise auf Gehrung nehmen, sodass keine Schnittkanten sichtbar wären. Gut wäre es einen Schwingschleifer zu benutzen. Den kann man relativ einfach bedienen, der hat eine ganz ebene Schleiffläche und das Ausleihen kostet 10€.

Die Oberflächengestaltung:
Erst wollte ich grundieren und lackieren mit wasserlöslichem Lack. So toll wie andere Lackierer hätte ich es aber eh nicht hinbekommen. Dann sah ich die Beschreibung von Udo über die SB 36 mit den von Ihm gefrästen Brettern, die nur geölt und mit Möbelwachs (?) behandelt wurden. Kann ich mir super vorstellen. Schließlich entschloss ich mich für die Möglichkeit des Beizens in Blau. Das hat wirklich Spaß gemacht und war total einfach. Dann Klarlack drüber – fertig. Ist ok. Die Löcher für die Schrauben der Lautsprecher schon mal vorgebohrt.

Bau der Frequenzweichen:
Ich hatte 0 Ahnung vom Löten und ich hatte 0 Ahnung, wie die Zeichnung zu verstehen war. Die Bauteile erkennen konnte ich schon – nach der Beschriftung – bis auf die kleinen mit den farblichen Streifen. Im Internet findet man schnell (unter elektrische Bauteile …) eine Erläuterung was die Farbringe bedeuten. Dann kann man auch diese zwei Teile unterscheiden. Ist es aber egal, wie rum man diese Teile einbaut? Keine Ahnung. Weiß ich immer noch nicht. (Anmerkung der Redaktion: Bei Wechselstrom gibt es keine Einbaurichtung) Die einen stecken die Füßchen der Teile durch eine Platine und verlöten unten drunter – ganz ordentlich. Die anderen „knoten“ die Teile irgendwie aneinander. Alle Fotos sehen verschieden aus. Irgendwie habe ich mich dann doch eingesehen, sodass ich mich auch traute, die Teile zusammenzuziehen und zu verbinden und mit Heißkleber auf kleine Brettchen zu kleben. Die schweren Teile wurden mit Kabelbindern zusätzlich befestigt. Sicherheitshalber habe ich mir die geplante Konstruktion von Udo per Mail (Foto gemailt) bestätigen lassen. (Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile gibt es auch fertig aufgebaute Weichen als Option).

Dann die roten Kabel und schwarzen Kabel an den Enden „abisoliert“ mit einem Messer und auch noch drum geknotet – drübergelötet (fragt nicht wie – Brandblase inclusive) – fertig. Keine Ahnung, ob das funktionieren kann …?

Dann die Frequenzweichen auf den kleinen Brettchen mit Heißkleber hinten an die Rückwand geleimt. Ich hatte vergessen, Löcher zum späteren Verschrauben der Brettchen frühzeitig zu bohren. Deshalb musste ich jetzt erst kleben. Dann ging es so gerade, mit dem Bohrer in die Box zu kommen.

Dämmmaterial:
Zunächst versuchte ich Unmengen davon durch das Tieftönerloch in die Box zu stopfen, bekam dann aber berechtigt Angst, dass mir die Teile der Weiche beschädigen. Also habe ich die Dämmwolle so geschnitten und geknickt – einmal in der Länge und einmal in der Breite, dass sie gut zu den Abmessungen der Box passte. Ein solches Paket kam hinter den Hochtöner, eins hinter den Tieftöner – so dass der Reflex-Ausschnitt unten frei blieb – ok.

Das Anlöten der Kabel an den Hochtöner war einfach, weil die Anschlüsse am Hochtöner farblich markiert waren. Beim Tieftöner gab es zwei unterschiedlich breite Metall-Streifen – ohne Farbmarkierung. Ein netter Helfer aus dem Forum konnte weiterhelfen: „der breite ist Plus.“ (Plus ist rot)

Die Schrauben der Lautsprecher in die vorgebohrten Löcher schrauben – fertig ! ?? !

Und das Ergebnis?
Beide Boxen … sehen doch irgendwie gut aus! … und sie funktionieren! Sie klingen sehr unterschiedlich gut, je nach Qualität, die ich in den CD-Player lege. Manches klingt so lala. Mein Sohn meinte als erstes, die alten einfachen Boxen waren voller. Paco de Lucia oder Vollenweider von CD (uralter Technics) über meinen kleinen NAD sind wirklich beeindruckend – fand auch mein Sohn. Ich fange an, mich einzuhören und bin … sehr zufrieden! Ich glaube es kaum, dass das Projekt gelungen ist.

Ich werde in Ruhe überlegen, wie ich die Boxen am besten nutzen kann. Bleibt es beim NAD, was ist mit dem CD-Player? Wie mache ich es mit dem Anschluss des PC, welche Musik könnte nett klingen? … und so weiter und so weiter.

Fürs erste möchte ich mich bei allen Helfern – besonders bei Udo – für die Unterstützung bedanken und allen blutigen Anfängern wie mir viel Glück wünschen! Es lohnt sich!

Grüße Jürgen

Zur SB 18 im Online-Shop

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Da komme ich ja in nostalgische Stimmung… so fing das bei meiner Holzbearbeitung auch an. Und da ist auch die Lernkurve am steilsten! Beize und Lack auf Leim, Kanten die sich durchdrücken und dergleichen. Da lernt man bei einem Projekt gleich richtig viel. Für mich sind Fehler ja keine Probleme sondern Punkte im Leben an denen ich immer am meisten und schnellsten gelernt habe. Außer beim Weichen löten, die lasse ich immer von Udo machen. Da lern ich nix, ärgere mich aber auch nicht 😊

Danke dir für die schöne Erinnerung an meine Anfänge

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