Seien wir ehrlich, auch wir waren mal jung. Damals träumten wir von großen Boxen mit ordentlich Bass, die auch bei laut nicht schleunigst weg(b)rennen. Dreiwege, Bassreflex und 150 Watt war die allgemeine Zusammenfassung der drei Wünsche, obwohl wir kaum jemanden kannten, dessen Verstärker mit mehr als 2 x 25 Watt angeben konnte. Geträumt haben wir von einer Box fürs Grobe, die auch heftigen Rock – das war die aufputschende Musik unserer Zeit – richtig laut ins Zimmer transportieren konnte. Ein Dadada, Dada-dadada, dadada-dadada, das fetzte und in die Beine ging (man beachte das extrem ausgelassene Gezappel des Publikums). Es gab Boxen passender Größe, für uns waren sie jedoch nicht bezahlbar. In unsere inklusive Küche und Bad 14 m² große Dreizimmer-Wohnung hätten sie eh nicht gepasst. Also begnügten wir uns mit den in jeder Hinsicht sparsameren Kompaktboxen, wir waren jung (siehe oben) und brauchten auch noch Geld für die zum Musikhören nötigen Schallplatten.
Als ich letztens mal wieder die Lautsprecher im Laden für eine Hörprobe umgruppieren musste, fand ich hinter anderen Kisten leicht versteckt die Rockkit Maximus. Dort wartete sie seit ihrer Präsentation im Magazin geduldig auf ihren Einsatz beim Nordhausen-Event im September.

Die hätten wir uns damals auch gern gebaut, allerdings gemäß der Dreiwege-Vorgabe natürlich an Stelle des Breitbänders mit einem 17er und Hochtöner als Partner. Na klar, das wär es gewesen. Passt das nicht auch noch in die aktuelle Zeit? Nun, das zeigt bekanntlich nur der Versuch.
Unten steht immer das Fundament, das ist der Rockkit-Bass. Naja, nicht ganz. Für das Rockkit verwendete ich die Vierohm-Version des SW26SFC, für die U_Do 26/ 3 sagt mir der Achtöhmer mehr zu. “Aber der Vieröhmer ist wegen halber Impedanz 3 dB lauter” höre ich den berechtigten Einwand, den ich trotzdem nicht gegen meine Entscheidung gelten lasse. Man kennt es längst, ich hab da meine Gründe. Doch bleiben wir beim Thema. Vierohm raus, Achtohm rein.


Gehäuse und Abstimmung passen auch für ihn. Die Freecad-Datei vom Basskasten war somit schon fertig. Und schon weiß jeder, dass es diesmal einen zweiteiligen Aufbau geben wird.


Als Oberteil habe ich mir die U_Do 71 CB ausgesucht. Wie, die gibt es noch nicht? Also erst einmal LspCAD befragt, es schlägt gut 12 Liter Volumen vor. Das sagte ich meiner Freecad-Vorlage, ebenso dass meine vorhandene 18 mm OSB-Platte eine Boxenhöhe von 35 cm erlaubte. Schon war die Freecad-Datei vom Satelliten fertig.


Das Verleimen von sechs Brettern habe ich nicht fotografiert, daher musste ich die Bilder auch nicht für den Bericht aufarbeiten. In der gesparten Zeit maß ich der U_Do 71 CB eine Weiche an.




Nun noch schnell beide Gehäuseteile übereinander auf den Messplatz gestellt und schon konnte die Weichenentwicklung beginnen. Die Chassis wurden “nackt” in den Boxen gemessen und dann mittels Spulen, Kondensatoren und Widerständen zu harmonischem Zusammenspiel überredet.



Natürlich wurde berücksichtigt, dass sich die Zweige zu einem relativ geraden Frequenzgang addieren. Der Schnittpunkt liegt bei der Trennfrequenz im Ideal 6 dB unter der Summenkurve und rechts und links davon bleiben die Zweige möglichst darunter. Gemessen wird danach auf Achse, unter 30 und 60 Grad. Zum Abschluss darf die Impedanzkurve nicht fehlen.



Keine Sorge, es wird nicht verlangt, dass man vor dem Nachbau alle Diagramme erklären kann. Sie sind jedoch für mich wichtig, um mir die handwerklich korrekte Abstimmung zu zeigen. Endgültige Aussagen zum Klang lassen sie nicht zu, dafür brauchen wir die Ohren. Die kamen dann im Hörraum zum Einsatz. Doch vor dem Hören müssen die Weichen zusammengelötet werden. Ja, an dieser Stelle schrecken viele junge Menschen – immerhin das Zielpublikum – zurück. Kann ich nicht, hab ich nie gemacht! Na gut, dann fang doch einfach damit an.

Vor uns liegt eine gute Handvoll Bauteile, die Zahlen darauf verraten ihre Werte. Die legen wir auf den Schaltplan und schon wissen wir, was wohin muss.


Gib zu, der erste Schritt war einfach. Wenn wir nun die Linien als Drähte identifizieren, ist auch klar, welche miteinander zu verzwirbeln sind.

Der Lötkolben hat ein kaltes und ein heißes Ende, wir packen ihn am kalten Teil an. Wenn der Brenner Temperatur geregelt ist, stellen wir ihn auf 360 Grad ein. Mit der heißen Seite erhitzen wir das Lötzinn so lange, bis es mit den Drähten verschmilzt. Die Bauteile werden auf ein Holzbrett geklebt, für die schwere Kernspule nehmen wir Kraftkleber. Für alle anderen ist Heißkleber eine gute Wahl.



An die markierten Stellen löten wir Kabel an, die längenmäßig grob 15 cm aus den Chassisausschnitten herausragen. Wo ein “+” steht, nehmen wir rotes, für “-” schwarzes. Bei den Lautsprechern ist die breite Fahne der Pluspol. Der Bass wird verpolt angeschlossen, das ist in der Weiche schon geschehen. Wenn du nicht sicher bist, ob du alles richtig gemacht hast, mailst du mir ein Foto deiner Aufbauten. Wenn ich einen Haken dran gemacht habe, setzt du die Bassweiche in den unteren Kasten und die MHT-Weiche in den oberen jeweils auf die Rückwand. Nun füllen wir den Bassteil mit zwei Matten Polyesterwatte in 40 x 80 cm und den Satelliten mit 2 x 20 x 40 cm. Das Kabel vom Verstärker wird in das untere Terminal eingesteckt. Nach oben führt ein Stück Kabel, das in die Querlöcher der Dosen geschraubt wird.

Kommen wir nun zur Hörprobe. Nein, halt! Es fehlt noch der Verstärker. Als ich noch jung war, maß der 44 cm in der Breite und hatte bestenfalls einen Rundfunk-Empfänger eingebaut. Plattenspieler, Tonband oder Cassette, später auch CD-Player waren eigenständige Geräte und kosteten zusätzlich einen großen Batzen Geld. Heute bekommt man diese Produkte gebraucht für kleines Geld, aber sie sind nicht per App bedienbar und haben kein Bluetooth. Also müssen auch Schallplatten oder CD’s angeschafft werden. Klanglich ist man damit – unabhängig von den Boxen – weit vorn.
Bequemer und am Ende sogar billiger geht es mit den Arylic-Amps, die auch noch eine Vielzahl von Features bieten, die in der Artikelbeschreibung aufgelistet sind. Sie stellen die Musik der ganzen Welt in handlicher Form zur Verfügung und sind damit für die U_Do 26/ 3 der perfekte Zuspieler, den man zum Grillen oder für die Sommerparty auch nach draußen mitnehmen kann. Und was erwartet dich klangmäßig?

Nun, mäßig ist der Klang wahrlich nicht. Ich fütterte die U_Do 26/ 3 so, wie es heute von der Mehrzahl der Nutzer gemacht wird: Smartphone, Bluetooth (wohl wissend, dass dies die schlechteste der möglichen Verbindungen ist), Arylic, Lautsprecher. Mangels besserem Streamingdienst habe ich mir youtube-Videos gegeben. Nicht das Zeugs, das gut in die oben verlinkte Tanzschule gepasst hätte, sondern die Mucke, die live eingespielt das Publikum und mich mitnahm. Hier regierten die Gitarren!
Ich kann nicht beschreiben, welchen Anteil die Schallwandler an meiner Begeisterung hatten, sie waren mir schon nach den ersten Tönen völlig egal. Dass die Boxen dabei etwas falsch machten, kann ich nicht glauben. Es war laut, es rockte, es riss mich mit. Ob das auch leise so rüber gekommen wäre, kann ich nicht sagen. Es gibt Musik, die hört man nicht leise!
Symphonie-Orchester habe ich zum Schluss auch noch probiert.
Die Royal Albert Hall bebte.
Udo Wohlgemuth
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