Einleitung
Ich wohne seit nunmehr zwei Jahren mit meiner Freundin zusammen und verschönere immer mal wieder unsere Wohnung durch kleine Selbstbau-Projekte. Ein Hang zum Hifi-Hobby und Musikhören habe ich aus meiner Jungend und es in letzter Zeit, z.B. durch den Aufbau eines Verstärkers, wieder aufleben lassen. Als meine Freundin nun vor einigen Wochen erwähnte, dass sie unsere Lautsprecher „nicht so schön“ fände, wurde ich hellhörig. Ein kritischer Blick bestätigte; die alten Lautsprecher aus Birkenholz harmonieren doch tatsächlich nicht so gut mit unserer neuen, dunklen Wohnwand. Die Idee war geboren, mich an einem Boxenbauprojekt zu versuchen. Ich fing an, das Internet zu durchstöbern und bin dabei über Udo‘s Seite gestolpert.

Planung
Als Neuling habe ich mir erst mal Udo’s Seite komplett durchgelesen. Für mich war klar, dass ich mich zu Beginn in einer der Einsteigerklassen versuchen wollte. Auf Grund des interessanten Konzepts, des geringen Preises, der Optik und der Entfernung nach Bochum habe ich mich ungehört für die Needle‘s entschieden.

Um die Kosten des Projektes richtig einschätzen zu können, war erst mal ein Blick in meinen Werkzeugschrank nötig. Das vorhandene Equipment war nicht sehr umfangreich. Also habe ich probeweise mal eine Öffnung mit der Lochkreissäge gesägt, was nicht näher kommentiert werden muss. Nach einer weiteren Übungsrunde „Chassisöffnung mit der Stichsäge“, dämmerte mir allmählich, dass ich an einer Oberfräse wohl kaum vorbeikommen werde. Also habe ich mich über Oberfräsen und Hersteller infromiert.
Das nächste Thema war der Fräszirkel. Die Vorschläge im Internet machen es einem da ja leicht. Als ich mir über alle anstehenden Arbeiten im Klaren war und davon ausgehen konnte, dass ich das hinkriege, habe ich mein Taschengeld genommen und es in eine Oberfräse investiert. Die Fräse kam dann direkt beim Bau des Fräszirkels zum Einsatz und ich konnte ein bisschen üben. Tolles Werkzeug! Der Zirkel ist keine Schönheit geworden, funktioniert aber einwandfrei. Ein Probekreis war schnell gefräst und ich zufrieden. Die erste Hürde war genommen. Da mich das Thema lange beschäftigt hat, habe ich mich anschliessend erst mal mit dem Needle Bausatz belohnt.

Nebenbei habe ich mir immer überlegt, wie die Box aussehen soll. Sie sollte vor allem gut in unser Wohnzimmer passen. Eine schlichte Weisslackierung war eine Alternative. Das letzte i-Tüpfchen wäre für mich noch ein bisschen Holz an der Box gewesen. Aber Furnieren wollte ich nicht. Ich hätte es schon irgendwie hinbekommen, aber Lust drauf hatte ich ehrlich gesagt keine. Ich wollte mit einem einfachen Projekt anfangen und mich bei Gefallen in Folgeprojekten auch noch steigern können.
Die Lösung fand ich dann im Baumarkt. Beim Gang durch die Regalreihen bin ich auf braune Regalbretter exakt in der Farbe unserer Wohnwand gestossen. Die sahen toll aus, waren an der Vorderseite sogar leicht gerundet und preiswert. Ich hatte schnell das Bild eines weissen Lautsprechers mit dunkelbraunen Seiten vor Augen. Die Bretter waren etwas zu tief, aber durch ein bisschen Umrechnen und Einsetzen einer dickeren Rückwand konnte ich das bei richtigem Innenvolumen ausgleichen. Den Rest des Holzes gab es dann beim Zuschnitt. Alles aus einem Schnitt und daher, wenn auch nicht exakt, so doch zumindest zueinander passend.

Los geht’s
Da ich die Needle möglichst schmal halten wollte, entschied ich mich, die Regalbretter nicht auf MDF aufzukleben, sondern direkt als Seitenwände zu nutzen. Da die Rundungen an der Vorderseite leicht vorstehen sollten, hätte die Fräse an der geleimten Box nicht plan aufliegen können. Die Gefahr, somit eher ein Ei als einen Kreis zu fräsen oder aber in die Seitenbretter zu schneiden, war mir zu gross. Daher teilte ich mir die Arbeitsschritte wie folgt ein: Öffnungen fräsen, Lackieren, Leimen und dann das Innenleben aufbauen. Zum Schluss wollte ich den Dayton einsetzen. Eine etwas ungewohnte Reihenfolge, aber machbar.
Fräsen
Beim Fräsen des ersten Brettes habe ich eine wunderschöne, passende Chassisaussparung hinbekommen. Beim zweiten Brett habe ich mich jedoch ziemlich „verfräst“, da ich den Radius des Fräsers vergessen hatte. Naja, der Klassiker eben. Wieso das erste Brett so gut gelungen ist, weiss ich bis heute nicht?! Wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen. Also in die Pedale getreten und ein neues Brett besorgt. Jetzt waren die Stücke nicht mehr aus einem Schnitt und ich hatte leichte Abweichungen. Merken, beim nächsten Mal gleich ein Reservebrett mitnehmen.

Also auf ein Neues. Radius korrigiert und zur Sicherheit erst mal die unkritischeren Löcher für die Terminals gefräst. Jetzt stimmte der Radius, also zurück zur Chassisöffnung. Vom vorangegangenen Erfolg mit den Kabelanschlüssen motiviert, habe ich die Fräse mit Schwung durch‘s Holz gezogen. Und siehe da, leider ist der dünne Steg zum Rand weggebrochen. Das Spiel war mit einem Millimeter anscheinend zu gering (Breite Chassis 9,8cm, Brett 10cm). Ich habe dann noch versucht die Sache mit Spänen und Leim zu retten, wie man auch auf einem der Bilder sieht, aber beim plan Schleifen ist der dünne Steg erneut weggebrochen. Also wieder in die Pedale getreten und diesmal in weiser Voraussicht zwei neue Bretter besorgt. Noch mal von vorne; erst den exakten Mittelpunkt des Kreises finden und dann die Fräse mit Gefühl und hoher Drehzahl durchs Holz ziehen. Diesmal hat es funktioniert! Wunderbar, ich war mit dem Fäsen fertig.
Lackieren
Anschliessend habe ich die nötigen Teile lackiert. Auch diesen Arbeitsschritt habe ich vorgezogen, um mir das Lackieren zu erleichtern und die Seitenbretter nicht zu verschandeln. Dazu habe ich einen Lack genommen, der verspricht Grundierung und Lack in einem zu sein. Den Lack habe ich gerollt. Für eine glatte Oberfläche habe ich meinen mittlerweile neu erworbenen Deltaschleifer (ja, der kam auch noch dazu…) bemüht und zwischendurch die Oberfläche fein abgeschliffen.

Erwähnen will ich kurz, dass der MDF- und Lackstaub fast meinen Staubsauger geschafft hätte. Der hat sich eines Tages wegen Überhitzung abgeschaltet. Ein Blick in die Beutelkammer zeigte, dass der Staub irgendwie am Beutel vorbeikommt, verklumpt und sich überall im Gerät absetzt. Der kleine Filter vor der Luftansaugung war komplett zu. Der Filter darf also öfters mal gereinigt und der Staub im Innenraum entfernt werden.
Weiche
Die „Frequenzweiche“ habe ich nach dem Bild im Internet, also alle Bauteile parallel, zusammengelötet und mit Heissluftkleber auf ein Holzbrett gebannt. Das Löten der Kabel an die Kabelanschlüsse gelang nur nach Einsatz von Lötfett. Alternativ nimmt man zusätzliche Kabelschuhe aus Udo’s Bausatz.

Verleimen
Nun ging es an’s Verleimen. Hier habe ich auch den empfohlenen Fugenleim verwendet, guter Tipp, klebt auch die „vorfurnierten“ Regalbretter bombenfest. Anschliessend habe ich die Box locker mit Watte gefüllt und die Frequenzweiche als Wattestop im Fuss platziert. Dann habe ich die Box mit dem letzten Seitenbrett geschlossen. Da sich an einigen Übergängen kleine Schlitze oder Unebenheiten zeigten, bin ich anschliessend noch einmal mit Lack und Deltaschleifer über die entsprechenden Stellen gegangen. Grobe Arbeiten, zB. mit einem Bandschleifer, sind hier wegen der Seitenbretter natürlich nicht mehr möglich. Ein Deltaschleifer mit feinem Papier, kombiniert mit ein bisschen Geduld, tut es aber auch. Trotzdem ist mir dabei einmal der Schleifer ausgerutscht und hat auf einem braunen Seitenbrett ein paar Kratzer hinterlassen. Naja, das Perfekte ist der Feind des Guten. Am Ende waren alle Ritzen und Unebenheiten zufriedenstellend beseitigt.



Fast fertig, doch siehe da…
Nachdem alles gut trocken war, wollte ich den RS 100-4 einsetzen. Doch siehe da, er passte nicht mehr!?! Ich weiss nicht genau was die Ursache dafür war, nehme aber an, dass die dünnen Seitenstege sowohl beim Fräsen als auch bei Tests auf Passgenauigkeit leicht gearbeitet haben. Leider ist mir das vor dem Verleimen nicht aufgefallen. Nach dem Verleimen war das Spiel weg. Auf jeden Fall hatte ich eine fertige Box, die ich nicht mehr öffnen konnte und durfte anfangen Holz mit einem Beitel aus der Lautsprecheröffnung zu kratzen. Bei den dünnen Rändern bestand die Gefahr, dass das MDF einfach wegreisst. Gemeinsam mit meiner Freundin, dem Beitel und viel Gefühl in den Händen, um nichts zu beschädigen, sind wir dem Problem auf den Grund gegangen. Nach einigen nervenaufreibenden dafür aber platzierten und gefühlvollen Kratzprozeduren, die der Optik zum Glück nicht geschadet haben, konnten wir den Lautsprecher in der Front versenken. Ich war fertig, die Box auch! Den Fuss zu kleben war anschliessend eine Leichtigkeit. Die Schnittkante am Fuss habe ich übrigens mit Kantenumleimer verschönert. Ging gut und sieht auch gut aus. Bei der zweiten Box hatte ich dann dieselben Probleme, aber um die Erfahrungen mit der ersten Box reicher und daher auch entspannter, ging es hier schneller.


Klang
Der Moment, in dem man die selbst gebauten Boxen an den Verstärker anschliesst, ist schon etwas Besonderes. Eine Mischung aus Ungeduld, Vorfreude und natürlich der Zufriedenheit, es geschafft zu haben. Bei den ersten Tönen habe ich nicht schlecht gestaunt und zwar einfach nur, weil sie funktionierten. Dann haben wir mit der ersten Hörprobe begonnen. Da ich die Lautpsrecher ohne vorheriges Probehören gebaut habe, war ich sehr gespannt. Also haben wir es uns auf dem Sofa gemütlich gemacht und gemeinsam gelauscht. Und wir wurden nicht enttäuscht. Die Needle‘s klingen… ja, wie klingen sie eigentlich … ganz anders als meine alten Laustprecher. Sie klingen detailreich, unaufdringlich und sauber. Im Bassbereich dürften sie für meinen Geschmack mehr Fundament haben, aber es ist ja auch vor allem eine ‚needlige‘ Box, da muss man realistisch bleiben. Aber einen Klang zu beschreiben, ist so schwierig wie den Geschmack eines Essens zu erklären, daher fasse ich mich hier kurz. Es gilt vor allem selbst zu probieren. Wer die Needle baut erhält einen guten Lautsprecher, der sein Geld wert ist und Spass macht. Ein perfektes Einsteigerprojekt. Wir freuen uns über unsere zwei neuen Wohnzimmergenossen.


Resümee
Auf Grund der Entscheidung, eine möglichst schmale Box zu bauen, habe ich mir doch ein paar Probleme eingehandelt. Die geänderte Aufbaureihenfolge führte zum weggebrochenen Steg beim Fräsen, dem komplizierteren letzten Schliff am Gehäuse mit (wenig schlimmen) Kratzern auf dem Seitenbrett und vor allem dem Beiteleinsatz beim Einsetzten des Breitbänders. Dafür konnte ich wiederum die falsch gefrästen Bretter am Anfang problemlos austauschen. Waren ja auch ein paar. Ein Pluspunkt, dennoch empfehle ich bei der Needle erst an der fertigen Box zu fräsen, da das Spiel zum Rand einfach zu gering ist. Wer Wert auf eine sehr schmale Box legt und auch über die einfache Methode mit den Regalbrettern nachdenkt, kann ja beim Aufbau dünneres MDF für die Seiten nehmen und die Regalbretter später aufkleben.
Dank
Mein Dank gilt Udo und seinem Engagement. Aufgrund der Internetseite und den guten Kritiken zu Udo’s Lautsprechern und Support, war ich mir sicher, meine Zeit nicht falsch zu investieren und bei evtl. auftretenden Schwierigkeiten Hilfe zu bekommen. Heute kann ich sagen, dass ich in beidem Recht behalten durfte. Ich wünschte mir mehr Udo’s da draussen!
Christian
Zur Needle ADW im Online-Shop



Glückwunsch zum ersten Projekt, Christian.
Entstehende Klippen hast Du gut umschifft, und das “sich selber das Bein stellen”. 🙂
Am wichtigsten ist das Ergebnis, es gefällt Dir und wird sicher nicht das letzte sein.
Sind auch schick geworden.
In der Needle Bauanleitung steht: “1/2 Paket Dämmwolle im vorderen Teil…., der hintere Keil bleibt unbedämpft.”
Das dürfte auch die Ursache des fehlenden Basses sein.
Auf den Baubildern sehe ich, dass Du die ganze Box gefüllt hast.
Viel Spass beim Hören.
Peter
Hallo Peter,
die Aussage “1/2 Paket Dämmwolle im vorderen Teil…., der hintere Keil bleibt unbedämpft.” gilt nicht für die Needle mit dem RS 100-4. Hier wird die gesamte Laufleitung wie auf dem Foto bedämpft. Der “fehlende” Bass ist der Membranfläche und der Resonanzfrequenz geschuldet. Die eine ist klein, die andere hoch. Da kommt dann unter 60 Hz nichts mehr 😉
Gruß Udo