Julians U_Do 11 (U_Do 71)

Vorwort:
Durch eine simple Frage unseres Sohnes wurde die ganze Familie mit dem DIY-Virus infiziert. Damals hatten wir, um ihm zu erklären, wie Lautsprecher funktionieren, ganz schnell, ganz einfach 20 EUR KFZ-Lautsprecher in ein paar Abwasserrohre gestopft und mit einem China-Amp samt Bluetooth verbunden. Klar: keine nennenswerte Qualität, aber auch nicht so schlecht, wie man denken mag. Damit war er eine ganze Zeit glücklich.

Auch als die Mona und die U_Do 17 (die Mädchenbox) gebaut wurden, kamen keine Klagen.

Doch ein Besuch bei Udo wurde förmlich aufgesaugt und war ein Erlebnis, das ihn immer noch beeindruckt.

Die Aufgabe:
Nun stand sein 15. Geburtstag vor der Türe und auf die Frage, was er sich denn wünschen würde, tönte es ziemlich schnell: “Lautsprecher”!

Die Qual der Wahl:
Auf die Frage, welche es denn sein sollten, kamen erst mal große Augen zum Vorschein. Also ist primär ein Abstecken der Rahmenbedingungen notwendig:

1. Regallautsprecher
2. Sauberer Klang, wenn es geht, mit etwas “trockenerem” Bass als die U_Do 17 seiner Schwester
3. Ca. 200€ / Paar ohne Holz und Finish (Vorgabe der oberen Finanzdirektion)

Erste Wahl: U_Do 14, U_Do 3 oder U_Do 11. Dazu haben wir einige Bauberichte und die technischen Daten verschlungen. Ich hab noch versucht, ihn zu einer ACL-Version der U_Do 3 oder wenigstens als Standbox zu überreden: Kein Erfolg.

Zur Sicherheit fix den Udo angeschrieben und das Vorhaben erläutert. Seine Antwort, wie immer messerscharf, schnell und hilfreich, hat dann geholfen, eine Entscheidung zugunsten der U_Do 11 zu treffen. 1. Hürde geschafft und umgehend das Set bestellt!

Wie soll es aussehen?
Es wurde lange gesucht, geplant, probiert – kann ganz schön langwierig werden so eine Ideenfindung. Was jedoch früh klar war:

1. Diesmal kein 3D-Druck
2. „Klassische“ Bauform – wie schrieb Michael mal: Mut zum rechten Winkel!
3. Bunt! – aber wie?

Irgendwann meinte Julian eine bunte Front, z.B. wie ein Comic, das wäre doch was. Jepp! Dazu kam mir der Baubericht „Ralphs Needle – Neuauflage“ in den Sinn. Sieht schon verdammt cool aus. Aber irgendwie nicht das, was er suchte – und eine geeignete Folie haben wir auch nicht gefunden.

Zufällig lief dann jemand am Zimmer meiner Tochter vorbei. Die hat die dumme Angewohnheit ALLE Sticker sie in die Hände bekommt auf ihre Zimmertüre zu kleben (Erlaubt war ursprünglich mal EIN einziger Sticker) – das sah irgendwie gut aus. Bei Recherchen bei einem Onlinehändler, der von A .. Z alles liefert, sind wir auf ein paar Sticker aus Vinyl, dünn, hohe Deckkraft und haftstark gekommen. Das war doch eine Möglichkeit … und dann hat er auch noch ein Set gefunden, das zu seinen Schuhen passt („DIY“-Schuhe von V…s die man selber designen kann) … alles geritzt: Das muss es sein! – Es gibt Prioritäten und Entscheidungen, die sind nicht erklärbar.

Dann kam mir im Forum die Vorstellung von Michael M. mit seiner U_Do 18_BR vor die Nase. Jepp!! So herrlich “hemdsärmlig” (wirklich als Kompliment gemeint). Sieht einfach klasse aus!! Jetzt wird es Hell:

1. Aufgesetzte Lautsprecher (Hatte eh keine Lust, mir an der Fräsung einen abzubrechen)
2. Vertiefte Front damit die überstehenden Lautsprecher nicht zu sehr ins Auge fallen. Außerdem verspreche mir davon einen leichten 3D-Effekt.
3. Die Vinylaufkleber an der Front
4. Schwarzer Struckturlack an allen anderen Seiten
5. 3 kleine Gummifüße zum Aufstellen

Kurz der Familie erklärt – Große Augen und keine Ahnung von dem, was ich ihnen sagen will. Da hilft nur eins: Inventor an

und ein Bild rendern. Muss ja eh das Gehäuse an das Vorhaben anpassen. Heraus kam das hier:

Jetzt war alles klar!! Kann los gehen

Es wird eng – der Aufbau:
Bis zu Julians Geburtstag war es nicht mehr lange hin. Das Päckchen von Udo kam wie immer schnell und gut verpackt an.

Die Sticker und die Farbe fast zeitgleich. Nach der Überprüfung der Bauteile ging es ab zum „Biberhaus“ für die Zuschnitte. Ging schnell und erstaunlich genau – sowohl die Abmessung als auch Winkel (Respekt! Den Kollegen muss ich mir merken). Das Wochenende danach legten wir dann los. Julian musste natürlich mit ran. Schließlich sollten sie U_Do’s ja zu seinem Geburtstag fertig sein.

Fräsen, Leimen, Löten, Schrauben … alles ging eigentlich sehr schnell … aber es hat doch nicht gereicht um alles fertig zu bekommen. Nur ein kurzer Soundcheck und das wars. Aber stolz war der Kleine schon.

Der Geburtstag
Es war endlich so weit. Julian musste sich aber noch gedulden bis die Gäste da sind. Vorher hatte ich, da der Verstärker von Julians Rohrbomben kaputt gegangen ist, schnell den Raspberry Pi samt HiFiBerry und MoOde Audio fertig gemacht und angeschlossen (für ein zukünftiges Projekt). Jetzt konnte getestet und vorgeführt werden. Oben drauf lag ein Bild aus der CAD damit sich jeder vorstellen kann, wie es mal aussehen soll. Vom Klang waren alle begeistert und Julian stolz wie Oscar – aber dazu später mehr.

Das Finish
In der ganzen Woche standen die Lautsprecher nicht mehr still. Es wurde alles gehört, probiert, den Freunden gezeigt … ich glaube, da war einer sehr zufrieden. Das Treiben musste ich dann mal unterbrechen. Nur allzu schnell passiert es das die Lautsprecher in diesem Zustand verbleiben.

Angefangen haben wir mit dem Schleifen. Alles schön glatt und sauber. Die Kanten leicht abgerundet. Dann der Strukturlack. Das war das erste Mal, dass wir sowas verarbeitet haben. Wir haben uns für „WARNEX schwarz halbmatt“ entschieden. Das ist schon ein klasse Zeug. Der Effekt ist herrlich und die Verarbeitung idiotensicher. Danach wurde der kleine Überstand zur Schallwand mit einem Pinsel ebenfalls noch „getupft“. Das Zeug trocknet schneller, als man gucken kann. Nach 4 Stunden und einmal Wenden für die Unterseite, haben wir schon angefangen, die Front zu bekleben. Jeden Sticker einzeln und ggf. mit Zuschnitt. Dauerte länger als der Lack der anderen 5 Seiten. Auf jeden Fall sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden:

Klang
Was soll man jetzt zum Klang schreiben! Wir können es nur aus unserer Sicht darstellen. Das Ziel, ein schöner sauberer Kang mit etwas trockenerem Bass als die U-Do 17 seiner Schwester, wurde erreicht. Egal welche Musikrichtung zugespielt wird, es ist herrlich, diesen „Einsteiger“-Böxchen zuzuhören! Auch diese Lautsprecher decken schlechtes Material gnadenlos auf. Aber wehe es kommt eine gute Aufnahme – dann geht’s rund und sie klingen deutlich größer, als sie sind. “Hey Now” von London Grammar. Der Bass ist herrlich, die Stimme sauber und fein. “A Thousend Kisses Deep” von Till Brönner (nicht lachen). Nur Trompete und Bass – klingt wirklich authentisch. “Deeper” von Pete Belasco klingt luftig, leicht beswingt, trotz der doch recht ordentlichen Bassanteile. RnB, Rapp – das Gedöns das gerade die Charts verstopft – Julian ist begeistert – bin immer wieder erstaunt, dass es hier tatsächlich qualitative Unterschiede gibt!

OK, die Bluesklasse ist in der Lage, einem Bilder der Bühne in den Kopf zu projizieren und eine Natürlichkeit zu versprühen, dass einem die Spucke weg bleibt. Das kann die U_Do 11 nicht ganz so gut – aber HEY – die kostet nur einen Bruchteil. Wir, und vor allem Julian, sind absolut zufrieden und können dieses Stück Technik jedem empfehlen, zumal es diesen Bauvorschlag nun auch als U_Do 71 mit rundem Bass gibt.

Danke an Udo und das hervorragende Forum!

Viele Grüße

Markus

Zur U_Do 71 im Online-Shop

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10 Comments
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Schöne Lautsprecher, viel Spaß damit. Warum sollten man bei Brönner lachen? Finde auch oder besonders das Original von Leonard Cohen sehr empfehlenswert und auch hervorragend zum Testen von Lautsprechern geeignet. Ten new songs ist eines meiner liebsten Cohen Alben.

Schönen Sonntag und viele Grüße
BW

Hallo Markus,

Seit dem ich LS von Udo im Einsatz habe haben sich meine Hörgewohnheiten komplett verändert … früher fand ich Jazz, Blues etc. zum weghören, mittlerweile habe ich erkannt das hier Künstler zu Werke gehen die mit Herz und Seele dabei und Profis sind und das man dies mit guten Lautsprechern auch deutlich hören kann!

ja, ich darf genau dies einmal auch von meiner Seite bestätigen.

Grüße aus dem Südharz
Rundmacher

Toller Bericht Markus – kurz und knackig – und ich weiß jetzt, was ich aus meinem Ex-Center basteln werde Daumen hoch

ist ein U-Do 16 a bisserl was dazu packen und ich bau nach 🙂
die anderen erfreuen jetzt meine Schwester

Hi Markus,
Du bist ja richtig fleißig!
Zuerst deine SB30ACL jetzt die UDO11. Respekt!
Ich bin immer noch beeindruckt von unserem Vergleiches zwischen SB30ACL und der SB30ACL29RD. Die beiden können wirklich was.
Mach’s gut und bis bald
Jochen

Wow, sehr geil. Eine schön pragmatische Umsetzung mit super Ergebnis! Das ist genau die Inspiration, die mir für die Kinderzimmer gefehlt hat! Besten Dank dafür!

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