“Ja, mein Opa hat mir gesagt, dass er seine Boxen immer selbst gebaut hat. Das ist viel günstiger als Fertigkauf. Ja, nee, das waren nicht so Chassis und Alround-Weichen aus dem Elektronik-Shop, sondern von einem Laden entwickelt, der das gut konnte. Angefangen hätte das so in den 80ern, als er sich die wilde Rockmusik mit Freunden in seinem Zimmer auch mal heftig um die Ohren knallen wollte. Jetzt hat er angeboten, mir bei meinem ersten Selbstbau zu helfen und ich glaub, das mach ich auch. Ausgesucht habe ich mir einen Bausatz aus der U_Do-Reihe. Damit kann ich gut und preiswert einsteigen, hat Opa gesagt. Aber dann brauche ich auch noch einen Verstärker.”
“Frag doch mal den Opa, ob er nicht noch ein passendes Stück aus der guten, alten Zeit übrig hat. Alte Menschen schmeißen ihre Gerätschaften bekanntlich erst weg, wenn sie wirklich nicht mehr funktionieren.”
“Klar, Opa hat noch einen Verstärker, aber der hat nur ein Radio eingebaut, kein Bluetooth oder Streaming-Dienste und ist riesengroß und schwer. Ich will etwas handlich Kleines, das mit einer App bedienbar ist und alle modernen Anschlüsse dran hat. Teuer darf er auch nicht sein.”
Diese Gespräche führte ich in letzter Zeit recht häufig, die althergebrachten Vorstellungen einer Hifi-Anlage sind längst Schnee von gestern. Tonträger wie Platte, Kassette, CD oder ihre Spielarten, für die jeweils ein teures, nur darauf konzipiertes Gerät angeschafft werden musste, haben bestenfalls noch Sammlerwert. Musik steht heute dank schnellem Internet kostenlos oder gegen kleine Monatsbeiträge in nahezu unbegrenzter Menge und Vielfalt zur Verfügung. Benötigt wird nur noch ein verstärkender Datenwandler, in dem alle Dienste integriert sind und der dank Digital-Technik trotzdem auf Puppenstuben-Format geschrumpft ist. Nebenher erwähnt hatte ich diese Vorzüge schon bei der Vorstellung der U_Do 26/ 3. Jeder aufmerksame Leser weiß schon, dass wir im Folgenden natürlich vom Arylic Up2Stream 2.0 Amp reden werden. Ich nenne ihn der Einfachheit halber im weiteren Verlauf U_Do-Amp.

Erst einmal ist der kleine Amp ein Class D-Verstärker mit 2 x 30 Watt an 8 und 2 x 50 Watt an 4 Ohm, wenn er vom mitgelieferten 24 Volt Netzteil gespeist wird. Das liest sich jetzt recht bescheiden angesichts der gigantischen Zahlen, die selbst von den Marketing-Abteilungen namhafter Hersteller ohne jeden Bezug zur Realität auf unschuldigtes Papier gedruckt werden. Einen lesenswerten Artikel hat Rincewind zu diesem Thema verfasst.
Völlig vergessen wird bei der Bewertung der Wattzahlen, dass für die Verdoppelung der Lautstärke die zehnfache Leistung nötig ist, wodurch 250 Watt nur geringfügig “mehr” ist als 25 Watt. Als wir Alten damals in die Hifi-Welt einstiegen, war der Besitzer der 60 Watt-Anlage schon der König. Mein oller Luxmann “hatte” nur 2 x 15 Watt und hat trotzdem 30 Jahre später einen dicken AVR mit angeberischen 7 x 170 Watt in Grund und Boden gespielt.

Anschließen kann man an den kleinen Amp analoge Quellen, die nach Altväter Sitte die Signale per Cinch-Kabel anliefern. Zuständig ist eine kleine Buchse, in der ein 3,5 mm Klinkenstecker die Aufteilung in linken und rechten Stereo-Kanal übernimmt. Über die Micro-USB-Buchse wird der Arylic vom PC, aber auch vom Smartphone oder Tablet als Soundkarte erkannt und schon ist verkabelte Musik aus der weiten Welt des Internet oder von der Festplatte präsent. Doch auch hier kann auf das Kabel verzichtet werden, denn drahtlose Bluetooth-Kopplung ist selbstverständlich auch möglich.


Praktisch ist der Lan-Anschluss, der den Amp per Kabel mit dem Router verbindet. Über diesen Weg kann jede Netzwerk-Quelle ihre Musik zuspielen. Kabellos klappt das natürlich auch per Wlan, die Verbindung ist innerhalb von zwei Minuten hergestellt. Ein Video, das ich auf Youtube fand, erklärt die Einrichtung und Funktionen von App und Amp für junge Leute anschaulicher als 1000 Worte von mir.
Wem das nun zu schnell ging, kann in aller Ruhe die Bilder betrachten, die ich aus der Vorstellung der Ary SB 12 entliehen habe. Benötigt wird die kostenlose App “4Stream”, die im Play-Store herunter geladen wird. Mittels Knopfdruck (Taster hinten rechts am AMP) auf “Wifi” gestellt, blinkt die weiße LED am U_Do-Amp zuerst heftig, um dann seine Paarungsbereitschaft mit ruhigeren Lichtzeichen zu verkünden. Nach Öffnen der App beginnt der Kuppelvorgang, für den immer nur die grüne Fläche angetippt werden muss.




Im WLAN-Verzeichnis des Smartphones suchte ich das “Soundsystem xxx” aus, tippte auf das kleine Dreieck unten links und schon ging es weiter.



Damit das SoundSystem und das Smartphone im gleichen Netzwerk sind, muss das Handteil auf die Fritzbox zurück gestellt werden.




Im Amp integriert ist die Verbindung zu allen gängigen Streaming Diensten und der Empfang von Radiosendern aus der ganzen Welt. Auch was im 3. Bild ausgewählt werden kann, kann im 4. Bild ausgewählt werden.




Der U_Do-Amp wird als Komplett-Set mit Netzteil und Schutz-Case geliefert, eine Fernbedienung gibt es zudem als Option. Wer ein 24 Volt-Akkupack besitzt, kann den Amp auch stundenlang unabhängig von einer nahen Steckdose outdoor betreiben.


Noch nicht geredet haben wir über das mächtigste Werkzeug des U_Do-Amps, das DSP-Modul, mit dem der Frequenzgang der angeschlossenen Lautsprecher an den eigenen Geschmack angepasst werden kann. Opas alter Verstärker hatte dafür die Loudness-Taste, den Bass- und den Hochtonregler. Obwohl sie allgemein verpönt waren, wurden sie dennoch nahezu von jedem genutzt. Wir waren jung und brauchten den Bass. Und wenn die Musik so noch besser gefiel, hatten wir alles richtig gemacht.


Um den DSP zu programmieren, wird die ACPWorkbench benötigt. Von Arylic kann sie zur einmaligen Installation auf lediglich einem Rechner für 20 Euro zugekauft werden, ich liefere sie in einer kostenlosen Version beim Erwerb des U_Do-Amp dazu. Der Amp wird mittels USB-Kabel am PC angeschlossen und als Soundkarte erkannt. Um die Workbench zielgenau zu nutzen, braucht man neben einem Messsystem zwingend genügend Erfahrung im Weichenbau. Viele Bausätze liefere ich daher mit angemessener Programmierung. Doch trotzdem darf sogar hier von jedermann nach eigenem Geschmack eingegriffen werden, solange man nicht übertreibt. Die Wirkung solcher für Amp und Boxen gefahrloser Eingriffe habe ich mit Clio an der U_Do 71 gemessen. Ohne Messinstrumente lassen sich die Workbench-Einstellungen in Echtzeit bei laufender Musik mit den eigenen Ohren bewerten.

Aktiv ist es immer sinnvoll, einen Hochpass (= Frequenzen oberhalb der Filtergrenze passieren ungehindert) bei 20 (große Box) bis 40 Hz (kleine Box) 2. Ordnung (zwei gleiche Filter) zu setzen. Für die U_Do 71 wählte ich 30 Hz.

Für die Ohren ist der Bass nun etwas zu dünn, also hebe ich bei 50 Hz um 6 dB (mehr sollte es niemals sein) mit Q = 0,7 (kleiner Wert = breiter Wirkbereich, großer Wert = schmalbandig) an.

Die Anhebung ist zu breit und macht Männerstimmen zu dick. Also gehe ich auf Q = 1,5, was besser passt.

Die oberen Mitten sind etwas zu laut, Stimmen stehen zu weit vorn. Also senke ich sie um 2 dB (das “-” nicht vergessen) mit Q = 5 ab.

Das war nichts, keine hörbare Wirkung. Mit Q = 0,7 wirkt der Filter wie gewünscht. Angehört hatte ich mir auch 0,5 und 0,9, das Mittelmaß gefiel mir am besten.

Mein letzter Filter senkt den Hochton ab 5 kHz um 2 dB gleichmäßig ab. Der Filtertyp heißt “High Shelf”. Dies ist sinnvoll, wenn die Musik zu scharf erklingt und Details zu sehr in den Vordergrund rücken.

Bei der Wahl der Werte bin ich recht geradlinig. Eine Absenkung um 2,1 dB bei 4,963 Hz kann das Ohr nicht von meinen Einstellungen unterscheiden. Beim Q wähle ich als Startwert 0,7, oben ist für mich 7 die Grenze. Als maximale Anhebung halte ich 6 dB für unproblematisch, in unserem Beispiel hätten mir auch 4 dB für den Bass gereicht. Ich bin ja nicht mehr jung und ich brauche den dicken Bass nicht mehr. Aber hier gilt der alte Spruch: Probieren geht über studieren. Und wenn das Ohr am Ende sagt, dass die Boxen ohne zusätzliche Filterung am besten klingen, ist auch das völlig in Ordnung. Das Ziel aller Einstellungen ist nicht der (nie erreichbare) objektiv optimale Klang, sondern der subjektive Spaß beim Musikhören.
Zum Abschluss darfst du nicht vergessen, die Filterung auf den Amp zu laden (Downloader – Save Configurations to Flash) und als Sicherung abzuspeichern (File – Export Audio Settings).


Und damit niemand auf die absurde Idee kommt, hier würde Personenkult betrieben, weise ich noch einmal auf die Entstehung von U_Do hin. Rich Taylor hatte den idealen Namen für eine DIY-Lautsprecher-Serie, die Intertechnik und ich dann doch nicht bei Parts Express unterbringen konnten: You do it! oder anders geschrieben: U_Do IT. Übrig blieb davon das U_Do. Und das ist auch schon die Botschaft des Namens: Mach, es wird dir gelingen!
Udo Wohlgemuth
Zum U_Do-Amp im Online-Shop



Moin Udo,
die Spielmöglichkeiten mit der DSP-Software sind sehr schön erklärt. Danke Udo! Ich habe schon einiges ausprobiert. Jetzt probiere ich es mal mit diesen neuen Erkenntnissen! Als Messinstrument nehme ich meine Ohren. Mal gucken, ob es Verbesserungen für mich gibt…
Gruß
Henning
Hallo Hening,
im Prinzip ist Hören einfach, man braucht nur zwei Ohren (ein Freund hatte nur eins und konnte durch Training trotzdem räumlich hören). Als ich vor mehr als 40 Jahren mit dem Job begann, waren andere Messinstrumente viel zu teuer und bis heute sind sie auch nicht genauer als die angewachsenen 😉
Gruß Udo
Einfach Mal Machen!
Auch ohne Messemikrofon
Und zum Thema Watt:
Das Märchen von Watt
https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/das-maerchen-von-watt/
Stimmt. Das hätte ich auch noch verlinken sollen.
Gruß Udo