Rundstrahler U_Do 18 ACL – Ambient Sound Furniture

Einleitung: Von der Idee zum Plan
Einen großen Raum mit Musik ausleuchten – das ist meine Vorstellung von Ambient Sound. Egal wo du sitzt, die Musik ist unaufdringlich im Hintergrund da. Du kannst die Musik hören, siehst jedoch die Quelle nicht – zumindest nicht auf den allerersten Blick. Ein Ambient Sound Möbelstück.

Die Vision war schon länger in meinem Kopf da: Den Sound macht ein Rundstrahler, der nicht als Lautsprecher zu erkennen ist.. Erste Erfahrungen mit dieser Bauart hatte ich bereits gesammelt, im letzten Jahr konnte ich den RS 100-4 ACL als schlanke Säule in Nordhausen präsentieren.

Diesmal sollte das Projekt dem Experimentier-Stadium aus nacktem MDF entwachsen und optisch etwas her machen. Na dann, Bilder stöbern. Bei einer alten Lautsprecherbox sagte meine Frau: Die sehen aber schick aus. Bau doch sowas. Design First! Die Idee für das Design war jetzt da. Es fehlt noch der Bausatz. Nun ja, nicht ganz. Im Karton schlummerten zwei U_Do 18 Bausätze – nach dem Treffen 2022 in Nordhausen entstand schon der Wunsch nach Rundstrahler 2.0 mit mehr Membranfläche und besserem Hochton.

Bausatz ist vorhanden, Design-Idee ebenfalls. Die Design-Idee bringt ein Luxusproblem mit sich: Es steht mehr Volumen zur Verfügung als benötigt. Was nun? Im Magazin hat Udo bei der Vorstellung vom „Truppe Sub“ einen kleinen Einschub, wie vielleicht eine ACL mit dem SB16 PFC25-4 Coax gehen könnte.

Nun ja, das Volumen aus der Simulation kann ich umsetzen. Ein Gespräch mit Udo ergab: es war mehr eine Fingerübung mit LSPCAD und als reine Idee gedacht. Für Simulationen werden Annahmen getroffen, um damit die komplexe Wirklichkeit in mathematische Modelle quetschen zu können. Somit gibt die Simulation einen Vorgeschmack, was in Wirklichkeit funktionieren könnte. Die Wahrheit findet sich erst nach dem Bau. Nun dann, ein einfaches Testgehäuse ist angesagt. Während der Gehäuse-Überlegungen hat mir Michael stets mit seinem Rat zur Umsetzung zur Seite gestanden. Seine CAD-Künste haben einen Bauplan gezaubert.

Teil 1: Versuch
Dank der Arbeit von Michael konnte ich mit meiner Holzliste zum örtlichen Bibermarkt fahren. Beim Abholen der Bretter stellte ich fest, dass eine Seite statt 19 mm eine Materialstärke von 24 mm hat. Der Mitarbeiter an der Säge sagte, ich kann’s mitnehmen oder sein lassen. Anderes MDF wäre nicht auf Lager und wann das nächste geliefert wird, stehe in den Sternen. Zähneknirschend habe ich den Kram mitgenommen und den Aufpreis für 24 mm MDF bezahlt. Das ist ja nur ein Testgehäuse.

Es folgten die üblichen Schritte: Leimen, Brett fixieren (nebenbei fluchen, dass die Bretter wieder einmal verrutschen) und warten, bis der Leim fest geworden ist. Die zu dicke Seite wird nicht eingeklebt, damit ein einfacher Zugang zum Inneren bestehen bleibt. Für Dichtigkeit sorgt der Anpressdruck der Schraubzwingen und das Moosgummi-Dichtband.

Natürlich muss noch das Brett für den SB16PFC25-4 ausgefräst werden. Wenn ich schon dran bin, ist der Wechsel zum Abrundfräser schnell gemacht und das Gewissen freut sich auch.

Statt HP 70 wird das DN75 Abflussrohr verwendet. Ob die Länge des Rohrs aus der Simulation passt, muss die Praxis zeigen. Lochsäge-Werkzeug macht die besten Löcher mit einer Standbohrmaschine. Allerdings ist meine zu kurz für dieses Projekt. Mit Akku-Bohrer geht es auch. Das Werkzeug ist sicher. Nur das Einstellen des Durchmessers erfordert viel innere Ruhe. Mit dem Akku-Bohrer gemachte Löcher sind genau genug, notfalls kommt Moosgummi-Dichtung zum Einsatz.

Für das Testgehäuse muss der Abstand zwischen dem Rundstrahler-Kegel und Lautsprecher verstellbar sein. Dazu kommen Rampa-Muffen ins Gehäuse. Baumarkt-MDF und Rampa-Muffen sind eine ungünstige Verbindung. Trotz Vorbohren platzen einzelne Schichten MDF beim Eindrehen der Muffe ab. Da hilft nur das Festkleben der Muffe.


Die Kegel hat Michael gedruckt, während das Gehäuse langsam Form annahm. Sie haben im Inneren ein M8-Gewinde, um die Befestigung zu erleichtern. Vor dem Verschrauben werden sie mit trockenem Sand gefüllt.

Wie auf dem mittleren Bild zu sehen ist, stehen HT Rohr-Zuschnitte in verschiedenen Längen bereit. Die LSPCAD-Simulation hat knapp 12 cm empfohlen. Doch mein Aufbau mit dem Rohr in Richtung Boden (quasi DownFire BR) hat physikalische Tücken im Gepäck. Die Fläche unter der Box wirkt anteilig als Rohrverlängerung. Der zweite Effekt ist die Reflexion der Schallwelle am Boden. Einfach beschrieben läuft es auf Folgendes hinaus: Die reflektierte Schallwelle läuft zurück in den BR Kanal, wo sie sich mit der ankommenden Welle überlagert. Um die Reflektion der Schallwelle zurück in den BR-Kanal zu verhindern, wird ein Kegel mittig unter dem Kanal aufgestellt.

Zurück zum ersten Effekt: Entscheidend für die Abstimmung der Rohrlänge ist die anteiligen Wirkung des Volumens unter der Box als Verlängerung des Kanals. Meine Messanlage besteht aus einem Mikrophon (unkalibriert), ATB Pro inkl. Messbox, Soundinterface und Laptop. Mit dem vorhandenen Mikrophon ist bei mir nur eine Vergleichsmessung zwischen zwei Zuständen möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mein Equipment immer wieder zur Seite räumen muss. Die Positionen am Soundinterface, Verstärker der Lautsprecher und Mikrofons verändern sich von Mess-Session zu Mess-Session. So habe ich jedesmal etwas andere Frequenzverläufe. Im Groben stimmen diese überein. Mal weniger, mal mehr…

Um die Rohrlänge auszuwählen, mache ich Impedanzmessungen am aufgebauten Lautsprecher inkl. Weiche. Gesucht wird ein Minimum zwischen zwei Bergen unterhalb von 150 Hz. Dabei ist darauf zu achten, dass die Berge möglichst ähnliche Höhe haben. Als Ergebnis meiner Messungen erhalte ich bei „DownFire“ 7 cm Rohrlänge (blaue Linie). Ohne „DownFire“, also mit freiem Auslass, ist für das gleiche Impedanz-Minimum eine Rohrlänge von 12 cm notwendig (rot gestrichelte Linie).

Für die Messung des Frequenzgangs stand meine Testbox in der Garage mit etwas Platz zu den reflektierenden Wänden. Der Abstand des Mikrofons zur Achse betrug 50 cm.

Die Messungen des Frequenzgangs mit und ohne Kegel im Vergleich zur Messung auf Achse. Die schwarze Linie zeigt meine Messung des Frequenzgangs auf Achse zum Lautsprecher. Die grüne Linie ist Messung OHNE Kegel. Die blaue Linie zeigt den Pegelgewinn durch Schallumlenkung mit Kegel.

Mein persönliches Fazit: Die Schallumlenkung durch den Kegel ist frequenzselektiv. Eine Anpassung der Weiche ist notwendig, der Hochtöner braucht mehr Pegel. Die Größe des Kondensators vor dem Tweeter der originalen U_Do 18-Weiche wird verändert. Die Messungen dafür wurden an einem anderen Tag gemacht. Die Box stand anders (meine Bodenmarkierung war „verschwunden“) und das Mikrofon hatte einen etwas anderen Abstand. Auch die Einstellung des Sound-Interface sowie des verwendeten Audio-Verstärkers waren etwas „verrutscht“. Somit ist die nachfolgende Messung mit der vorherigen nicht direkt vergleichbar. Die Messungen des Frequenzgangs zeigen die Auswirkung verschiedener Werte des C3 Kondensators. Die Wahl fiel letztendlich auf Wert 1 (rote Kurve). Der höhere Wert 2 (blaue Kurve) hat bei der Hörprobe gezeigt, dass die Wiedergabe bei höheren Pegeln für mein Ohr unangenehm wurde.

Der Hochtöner arbeitet bereits ungebremst (ohne Spannungsteiler). Eine tiefere Einkopplung bringt nur geringen Gewinn, senkt jedoch gleichzeitig die Belastbarkeit. Für Hintergrundbeschallung ist der Frequenzverlauf brauchbar, zudem unterstützt die Senke zwischen 2 und 8 kHz die Forderung, „Lautsprecher sollen beim ersten Augenblick NICHT ortbar sein“. Durch die Senke erklingen z.B. die Stimmen weit hinter den Lautsprechern. Das Gehirn sucht nach der Quelle und für den Hörer fehlt eine „Aufdringlichkeit“. Der Buckel bei 10 kHz kommt höchstwahrscheinlich von meinem Mikrofon, er war auch bei der Messung des Frequenzgangs auf Achse zu sehen. In den Diagrammen des originalen Bausatzes ist der Frequenzverlauf weitgehend gerade.

Nachdem die Rohrlänge „gefunden“ war und auch die Frequenzweiche als ok für den Zweck „Ambient Sound“ befunden wurde, ist es Zeit für den Bau der ersten, richtigen Box. Ich will hören, ob die von der Test-Lautsprecherbox abgeleitete Theorie auch im Verbund funktioniert. Mein Lexikon der Schimpfwörter soll dieses Mal im Regal bleiben. Ständig verrutschende Platten auf Ponal-Schmier zerren zum einem an meinem Nervenkostüm und zweitens sorgen verrutschte Bretter für Ungenauigkeiten. Diesmal wird gedübelt!

Naja, fast ist es tatsächlich ohne Fluchen gelungen. Die obere Platte ist nur aufgelegt. So kann ich im Nachgang die eine oder andere Spalte mit Leim abdichten. Alles abgedichtet, Kabel drin, finale Klebung im Heizungskeller, weil in der Garage zu kalt.

Überstände werden wie üblich mit einem Bündigfräser egalisiert. Die kleine Nase lasse ich immer stehen. Ansonsten besteht die Gefahr. eine unvorhergesehene Kerbe zu fräsen. Die paar Millimeter schafft der Exzenter-Schleifer spielend. Die etwas vorkohlten Stellen zeugen von der Abnutzung des Bündigfräsers. Der Rohbau dennoch gebührend gefeiert.

Mit nun zwei vorhandenen Boxen ging es zum Probehören in das schöne Auenland. Mit Yoga und Henning wurden zwei Paar fremde Ohren nach ihren Eindrücken befragt.

Yoga und Henning demonstrieren den Vorteil von Rundstrahler: Auf beiden Seiten hat man eine gute Hörposition. Der Rundstrahler hat nicht nur den Erbauer überzeugt.

Teil 2: Design entsteht
Die Oberfläche wird furniert und gewachst. Alte Holzoberflächen-Behandlungsmethoden für hohen Glanz sind Wachsen oder Schellack-Politur. In England habe ich wunderschön gewachste Möbel bewundern können, besonders die Haptik neben dem Glanz ist sehr angenehm natürlich. Das englisch-artige Wachs-Finish sollen die Ambiente Sound Möbel ebenfalls erhalten. Leider ist englisches Möbelwachs seit dem Brexit in der EU nicht mehr erhältlich. Ein Kauf direkt in England scheitert an den Zoll- und  Transportbestimmungen. Ein Ersatz muss her. Nach mehrwöchiger Suche konnte passabler Ersatz aus Restaurations-Bedarf aufgetrieben werden.

Als zweites wurde passendes Furnier gesucht. Für alle Projekten habe ich meine Furniere bei Templin gefunden. Auch dieses Mal: amerikanischer Nussbaum.

In den Wochen der Suche nach Wachs und Furnier wurde die zweite Box und auch der „Deckel“ gebaut. Er besteht aus drei MDF Platten. Für die Befestigung des Kegels wird eine M8 Mutter in das mittlere Brett eingeklebt. Sie hätte beim Furnieren gestört. Damit das Gewinde während der Klebung sauber bleibt, wurde unten Gewebeklebeband aufgebracht und mit M8 Schraube von oben gesichert.

Die Dübel sind dieses Mal essentiell wichtig, denn der Leim-Film auf der Fläche lässt die Bretter in alle Richtungen gleiten. Ohne Dübel verrutschen die Bretter garantiert!

Die kleinen Unebenheiten lassen sich einfach wegschleifen, damit der Deckel bereit zum Furnieren ist. Die folgende Schleiforgie hat es wegen Staub-Entwicklung nicht aufs Bild geschafft, zudem war sie auch recht schnell vorbei. Für das Furnieren reicht es, die Kanten und den Korpus mit 120er Schleifpapier abzuschleifen. Die MDF Kanten habe ich noch schnell mit 180er Körnung abgezogen, was kein großer Aufwand war.

Vor dem Furnieren wurde die Unterseite der Box schwarz lackiert. Die MDF Kanten werden sich trotz der Grundierung in ein paar Wochen abzeichnen, was allerdings irrelevant in diesem Projekt ist. Meine Fähigkeiten der Farbauftragung sind begrenzt, einen Lautsprecher würde ich nicht im direkt sichtbaren Bereich lackieren. Für den „Unterboden“ reicht es.

Das Furnier wird mit der Bügel-Methode aufgebracht. So habe ich bereits mehrfach furniert und bin mit den erzielten Ergebnissen sehr zufrieden. Die wichtigsten Punkte für ein gutes Gelingen sind:

Geduld!
Geduld!
Sorgfalt!

Zunächst trage ich mit einer Kurzflor-Walze den Leim auf. Ich verwende Ponal Classic – mit Express-Leim hat es bei mir schlecht funktioniert. Die Flächen sind gleichmäßig mit einer dünnen Schicht Leim „anzustreichen“. Auf dem MDF darf die Schicht etwas dicker sein. Wer es zum ersten Mal macht, sollte sich 2 – 3 Probebretter in der Größenordnung der Seitenwände der Gehäuse gönnen. Damit das Furnier beim Aufbügeln rissfrei bleibt, sollte der Leim auf dem Furnier trocknen, bis er durchsichtig ist und sich beim Anfassen flexibel und weich anfühlt. Die Bügelmethode braucht praktische Erfahrung und diese ist halt mit Lesen von Anleitungen nicht zu erhalten.

Das Malerkrepp ist noch vom Zuschnitt (verhindert das Ausreißen von Fasern) übrig. Ich habe es dran gelassen, denn es erleichtert das Festhalten beim Einkleistern. Für das gesamte Furnier wurden knapp drei Becher Leim verbraucht.

Als erstes habe ich die Fläche mit der Chassis-Ausfräsung furniert. Normalerweise gehe ich in anderer Reihenfolge vor: Erst furnieren, dann Fräsen. Dieses Mal haben es die Umstände jedoch anders verlangt. Mit einem scharfen, nordischen Schnitzmesser ging ich vorsichtig ans Werk. Es dauert und erfordert einiges an Feingefühl, um böse Ausrisse zu vermeiden. Mit anderen Worten: Fluchen ist nur nach dem Absetzen des Schnitzmessers erlaubt.

Es ist am Ende recht passabel geworden, dennoch bleibe ich dabei: Erst furnieren, dann fräsen liefert bessere Ergebnisse. Die Seiten sind als nächstes dran. Die Bügeltemperatur ist irgendwo bei den zwei Punkten. Manchmal etwas drüber, manchmal etwas drunter. Die Einstellung kann man vorsichtig beim Aufbügeln verändern. Zeit dafür ist genug da. Backpapier zwischen dem Bügeleisen und Furnier hat mehrere Funktionen: Es schont die Bügelsohle – wenn man das „gute“ Bügeleisen verwendet. Die Hemden werden sich später bedanken. Es verhindert mögliche Bügeleisenspuren auf dem Furnier.
Falls irgendwo etwas Leim austreten sollte, bleibt er nicht an der Bügelsohle kleben.

Das Bügeln erfolgt stets in Richtung der Maserung, um Rissbildung vorzubeugen. Ich bügle stets nur eine halbe Bügeleisenbreite von Anfang bis zum Ende. Langsam, aber nicht zu langsam und mit ordentlich Druck auf dem Bügeleisen.

Ich habe dieses Mal die Kanten vom Furnier mit Malerkrepp abgeklebt. Die Idee ist es, dass ich damit leichter erkennen kann, wenn ich bei zu tiefem Kantenschnitt eine optische Warnung bekomme. Die Idee hat funktioniert. Der Einsatz der Dreiecksfeile hatte das eine oder andere Mal in meinen Furnierstücken Spuren hinterlassen. Diesmal hatte es funktioniert. Das nächste Mal werde ich wohl auch die Kanten wie hier abkleben, jedoch mit etwas anderem.

In der Richtung der Faser bevorzuge ich einen Schleifklotz mit 180er Schleifpapier, um die Kanten abzuschneiden. Die Feile kommt quer zur Faser zum Einsatz. Nach dem Furnieren, kommt die übliche Schleiforgie. Für die Oberflächenbehandlung habe ich mich für Möbelwachs entschieden. Je nach gewünschten Oberflächeneffekt hört man bei 240er, 320er usw. Körnung auf. Ich habe mich bis 320er Körnung einstauben lassen.

Arbeiten mit Furnier bin ich gewohnt, auch das Schleifen. Da ist es wichtig, höllisch aufzupassen, nicht zu lange auf einer Stelle zu verweilen oder an der Kante abzurutschen. Tja, ein kleiner Rest von Malerkrepp war an einer Stelle ziemlich hartnäckig – also neue Erfahrung gewonnen: 240er Körnung nimmt ganz schön was weg.

Auf den Testbrettern wurden verschiedene Wachse aufgetragen, am Ende hat ein Produkt aus Mönchengladbach gewonnen. Es ist nicht ganz so gut wie das englische Wachs, dafür lässt es sich leichter auftragen. Nach dem Trocknen wird es mit einer Bürste aufpoliert. Der Unterschied zwischen dem getrockneten Wachs und dem gebürsteten zeigt sich im Glanz. Schuhbürsten gibt’s auch für die Bohrmaschine – der Polierwerkzeug-Fachhandel ist im Internet zu finden.

In den Trocknungspausen waren die Stellfüße dran – der Baumarkt-Preis von 1,55 € ist einfach nicht zu unterbieten. Einziges Manko des Produkts: Es ist zu lang. Getreu dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht, wurden die überflüssigen Zentimeter entfernt.

Der Stellboden ist erstaunlich schnell gewerkelt. Zwei schwarz durchgefärbte MDF Bretter mit Hilfe von Holzdübeln sind schnell verleimt. Analog zum Deckel die Seiten abschleifen. Sacklochungen für die Möbelfüße sind mit passendem Forstnerbohrer an der Standbohrmaschine gemacht. Das Lautsprechkabel wird mit Rohrstopfen zu den Einschlaghülsen geführt. Die Box aufstellen und noch ein wenig die Sacklöcher den Füßen anpassen. Die Wirklichkeit ist stärker als der Zollstock.

Die Boxen stehen, nun ran an den Deckel. Der Kegel bekommt noch eine Dichtung – einfach, weil das Dichtband da ist.

Der Deckel mit dem Kegel wird von 10 mm Alu-Rohren gehalten, die passend zerstückelt werden. Alle Stücke sind auf 12 cm Länge zugeschnitten. Die Löcher in der Box sind 1 cm tief, der Rest verschwindet im Deckel-Loch.

Die Bestellung für die Acrylglas-Zuschnitte wurde fast zu spät getätigt. Die Lieferzeit betrug fast 3,5 Wochen. Die Verpackung hat den Flug mit Logistik nicht gut überstanden. Auch die Zuschnitte trugen etwas Schaden davon. Als Kulanz wurde mir auf die beschädigten Zuschnitte etwas Nachlass angeboten. Ersatz wäre mir lieber gewesen. Nun ja, irgendwas ist ja immer.

Am späten Abend steht die erste Box. Als Abstandshalter zwischen dem Acrylglas kommen M10 Distanzhülsen aus POM zum Einsatz. Diese gibt’s günstig im 100er Beutel bei eBay.

Die Hörprobe mit den Acrylzuschnitten fiel erwartungsgemäß aus: Rock können die Kisten nicht. Schuld sind die bereits aus dem Testaufbau bekannten Überhöhungen bei ca. 650 Hz und 1500 Hz. Anscheinend haben sie sich – warum auch immer – in der Design-Box noch verstärkt. Für Messungen und Grübeleien blieb mir keine Zeit, denn das Treffen in Nordhausen stand vor der Tür. Getreu dem Motto „Wenn die Boxen keinen Rock können, dann lass sie Klassik spielen“ wurden die Kisten ins Auto verfrachtet.

In Nordhausen bekam das Projekt „Ambient Sound Furniture“ eine eigene Fläche. Die Hörprobe in der Musikschule bestätigte den Eindruck von zu Hause: Bass geht gut, elektronische Filmmusik (Tron) oder Ambient geht prima! Die vielen „Lauscher“ waren sichtlich beeindruckt, was die Kisten produzierten. Die Erklärung, welcher Bausatz (U_Do 18) darin werkelt, sorgte für erstaunte Blicke.

Am Ende von Nordhausen stand dennoch fest: Die Kisten fahren zu Udo! Mit etwas Feintuning kann sicherlich das dauerhafte Hörvergnügen auch bei Rock funktionieren.

Teil 3: Feintuning
Naja, gehört habe ich die Rundstrahler in Nordhausen auch, von totaler Begeisterung will ich nicht reden. Stimmen klangen etwas blechern und mir fehlte die gewohnt homogene Darbietung des musikalischen Geschehens. Der Hochton war zu leise, ausklingende Töne brachen einfach zu früh ab. Als Peter mit den Boxen in Bochum eintraf, wurde in meiner gewohnten Messumgebung zunächst der Achs-Frequenzgang über dem Coax mit Original-Weiche, aber ohne Ablenk-Einheit und zugehörigem Deckel gemessen.

Ganz anders sah der Schrieb aus, als der Kegel samt Deckel auf der Box thronte und das Mikrophon quasi im 90 Grad-Winkel zum Coax stand.

Dicke Peaks bei 650 und 1500 Hz, dazu 5 dB fehlender Pegel des Hochtöners erklären den klanglichen Mangel. Die beiden Überhöhungen könnte man wahrscheinlich mit ordentlichem Aufwand passiv runterziehen, doch den Hochtöner bekommt man so nicht lauter. Wegwerfen mussten wir die wunderschönen Designboxen deshalb nicht, mit dem Up2Stream Plate Amp haben wir ein mächtiges Werkzeug zur Hand, um dem Rundstrahler auch akustische Qualität einzuhauchen. Nach kurzer Einweisung in die Workbench-Bedienung konnten wir vierhändig das Problem angehen. Am Messrechner sitzend konnte ich Peter meine Anpassungen zurufen und er stellte Frequenz, Pegel und Güte wünschgemäß am Hilfsrechner ein. Nachdem wir die Bassanpassung im Nahfeld erledigt hatte, ging es mit den Problemstellen weiter. Am Ende hatten wir ein akzeptables Ergebnis auf dem Bildschirm.

Nicht weiter gestört haben wir uns an den Wellen im Schrieb. Im Prinzip kommt vom Rundstrahler nichts als Reflexionsschall, der auch noch zwischen Deckel und Chassisplatte ordentlich verbogen wird. Mit stärkerer Glättung hätten wir trotzdem jede Kritik mühelos abgeschmettert.

Beim anschließenden Probehören im Laden stellte sich jedoch nach ein paar Teststücken heraus, dass wir klanglich noch nicht da waren, wo wir hin wollten. Männer waren grundsätzlich etwas zu dick, Frauen neigten zum Kreischen. “Nimm bei 300 Hz mal 2 dB mit q = 1 weg” bat ich Peter. Nach ein paar Takten Männergesang gingen wir auf 250 Hz herunter. Mit “Jetzt noch bei 2 kHz 1,5 dB mit q = 2 runter” waren wir auch mit den Frauenstimmen zufrieden, die wir zum Abschluss genossen. Ungewöhnlich war die Bühnenabbildung, die das Geschehen ohne Rücksicht auf den Hörplatz völlig von den Lautsprechern löste. Erstaunlich war der erzielbare, unverzerrte Pegel, den ich dem preiswerten Coax nicht zugetraut hatte.

Teil 4: Hörprobe daheim
Die Möbelstücke fanden am Abend ihren Weg aus Udos Hörraum zu mir nach Hause. Für eine ausgedehnte Hörprobe war am nächsten Tag Zeit. Start macht Kiasmos mit Looped – geht nach wie vor wunderbar: die knackigen Beats durchschneiden die tiefen schwebenden Sounds und das Klavier schwebt mit seinem langanhaltenden Klang über allem. Wo ich gerade so schön entspannt bin, kann Robag Wruhme mit “Westphal“ das Einschlafen gerade noch so verhindern. Die schwebenden Soundcollagen wirken nach dem Feintuning weiterhin frisch, jetzt vielleicht auch entspannter. Ach und jetzt noch vom Reisen träumen: Blank & Jones „Days Go By“. Die Stimme von Coralie Clement ist sanfter geworden.

Nun raus aus den Träumen, Zeit zum Aufwachen: Kari Bremnes „Kanskje“. Der Ausdruck in der Stimme von Kari ist jetzt präsenter, die Bässe sind unverändert tief und präzise. Nach den Damen sind nun Herren dran. Und wenn ich bei Herren bin, dann bitte etwas rockiger: Dire Straits „Six Blade Knife“. Die Bassgitarre kommt mit ihren hart angeschlagenen Tönen wie gewohnt druckvoll und knackig. Die Stimme von Mark Knopfler hat jetzt mehr Körper und die E-Gitarre nervt nicht mehr, sondern kommt klar und singend. Rock ist nicht mein bevorzugtes Genre, doch das Lied „Mr. Cab Driver“ von Lenny Kravitz mag ich. Oh yeah, selbst die verzerrten Gitarren fügen sich harmonisch zum Spiel und Gesang von Lenny ein.

Raus aus dem Rock und nun zum Jazz. Ich habe per Zufall (Cover-Suche) das Dave Pike Quartet für mich entdeckt. Herrliches Vibraphone gespielt vom bestens gelaunten Dave, der sich beim Spielen einen vorsingt. Der gezupfte Bass kommt sauber und tief am Anfang von „Besame Mucho“, gefolgt von Dave mit seinem herrlichen Spiel am Vibraphone. Das Instrument steht tief und präzise im Raum, die Töne sind jetzt klarer. Nun kommt der Härtetest: Patricia Barber Live at the Green Mill mit „Summertime“ Waren vorher die leisen Hintergrundgeräusche vorher auch da, sind diese jetzt klarer einem Platz im Raum zuzuordnen. Die Stimme von Patricia Barber erklingt nun gänzlich ohne Zischeln, dennoch immer noch fein nuanciert.

Als letztes wird die Dynamik und der Pegel im Tiefbass vom Arylic Amp getestet: Daft Punk „Rinzler“. Es knallt am Anfang, wie ich es vom Arcam Delta 90.2 gewohnt bin. Auch der Tiefbass bleibt selbst bei weit über der Zimmerlautstärke präzise. Ok. Der Arylic darf bleiben. Auch weil Frau die Fernbedienungs-App richtig gut findet: Da ist ja auch das Radio drin. Jetzt muss sich der Arcam Delta 90.2 eine Weile auf dem Schrank ausruhen. Langes und ermüdungsfreies Musikhören ist mit den neuen Klangmöbeln und bequemer Technik einfach schöner. Mission accomplished

Peter Gawrych aka Rincewind

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Grüß dich,

die Idee und Umsetzung ist wirklich der Wahnsinn. Danke für den ausführlichen Bericht.

Ich würde die Rundstrahler sehr gerne nachbauen und hätte da noch ein paar Fragen,
und würde mich freuen, falls du Zeit findest, sie zu beantworten.

Ich bin Tischler aber ein Laie was Lautsprechertechnik betrifft.

Beim Bausatz Set ist ja ein Amp dabei und ich würde gerne wissen,
wo man den am besten einfräst. Unten ist ja noch das Rohr und ein zweiter Kegel eingebaut,
wie ich gesehen habe. Und die seitlichen Wände würde ich gerne rundum clean lassen.

Wäre es theoretisch möglich die 2 Kegel auch aus einer MDF zu fräsen?
Könntest du mir Durchmesser und Höhe sagen von den beiden Kegeln?

Liebe Grüße aus Österreich,

Philipp

Hallo Peter,
Danke für die schnelle Antwort.

Super danke für die Maße und den Tipp mit dem nachhärten. Werde ich so machen.

Geht sich das unten aus neben dem Rohr?
Bei 300mm breite und 19mm Seitenwand wird das knapp oder?
Wäre es theoretisch möglich das Rohr nicht ganz mittig zu setzen oder verfälscht das den Ton?

Liebe Grüße,
Philipp

N’Abend Phiano,

Rohr und Plateamp nebeneinander geht auch. Es gibt ja auch Bassreflexschlitze oder statt einem großen mehrere kleine Rohre, alles problemlos umsetzbar. Wichtig bei BR ist, dass das Volumen glich bleibt (bei einem Rohr die Kreisfläche mal Länge, bei einem Schlitz halt Rechteckfläche mal Länge).

Ich habe von Udo bspw. eine Chorus51, die hat er statt einem großen mit zwei kleinen Rohren link und rechts unten in der Gehäuseecke gebaut, ich selber rechne BR-Rohre gern in Schlitze um und bau das so, da kannst Du dich frei entfalten.

Gruß,
-Sparky

Hallo Sparky,

da muss ich ganz schnell mal korrigieren. Bei der Reflexabstimmung soll die Öffnungsfläche und die Tiefe beibehalten werden. Man kann aber auch ein Rohr mit mehr Fläche verwenden, das muss aber für die gleiche Abstimmung länger sein. Rechnen wir nun das Volumen aus, ist es größer. Bei kleinerem Durchmesser wird das Rohr analog kürzer und das Volumen geringer.

Gruß Udo

Okay super vielen Dank 🙂

Hallo Peter,

Mir ist gerade noch aufgefallen dass du eine andere Einteilung der Gläser gemacht hast als bei der Zeichnung mit 8mm Glas und 10mm Abstand oder?
Macht es für den Klang einen Unterschied?

Liebe Grüße,
Philipp

Vielen Dank für deine ausführlichen Antwort! Ich werd mal ein Renderbild erstellen wie ich sie gern umsetzen würde.

Liebe Grüße,
Philipp

Ich schließe mich ebenfalls den Vorrednern an.
Alleine das synästhetische Design finde ich unheimlich ansprechend. Das Feuer der Maserung des Furniers, kombiniert mit dem kybernetischen Look des Schallaustritts, wunderbar. Bei diesen Objekten weiß man unbedacht nicht direkt, was ist das oder macht das, das gepaart mit dem Raumklang spricht ein Klientel an, was hier nun auch auf seine Kosten kommt.
Eigentlich sagen wir hier ja, die Optik folgt dem Klang und viele sehr gute Lautsprecher sind nie über ihr OSB-Stadium hinaus gekommen. Hier ist es umgekehrt, die Boxen möchte man alleine wegen ihres Aussehens besitzen.

Hut ab, Rincewind, Du hast da etwas kreiert von dem ich laienhaft sagen würde, das ist nicht nur ein Lautsprecher, das ist ein echtes Designmöbel noch dazu.

Gruß,
-Sparky

Guten Abend Rincewind!

Ich habe total fasziniert Deinen Bericht gelesen. Diese Tiefe in allen Bereichen ist echt bemerkenswert und ich möchte mich den Lobeshymnen oben anschließen. Bei mir hört es beim ‘Bausatz kaufen’ auf, hier ist es ja echte Entwicklungsarbeit… Die Optik ist ebenso grandios!

1+, setzen! Gute Arbeit!

Liebe Grüße, Andreas

Hallo,

da ist er, der Baubericht.

Es ist ein Referenzbaubericht.

Hier ist alles enthalten was das Herz begehrt. Die Historie, wie es zum Projekt kam, das kleinere Erstlingsprojekt vom vorigen Jahr, ein jetziges Testgehäuse, der Bau, eigene Messungen sowie das notwendige Feintuning.

Kochrezeptartig sind die verwendeten Zutaten benannt sowie ihre Verarbeitung, man kann loslegen. Selbst kleine Finessen (oder Raffinessen) beim Bau werden vorgetragen.
-mein Tipp wegen den aufplatzenden MDF Ecken beim Bohren und Hülsen einschrauben: ich tränke die unbearbeiteten Ecken immer mit Tiefgrund bzw. 2k Epoxy oder auch verdünntem Kaltleim und lasse min. 48 Std. trocknen-

Das RS 100 Projekt voriges Jahr hier in Nordhausen war schon bemerkenswert. Das Klangerlebnis tatsächlich rund um die beiden Säulen, überall gleich. Und diesmal die beiden U_Do 18 ACL. Das ist nicht nur eine Schippe mehr drauf, das ist eine höhere Ebene. Ich glaube ich bin mindestens ein dutzend Runden um die beiden Boxen gegangen, in verschiedenen Kreisbahnen, Nierenbahnen und in die Raumecken. Ich kann es schlecht beschreiben, man muss diese akustische Klanghomogenität selber erleben.

Das im Klangbild noch Verbesserungen angebracht wären war mir kaum aufgefallen. Umso interessanter der Teil des Bauberichtes zu den Messungen. Die Eigenmessungen welche bereits Aufschluss über die Grenzen des herkömmlichen Weichendesigns geben. Schlussendlich die Ultima Ratio mittels Technik aus dem 21. Jahrhundert, ein digitaler Signalprozessor und weiterhin die Erfahrung eines Profis der weiß was verändert werden muss und was eben nicht.

Wie müssen sie jetzt erst klingen, nach dem Feintuning? Evtl. kann ich sie ja noch einmal hören.

Auch das Detail mit der Länge des Reflexkanales, da unten am Boden, das wäre mir gar nicht aufgefallen. Wieder etwas gelernt.

Das Design, ein Wort: Chapeau!

VG Rundmacher

Hallo Peter,

ein sehr schönes Projekt!
Kannst du evtl. etwas zur Aufstellung der Klangmöbel bei dir sagen? Eine Stärke von Rundstrahlern ist sicher, dass man sie fast beliebig im Raum plazieren kann. Nur direkt an der Wand oder direkt nebeneinander eher nicht.

Beste Grüße, Martin F

Hallo Peter,

in der Tat ein sehr gelungenes Projekt,
auch wenn sie beim Event noch nicht ganz durchentwickelt waren wusste ich was mit den Chassis geht. KOAX und ACL-Gehäuse geht sehr gut zusammen.

Gruß Schülzken

Hallo zusammen. Am 1. Advent fragt man sich wie wohl eine Weihnachtssong von Dean Martin oder Frank Sinatra mit diesen Schönheiten den Raum beschallt. Ich kann mich immer nur wiederholen: Die sehen richtig klasse aus. Sehr schöne Arbeit.

Diese schönen „Blumensäulen“ sollte doch jeder von seiner „Chefin“genehmigt bekommen. 😉

Gruß
Michael

Ja guten Morgen!
Sehr interessant das Konzept! Ich bin tatsächlich ein wenig angefixt von der Idee… Wirklich schöne Umsetzung! Grüße aus der Pampas!

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