CineBel 7 – Heimkino im Wohnraum

Wir schreiben das Jahr 2022 und wir haben fast drei Jahre Corona durchgestanden. Viele Menschen – meist Männer – haben die Zeit ohne gemeinsame Freizeitgestaltung zur Aufrüstung des heimischen Kinoerlebnisses genutzt und sich einen eigenen Raum für ihr Home-Theatre eingerichtet. Kompromisslos konnten sie die Wände und Decken mit Boxen in drei Ebenen bepflastern, Absorber und Schallschutz einbringen, um ihren Traum vom Film rundum ohne jede Einschränkung durch Mitbewohner auszuleben.

Nicht weniger als fünfzehn (Doppel-)Zweiweger und zwei bis vier Subwoofer verhindern nun die Nutzung des Kellers oder Dachbodens für andere Zwecke. Im mehr oder weniger Dunklen kann man ansonsten bestenfalls Pilze züchten, wenn man sich mit ihnen auf eine für beide angenehme Raumtemperatur einigt. Wohnen kann man darin nicht, es lassen sich keine Möbel unterbringen. Und dass nur ein einsamer Mensch auf dem Dreiersofa sitzt, lässt sicher auch den einen oder anderen Gedanken aufkommen. Ist der Platz jedoch übrig, muss man sich wohl nie mehr in seinem Leben über schlechten Sound im Multiplex-Kino und den Preis für das Popcorn ärgern.

So schön das für die räumlich Privilegierten unter uns ist, solche Installation kann sich niemand in sein geteiltes Wohnzimmer hinein basteln – immer noch der bevorzugte Ort beim Kinobesuch. Wenn hier fünf Kompaktboxen und ein Subwoofer einziehen dürfen sollen, ist das meist schon das höchste der Gefühle. Nun wär das keinen neuen Bericht wert, denn wir haben U_Do’s  und SB’S für diese Anwendung mit genug Auswahl für jede Raumgröße. „Aber BelAir wär doch auch nicht so ganz verkehrt, wenn nicht der Airmotion für einen AVR etwas übertrieben wär. Er geht schon mächtig ins Geld bei fünf notwendigen Bausätzen.“ Das hörte ich häufiger beim Event in Nordhausen.  In den vier Stunden Alleinsein auf der Autobahn kreisste die Idee weiter in meinem Kopf. Zuhause angekommen war längst die CineBel geboren.

Die erste Konkretisierung des Vorhabens begann mit der Suche nach einem passenden Hochtöner. Nicht zu teuer ließ schon mal alle Satori-Kalotten ausscheiden. Außerdem hatte ich mit gutem Grund die Illumi-Reihe begraben, die ich mit dem preisgünstigsten Dome aufgebaut hatte. Aus alten Zeiten hatte ich den SB 29RDNC-4 in guter Erinnerung, detailreich, nicht nervig und eher positiv unauffällig. Eine ausreichende Ähnlichkeit zum AMT ist somit vorhanden. Zufällig lagen noch zwei davon im Regal.


Keine Sorge, die Kalotten sind nicht eingedellt, jedenfalls nicht unabsichtlich. Die Membran nennt sich Ringradiator und ist in der Mitte angeklebt. So bewegt nur der äußere Teil und die Sicke die Luft. Erfunden wurde diese Variante vor langer Zeit bei Scan Speak, Ulrik Schmidt war daran beteiligt. Dass dieser kleine Quietscher einen Neodymmaneten hat, machte ihn für die Satoris zum interessanten Partner. Preislich bleiben sie um grob 200 Euro hinter den AMT’s zurück, lassen also glatte 1000 Euro bei fünf Boxen einfach mal im geschundenen Geldbeutel zurück. Also schnell mal die alten Messungen rausgekramt (die neuen haben sich nicht weiter unterschieden).


Der zweite Gedanke ging an die Mitspieler. Für die CineBel sind die MW 13 P-8 oder die MW 16 P-8 geeignete Kameraden in geschlossenen Gehäusen, in denen 60 bis 80 Hz mit halbem Pegel erreicht werden sollen. Ich entschied mich quasi aus den Keller heraus für die größeren Chassis, denn dafür gab es dort noch die Holzkästen des Lady-Oberteils und des 72 Centers. Getreu dem Motto: „Bevor du etwas wegwirfst, frag dich, ob du es nicht doch noch für irgendetwas gebrauchen kannst.“ hatte ich sie nach dem Bau der BelAir-Theaterreihe natürlich nicht entsorgt. Doch sie hatten einen zu großen Ausschnitt für den neuen Hochtöner und wir eine CNC-Fräse und schwarzes MDF.

Passgenau gefräst kann der Adapter nun in den Ausschnitt des AT 60 NC geschraubt werden. Zweifel kamen auf, ob das denn auch wirklich luftdicht wird. Kleben wär die einfache Antwort gewesen. Wollte ich aber nicht, vielleicht brauche ich die Gehäuse später noch einmal für andere Zwecke. Meine Frau schenkte mir ob meiner Sparsamkeit zwei Haushaltsgummis, die so nebenher ebenfalls gut dichten können.

Da ich auf diese wunderbare Weise keine Bretter verleimen musste, kann ich dem Gewohnheitsleser diesmal auch die ewig gleichen Fotos meiner immer aufs Neue eintönigen Handarbeiten ersparen. Leicht abändern musste ich hingegen die Freecad-Zeichnungen für die CineBel71CB und die CineBel72CB, was nur ein paar Minuten in Anspruch nahm.


Zuerst wurden die Chassis in die 71CB geschraubt, damit die Weiche angemessen werden konnte. Den Basszweig übernahm ich weitgehend von der BelAir 71, nur die Spule im Signalweg wurde etwas größer. Für den Hochtöner brauchte ich ein 12 dB-Filter und einen Spannungsteiler.

Eher sinnlos ist es, die CineBel 71 CB nun in den Hörraum zu tragen. Sie sind als Satelliten mit eingeschränktem Bass gebaut, die allein nicht zum stressfreien Musikhören taugen. Unten fehlt das Fundament. Das Ziel der perfekten Ortung und Sprachverständlichkeit erreichen sie aber allemal, auch ihre Dynamik ließ in der selbstverständlich dennoch anberaumten Hörprobe keine Mängel erkennen.

Im nächsten Schritt ging es an den Center. Hier passte die Bassweiche haargenau, im Hochtonzweig der 71 musste ich nur den Spannungsteiler auf einen Vorwiderstand reduzieren und schon stand die Weiche fest.

Zu klären war nun noch die abschließende Frage, ob denn der Center auch als Main taugt. Dazu stellte ich die Box hochkant auf den Mesständer und unterzog sie ohne Weichenänderung der üblichen Messprozedur.


Auf den ersten Blick verschieden erscheint die Weichen-Topologie der CineBel 71 und 72. Hier sorgt ein Sperrkreis für die Glättung im Mittelton, dort ist es ein Saugkreis. Die Funktion beider Schaltungen ist dennoch identisch, allerdings zieht ein zum Bass paralleler Sauger die Impedanz nach unten. Das ist bei zwei Bässen mit gemeinsamen 4 Ohm Impedanz für die meisten Verstärker reichlich ungesund und deshalb setzt man in diesem Fall die drei Bauteile besser in den Signalweg.

Dass es im Hörraum bei der CineBel 72 CB ebenfalls keine klanglichen Schwächen gab, verwundert sicher nicht weiter. Auch das Zusammenspiel mit den 71 klappt ohne Bruch und so haben wir den Wunsch nach einem preislich günstigerem Wohnkino auf BelAir-Basis erfüllt. Kompakt bei großer Membranfläche hat Reserven, auch wenn mal Pegel gefordert wird. Im geschlossenen Gehäuse vom Bass befreit liegen die Grenzen der Ohren sicher um einiges tiefer. Stellt man nun noch einen oder zwei SB 34 SWBR_Wall an die Wand, lässt das Tiefton-Fundament ebenfalls keine Klage zu.

Oh weh, da ist es doch, das nicht zu toppende Ausschluss-Kriterium. Eine Kiste im Schuhschrank-Format hat seine Berechtigung im Filmraum, nicht aber im Wohnzimmer. Also halten wir uns an die Vorgabe der Satelliten: Kleine Box mit viel Membranfläche. Und so basteln wir uns noch einen SB 34 SW_CB, den wir mit dem FA 251 antreiben.

Beim Zusammenbau gibt es eigentlich nichts Besonderes zu beachten, acht Bretter müssen nahtlos aneinander gefügt werden. Wegen des großen Drucks in der kleinen Kammer sollte nicht an Leim gespart und die Bretter ein paar Stunden mit Spanngurten zusammengepresst werden. Nicht schädlich ist es, alle Klebestellen von innen zusätzlich mit Leim abzudichten. Wenn das Modul im Subwoofer-Gehäuse eingebaut werden soll, muss es eine abgeschlossene Kammer mit 6 cm Tiefe haben. Ich gönne ihm lieber ein externes Kästchen, so muss ich nicht zum Bedienen hinter den Sub kriechen.

Wie üblich erstellten wir drei Presets mit 24 dB Subsonic und Trennfrequenzen vierter Ordnung bei 100, 80 und 60 Hz.

Und nun sind wir endlich soweit, dass wir das komplett ausgereifte Wohnkino für hohe Ansprüche präsentieren können. Tatsächlich sind es sogar drei sinnvolle Varianten, die sich um Center und Sub gruppieren und Wohnzimmer von 16 m² bis fast riesig ausreichend von allen Seiten beschallen können.

Wie der regelmäßige Leser weiß, habe ich keine geeignete Ausrüstung, um mir mit Genuss Filme anzusehen. Verdächtige mich trotzdem nicht, dass ich dem Ganzen fundamental abhold bin. Mir fehlt einfach die Zeit, einen Raum dafür einzurichten, nach ansehenswerten Filmen zu suchen und die dann 90 Minuten auf dem Sofa sitzend aufzusaugen. Vielleicht taugt das für die Zeit, wenn ich mal Rentner bin. Bis dahin ist für mich die bildlose Musik wichtiger, die ich mit nur zwei Lautsprechern zwischendurch zur Entspannung manchmal leiser, manchmal lauter durch meinen Hörraum schallen lasse.

Dort standen nun die CineBel 71 CB und der kleine, dicke Sub mit halb aufgedrehtem Gainregler herum und ich war dann doch neugierig, wie die drei denn gemeinsam (!) musizieren. Provokativ fragte ich sie, ob sie mir denn einfach spaßeshalber mal Bachs „Toccata und Fuge in d-moll“ vorspielen möchten. Erwartet habe ich ein verlegenes „Nein“, bekommen habe ich ein Orgelkonzert aus einem Guss bis in die große Pfeife, deren erste Obertöne der Subwoofer genau passend zum restlichen Klanggeschehen präsentierte. Wunderbar der lange Nachhall des Altenberger Domes, großes Kino auch ohne Bild.

Na dann! Marcus Miller „Jean Pierre“. Auch hier zeigte sich der Subwoofer von seiner besten Seite, nämlich bruchlos und ohne jede Übertreibung. Was er unten ergänzte, fiel erst auf, wenn ich ihn zum Test wegschaltete. Es geht also auch mit kleinen Boxen und Subwoofer, eine Zusammenstellung, mit der ich mich nie anfreunden konnte.

Elektronisches? Trentemöller: „Chameleon“. Nicht unbedingt meine Musikrichtung, aber beeindruckend, wie das Sofa von den unaufdringlichen, tiefen Bässen vibrierte. Ja, ich habe auch ordentlichen Pegel in der Bude gehabt und meine Frau oben in der Küche hätte im Bassrythmus tanzen können. Da ist mir vor Heimkino im Wohnzimmer in gar keiner Weise bange.

… und bevor gefragt wird: Die Weichen habe ich konsequent so ausgelegt, dass die CineBel’s als Ergänzung zu den BelAir taugen.

Udo Wohlgemuth

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20 Comments
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Gibt es Pläne bzgl der SB30ACL29rd? Lg

Servus Udo,
ab wann lässt du beim Sub den Subsonic wirken ? Es gibt mehr und mehr Filme die ab 3Hz content haben auf dem LFE, der subsonic am besten also nur zum Auslenkungsschutz verwenden 🙂

Tolle Serie, denke da habe ich bald einen Kumpel der ran muss.

Gruß
Patrick

Hallo Udo,
da ist ja die preiswerte Erweiterung zu den BelAirs.
Ich bin gespannt, ob noch weitere CineBels kommen.Zwei CineBel 51, die sich auch noch in 10 Litern wohlfühlen, würden als Rears perfekt in meine Regale passen. 😉

Hallo Udo,

das höre ich gerne. 🙂
Es ist auch nicht so eilig bei mir. Zuerst muss ich noch die Zeit finden, an den Big5 weiter zu bauen.

Gruß
Norbert

Dann muss ich mir wohl dringend mehr Zeit für die Big5 freischaufeln!
🤔😁

Hallo Udo,
Ich wusste schon immer, dass Du gute Eingebungen hast. Aber jetzt hast Du die Dampframme auf den Nagelkopf gebracht. Der SB 29 RDNC-4 ist ein hervorragender Spielgefährte für die Satori Chassis. Wenn ein wenig Zeit ins Land gegangen ist und du die Serie ausgebaut hast werde ich mit der SB30ACL29RD und der Ilumi30ACL vorbeikommen. Vielleicht bringt Peter dann seinen Marantz wieder mit. Dann gibt’s was auf die Ohren. Roger wird dann bestimmt auch dabei sein.

Grüssle
Yoga

Moin Udo,. Na das ging ja schneller als erwartet mit der belAir light 🙂
Sinnvolle Ergänzung finde ich.

Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass eine Bassreflexversion sinnvoll wäre, einerseits für Leute die erst Mal ausprobieren wollen und die späteren rears erst Mal vorne für Musik einsetzen möchten.
Andererseits gibt es nicht wenig Leute, die -subwoofer hin oder her-auch bei den Satelliten mehr Bass wünschen.
Meine rears (Duetta top light) laufen bewusst bis 40 Hz runter.

So oder so, tolle Ergänzung, und interessant, dass auch die Kombination mit Subwoofer dein OK für Musik bekommt
Frohen Bau den Luftfreunden!

Hallo Matthias, ich verwette meine besten Schuhe dass die restlichen 2 und 3-Weger mit Belüftung längst entwickelt sind.

Hallo Udo, ich reserviere am 02.11. schon mal einen Platz auf deinem Sofa. Da brauche ich deine Expertise für das nächste Projekt.

LG Achim

Prima, ich melde mich

Hallo Udo,

huch! Da ist er wieder!

Das war mein erster Gedanke, als ich die Bilder sah. Ich habe vor vielen Jahren schon mein Multikanalset mit den SB 15 und 30 mit genau diesem Hochtöner aufgebaut. Und ich war immer begeistert! Dabei schaue ich ungefähr so viele Filme wie du. Die spielen bei mir auf ganz hohem Niveau Musik im Surroundformat. Ich freu mich riesig, dass sie wieder da sind!

Liebe Grüße
Uwe

Guten Morgen Udo,
was lesen und sehen meine Augen!!!
Dank Erich Maria Remarque gibt es im Westen doch Neues. Was heißt neues. Als Liebhaber des Ringdome SB29 von SB Acoustique erklärt sich der Slogan „Totgeglaubte leben länger“. Versank dieser außerordentlich feinzeichnende HT in der Vergangenheit im Udo Nirvana, kommt er heute dank Warp Antriebstechnik, oder gar BeamTechnologie auf den Frühstückstisch. Jetzt noch ein wenig Salz, ein guter selbstgerösteter Kaffee und fertig ist das Gourmet Frühstück.
Udo you Made my das.
Wenn ich gleich meine SB30ACL29RD anschmeisse, weiß ich, bald spielen die in Deutschland nicht mehr allein. Die Sonne geht auf.

Liebe Grüße aus dem Auenland

yoga

Hihi, das mit dem totgeglaubten war auch mein erster Gedanke 😉
Ein Ring sie zu knechten der zweite… Kann einfach nicht zerstört werden.
Ein Glück, dass Deine SB noch nicht in den Vulkan geworfen wurden.
Lieben Gruß

Last edited 1 Monat her by Matthias (DA)

Hallo Matthias,

Die SB30ACL29RD in den Vulkan – niemals!

Der Weg dorthin ist einfach mit viel zu viel schlechten Lautsprechern gepflastert.

Somit ist der Vulkan unerreichbar für mich und diesen Traumlautsprecher.

In meinem Gästezimmer stehen die beiden Paare sehr gut und versüßen mir das öde Arbeitsleben. Die Frage welcher der beiden der „bessere“ ist stellt sich mir nie, denn beide sind grandios in meiner Bude.

Hab ich schon erwähnt, dass ich die SB30ACL29RD und die Ilumi30ACL total genial finde ?

Grüssle
Jochen

🤗

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