Vergnüglicher Jahresausklang 2022 in Nordhausen

Liebe Daheimgebliebene, ihr seid es selber Schuld. Fast drei Jahre mussten wir auf das Treffen warten, das bisher schon fünfmal das Jahr zu einem guten Abschluss brachte. Die Gründe dafür sind längst noch nicht überwunden, doch dank einer nach bisheriger Einschätzung harmloseren Variante des Corona-Virus war es endlich wieder möglich, sich mit den Freunden des Lautsprecherbaus in größerer Zahl zusammenzusetzen und die Kreismusikschule in Nordhausen etwas zweckfern mit Konservenklängen aus selbst gebauten Holzkisten zu beschallen. Natürlich hielten wir uns testend und Hände waschend an die gebotenen Vorsichtsmaßnahmen.

Geschätzt 50 Mitglieder unserer Community nutzten die lang gemisste Gelegenheit, zehn weitere mussten zu aller Bedauern aus gesundheitlichen Gründen absagen, einem versagte das Auto auf der Autobahn den Besuch und – so ist es halt – viele hatte große Lust, aber keine Zeit, den Termin wahrzunehmen. Wer da war, weiß genau, was sie verpasst haben. Es war wieder der große Spaß, der alle bisherigen Events auszeichnete.

Die Idee des Endjahrestreffens verdanken wir Axel Hurow, der erstmals 2015 seine Tanzschule in Eschborn für unsere Gemeinschaft öffnete. Drei Jahre gab er uns Herberg, bis ihn gesundheitliche Gründe zur Absage zwangen.

Nach einem kleinen Aufruhr im Forum und um seine grandiose Idee dennoch weiter leben zu lassen,  boten Katrin und Peter, unsere Rundmacher, ihre Hilfe an. Sie verschafften uns Zutritt zur Kreismusikschule ihrer Heimatstadt Nordhausen und luden sich fortan die komplette Organisation ohne jedes Klagen auf ihre Schultern. Zwei umwerfende Events 2018 und 2019, von den beiden perfekt in Szene gesetzt, begeisterten die Community. Dann kam Corona.

Als mich Peter im Mai zwecks Wiedereinsetzung des fast schon traditionellen Jahresabschlusses anrief,  schlugen wir dem Virus ein Schnippchen und verlegten die Zusammenkunft frech weg auf den September. Zugleich mussten wir uns keine Gedanken um Glatteis oder Schneeverwehungen machen, die zwischen Weihnachten und Neujahr durchaus ein Treffen platzen lassen können. Gesagt, getan, der 10.09. wurde von der Community auserkoren und wir begannen mit den Vorbereitungen.

Als ich am Vorabend der Veranstaltung in der „goldenen Aue“ eintraf, waren die ersten Mitstreiter schon da. Mit freudigem Hallo begrüßten wir uns, teils zum wiederholten, teils zum ersten Mal. Der große Schock dann, als die Rundmachers auftauchten. Peter, um einige Kilos leichter als beim letzten Beisammensein, hatte sich tags zuvor einer Herz-OP unterziehen müssen, die auf Rat seiner ärztlichen Tochter nicht aufschiebbar war. „Alles gut. Wir hatten auch schon einen Plan B, wenn wir ausgefallen wären.“ Alle mussten erst einmal heftig durchatmen ob des unbändigen Willens der beiden, das anstehende Fest durchzuziehen. Verabredet wurde dennoch, dass Peter nichts anpackt.


Das Team von Plan B: Katrins Schwester und Micha, der schon bei den vorherigen Treffen fleißiger Helfer war. Auch den beiden kann man nur von ganzem Herzen danken.

Nach ausreichend Schlaf und einem guten Frühstück mit Freunden ging es ab zur Kreismusikschule. Das Auto war mit den neuesten Boxen vollgepackt und ich dachte auf der kurzen Fahrt schon mal nach, wen ich beim Ausladen um Hilfe bitten kann.

Es kam nicht dazu. Ob mein Fahrzeug schon stand, kann ich nicht mehr sagen. Aber beim Blick nach hinten waren alle Lautsprecher verschwunden. Ich traf sie im innigen Gespräch mit anderen Angereisten im Foyer wieder, von wo aus sie in Windeseile auf die Hörräume verteilt wurden.  Wer nicht Eigenes zu schleppen hatte, packte völlig selbstverständlich bei den anderen an. Bestenfalls ein „Wohin damit?“ gab es zu beantworten und schon setzten sich die Helfer in Bewegung.

Die Aufteilung war einfach: Die ACL’s kamen wieder in der langen Flur, in dem sie standhaft jeder raumtechnischen Ungunst trotzten. Zu Ihnen gesellten sich wegen der engen Verwandtschaft zur SB 12 ACL noch die kleinen  SB 12_6L und die U_Do-Pyramiden samt Subwoofer, die anderswo keine Mitbewerber um die Gunst der Ohren der Zuhörer fanden.

Für Verstärkung und Umschaltung war ebenfalls gesorgt.

Ein Absatz im Treppenhaus stand für die Kompaktboxen bereit, bei denen die Chorus 51 mit dreifacher Übermacht, aber jeweils völlig anders aussehend antraten.

Die „Gruft“ nahm die mittleren Standboxen auf, von denen die größte Zahl auflief. Hier durften sich Lautsprecher aller Klassen von U_Do 53 über Ceram 34 und 85 bis zur Linie 43 vergleichen lassen. Später kam auch noch die BelAir Doppel 9 dazu.

Der Cyriaci-Kapelle blieben die großen BelAirs, HaZus aktive Linie 54 und Rincewinds Audience 12 vorbehalten. Dazu sollte sich auch der dicke Move 12 gesellen, den Schülzken extra für uns in ein neues Gewand gesteckt hatte. Doch der befand sich samt Fahrer im Auto, das die Reise auf der Autobahn leider beendete.

Im großen Saal musste auch ich die einzige Enttäuschung des Tages einstecken.  Alle BelAirs sollten passiv und aktiv spielen, leider habe ich völlig versagt. Natürlich kurz im Vorfeld zu Hause getestet, sollte mein Laptop über eine externe Soundkarte mit MediaMonkey die Module füttern, wie es seit Jahren mit meinem PC störungsfrei funktioniert. Nach fast zwei Stunden gab ich ratlos auf. Das Signal blieb auf dem Weg zu den Lautsprechern im Nirvana stecken und es war mit keiner noch so derben Schmeichelei aus seinem Versteck zu locken. Müßig zu sagen, dass zu Hause alles auf Abhieb wieder lief.

Mitgebracht hatte ich die passiven Weichen, doch es gab nur zwei Sätze Kabel, mit denen sie die Verbindung zu den Boxen herstellen konnten. Dummerweise waren die Cerams auch davon abhängig, standen aber in der Gruft. Naja, am Ende hat trotzdem alles geklappt. Man half sich.

Nun, gut oder schlecht, es wurde improvisiert und alle Boxen konnten angehört werden. Ob es stets ein Genuss war, kann ich selber nicht beurteilen. Zu selten hatte ich die Gelegenheit, mich in Ruhe der Vorführung hinzugeben, die an allen Hörorten ohne Unterlass stattfanden. Jeder führte mit Freude seine Lautsprecher an den mitgebrachten Verstärkern vor. Auch überließ man gern seinen wildfremden Freunden die eigenen Geräte, wohl wissend, dass sie nicht in die falschen Hände geraten.  Musik aus jeder Sparte erklang in den Räumen und Fluren, jeder hörte zu, keiner ergriff die Flucht. Kein Streit über die vorgespielten Tonfolgen oder die dazu gewünschten Lautsprecher wurde mir gemeldet, entspannt und unaufgeregt verlief der Nachmittag. Der einzig ausgeübte Zwang betraf Peter, dem immer wieder in Erinnerung gerufen werden musste: „Du packst nichts an!“



Bezeichnend für den familiären Umgang miteinander: Sabrina, völlig überraschend mit Jonas am Nachmittag angereist, gefielen die Chorus 73 von Uwe ausnehmend gut.

„Wie lang haben Sie daran gebaut?“ wollte sie wissen. „Zuerst einmal, bei uns gibt es kein Sie“ entgegnete Uwe vor der Antwort. Wie sehr sie nach der ersten Begegnung mit meinen BelAir 52 ACL schon infiziert ist, zeigte sich kurz darauf im Treppenabsatz. „Kannst du mal das „Halleluja“ auflegen, das damals bei meinem ersten Hörtest lief?“ fragte sie Norbert. Rasch bei Spotify gefunden gefiel auch mir, was der per Software progarmmierbare Arylic-Amp aus dem Netzwerk zu den Boxen brachte. Dass Jonas beim Bau von Sabrinas Lautsprechern helfen darf, halte ich nicht für sicher. „In jedem Fall müssen sie solch eine Oberfläche aus „Guardians of the galaxy“ bekommen.“

Und dann war es soweit. Nicht der Schluss-, aber der absolute Höhepunkt für die verwöhnten Ohren der Musikgenießer war der dritte Live-Act von Alexander John. Die BelAirs wurden an den Rand gerollt, der Flügel in die Mitte und der junge Mann mit riesigemTalent machte unser Treffen zum absoluten Fest. Grandios seine Entwicklung seit dem schon imponierenden ersten Auftritt.  Seine dargebotenen Kompositionen lebten von einer unglaublichen Dynamik, die linke Hand war nicht mehr Begleiter, sondern die treibende Kraft. Nie und nimmer kann ein Lautsprecher ein Erlebnis dieser Art ersetzen, egal was eloquente Schreiberlinge in ihren Magazinen vom siebten Himmel herunter lügen. Ich denke, das wurde jedem im Saal ganz schnell bewusst. Und weil das Publikum es so wollte, wurde aus den geplanten 30 Minuten eine viel zu kurze Stunde großartigen Musikerlebens.

 

Mein Dank für die nunmehr sechste Präsentation meines „Lebenswerks“ geht an Katrin und Peter, die „Frauenmannschaft“ von Plan B und an die beste Community, die je per Internet zusammengefunden hat. Nicht jeder, der solche Würdigung erfährt, kann sich anschließend noch gebührend dafür bedanken. Und um Katrin und Peter abschließend auch einmal das Wort zu überlassen: Nach dem Event ist vor dem Event.

Udo Wohlgemuth

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Wie schön zu lesen, dass es eine gelungene Veranstaltung war.
Wie gerne wäre ich dabei gewesen
Wie sehr mich berufliche Termine nerven, die in die falsche Zeit fallen…

Nächstes Mal klappts bestümmt 🙂

Schöner Beitrag und tolle Veranstaltung. Hat mich gefreut da gewesen zu sein 🙂

Welches Modell von Arylic ist denn gemeint?
Schönes Event

Hallo Alechs,

ich hatte das Arylic „Up2Stream Amp V4 – Multiroom Wireless Streaming Stereo Amplifier Board“ am Start.

Gruß
Norbert

Hallo Udo und Community
Wie ich hier sitze und das so lese, werde ich ein wenig neidisch auf all Jene, die diesen Event besuchen durften. ….. Ach, wärt ihr doch näher der Schweiz. ….
Viele Grüsse an dieses super Community
Und danke Udo, dass es hier jeden Sonntag was neues zu lesen gibt.
Adi

Mahlzeit Udo,
dem was Du schreibst gibt es nichts hinzuzufügen!
Wir hatten Spaß, haben uns mit netten Leuten unterhalten und den ein oder anderen Erkenntnisgewinn gehabt.
Du bist wahrscheinlich einer der ganz wenigen Lautsprecherentwickler, der öffentlich äußert, dass kein Lautsprecher dieser Welt Instrumente völlig realistisch wiedergibt – das freut mich und spricht für Dich!
Daher eine kleine Ergänzung zur Bestätigung: Diese Woche waren foo und ich in Kempen auf einem kleinen und feinen Konzert des Emil Brandqvist Trios (https://www.youtube.com/watch?v=PO8nI0znHbU). Rein akustische Besetzung, nur Monitore für die Musiker. Das ganze fand in einer ausgedienten Kirche statt. Emil Brandqvist ist Schlagzeuger, entsprechend filigran ist das Spiel des Kopfes der Band. Klänge der verschiedenen Becken habe ich noch nie über irgendeinen Lautsprecher so feingezeichnet, aber auch so impulsiv wahrgenommen. Die Räumlichkeit dagegen, obwohl wir in idealer Entfernung in der Mitte der Halle saßen, war nicht das was der HiFi-Entusiast erwartet. Tiefe und mittlere Töne des Klaviers kamen grob aus der Richtung des links stehenden Flügels, die hohen Lagen dagegen aus Richtung der Wand rechts. Harte Schläge an die Kante der Snare-Drum sang mir die exakt rechts von mir stehende Statue des Thomas a Kempis zu.
Musik, wie wir sie auf elektronischem Weg genießen, ist für mich daher eine Illusion; schön, wenn wir immer perfektere Wiedergabegeräte zur Hand haben, aber kein Grund zur Überbewertung. Mir soll technisch die Tonalität und Klarheit der Wiedergabe gefallen, in erster Linie erfreue ich mich dennoch am Inhalt der Darbietung 😀
Danke noch einmal für „Nordhausen“ und beste Grüße in die Gemeinschaft,
Gordon

Guten Morgen,

wie ich sehe hattet ihr eine gute Zeit.
Meine Gehhilfe ist immer noch in der Werkstatt, in der Tat schade das ich nicht am Event teilnehmen konnte, hatte mir viel vorgenommen.

Der oben genannte M12 war gar nicht im Kofferraum,
es waren 2x M15 mit jeweils 1,2kW Antrieb in je 110L.
Dazu 2x Party12 mit jeweils 0,5kW Antrieb die ich gerne im Vergleich zur Audience12 gehört hätte.

Und ein Teil vom kleinen Besteck:
Mischpult Allen&Heath, Shure Mic,
aktive Frequenzweiche, Pegelmessgerät,
CD Spieler und CD Koffer,
Laptop mit externer Soundkarte,
Stromverteiler 32A/16A CEE inkl. 4x Schuko
Verkabelung XLR/Neutrik/SpeakOn ProfiLine

Tja, es hat nicht sollen sein,
vielleicht beim nächsten Mal.

Gruß Schülzken

Wow wie immer ein sehr gelungener Artikel Udo.
Es war ein sehr schönes Wochenende vielen Dank an alle.

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