26. Juli 2026

Und der Sohn war Schuld – Marcos BelAir 71 CB

Autor: MarcoIN

Die Nubert NuBox 313 in unserem Wohnzimmer habe ich damals hauptsächlich nach zwei Kriterien ausgesucht: Klein und günstig. Dafür sind die Lautsprecher erstaunlich gut und dadurch sind sie relativ lange geblieben. Ich habe immer mal wieder abends auf dem Sofa mit dem Handy in der Hand nach Selbstbau-Alternativen geguckt, aber lange Zeit hat nichts so richtig das dringende „haben wollen“ Gefühl ausgelöst. Die Vorstellungen wurden aber nach und nach konkreter. „Klein“ war aufgrund des kleinen Wohnzimmers und des Aufstellungsortes weiterhin gesetzt. Dazu reizte mich ein AMT und eine geschlossene Bauform. So richtig durchringen konnte ich mich aber nicht.

Dann kam der Lautsprecherbau mit meinem Sohn Moritz. Die U_Do 19 und der Sub Oval haben auf ganzer Linie überzeugt. Die Teile sind wirklich beeindruckend. Damit war klar: meine neuen Lautsprecher kommen von Udo. Und lange warten wollte ich auch nicht mehr.

Mit den gesammelten Kriterien war die Auswahl einfach. Die BelAir 71 CB passen perfekt an den geplanten Aufstellungsort, sie haben einen AMT und geschlossen sind sie auch. Kurz vor der Bestellung kamen leichte Zweifel, ob geschlossene Lautsprecher in der Größe in einem 2.1 System tatsächlich eine gute Idee sind. Also habe ich Udo per Mail gefragt, wie seine Einschätzung dazu ist. Die Antwort kam (an einem Sonntag Abend!) nach 30min: Zusammen mit einem Sub kein Problem. Damit ging die Bestellung raus.

Bezüglich der Optik gab es für mich nicht viel zu planen. Die Lautsprecher sollen ein 2.1 System mit meinem Selbstbau-Sub „Little Roy“ bilden. Somit war „schwarzer Lack gerollt“ gesetzt. Nur die Optik des AMT musste noch festgelegt werden. Mit oder ohne Designblende?

Zusammen mit meiner Frau und unseren beiden Söhnen haben wir uns mehr oder weniger einheitlich für die Variante ohne Designblende entschieden. Auch im Nachhinein war das aus meiner Sicht die richtige Wahl. Die fertigen Lautsprecher gefallen mir richtig gut.

Beim Bau der U_Do 19 und des Sub Oval habe ich auf die fertig gefrästen Fronten von Udo zurück gegriffen. Hauptsächlich, aufgrund des Sub Oval. Bei der BelAir reicht der Fräszirkel der Oberfräse wieder nicht für perfekte Fronten, da der AMT eckig ist. Im Gegensatz zu ovalen Formen gibt es aber für eckige Fräsungen dank verstellbarer Frässchablonen eine relativ einfache Lösung. Somit wollte ich diesmal auch die Schallwände selber bauen. Eine passende Frässchablone habe ich beim bekannten Online-Auktionshaus gefunden.

Los ging es mit dem Zuschnitt der MDF-Platten

Front und Rückwand habe ich zunächst in einem Stück gelassen, um ohne Kollision von Fräszirkel und Schraubzwinge die Platte festklemmen zu können. Das hat sich bewährt und ging wunderbar.

Die Frässchablone hat ebenfalls perfekt und sehr exakt funktioniert. Ich hatte gedanklich Zweifel, wie genau ich den Ausschnitt hinbekomme, nachdem ich den Chassissitz gefräst habe. Die Schablone würde ja den Chassissitz überdecken… Zum Glück ist mir mein Denkfehler früh genug aufgefallen. Ich wollte gedanklich, wie bei einem runden Chassis mit dem Fräszirkel, von außen nach innen Fräsen. Das ist bei der Frässchablone aber natürlich weder erforderlich noch sinnvoll. Hier kann von innen nach außen gefräst werden und somit kann auch genau gemessen werden

Die runden Fräsungen liefen ebenso problemlos. Aus meiner Sicht gibt es dabei eigentlich nur 2 wichtige Dinge zu beachten. Erstens sollte man unbedingt eine Probefräsung vornehmen. Reines Messen wird (zumindest bei mir) nicht genau genug. Zweitens sollte man (wie im Bild zu sehen) die Mitte des Ausschnittes mit einer Opferplatte verschrauben, um nicht beim Durchfräsen die Zentrierung zu verlieren. Die dabei entstehende Kante wird zwar später vom Chassis verdeckt, aber noch besser ist es, wenn sie gar nicht erst entsteht

Die erste Anprobe sieht schon vielversprechend aus

Vor dem Verleimen habe ich immer etwas Respekt. Man hat ja schon sehr viel Mühe und Zeit in die einzelnen Teile investiert. Wenn dann beim Leimen etwas wegschwimmt und schief wird, wäre das sehr ärgerlich. Deshalb habe ich mich des Nageltricks bedient. Das gibt Sicherheit und funktioniert wunderbar. Wer es nicht kennt: Man schlägt einen dünnen Nagel in die zu verbindenden Bauteile und trennt mit einem Seitenschneider den Kopf des Nagels ab. Jetzt können die Teile sauber positioniert werden und schwimmen beim Kontakt mit dem Leim nicht weg

Nach dem Verleimen habe ich alles gründlich geschliffen und anschließend eine umlaufende 45°-Phase gefräst, optisch passend zum vorhandenen Sub. Danach folgten Grundieren und Lackieren mit der Rolle. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Viel zu Schreiben gibt es dazu aber nicht. Rollen, trocknen, schleifen, rollen, trocknen, schleifen, rollen trocknen, schleifen, rollen, trocknen

Jetzt ging es an die Bauteile. Und da hatte vor allem der AMT meine Aufmerksamkeit. Udo hat ja schon in der Vorstellung des Bausatzes die dünnen Anschlussleitungen erwähnt. Die sind wirklich sehr dünn. Und noch dazu an der Seite, an der der AMT sowieso sehr wenig Auflagefläche zum Gehäuse hat

Bei den Fräsungen muss exakt gearbeitet werden und bei der Montage muss man aufpassen, die dünnen Leitungen nicht zu quetschen. Wahrscheinlich wirkt es fragiler als es ist. Aber dennoch war es mir nicht ganz geheuer, die mitgelieferten Klemmen direkt ohne Zugentlastung an diese Käbelchen zu klemmen und mit der Dämmung evtl. Zug auf die Anschlussleitungen zu bringen. Also habe ich zunächst die robusteren Leitungen aus dem Bausatz angelötet, die Lötstellen erst einzeln und dann zusammen mit Schrumpfschlauch überzogen und auf ein Stück Klettband geklebt. Im Gehäuse habe ich das Gegenstück des Klettbandes angeklebt. Somit ist die gewünschte Zugentlastung entstanden

Die Frequenzweichen habe ich 2-teilig, nach Hochton und Tiefton getrennt, auf kleinen Brettchen aufgebaut. In die Unterseite habe ich wie schon bei den U_Do 19 mit dem Dremel Nuten für die Kabelbinder gefräst. So können die Brettchen sauber aufliegen und verschraubt werden. Zum Terminal hin habe ich Messing-Ringkabelschuhe gecrimpt und zusätzlich verlötet. Diese wurden mit Messing-Scheiben und Messing-Muttern am Terminal verschraubt. Das Terminal selbst habe ich mit 1×10 mm EPDM-Dichtband zusätzlich abgedichtet

Die letzten Schritte nach dem Lackieren gingen schneller als erwartet. Endlich konnten die Lautsprecher an den vorgesehenen Platz wandern und die ersten Töne von sich geben

Die ersten Töne waren noch alles andere als perfekt. Die Einstellungen des Subs passten natürlich nicht mehr zu den neuen Lautsprechern. Das Potential des AMT hat man aber sofort gehört. Die perfekte Einstellung für eine nicht vorweg vom Entwickler aufeinander abgestimmte Sub-Sat-Kombination zu finden, gestaltet sich tatsächlich immer schwieriger als erwartet. Ist der Sub präsenter, neigt der Bass zum Dröhnen. Dreht man den Sub zurück, fehlt es etwas an Druck im Tiefton. Da ich den Sub mit einem Hypex FA251 betreibe, sind die Versuche leider etwas aufwendiger. Jede Änderung muss über die FilterDesign-Software am PC umgesetzt werden. Da ist der Monacor Verstärker im Oval Sub von Moritz mit seinen begrenzten Einstellmöglichkeiten etwas einfacher in der Handhabung. Aber mittlerweile habe ich eine Einstellung gefunden, mit der ich schon sehr zufrieden bin. Ganz abgeschlossen habe ich das Thema jedoch noch nicht. Vor allem mit der Phase muss ich mich nochmal beschäftigen. Da geht bestimmt noch mehr.

Fazit: Es hat wieder richtig Spaß gemacht. Die BelAir 71 CB sind einfach gute Lautsprecher. Optisch gefallen sie mir hervorragend und der AMT liefert einen absolut beeindruckenden Klang. Ich habe gefunden, was ich (lange) gesucht habe.

Marco

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Kommentare

5 Comments
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Moin Marco,

herzlichen Glückwunsch zum tollen Projekt!

Lange nicht mehr so viel Liebe zum Detail gesehen. Sogar für die Kabelbinder ein Vertiefung gedremelt…und der Aufwand gibt dir recht. Die Boxen sind phänomenal aus!

Viel Spaß beim Hörgenuß.

Liebe Grüße

Uwe

Hallo Marco, erst einmal danke für deinen Baubericht.
Hab direkt wieder etwas gelernt! Die Zugentlastung mit Klettband ist eine Mega Idee! Ich nehme Brettchen, die die Kabel aber immer leicht quetschen. Sicher nicht schlimm aber deine Idee ist definitiv besser.
Und das Weglassen der AMT-Abdeckung gefällt mir ebenfalls. Passt besser zum schwarzen Gehäuse und man sieht je nach Lichteinfall den leichten goldenen Glanz. Schön!
Die Abdichtung des Terminals zeigt Liebe zum Detail und bei einer geschlossenen Box auch sicher eine gute Idee! Darf ich fragen warum du dich für die CB entschieden hast? Die meisten bauen ja doch eher Bassreflex oder ACL.

In Summe richtig, richtig gut!

Viele Grüße aus dem Schwobaländle
Alex

Das mit der erhöhten Präzision kann ich bei meinen beiden Subwoofern absolut nachvollziehen. Der eine für Filme als Bassreflex, der andere für Musik geschlossen.

Man müsste bei den Regallautsprechern glaube ich beides im direkten Vergleich haben. Und bei dir im 2.1 Setup ist, wie du schon sagst, dass Einpegeln nicht so einfach.
Das mit der Größe macht natürlich absolut Sinn. Da würde ich mir oftmals gern den Tiefbass durch Bassreflex in einem kleinen Gehäuse wünschen. 😁

Alles in allem eine tolle Arbeit von dir!

Grüße Alex

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