Jul 23 2017

Wer seinen Lautsprecher liebt, …

Wer kennt das nicht: Man sitzt mit Freunden bei Kaffee und Kuchen und beobachtet die Sprösslinge, wie sie auf ihre Weise die Welt erkunden. Nicht gerade entspannend, wenn man die kleinen Forscher dauerhaft davon abhalten muss, die Festigkeit der Membranen mit ausgestreckten Fingern zu überprüfen. Um dem vorzubeugen, soll es ja helfen, die Lautsprecherchassis hinter Stoff zu verstecken, um sie vor neugierigen Blicken zu schützen. Hier mein kurzer Bericht, wie ich diese Sache für meine SB 417 gelöst habe.

Vorab orderte ich im Web 1,5 m² Akustikstoff sowie einige Neodym Magnete (N52 in 8 x 3 mm). Die Magnete haben für ihre Größe eine erstaunliche Haltekraft, so dass ich guter Dinge Richtung Baumarkt fuhr. Einen Plan bzw. eine Skizze hatte ich da noch nicht. Ich hatte mir nur die benötigten Maße abgenommen. So sollte die Bespannung 24 cm breit und 95 cm hoch werden.

In der Holzabteilung habe ich mir dann verschiedene Nadelholzleisten angesehen. Um das Ganze ein wenig eleganter zu gestalten, entschied ich mich für 1/4 Rundstäbe (20mm) an den Seiten. Außerdem kaufte ich noch ein paar Leisten in 15 x 20 mm für die Querstreben.

In der Werkstatt angekommen, machte ich mich frisch ans Werk. Die Kreissäge erledigte die Zuschnitte auf die geforderten Maße.

Die Abstände zwischen den Querstreben wurden ermittelt und auf den 1/4 Stäben angezeichnet. Um den Leisten neben dem Leim zusätzlichen Halt zu bieten, habe ich sie angenagelt. An den entsprechenden Stellen habe ich die Stäbe mit einem dünnen Bohrer durchbohrt, um die Nägel auf der runden Oberfläche einigermaßen präzise einzuschlagen. Danach wurde Leiste für Leiste verleimt und vernagelt.

Als beide Rahmen soweit fertig waren, habe ich dann auf der Rückseite jeweils die Löcher für die Magnete gebohrt. Dazu nutzte ich einen 8 mm Holzbohrer in der Standbohrmaschine. Vorteil des Holzbohrers – er hat keinen 118° Winkel wie üblich, sondern macht eine mehr oder weniger gerade Schnittfläche am Ende der Bohrung. Den Tiefenanschlag hatte ich so eingestellt, dass die Magnete bündig versenkt waren.

Den Rest der Arbeitsschritte erledigte ich dann zu Hause. Anzeichnen der Magnet-Positionen auf der Lautsprecherfront. Bohren. Einkleben der Magnete. “Bastelkleber”, den wir noch im Haus hatten, erfüllte seinen Zweck zu meiner Zufriedenheit.

Danach kam der für mich schwierigste Teil – der Stoff wollte befestigt werden. Als erstes erledigte ich den groben Zuschnitt. Dazu habe ich den Rahmen einfach auf den Stoff gelegt und außen ca. 5 cm Luft gelassen, um den Stoff umzuschlagen und fest tackern zu können. Begonnen habe ich auf der langen Seite. Alle 5 – 10 cm setzte ich eine Klammer. Dabei achtete ich darauf, dass der Stoff ein wenig gespannt wird. Im Anschluss befestigte ich die gegenüber liegende Seite. Hier muss man mit ein wenig Fingerspitzengefühl arbeiten, um den Stoff ausreichend und gleichmäßig zu spannen.

Der kniffeligste Teil sind dann allerdings die kurzen Seiten, bzw. die Ecken. Hier muss jeder selbst ein wenig experimentieren. Durch die Rundung im Holz war es mir nicht möglich ein perfektes Ergebnis zu erzielen, das ist bei einem klassischen eckigen Rahmen sicherlich einfacher. (Anmerkung der Redaktion: Wenn man den Stoff straff über die Ecke spannt, lässt sich auch die kleine Falte vermeiden) Dennoch bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.

Die überflüssigen Stoffreste auf der Rückseite kann man danach einfach mit einer Schere abschneiden und – FERTIG!

Die Rahmen verleihen den Lautsprechern eine ganz andere Optik. Meine Frau nannte es, glaube ich, Mainstream-Look… Es wirkt natürlich weniger interessant. Und genau das war ja auch Zweck der Übung. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich meine Elektronik vor den Milchmonstern schützen kann… 😉

Ich hoffe, dass ich dem ein oder anderen mit meinem kleinen Bericht helfen konnte.

Sonnige Grüße,
Köter

 

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10 Kommentare auf "Wer seinen Lautsprecher liebt, …"

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Paco
Gast

Habe meinen Blue Notes auch kurz bevor meine Tochter gehen konnte ein abnehmbares Schutzgitter verpasst. Bei mir ist es ein Stecksystem geworden, Magnete erfüllen sicher die gleiche Funktion. Optisch schaut es bei dir recht professionell aus, auch wenn mir selbst der Chassislook auch immer besser gefällt (man darf ja ruhig auch mal zeigen, was man hat;-)
Bzgl. Elektronik und “Milch”monstern kann ich nur dazu raten, genauere Inspizierungen des Innenlebens der Elektronik nur mit leerem Magen zu erlauben. Denn aus Erfahrung weiß ich, dass sich Muttermilch in Endverstärkern überhaupt nicht gut macht:-))

Finde übrigens den klanglichen Unterschied mit/ohne Schutzgitter trotz durchlässigem Akustikstoff ziemlich eindeutig. Habe jedes Mal beim Abnehmen der Gitter das Gefühl, dass “der Vorhang” weggezogen wird, aber das Auge hört bekanntlich mit, also vielleicht ist es auch nur Autosuggestion…

Tobias B.
Mitglied

Hi Köter,

sehr schickes Ergebnis und weit entfernt von “selbstgefrickelter Notlösung”.

Auch beruhigend zu lesen, dass auch andere Papas bei ihren Sprösslingen mit einem klaren Nein nicht weiter kommen. Als meine das Geräusch toll fanden, das beim Klopfen auf den Tieftöner entsteht, musste ich eingreifen.

Sichtbare Magnete auf der dunklen Front meiner SB36 wollte ich nur nicht. Also hab ich mit viel Geduld aus 9mm-Multiplex die Chassis-Öffnungen (Sickendurchmesser plus 2mm) mit einem 45°-Fräser ausgefräst und die Magnete in der Abdeckung so positioniert, dass sie exakt auf die Chassis-Schrauben passen. Hält bombenfest und trotz der Nähe der Magnete zu den Chassis höre ich keine Klangunterschiede. Den Akustikstoff hab ich mit beidseitigem Klebeband fixiert. Sieht nur von der Rückseite etwas lumpig aus (sieht eh keiner), hält aber auch topp.

Grüße Tobias

Baerchen.aus.HL
Mitglied

Moin, Moin,
du triffst mit deine Aktion bei mir volles Verständnis, denn ich hab das gleiche Problem. Nur wären bei mir normale Rahmenhalter oder Magnete nicht kräftig genug, Solche Lösungen hielten schon bei meinen Fertigboxen den Nachwuchs nicht auf. Meine Lösung war da etwas rustikaler. Als Rahmen dienen bei meinen DIY Lautsprechern 10mm MDF Platten in die ich entsprechende Öffnungen gesägt habe. Als Befestigung dienen M4 Stockschrauben sowie M4 Hutmuttern aus Messing. Die Muttern sehen als Zierknöpfe gar nicht schlecht aus. Ich darf jetzt meinem Nachwuchs nur nicht all zu schnell den Gebrauch von Schraubenschlüsseln und Zangen beibringen 😉

Sparky
Mitglied

Moin,

eine schöne Lösung! Im alten Forum gab es ja auch schon Vorschläge bzgl. Abdeckrahmen, aber jetzt ist das mal ordentlich dokumentiert.
Ich selbst stehe ja auf das “technische” Design freiliegender Chassis, es gibt aber auch jene, welche sich gerade daran stören. Da kann so ein mit Stoff bespannter Rahmen den Haussegen wieder gerade rücken, zumal es Akustik-Stoff in allen möglichen Farben und sogar mit Motiven bedruckt gibt 🙂

Gruß,
-Sparky

Felix
Gast

Hallo Köter,

Deine Abdeckung sieht sehr gut aus.
Ich stand beim Bau meiner LP vor demselben Problem und habe es ähnlich gelöst.
Ein paar Details habe ich anders gelöst:
-Rahmen aus einer MDF-Platte gefräst statt zu Leimen
-zwischen Rahmen und Stoff ein feines Gitter mit 2-Komponenten Kleber geklebt
-Magnete im Lautsprecher unter dem Furnier versteckt
-Stoff mit Elastan genutzt – so sind Ecken kein Problem

Beste Grüße
Felix

nymphetamine
Mitglied

Hi Felix,

Hast du dazu ein paar Bilder, die du teilen möchtest?

Wegen dem Gitter… Ich gehe davon aus, dass es dazu dienen soll, einen kleinen Widerstand zu haben, falls jemand mal dagegen drückt… Oder?

Felix
Gast

Ja, da hast du recht. Der elastische Stoff schützt nur optisch ;). Aber klein ist der Widerstand nicht. Wahrscheinlich würde auch ein Erwachsener mit Gewalt nicht viel ausrichten können.

Bilder habe ich nicht gemacht. Ich werde mal einen Account anlegen und vom Endprodukt ein Bild hochladen.

nymphetamine
Mitglied

Hi Köter,

Echt cool… Und danke 😉

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