Aug 18 2017

SB 23/3 ADW esage

Du liest hier, weil Du wissen willst, ob Lautsprecher selber bauen was für Dich ist? JA! Ist es! Du wirst nie wieder schönere, tollere und besser klingende Lautsprecher besitzen. Es sei denn, Du baust Dir nochmal welche. Denn wenn Du einmal das erhebende Gefühl hattest, wenn die Mühsal des Bauens vorüber ist, und die ersten Klänge ertönen… Es hat durchaus Sucht-Potenzial. Und eigentlich sollte diese acoustic-design-magazin.de Website mit entsprechenden Warnhinweisen versehen werden.

Du kannst eigentlich gar nicht bauen? Weißt nicht wie? Nutze das Forum! Da gibt’s eine Menge Leute mit viel Erfahrung, die gerne mit Rat zur Seite stehen. Es ist gar nicht so schwer. Wenn Du nicht gerade 2 linke Hände hast und weißt, auf welcher Seite man Schraubenzieher und Lötkolben anfasst, dann wird es schon klappen. Das folgende Protokoll lässt Dich an meinem Weg teilhaben.

21. Juni 2017
Planungsphase

Auch nach dem Bau von 1x Viecher und 2x Mona 2.1 seh ich mich immer noch als Anfänger im Lautsprecherbau. Es gibt soooo viel zu lernen. Welcher Bausatz es werden soll, wurde im Forum des Magazins in Erfahrung gebracht. Der erste Schritt war getan.

Dann Sketchup Download, Installation und Einarbeitung. Ich habe mit dem Programm schon einmal gearbeitet, aber das ist schon ca. 10 Jahre her. Habe mich recht schnell wieder reingefunden, neue Funktionen entdeckt und habe gerade richtig Spaß daran, verschiedene Konstruktionen auszuprobieren. Und die Funktion der Komponenten-Erzeugung in Sketchup ist ein Segen!!! Die kannte ich vorher noch nicht. Damit ist alles viel einfacher geworden.

Es gibt viele imposante Fotos von Baubeispielen in der Galerie bei ADW. Manche finde ich gleichermaßen extravagant, wie teils auch (Achtung! subjektives Geschmacksempfinden) hässlich. Ich bin mehr ein Freund der geraden Linien und leichten Rundungen. Zeitlos eben.

Störfaktoren

Nun, da wären die Finanzen an erster Stelle. Scheidung, Kindesunterhalt, neuer Wohnort… Ein hochpreisiger Bausatz ist da erstmal nicht drin. Und momentan auch nicht gewollt. (Stichwort Perlen vor die Säue…)

Im Haus, in dem Ex-Frau und Kinder noch hausen, stehen noch ein Paar ACR Eckhörner, die ich mir mal gebraucht auf eBay gezogen hatte. Und die haben schon eine hochwertige Bestückung. Irgendwann habe ich sicher auch mal wieder den Platz, um die bei mir aufzustellen. Ich schweife ab… Also Finanzen… Es muss etwas sein, das zum Kontostand passt. Noch 2-3 Monate sparen und dann SB 23/3 kaufen. Das war der Plan.

Vorgestern Morgen dann Ruf ins Chefbüro. Beförderung, Gehaltserhöhung. Tschakka! Vorgestern Abend dann Bestellung des Bausatzes bei Udo.

Weiterer Störfaktor: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich schiebe derzeit Überstunden ohne Ende. Und dann haben wir auch noch Besuch zu Hause. Schwiegermutter in spe (ja, eine neue Liebe) und eine Freundin aus dem Ausland im Haus. Wegen der gesellschaftlichen Verpflichtungen kommt mein Sketchup-Plan nicht voran.

Was für mich ein wahrer Segen ist: Auf einen WAF brauche ich nicht zu achten. Meine Geliebte hat auch eher die Einstellung, dass man lieber vorhandene Möbel zum Wertstoffhof bringt, als dass man die neuen Boxen zu klein baut. Eine Genießerin durch und durch. Bei Klang und bei Wein…

Weitere Planungsphase

Nach nochmaligem Lesen von  “Gehäusematerial”  bin ich jetzt doch am überlegen, lieber Multiplex zu nehmen als MDF. Endgültig entschieden habe ich mich da aber noch nicht. Am Wochenende will ich dann mit Sketchup weiterarbeiten. Udo hat sich auch schon gemeldet und angekündigt das mit baldiger Lieferung der Komponenten zu rechnen sei. Fein. Das bedeutet huldvolles Auspacken in der Werkstatt, begleitet von ausgiebiger Begutachtung, gefolgt von mind. einer Stunde Streicheleinheiten für alle Komponenten.

24. Juni 2017 Vormittags
Planungsphase abgeschlossen

Der Hoch- und Mitteltöner kommen in ein extra Gehäuse, damit ich später mehr Variabilität bei der Aufstellung habe. Die Planungsarbeit in Sketchup habe ich heute abgeschlossen. Ich verstehe immer mehr von der Funktionsweise, aber manchmal ist es doch noch etwas holprig, was ich da tue. Aber Ziel erreicht: Die Gesamthöhe beträgt nur 81cm, was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Aber der bevorzugte Hörplatz wird im Schlafzimmer das Bett sein. Und der HT soll ja auf Ohrhöhe liegen, habe ich irgendwo gelesen. Wenn ich die Boxen mal woanders aufstellen will, kann ich die HT/MT Kombo ja leicht anders platzieren.

Die Materialliste ist auch fertig und gleich geht‘s zum Baumarkt. Ich habe mich jetzt für Birke-Multiplex 21mm entschieden. Die nächste Stärke wäre 24mm und das schien mir dann doch übertrieben.

Das Paket von Udo kam noch nicht an. Ich vertraue mal darauf, dass die Lautsprecher-Maße nach Udo’s Sketchup immer noch stimmen. Sonst wird es spannend mit meinen “Überlappungen” auf die Außenwände. Das muss passen! Bin schon gespannt, was für Überraschungen es während der Bauphase geben wird…

24. Juni 2017 nachmittags
Einkauf

Die Geliebte und Ihre Mama ins Auto gepackt und nach Erding gefahren. Nächster Halt: Baumarkt. Es ist Samstag!! Samstag und Zuschnittliste in der Hand. Ich bereite mich mental auf gestresste Gesichter und lange Warteschlangen vor.

Als ich den langen Gang Richtung Holz gehe, sehe ich den Sägemeister gelangweilt auf seinen Tresen gelehnt. Und er schaut völlig arbeitslos und erwartungsvoll auf mich.
Was ist los? Scheinbar die Außentemperatur. 32°C. Kein Mensch hat Bock, etwas zu tun, das nach Arbeit riecht.

Dass ich, nachdem er die Liste angeschaut hat, noch darauf hinweise, dass es für Lautsprecher ist und dass er bitte möglichst exakt arbeiten soll… So etwas sagt man keinem bayrischen Handwerker, der was auf sich hält. Dem Gebrumme “Wos moanst, wos i sonst moch‘ mit da Sägä?” entfliehe ich durch die Ansage “Ich komme dann später zum Abholen”. “A vierdl‘ Stund’” hör ich noch und schon bin ich gen Farb-Abteilung unterwegs.

Osmo Hartwachs-Öl soll es werden. Das Zeug habe ich schon für Tische und Treppenstufen benutzt. Ist ziemlich robust und macht eine schöne Oberfläche. Nach Austrocknung hat es auch nix mehr mit Öl zu tun. Das ist dann eher lackähnlich.

Ich wähle 2 transparente Hartwachs-Öle, weil ich ja 2-farbig will, aber trotzdem noch die Holzmaserung durchgucken darf. Ebenholz und Patina. Bin selbst schon gespannt, ob das eine gute Wahl war. Schlimmstenfalls kommt Folie drüber. Die Farben in der Hand geh ich zurück zum Holz, um meinen Stapel abzuholen.

SCHOCK!!! Das kann nicht sein! Das gibt’s doch nicht! Habe ich da die falschen Maße abgegeben??? Alles in mm. War ja klar angesagt!! Nach genauerer Begutachtung folgt dem Schock noch leichter Unglaube, dann aber die Gewissheit: Die Dinger sind echt nicht groß! Da fehlt einem immer irgendwie der Maßstab…

Zu Hause habe ich dann mal einen Satelliten locker zusammengesetzt. Das kleine Stückchen Holz, das gerade mal Handtellergröße hat, wirkt nur deswegen so klein, weil es ja noch von je 2x 21mm eingerahmt wird. Als komplettes Gehäuse wirkt es dann doch wieder anders. Und meine Idee, dass ich die Breite maximal schlank machen und die Ausfräsungen dann noch über die Außenwände reichen lasse… Nun, das macht die Kisten wirklich verdammt schlank!

Kosten

Das 21er Multiplex und die beiden Hartwachs-Öle haben mich zusammen 178,46€ gekostet… Wobei allein auf die Öle fast 50€ fallen. Dann kann der Bau ja jetzt beginnen…

25. Juni 2017

Am heiligen Sonntag um 8 aufgewacht und gleich in den Keller runter. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand wurde der Leim bereitgestellt und der Werktisch leer geräumt um Platz für den Aufbau zu schaffen. Bis zum Frühstück waren die Satelliten bereits fertig verschlossen und bekamen noch etwas Zeit zum durchtrocknen. Läuft…

Nach dem Frühstück ging es an die ersten Bassboxen. Beide werden parallel aufgebaut. Wegen weiterer familiärer Verpflichtungen habe ich die nicht mehr fertig bekommen können. Nun ist Abend und ich sitze mit einem Glas Wein am PC und bin durchaus zufrieden mit dem Tagwerk. Wenn man sich ranhält kann man die Kisten eigentlich an einem Tag zusammenbauen. Wenn man arg in Sound-Not ist, vermutlich inklusive Elektronik. Aber die wirklich wichtigen Bauteile sind ja noch gar nicht bei mir. Da kann ich mir mit dem Holz auch ruhig Zeit lassen.

Anm. des Autors: Nun, da ich die Fertigstellung bereits hinter mir habe und dieses „Protokoll“ noch einmal durchlese… Die Einschätzung, man könnte es auch an einem Tag schaffen, ist eine krasse Fehleinschätzung. Der Gehäusebau geht „relativ“ schnell, aber Elektronik und Finish kosten noch richtig viel Zeit.

Beim Bau bemerke ich noch, dass ich am Plan eine Kleinigkeit ändern werde. Man lernt dazu.

25. Juni 2017, kurz vor Mitternacht

Nachtrag: Gerade wollte ich den Sketchup Plan ändern… Weil, wie oben gesagt: Man lernt ja beim Bau dazu. Aber… ICH DEPP!!! Was ich jetzt dazu gelernt habe, ist, dass man auch mal auf seinen eigenen Plan schauen sollte und nicht einfach den Kram zusammenbappen, wie es gerade scheinbar Sinn macht. Im Sketchup ist alles, wie es sein sollte. Aber Glück gehabt, dass die Reihenfolge, in der ich die Bretter jetzt benutzt habe, auch funktioniert… Mann Mann Mann! Augen auf!

26. Juni 2017

5:30 aufstehen. Dienstreise nach Frankfurt. In Frankfurt 3 Stunden Arbeit, dann wieder die 4 Stunden Rückfahrt. Zu Hause mach ich die Tür auf und mir lacht ein fettes Paket entgegen. Ich freu mich. Alle Komponenten gut angekommen. Klasse!

Weniger Klasse: Ich habe heute mal genauer geschaut, was ich da eigentlich beim Leimen falsch gemacht hatte, denn die Stirnseiten der Bretter lagen anders, als ich das wollte. Nun ist mir alles klar. Der Bass-Schlitz sitzt jetzt so, dass die Boxen bei normaler Aufstellung 50 cm hoch sind und 56cm tief. Mein Plan war genau anders herum.

Die 6 cm hören sich nun wahrlich nicht so schlimm an, aber die Möbel, neben denen die Boxen stehen sollten, sind eben auch genau 50 cm tief. Glück gehabt, dass trotzdem alles gepasst hat. Der Bass-Schlitz hat jedenfalls die korrekte Öffnungsfläche. Naja, Hauptsache der Sound passt…

Die nächsten Bretter sind gerade frisch angeleimt. Ich denke, ich kann mich schon mal an die Weiche ranmachen. Nächstes Wochenende will ich alles fertig haben. ANFANG Wochenende versteht sich…

27. Juni 2017

An die Frequenzweiche habe ich mich gestern dann doch nicht mehr gemacht. Die Einzelteile habe ich ausgepackt, den Plan begutachtet und dann ging es los mit den Gedanken…

Eigentlich sehen die Jantzen-Komponenten doch ganz hübsch aus. Diese schwarze, glatte Oberfläche neben den kupferfarben leuchtenden Spulen… Das hat was. Wenn man das ganz sauber und ästhetisch aufbaut und evtl. in einen Acrylglas-Schrein mit dezenter Beleuchtung packt… Das könnte richtig toll aussehen, wenn man das als Blickfang auf die Bassbox stellt. Oder lieber doch Quick and Dirty die Teile zusammenbraten und im hintersten Eck des Gehäuses verstecken? Hauptsache es funktioniert?

Zur Zeit tendiere ich zu ersterem, aber das würde wieder viel mehr Zeit kosten. Vielleicht erstmal zusammenbraten und einen zweiten Satz kaufen und den dann in Ruhe schönmachen? Kostet auch wieder Geld… Wenn ich heute Abend weiter leime, werde ich mir darüber Gedanken machen. Jetzt geht erstmal das Meeting im Büro weiter…

28. Juni 2017

Vor 2 Tagen habe ich leider gesehen, dass die Schnitte des Baumarkt-Sägemeisters an den Stirnseiten nicht ganz winklig sind. An den Stellen, wo die Bretter ohne “Anlehnbarkeit” festgeleimt wurden ergab sich nun leider das Problem, das es nicht passt, wenn der abschließende Deckel aufgesetzt wird.

(Notiz an mich selbst: Neues Haus bauen mit ausreichend Platz für große Werkstatt. Notiz2: Formatkreissäge anschaffen und in Werkstatt stellen)

Am Bassreflex-Schlitz offenbart sich das ganze Problem.



Gestern gab es dann geschäftlichen Besuch aus USA im Büro. Abends Business-Dinner. Also die typischen Verhinderer von privatem Spaß zu Hause in der Werkstatt. Bin dann zu Hause, ohne Umweg über Werkstatt, gleich ins Bett.

Heute morgen aber wollte ich das Problem dann angehen und “mal eben schnell” die Versteifungen einleimen, damit die Unsauberkeiten damit geheilt werden und das bis abends durchhärten kann.

Wie man hier sieht, habe ich Spanngurte genutzt, um die Bretter in Position zu bringen. Da musste ich ganz schön Zug draufmachen. Da rächt sich wieder, das ich 21er Multiplex genommen habe. 18er hätte es auch getan…

Mal schauen ob es heute Abend knallt, wenn ich die Spanngurte wieder löse, oder ob die Versteifungen das wirklich in Position halten… Wenn erstmal der große Deckel über alles geleimt wurde, ist das Problem endgültig Geschichte…

29. Juni 2017

Gestern Abend bekam die erste Bassbox den abschließenden Deckel aufgesetzt. Diesmal konnte ich mangels genügend Zwingen nur eine machen. Die andere kommt dann heute Abend dran. Etwas Angst hatte ich ja noch, dass die Klebung der Versteifungen evtl. nicht hält, weil ich die eine Seitenwand mit einem Spanngurt und reichlich Zug in die Waagerechte zwingen musste. War aber kein Problem.

Außerdem habe ich mir noch Gedanken gemacht, ob ich die Terminals und Kabel evtl. zuerst einbaue und dann den Deckel aufklebe. Aber dann war ich mir recht sicher, dass ich das auch später durch die Öffnung des Treibers erledigen kann. Bin mal gespannt, ob ich mir damit nicht Schwierigkeiten eingehandelt habe…

Eine Sache habe ich aber noch erledigt, bevor der Deckel aufgeklebt wurde: Der Reflexkanal wurde innen lasiert. Da kommt man später sonst wirklich schlecht dran.

30. Juni 2017

Gestern Abend war ich so gefrustet, dass ich erst einmal eine Pause einlegen musste. Heute habe ich mich wieder gesammelt. Was ist passiert? Der Geist des Baumarkt-Schreiners hat einen langen Arm. Auf obigem Bild sieht man ja das erste, verleimte Gehäuse. Gestern habe ich dann dem zweiten den Deckel aufsetzen wollen. Und dabei ist mir aufgefallen, dass es auf drei Längsseiten satt aufliegt, aber ganz unten, auf der vierten Längsseite, eine Lücke von ca. 1mm klafft. Da kann ich auch mit noch so vielen Zwingen nicht Holz auf Holz verkleben. Offensichtlich waren die Bodenbretter der beiden Boxen mit leicht anderer Breite gesägt worden. Der beiden Boxen?

JAAA! Nach kurzem Check der anderen Box war es da genauso. Nur das mir das vorgestern nicht aufgefallen ist. Der Spalt ist auch dort vorhanden, wenn auch nicht ganz so breit. Das Problem werde ich vermutlich mit 24h Epoxidharz erledigen. Da ich auch ferngesteuerte Flugzeugmodelle baue, habe ich sowas immer da. Wenn das erhitzt wird, ist das so flüssig, das es in die kleinste Ritze läuft. Muss ich nur höllisch aufpassen, dass es wirklich nur dorthin läuft, wo es auch hin soll.

Wie ich sowas hasse! Da gibt man sich große Mühe beim Bau, richtet alles sauber aus und prüft mehrfach, dass es auch ja passt und dann passiert etwas, wofür man selbst gar nichts kann. Das sorgt dafür, das der Liebhab-Faktor der neuen Kisten gleich um Faktor X nach unten stürzt. Da kann Musik rauskommen wie will, ich werde ständig den hässlichen Schlitz vor meinem geistigen Auge sehen.

Anm. des Autors: Ich habe, nachdem die ersten, süßen Klänge aus den Lautsprechern kamen, an alles Mögliche gedacht. An schöne und erhebende Dinge. An das Schlitz-Problem definitiv nicht mehr!

Die vage Idee, dass ich irgendwann mal eine Kreissäge besitzen möchte, wandelt sich langsam, aber sicher, zu einem Muss. Aber in DEM Baumarkt werde ich die ganz sicher nicht kaufen!! Und wenn ich die dann mein Eigen nenne, dann wird auch endlich auf Gehrung gearbeitet. Aber jetzt muss erstmal der Ärger wieder verfliegen

4. Juli 2017

Nein, ich bin noch nicht fertig. Ja, ich nehme zur Kenntnis, dass Ihr das schon vorher hättet sagen können. Nein, ich war nicht faul. Ja, es kommt immer alles anders als man denkt.

Tochter per Online-Chat am Freitagabend: “Weißt Du eigentlich, wann mein Abiball ist?”
Ich: “Nein?”
Tochter: “Morgen ab 15:30”

Da geht er hin, der Samstag im Bastelkeller… Aber das hol ich auf… Am Sonntag hol ich das auf…

Am Sonntag kam es dann zur Beinahe-Katastrophe. Ich sag nur: unbemerkt abgelöster Absaugungskanal an der Oberfräse, überhitzter Fräskopf, glühende Späne, angeschmolzener Staubsaugerschlauch und viel viel Rauch im Bastelkeller…
Aber ansonsten war alles prima.

Ab sofort habe ich mir eine Entschleunigungstherapie verordnet. Jetzt geht es langsam weiter. Mit Bedacht. Stück für Stück. Schritt für Schritt.

Mit dem Holzzuschnitt und der fehlenden Exaktheit bin ich mittlerweile auch wieder im Reinen. Bandschleifer und Schwingschleifer hatten viel zu tun. Und ein abschließender Schleifvorgang steht noch aus, bevor die Lasur draufkommt. Aber erstmal werden die Gehäuse wieder auf gefräst, damit die Treiber Ihre Plätze einnehmen können. Die Bassboxen habe ich bereits gestern Abend gemacht.

Eine kleine Sitzprobe hat ergeben, dass ich es ein wenig zu gut gemeint habe, mit meinem Exaktheitswahn. Die Dinger sind dermassen saugend in die Vertiefungen zu setzen, dass sie nur mit etwas Druck rein wollen. Und wenn sie einmal drin sind… Nicht einfach, sie dann wieder raus zu bekommen, ohne das Chassis zu verkratzen. Da muss ich vielleicht doch nochmal mit Schleifpapier ein Zehntel mm mehr geben…

Aber es sieht schon mal saugeil aus, dass die Chassis bis fast ganz zum Rand hin ragen. Da bin ich echt happy mit. Genauso sollte es sein. Jeder mm wurde ausgenutzt. Schlanker kann man das mit dem Bass nicht bauen.

6. Juli 2017
Fertigstellung der Holzarbeiten

Ich bin jetzt jeden Abend so 1-2 Stunden im Bastelkeller und mache gemütlich weiter. Der nächste Fehler musste natürlich auch nicht lange auf sich warten lassen. Die Öffnung für die Mitteltöner habe ich (innen) mit zu kleinem Radius gemacht. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Das Loch ist einfach um 5mm zu eng. Deswegen konnte ich den Mitteltöner nicht ganz im Loch versenken. Da stossen die Chassis-Streben an das Holz.

Kein Problem… Oberfräse her und an genau den Stellen, wo die 4 Träger sitzen, herzhaft mit der Oberfräse Platz geschaffen. Nach getaner Arbeit passen die ganz wunderbar (der Außenradius hat gepasst).

Dann folgt die Ernüchterung! Genau da, wo ich so herzhaft weggefräst habe, müssen die Schrauben auch noch etwas Material finden um zu halten. Tja… Was soll ich sagen. So wird das nix.

Ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt die kleinen Gehäuse komplett neu zu machen. Aber dann habe ich mich auf einen Trick besonnen, den ich auch gerne sonst im Modellbau anwende: Ich mische Holzleim mit Sägespänen, sodass ich eine zähe, klebrige Masse bekomme. Damit spachtele ich dann die Fräsungen wieder zu. Das Zeug ist so zäh, dass es sich gut formen lässt und dann nicht mehr davonfließt. Außerdem klebt es noch eine Weile in der Art, dass es sich auch mit der direkten Umgebung prima verbindet. Das Ergebnis ist hart, fest und lässt sich gut mechanisch bearbeiten. Dann kann ich also wieder Löcher bohren und Schrauben reindrehen. Das Gemurkse muss ja nur halten und nicht gut aussehen. Die Überprüfung heute morgen hat ergeben, dass mein Bemühen von Erfolg gekrönt war. Sobald die Chassis drin sind, sieht das je eh kein Mensch mehr.

Gedanken zur Verkabelung

Ich mag es nicht, wenn Dinge überstehen, die nicht überstehen müssten. Einfache Terminals tun das in geringem Maße. Die Anschlüsse, die im Bausatz beilagen sind allerdings ein anderes Kaliber. Wenn ich die so versenken will, das auch bei einem eventuellen Transport nichts übersteht, dann müsste ich ziemlich Aufwand treiben.

Ich gehe jetzt einen komplett anderen, unorthodoxen Weg. Ich werde 4 mm Goldbüschel-Stecker benutzen, die ich im Modellbau für die Stromversorgung meiner E-Motoren verwende. Die Stecker haben einen Übergangswiderstand von <0,2 mOhm, sind für Kabelquerschnitte von bis zu 2,5qmm geeignet und können bei meinen Modellflugzeugen bis 80A Dauerbelastung aushalten. Das gemeine Volk spricht auch gerne und völlig undifferenziert von “Bananensteckern”. Aber da gibt es ziemliche Unterschiede…

Die Kupplungen haben jedenfalls eine Länge von fast 22mm und einen Aussendurchmesser von 5mm. Die kann ich also im 21mm Multiplex prima von innen einschieben und bündig mit der Aussenwand abschliessen lassen. Im Holz mache ich 2cm Abstand von Buchse zu Buchse. Selbst wenn das Holz eine gewisse Eigenfeuchte aufweist, den resultierenden Übergangswiderstand durchs Holz kann ich bei den Spannungen der Audio-Anwendung geflissentlich ignorieren. Und wenn ich doch auf Nummer Sicher gehen will, dann kann ich die Buchsen auch noch in Schrumpfschlauch packen…

In Position gehalten werden die Dinger dann von innen, mit einer Portion Heißkleber. Im Ergebnis habe ich dann Lautsprecher, die auch beim Transport, nichts überstehen haben und die mit “Bananensteckerkabeln” leicht zu verdrahten sind.

Die Frequenzweiche werde ich auf jeden Fall als außenstehendes Kunstwerk planen. Falls es doch ein hässliches Entlein wird, kann ich es immer noch verstecken. Falls es gut wird, werden sie dann auf der Bassbox thronen dürfen. Schaun wir mal.

Unschlüssig bin ich noch, ob ich erst einmal alles roh lasse und die Elektrik zuerst fertig mache, um mich eine Weile am Klang zu erfreuen, oder ob ich erst das Finish mache und dann erst die Elektrik. Im ersten Fall kann ich früher was hören, muss dann aber später nochmal auseinander bauen. Im zweiten Fall dauert es länger bis mich die Klänge erfreuen, aber dann bin ich endgültig fertig. (wenn man das jemals ist)

14. Juli 2017
Finish

Die Frage ob Lack, Folie oder Hartwachsöl war ja schon recht früh geklärt. Folie kann ich zwar, aber irgendwie ist da immer ein “ist ja nur Plastik” Gefühl dabei. Sprich, es kann so geil aussehen, wie es will, es kommt mir mit Folie immer irgendwie nicht wirklich hochwertig vor.

Lack wäre eine Option, weil das Ergebnis sehr hochwertig ist. Wenn man es denn kann… Zum einen verfüge ich derzeit nicht über das nötige Equipment zum Spritzen, zum anderen habe ich keine Räumlichkeiten mit ordentlicher Abluftanlage zur Verfügung. Und außerdem macht das so richtig Arbeit. Mit grundieren, fillern, schleifen, fillern, schleifen, Farblack, Klarlack usw… Es gibt doch Lack aus der Spraydose? Ääääh ja. ich glaube ich nehme die Gehäuse dann lieber als Hamsterkäfig, als so etwas zu nutzen. Wenn Lack, dann richtig.

Hartwachsöl habe ich bisher noch nicht genutzt. Aber der Händler, der mir die Bambusholztreppen ins Haus gebaut hat, hat auf die Frage, mit was für einem Lack die denn beschichtet sind, gesagt: Osmo Hartwachsöl. Und ich so “Ööööööl??” Also seit Jahren wird die Treppe genutzt und die Stufen mit dem Öl sehen immer noch Top aus. Das wollte ich dann mal für die Boxen probieren.

Behandlung

Vor dem Ölen steht das Schleifen. Ähnlich wie beim Lack sollte die Holzoberfläche möglichst gut vorbereitet sein. Keine Löcher, Riefen, Lücken. Gröbstenfalls mit 240er Endschliff. Wobei ich extra “seidenmatt” für die transparente Endbehandlung der Oberfläche verwende und nicht glänzend. Das verzeiht dann doch die ein oder andere Unsauberkeit.

Die Boxen habe ich auf allen Seiten mit einem Abrundfräser behandelt und dann alles verschliffen. Zuerst mit 120er, dann mit 240er. Nach dem Entstauben per Staubsauger mit Aufsatzbürste sah das dann so aus:

Dann habe ich mal die Chassis “anprobiert” und musste leider feststellen, dass die Maßangaben für die Frästiefe, die ich aus Udo’s Sketchup entnommen habe, leider für den HT nicht stimmten. 5mm sind zu viel. Da muss ich dann wohl Korrektur-Maßnahmen ergreifen:

Nun ging es an das Vorbereiten für den ersten Ölauftrag. Da ich weiß, dass Malerkrepp nur für sehr zähflüssige Farbe gut funktioniert und Öl naturgemäß höherer Kapillarwirkung nachgeht, wollte ich etwas “Dichteres” haben. Ich habe mich für “Paketklebeband” entschieden. Das ist auch so dünn, dass man gut sehen kann, wo es schon “angerubbelt“ ist und wo nicht.

Ich wollte zuerst mit der helleren Farbe beginnen und später dann die dunkle Farbe im zweiten Gang aufstreichen. Ich habe bewusst beide Farben komplett getrennt aufgetragen. Ich wusste nicht, ob man erst die ganze Box mit der helleren Farbe einhüllen kann, dann abkleben und dann die Dunkle nur noch da drüber, wo man sie hinhaben will. Ich wollte aber auch keine Zeit mehr aufwenden, um das extra zu testen.

Beim Auftragen “Stoß an Stoß” muss man dann eben präzise mit dem Klebeband umgehen. Hier sind die Kleinen beim Trocknen nach dem Auftragen der hellen Farbe:

Wie bereits gesagt: Im Baumarkt sah die Farbe, auf dem Kiefern-Probestück, doch etwas anders aus. Ich wollte mehr so eine hellgrau/dunkelgrau Farbgebung. Das Dunkle hätte auch gerne ein bissl ins braun gehen dürfen. Aber soooo… Das ist doch schon fast GRÜN! Oh je oh je!!

Aber erst einmal abwarten. Es ging mir schon oft so, dass ich während des Schaffens große Zweifel hatte, aber wenn man fertig ist, sieht alles ganz anders aus. Also mal sehen, ob ich mich damit anfreunden kann. Im schlimmsten Fall –> Folie drüber. Das ist ja schließlich hochwertiger Kunststoff und kein billiges Plastik…

Die Bassboxen wurden dann ebenso behandelt. Hier zeigte sich, das der gewagte Ausschnitt, über die Seitenwände hinweg, auch für das Abkleben eine besondere Herausforderung sein wird…

Das Klebeband habe ich übrigens schon nach ca. 5-6 Stunden Trockenzeit abgezogen, also, bevor es ganz durchgetrocknet war. Aber ich glaube, das wäre bei den Ölen nicht wirklich nötig gewesen.

Die farbigen Öle sind für den Außenbereich vorgesehen. Ebenfalls von Osmo. Habe ich erst später bemerkt, dass ich die für den Außenbereich erwischt habe. Na hoffentlich vertragen sich die mit dem transparenten Seidenmatt für den Innenbereich, den ich als Abschluss Schicht auftragen will…

Hier steht die ganze Familie bereits zusammen, nachdem das Ebenholz-Öl für die dunkle Seite aufgetragen wurde:

Das Klebeband habe ich auch relativ schnell, nach dem Auftrag, entfernt, weil ich eine Befürchtung hatte, die sich dann auch bestätigt hat. An einigen Stellen ist das dunkle Öl unter das Klebeband gekrochen und hat sich auf das helle gelegt. Da es unter dem Klebeband nicht so schnell trocknen konnte, habe ich das Malheur mit Küchen-Tüchern ganz passabel korrigieren können. Das ist insbesondere in dem Bereich passiert, in dem die großen Ausschnitte der Bass-Chassis lagen, also da, wo ich schlecht um die Kanten abkleben konnte. An manchen Stellen war ich dann aber doch nicht sorgfältig genug mit dem Abkleben. Das muss ich beim nächsten Mal besser machen.

Nach einem Tag Trocknen kam dann gleich die erste Schicht des transparenten Hartwachsöls drauf. Meine Befürchtung, dass das dann evtl. die drunter liegenden Lasuren anlöst und es zu Schmierereien kommt, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Das ist also super geeignet für so eine mehrfarbige Behandlung. Hier sieht man noch einmal, wie die Lasur ohne das transparente Hartwachs-Öl aussieht. Extrem stumpf. Die Box im Hintergrund glänzt noch wie eine Speckschwarte, weil das Öl da noch ganz nass ist. Die transparente Schicht habe ich nach einem Tag Trocknen noch einmal wiederholt.

Wie habe ich das eigentlich gemacht? Baumarkt-Billig-Kunststoffwalze. Das Öl lässt sich damit super einfach aufbringen. Man muss nur darauf achten, dass man es wirklich dünn macht. Je dicker die Schicht, desto länger dauert das Durchtrocknen. Und wenn es allzu dick ist, dann bleibt das irgendwie für immer zäh… Und die Gefahr von laufenden Nasen gibt es ja auch mit dem Öl, nicht nur bei Lack.

Wenn ich mal zuviel Öl aufgetragen hatte, dann habe ich die Walze in der Kunststoffwanne etwas “leer” gerollt und bin dann nochmal über das “Werkstück” gegangen. Die leere Rolle saugt dann das überschüssige Öl wieder auf. Notfalls einfach eine neue Rolle verwenden und direkt über die Box gehen.

Nach einem Tag Trocknen habe ich dann angefangen mit dem Einbau der 4mm Buchsen, Verlöten der Kabel und Einbau der Chassis. Im Bild sieht man die bereits versenkten Buchsen. Die haben stramm in die 4mm Löcher gepasst, die ich gebohrt hatte. Eigentlich waren sie bereits fest genug. Dennoch habe ich das Ganze noch mit Heißkleber gesichert.

Als ich mit dem ersten Böxchen fertig war, habe ich bemerkt, dass ich das Öl doch an ein paar Stellen etwas beschädigt hatte. Es ist nach einem Tag einfach noch zu weich, um gefahrlos damit hantieren zu können. Da sowieso wieder eine Dienstreise anstand, passt eine längere Pause ganz gut. Am Wochenende geht es dann weiter mit der Verkabelung. Und dann fehlen nur noch die Frequenzweichen. Da bin ich schon mal sehr gespannt, wie das dann aussieht, was mir im Kopf vorschwebt. Ich hoffe, es wird keine Vollkatastrophe. Der Plan hat jedenfalls mit Textilgewebeschlauch und Schrumpfschlauch zu tun. Mehr sag’ ich erstmal nicht.

17. Juli 2017
Kurze Zwischenmeldung

Nach weißen Blitzen und dunklen Schlieren im linken Augensichtfeld und Besuch in der Notaufnahme der Augenklinik konnte ich am Sonntag mit den Frequenzweichen weitermachen. Es gab wohl eine Netzhautablösung, die aber unkritisch ist. Mal schauen, was die Nachuntersuchung am Freitag ergibt. (Anm. des Autors: Alles gut überstanden. Man wird halt alt…). Dem weiteren Bau der Frequenzweichen tat das aber keinen Abbruch.

Bin ich jetzt endlich fertig? NEIN! Warum nicht? Weil ich mir mit dem Wunsch der externen Frequenzweiche als Blick- (nicht Staub-) fänger ein ziemliches Ei gelegt habe. Ich bin jetzt schon den 3. Abend im Keller und die erste Weiche ist jetzt gerade mal halb fertig. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich die Arbeit wirklich lohnt.

Aber wenn ich mir den Teil anschaue, der schon erahnen lässt, wie das Ganze aussieht, wenn es mal fertig ist, dann freu ich mich schon richtig dick auf das Endergebnis. Ich denke, wenn ich den ersten Applaus einheimse, ist die ganze Qual vergessen. (Meine Geliebte applaudiert mir immer. Es besteht also keine Gefahr keinen Applaus zu bekommen)

Ich denke, am Wochenende sollte es endlich soweit sein. Mag sein, das ich unglaubwürdig geworden bin, weil das ja jetzt schon das 3. Wochenende ist, an dem sie endlich fertig werden sollen, aber naja. Ich hab‘s im Gefühl, das es kommendes WE wirklich so weit sein wird. Ich freu mich jedenfalls tierisch drauf. Die Kisten sehen schon mal ziemlich scharf aus… Auch an die Farbe habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Ach was sag ich! Ich habe nie eine schönere gesehen!

18. Juli 2017 um 19:07
Eine Korrekturmaßnahme

Ich hatte weiter oben bereits ein Bild veröffentlicht, das zeigte, dass der Hochtöner zu tief versenkt worden ist. Die dadurch entstehende Kante hätte mein ästhetisches Feingefühl derb gestört. Das hätte ich mir auf Dauer nicht anschauen können, ohne dass Falten der Verzweiflung tiefe Furchen in meine Stirn gegraben hätten. Ansonsten passte der Hochtöner prima in den vorgesehenen Ausschnitt. Bissl Luft nach außen war da, aber nicht zuviel.

Wie also hebe ich das Ding an, ohne das die Dichtigkeit leidet? Nach ein wenig Wühlerei im Bastelkeller kam ich auf NYM-J 5×1,5. Diejenigen, die schon ein wenig mit Elektrik zu tun hatten, wissen sofort, dass es um Elektrokabel geht. Ich habe mir, in passender Länge, die schwarz isolierte Einzelader herausoperiert. Da es hier aber um massive Kupferader geht und nicht um flexibles Kabel hatte ich ein Problem:
Das Kabel hat in seinem Leben scheinbar schon einiges mitgemacht und dementsprechend war die Ader wellig und hie und da geknickt. Wie bekommt man sowas gerade, um es dann schön in die Rundung des Hochtöner-Ausschnitts legen zu können?

Hier mein Trick, gelernt in meinen Tagen als Azubi der Elektro-Zunft: Man nehme einen fest montierten Schraubstock und spanne ein abisoliertes Ende in eben diesen Schraubstock ein. Nun nimmt man das andere Ende des Kabels, ebenfalls am blanken Kupfer mit einer Kombizange und zieht einmal kräftig dran. Und zwar so kräftig, dass das Kupfer in dem Prozess ein paar Millimeter an Länge gewinnt. Und schwupps, schon hat man einen Kupferdraht, der wieder kerzengerade ist. Wenn man gerade keinen Schraubstock zur Verfügung hat, dann kann man auch zwei Zangen nehmen und die in beiden Händen halten und diese dann ruckartig voneinander entfernen lassen. Das tut zwar ein wenig an den Händen weh, aber das geht zur Not auch. Die maximal mögliche Länge der Leitung, die man so begradigen möchte ist dann aber, verständlicherweise, von der Länge der eigenen Arme begrenzt.

Jetzt habe ich eine Ader auf die Weise in den Hochtöner-Ausschnitt gelegt und mit Seitenschneider auf die korrekte Länge abgeschnitten. Danach habe ich die Isolierung auf dem Draht so verschoben, dass der Draht an einem Ende blank herausgeschaut hat. Das blanke Ende konnte ich dann auf der anderen Seite des Kreises wieder in die nun leere Isolierung schieben. Dann habe ich den Hochtöner wieder eingebaut. Die Kante des HT-Chassis drückt nun genau auf das PVC der Isolierung. Und zwar über den kompletten Durchmesser! Wenn das nicht dicht ist, dann weiß ich’s auch nicht…

Anm. des Autors: Im Forum wurde empfohlen das flächig aufzufüllen. Korkplatten eigenen sich ganz hervorragend!

23. Juli 2017
Ich bin glücklich!

Alles funktioniert. Und wie! Selbst die Farbe, bei der ich anfangs Angst hatte, sie wäre zu grün! Jetzt, wo sie so dastehen. Der Kontrast der hellen Patina zum dunklen Ebenholz. Das hat was. Das find ich jetzt doch sehr “cool”. Wie Schokolade und Minze. Und das absolute Highlight an der Optik ist für mich die offene Frequenzweiche. Das Ding hat mich diverse Stunden gekostet!! Aber für mich hat es sich absolut gelohnt. Das ist etwas ganz Besonderes (finde ich).

Würde ich das nochmal so bauen? Äh. Nun… Vielleicht. Der Aufwand schreckt im Moment ab. Mal noch eine Woche warten. Vielleicht ist meine Antwort dann wieder enthusiastischer.

Und wie immer gilt: Die Boxen sehen auf den Bildern viiiiel größer aus, als sie in Wirklichkeit sind. Man bedenke, dass die Bassbox nur 50cm hoch ist!!


Wie die Weiche aufgebaut wurde, zeigt dieses Video:

23. Juli 2017 am späten Abend

Jetzt sitze ich hier. Sanftmütig vor mich hin grinsend, und schreibe beseelt diese Zeilen. Es ist doch immer wieder erhebend, wenn man mit eigenen Händen etwas erschaffen hat, das so gut funktioniert und pure Freude bereitet.

Gestern spielten sie das erste Mal. Ich bin immer etwas wählerisch mit meinen neuen Besitztümern. Was wird der erste Film auf einem neuen Fernseher sein, was fotografiere ich zuerst mit einem neuen Fotoapparat und dann natürlich: Welcher Song wird der erste auf den neuen Boxen sein?

Es wurde „I move on“. Das ist ein Song aus dem Kurzfilm „Sintel“ vom Durian Open Movie Project. Wer den Kurzfilm nicht kennt: Unbedingt ansehen. Die Musik spielt dann beim Abspann.

Und wie war das erste Musikerlebnis? Ergreifend! Das nächste Mal sollte ich vielleicht etwas weniger Sentimentales für einen solchen Moment wählen. Ich habe jedenfalls geheult wie ein kleines Schulmädchen, das an Weihnachten genau DIE Barbie bekommen hat, die es sich immer gewünscht hat. Aber das lag nicht nur am Song, sondern eben auch daran, wie der Song dargeboten wurde. Mit einer herrlichen Tiefe und Fülle. Und das schon im uneingespielten Zustand. Einfach herrlich! Und eben ergreifend…

Es folgten noch viele viele Stunden tief empfundener Freude. Wie die SB23/3 aufspielen, da geht einem das Herz auf. Da hat Udo Wohlgemut wahrhaft Großes geleistet und zum absolut fairen Preis angeboten.

Nun ist es so, dass ich ein Mensch bin, der den Vergleich braucht, um etwas wirklich bewerten zu können. Ich war anfangs ja auch mit den Viechern (kostengünstige DIY Hörner) glücklich. Bis die Mona 2.1 bei mir eingezogen ist… Dasselbe Musikstück mal auf den Viechern und mal auf der Mona gehört und schon waren die Viecher abgeschrieben.

Nun musste die SB23/3 gegen die Mona antreten. Nach Herstellen derselben Bedingungen (die Mona hat den Bass recht aufgedreht, also bekamen die SB23/3 die Loudness-Taste am Verstärker zugeschaltet). Und dann wurden verschiedene Musikstücke hin und hergeschaltet.

Woohaaaa! Jetzt verstehe ich endlich, was die anderen Community Mitglieder im Forum immer meinen, wenn sie von Tiefe, Staffelung und Auflösung reden. Bei einigen Liedern hört es sich auf der Mona so an, als wäre die Welt flach, auf der SB23/3 ist dann aber plötzlich alles in 3D. Man fängt an Musik ganz anders zu hören.

Und meine Herren! Die 23/3 kann auch tief. Herrlich! Und laut kann sie auch. Es wird einfach nur lauter, aber nicht nerviger. Das habe ich auch schon anders erlebt. Sauberer Klang bei allen Schalldrücken. Ich glaub ich bin verliebt…

Danke nochmal an Udo für die tolle Konstruktion und den Service und an das ganze Forum mit den lieben Leuten dort. Ich habe so viele Tipps, Hinweise, Hilfen und vor allem Inspiration bekommen. Es ist toll, wenn es so funktioniert, wie es hier eben funktioniert.

Nachwort

Ich hatte tatsächlich mal die Loudness-Taste gedrückt? Nach ein paar Tagen des Einspielens ist das nicht mehr nötig. Jetzt klingen sie richtig „frei“. Bass trocken und druckvoll und bei dem richtigen Liedgut regelrecht „mächtig“. Höhen und Mitten perfekt in Balance zum Bass. Im Forum wurde oft gesagt, dass die SB 23/3 auch relativ tolerant mit schlechten Musikaufnahmen umgeht. Aha.

Also es gibt Lieder in meiner mp3 Sammlung, die ich kopfschüttelnd löschen musste, weil ich plötzlich gemerkt habe, wie schlecht die waren. Mag sein, dass es Boxen gibt die regelrecht analytisch sind. Die SB 23/3 muss sich auch keinen Mangel an Präzision nachsagen lassen!

War es das jetzt? Definitiv Nein! Die nächsten Bau-Ideen reifen bereits in Hinterkopf…

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit meinem Bericht ebenfalls inspirierend wirken konnte. Lass es mich mit einem Kommentar wissen. Darüber würde ich mich freuen.

Und Dir, lieber Leser, viel Erfolg bei Deinem Projekt!

Stefan

 

Zur SB 23/ 3 im Online-Shop

 

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22 Kommentare auf "SB 23/3 ADW esage"

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iON_5ive
Mitglied

Super Video und echt guter Bericht. Danke

michael gebel
Mitglied

Tolle, durchdachte,einzigartige und sehenswerte Arbeit.Hut ab,bin begeistert.

Wie sollen er deine Grand Duett erst aussehen.Ist kaum zu toppen.🙌

Kayhh
Mitglied
Hallo Stefan, Glückwunsch zu diesen tollen SB23/3. Die sehen wirklich klasse aus. Mit den externen Weichen hast du sicherlich viele beeindruckt (mich jedenfalls und natürlich schon zum Grübeln gebracht für das nächste Projekt). Dein Bericht ist auch wunderbar gelungen. Ich wünsche dir noch viel Spaß mit deinen SB23/3. Viele Grüße… Read more »
sirstrom
Mitglied
Hallo Stefan, auch von mir erst mal tiefe Verbeugung und Hut ab. Echt coole Lautsprecher. Und die Frequenzweichen sind der HIT. Hab mir auch dein Video angeschaut. Sehr schön erklärt. Da wird es vielen in den Fingern jucken und zum Nachbauen animieren. Bin gespannt auf das was da kommen wird.… Read more »
Ollum
Mitglied

Toller Bericht, spannend zu lesen auch wenn man schon die “live”-Doku mitverfolgt hat. Vielleicht werden die SB 23/3 ja langsam mal das “häßliche Entlein”-Image los? 😉
Ich finde das hast Du gestaltungstechnisch echt das Maximum rausgeholt. Super sind auch die Fotos – die gehören eigentlich in den Shop!

DanVet
Mitglied

Hi Stefan,
schöner Bericht. Aber, ich oute mich mal, was heißt “esage” ??
Klingt französisch (leider hatte ich kein französisch in der Schule) aber auch die Übersetzungshilfen haben damit Mühe (z.B. leo.org)….

Stephan Neupert
Gast
Moin, mein größten Respekt bei all deinen privaten Baustellen die du so erlebt hast. Ich kenne mich damit aus. Scheidung, Klipsch Eckhorn, neue Partnerin usw.usf.das kenne ich auch. Das Mann da noch so Zeit hat um sich um neue Lautsprecher zu kümmern.Okay. Kann Mann machen. Zu deinen LS die ich… Read more »
Elvis3000
Mitglied

Jawoll, das mal ein ausführlicher Baubericht! Danke fürs schreiben. Viel Spaß mit deinen neuen Lautsprechern !

Audicz
Mitglied

Hallo Stefan,
ein sehr schön und lebendig geschriebener Bericht. Die Baudoku war schon Top. Deine SB 23/3 steigen wohl in den LS Selbstbau Olymp auf. Viel Spaß beim Hören.
Mal sehen was als nächstes kommt, eingefärbte Elektronen, die die Chassis unterschiedlich erstrahlen lassen?
Gruß Dino

Rundmacher
Mitglied
Hallo Stefan, ein sehr ausführlicher Baubericht in Tagebuchform, da ist man live dabei, da lebt man mit. Auch danke für deine Erfahrungen mit den Ölen, das habe ich mir gleich abgespeichert. Es gab mal Beiträge über die empfohlene Anordnung von Spulen in Frequenzweichen bzgl. Einbaulage und Abstand, ich meine das… Read more »