Montis U_Do14-Soundbar

Nachdem meine Duettas fertig waren und mein Stiefvater (seines Zeichens Architekt, als er noch im Berufsleben stand) sie das erste Mal bei uns im Wohnzimmer stehen sah, fragte er, wie es denn bei mir mit dem Lautsprecherbau nun weiter geht. Wäre ja schade, wenn dieses Wissen nur einmal Anwendung finden würde. Dass das eigentliche Know-how beim Erfinder des Bausatzes liegt und ich lediglich das Gehäuse nach den vorgegebenen Parametern entworfen habe, zählte für ihn nicht, weil allein schon der Schaltplan der Frequenzweichen ein für ihn nicht zu entzifferndes Runenpapier darstellt.
Mein Angebot, auch für ihn und meine Mutter einen passenden Bausatz rauszusuchen und für sie zu bauen, wurde nonchalant übergangen. Gut, dachte ich, Euch kann geholfen werden und so keimte in mir der Gedanke auf, für den dortigen Flachbild-Fernseher eine kleine Soundbar zu bauen. Da der Fernseher bei meiner Mutter im Regal integriert ist und seitlich kein Platz für kleine Kompaktlautsprecher ist, müssen eben aus der Etage darüber ein paar Bücher umziehen.

Die Mona war ein heißer Kandidat, als Udo dann aber die U_Do 14 vorstellte, war die Entscheidung getroffen. Da der kleine 2.1-Verstärker aus der Mona-Vorstellung schon nach ein paar Wochen nicht mehr lieferbar war, hab ich den bei der U_Do 14 vorgestellten als erstes bei Amazon geordert.

Dann habe ich mich mit Excel und SketchUp an die Planung und Zeichnung der Soundbar gemacht. Die Volumina des Bassabteils sollten natürlich identisch bleiben, aber eben nicht hochkant, sondern breiter und flacher. Dabei war auch zu beachten, dass der Tieftöner natürlich eine gewisse Einbautiefe benötigt und zusätzlich dahinter noch ein wenig Luft zum Atmen haben möchte.

Das mittige HP70 aus dem Original hätte direkt vor der Membran geendet, die beiden Alternativen waren entweder zwei HP50 zu verwenden oder mit Reflexkanälen arbeiten. Eine Rückfrage bei Udo ergab, dass zwei HP50, da sie kürzer als das HP70 sind, zu einer leichten Erhöhung im Bass bei 60 Hz führen. Ich fand die HP50-Variante aber erstens optisch ansprechender und zweitens dachte ich mir, dass eine leichte Anhebung im Bass bei Fernsehton nicht das schlechteste ist.

Schnell stellte sich während der Planung auch heraus, dass die Satelliten bei der vorgegebenen Regalbreite, in das die Soundbar integriert werden soll, mehr Volumen erhalten werden, als dies in Udos Original ist. Wiederum eine kurze Rückfrage bei Udo ergab grünes Licht auf Kosten der Belastbarkeit. Im heimischen Wohnzimmer meiner Mutter sind keine Life-Konzert-Pegel zu erwarten, der Kompromiss war also einzugehen. Alternativ hätte ich die Mitteltonkammer auch noch mit einem Trennbrett verkleinern können, hab ich dann aber nicht gemacht. Die Chassis der Satelliten sollten jeweils nebeneinander angeordnet werden. Einen Sketchup-Bauplan habe ich gezeichnet, bevor ich Bestellung bei Udo aufgegeben und die gefräste Front gleich mitbestellt habe.

Das Regal, für das die Soundbar gebaut wird, ist weiß, also soll auch die Soundbar weiß werden. Dafür reicht MDF, diesmal kein MPX. Also alle benötigten Teile auf die Fläche gelegt, um den Holzbedarf zu ermitteln, zum Baumarkt um die Ecke gedüst und eine Platte 16 mm MDF in 1,20 m x 1,20 m geordert. Das reicht locker und es bleibt noch was übrig, falls ich eine Kante beim ersten Versuch vergeige. Kein Projekt ohne Herausforderungen, hier war die erste: Die Platte passt nicht ins Auto. Sch… Ich könnte mich schlapp lachen, wie kann man nur so dämlich sein und vorher nicht ausmessen, wie groß die Platte für das eigene Gefährt maximal sein darf. Nach Hause laufen war die Option, der Baumarkt ist zu Fuß 10 – 15 Minuten entfernt. Dann habe ich auf dem Parkplatz meinen Nachbarn getroffen und gefragt, ob er die Platte in sein Auto bekommt. Passt, Glück gehabt.

Der Nachbar vom Nachbar hat mit einem Freund um die Ecke eine kleine Werkstatt, in der sie basteln. Ich hatte im Vorfeld schon mal nachgefragt, ob sie in Ihrer Werkstatt auch eine Tischkreissäge haben und ob ich dort mal ein paar Zuschnitte machen könnte. Alles kein Problem… Am nächsten Tag hab ich ihn dann wegen eines Termins angesprochen. Nach Rücksprache mit seinem Kumpel ist die Säge für mein Vorhaben nicht genau genug. Damit hätte ich mich noch nicht abspeisen lassen, im Gespräch stellte sich dann aber heraus, dass die Tischkreissäge keine Tischkreissäge sondern eine Kappsäge ist. Damit bekomme ich keine 1,20-m-MDF-Platte durch… Also wieder in den Baumarkt mit der Zuschnittliste und dem Mann an der Säge noch mein Vorhaben geschildert und das die Kiste nachher dicht werden muss. Sein Versprechen, die Zuschnitte auf den Millimeter genau hinzubekommen hat er erstaunlich gut eingehalten! Mein Zollstock behauptete maximal nen halben Millimeter Abweichung gemessen zu haben.

Nun wollte ich aber Seiten, Deckel und Boden auf Gehrung verleimen, damit auch in Zukunft die Schnittkanten durch die lackierte Oberfläche nicht durchtreten können. (Die Option zu folieren ging mir auch durch den Kopf, ich wollte aber dennoch mein Glück beim Lackieren suchen, zumal es weißer Mattlack werden sollte.) Nun lagen also die schönen Baumarktzuschnitte vor mir, wie bekomme ich da jetzt eine 45-Grad-Gehrung dran? Das an anderer Stelle im Forum gezeigte Konstrukt mit der Oberfräse wollte ich nicht umsetzen, in meiner Fräser-Box fand sich aber ein 45-Grad-Fräser. Leider hatte der nicht die erforderliche Länge, um die kompletten 16 mm MDF in einem Zug zu erfassen. Meine Überlegungen mit mehreren Durchgängen habe ich dann schnell ad acta gelegt, das erschien mir zum Scheitern verurteilt. Also hab ich nur die Außenseite der Bretter mit dem Fräser gemacht, den überstehenden Rest auf der Innenseite kann ich dann mit dem Bandschleifer platt machen.

Ich hab das erste Mal MDF gefräst. Alter Falter! Da fliegen keine Späne, da steht man mittendrin in der Staubwolke! Gut, dass ich eine Staubmaske auf hatte und die Fräsarbeiten wieder in die Garage verlagert hatte. Ich muss mir noch mal was wegen Absaugung einfallen lassen…

Und dann ging es zum unspektakulären Zusammenbau in den Keller. Vermutlich hätten hier 2 oder 4 haltende Hände das eine oder andere leichter gemacht, es ging aber auch alleine. Die kleinen Ungenauigkeiten kann ich hinterher beim Schleifen begradigen. Ich hab’s diesmal auch mit der Methode „Kochsalz“ probiert und für mich festgestellt, dass es ohne auch nicht schlechter geht. Alle Teile in einem Arbeitsgang zusammenzuleimen wäre für die Passgenauigkeit vermutlich besser gewesen, hab ich mich alleine aber nicht getraut.

Als nächstes war Spachteln und Schleifen angesagt, nachdem noch eine Schattenfuge gefräst ist, also für diese Arbeiten wieder Umzug in die Garage. Ein Freund empfahl mir Nitrospachtel, im Fachmarkt hab ich dann Lackspachtel aus der Tube bekommen. Das nächste Mal versuche ich noch mal Nitrospachtel zu bekommen. Dieser Lackspachtel verarbeitet sich nicht wirklich gut. Oder ich hab mich einfach nur zu dämlich angestellt. Welche Schichtdicke trägt man da auf? Nur Poren schließen oder mehr? Wieviel ist nur Poren schließen?

Die Kiste sah zwischenzeitlich nicht wirklich so aus, als würde ich daraus noch mal eine vernünftige Oberfläche bekommen…

Mit dem Excenterschleifer hab ich dann das Meiste wieder runter geholt, nur bei den Schnittkanten habe ich noch sichtbar eine dünne Schicht drauf gelassen. Das Zeug hat mir die Schleifscheiben so dermaßen zugekleistert, trotz vorgeschriebener Trocknungszeit im Keller. Naja, Lehrgeld in Form von Schleifmitteln gezahlt. Eine Fotodokumentation dieses Zwischenschrittes gibt’s leider (ähm, glücklicherweise) nicht.

Da die Außentemperaturen inzwischen doch deutlich gesunken waren, hab ich die Lackierarbeiten nach dem ersten Anstrich mit Vorstreichfarbe von der Garage wieder in den Keller verlagert. Ui, was für eine Orangenhaut, da werden wohl einige Aufträge mit Zwischenschliff erforderlich sein.

Nach dem ersten Lackauftrag sah das Ganze dann doch deutlich vielversprechender aus. Wenn man über die fertige Box streicht, spürt man einige wenige Staubeinschlüsse, zu sehen sind sie nicht. Alles in allem bin ich mit der Qualität der Lackoberfläche mehr als zufrieden. Insgesamt waren es zwei Voranstriche und drei Lackaufträge mit den entsprechenden Trocknungszeiten und Zwischenschliffen. Während der Lackierarbeiten ist mir dann noch aufgefallen, dass die Löcher für die Terminals auf der Rückseite noch nicht drin sind. Hmm, nun gut, einen passenden Forstnerbohrer geordert, mit dem es ohne Beschädigung der Lackoberfläche ging. Zur Endmontage dann wie gewohnt der Umzug ins Wohnzimmer bei guter Musik.

Dann gleich den kleinen Miniamp anschließen und Musik via Bluetooth vom Handy anmachen. Wie? Das ist alles an Bass, was da raus kommt? Enttäuschend! Kann nicht sein. Nach minutenlangem Studium der sehr dürftigen Bedienungsanleitung des Verstärkers hab auch ich dann kapiert, wie das Schaltbild und die Beschriftung zu interpretieren sind. Ahh, so ist’s besser! Ja, jetzt rastet es ein. Lassen wir der kleinen ein paar Stunden Einspielzeit.

Inzwischen ist das gute Stück vom Wohnzimmertisch mit kurzem Zwischenstopp auf dem Sideboard in den Keller auf meinen Schreibtisch gewandert und weiß bei meinem aktuellen Projekt mit angenehmer Hintergrundbeschallung zu gefallen. Ein rundes und ausgewogenes Klangbild, der Bass reicht ausreichend tief, sogar „Hey Now“ von London Grammar oder „Magnetic Lies“ von Malia gelingt überraschend gut im kleinen Kellerbüro. Den kleinen Miniamp hatte ich, nachdem ich ihn ausgepackt hatte, mal auf Funktionstüchtigkeit an der Duetta getestet. Das war natürlich kein Vergleich zu meiner Röhre. Bisher habe ich ihn aus Faulheit auch nur per Bluetooth gefüttert. Mal schauen, ob ich mir die Mühe des Umstöpselns noch mal mache.

Jetzt wollte ich aber noch wissen, wie es um die Sprachverständlichkeit der Gutsten bestellt ist. An den Fernseher anschließen hatte ich keinen Bock, kein Platz, zu aufwändig, ach nö, Du… also kurz gegrübelt und dann von Crippled Black Phoenix “Time Of Ye Life / Born For Nothing / Paranoid Arm Of Narcoleptic Empire“ angemacht. Da wird bei leichter musikalischer Untermalung erst mal 4 Minuten rezitiert. Wow, super deutlich verständlich. Und das mit mäßigem Rumprobieren der Einstellung des Miniamps und wie gehabt nur über Bluetooth: das lässt für den bestimmten Einsatzzweck hoffen. Die Bassunterstützung durch den Bandpass ist auch toll. Großes Manko ist der kleine Mini-Amp. Ich habe den Eindruck, dass man den Basspegel zwar anpassen kann, der reguliert sich dann aber nicht vernünftig mit der Gesamtlautstärke.

Die Beschenkten waren dann auch recht überrascht, als die große und schwere Kiste unter dem Weihnachtsbaum lag. Leider konnten wir die Bar an Heiligabend nicht probehören, weil ich Honk sämtliche Kabel und das bisschen Werkzeug zu Hause vergessen hatte. Probehören haben wir dann im Januar nachgeholt, ob das gute Stück nun aber tatsächlich als Soundbar eingesetzt wird, ist noch offen. Sichtbare Technik ist dort eher verpönt. Und es gab erst mal den Auftrag, einen neuen Verstärker für die Stereo-Anlage zu beschaffen. Der alte Sony macht trotz Überholung nach 25 Jahren schlapp. Sachdienliche Hinweise, wie das gute Stück noch reanimiert werden kann, werden gerne angenommen. Ich werde bei Gelegenheit berichten, welchen Einsatzzweck das gute Stück dann erhält…

Ciao Chris

Kleine Anmerkung der Redaktion zum Verstärker:
Nach vielen Test diverser MiniAmps fanden wir Gefallen am Nobsound 2.1, der zwar weitaus weniger Features als andere bietet, dafür aber klanglich auf dem Niveau des ersten, leider nicht mehr produzierten Mona-Verstärker liegt. Auch das passende Netzteil mit 19 V ist lieferbar.

Zur U_Do 14 im Online-Shop

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9 Kommentare auf "Montis U_Do14-Soundbar"

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Hallo Chris,

da ich nun die 14er auch gehört habe, kann ich nur ein dickes Lob für die Auswahl der Chassis und die sehr ansprechende Umsetzung aussprechen.

Gruß Enrico

Moin Chris. Schöne Konstruktion. Hast Du mal alles gewogen? Tragbar wird es wohl nicht sein oder?
Gruß Martin

Hallo Chris,
sehr schöne Umsetzung. Die zwei Reflexrohre finde ich auch schöner als Schlitze. Mir gefallen die UDo-Chassis in kombi mit Weiß echt super.
Ist das angesprochene Konstrukt für Gehrungen, etwa meines?😁 Würde ich heute auch nicht mehr so machen. Ich hab mich damals mit dem Bandschleifer nicht getraut.
Schönes Projekt.
Gruß Harald

Hi Chris, sieht top aus! Mich würde es ganz schön wurmen, wenn ich mir so viel Arbeit mache und dann wollen die Beschenkten es nicht aufstellen. Perlen vor die … 😉

Hallo Chris,

wieder so richtig aus dem Leben Dein Bericht, mit allen Höhen und Tiefen des DIY. Finde einiges wieder, das ich selbst erfahren habe, auch diese heftige Staubwolke, sobald man die Oberfräse in MDF drückt. Das anschließende Schleifen und Spachteln ist auch so eine Nummer. Darum liebe ich Gehrungsschnitte.

Danke für den schönen Bericht,
Jo

Hi Chris,

sehr schöne Umsetzung. Für mein Schlafzimmer steht auch der Bau einer Soundbar an, die von dir erwähnte Mona und der von dir gewählte Bausatz waren auch meine Lieblinge, dabei stieß mir nur die Höhe unangenehm auf, desshalb bin ich bei der U_Do 1 hängen geblieben.
Wir werden sehen was daraus wird.

Gruß Simon