Doppel 7 für Jörgs Onkel

Ich habe vor etwa vier Jahren meine ersten Lautsprecher bei Udo geordert und bin seitdem passionierter Lautsprecherbauer. Auf meine Doppel 7 folgten ein Paar Bluestone Twins, ein Paar Axis 34 Neo durften in ausgeschlachtete Sansui SP-70-Gehäuse einziehen, aus den Blutstone Twins wurden später aktive FT 9, außerdem wurde ein Paar SB12 als ACL-Version gebaut und ein weiteres Paar nach Sparky’s Bauvorschlag in 6-l-Gehäuse gezwängt.

Die meisten hier kennen die Symptome meiner Krankheit wahrscheinlich. Es hört einfach nicht mehr auf, die Gedanken drehen sich im Kreis, was man denn noch bauen könnte. Jetzt bin ich glücklicherweise noch nicht ganz so „verzweifelt“, wie einige Leidgenossen hier im Forum, die im Bad anfangen und über Gartenhäuschen, Küche und Terrasse einfach alles denkbar Mögliche mit Selbstbaulautsprechern versorgen.

Umso erfreuter war ich, als wieder mal ein Familienmitglied anfragte und sich schnell überzeugen ließ, sich ein paar Lautsprecher von mir bauen zu lassen. Naja, überzeugen ist nicht ganz richtig. Der Onkel meiner Frau war auf der Suche nach hochwertigen, bezahlbaren Lautsprechern und kündigte sich zum gemütlichen Probehören an, der Rest war eigentlich ein Selbstläufer.

Mein Auftrag lautete, ein Paar Doppel 7 zu bauen, und das parallel zum An- und Umbau unseres Häuschens. Ziemlich ambitioniert, aber einfach kann ja jeder.

Die Vorgaben lauteten: schlichte Gehäuseform, schwarz, eilt nicht. Ok, gut, das lässt sich umsetzen. Ich baue die Gehäuse aus MDF und gebe sie zum Lackierer. Perfektes Finish war gewünscht, sehr gut, spart mir Zeit und Nerven. Die Frequenzweiche wird dann irgendwann zwischendurch noch schnell zusammengelötet. Mir gefällt die Doppel 7 von Chris mit den markanten Schattenfugen sehr gut, die er vor ein paar Jahren für seine Arbeitskollegin gebaut hat. Der Onkel war damit einverstanden. Soweit so gut.

Umlaufende Schattenfugen finde ich einfach schick und kaschieren die Leimverbindungen, die nach einiger Zeit mit verlässlicher Wahrscheinlichkeit unschön durch den Lack durchscheinen. Da man die Lautsprecher i. d. R. meist von vorn und so gut wie nie von hinten sieht, wollte ich mich dabei auf Front und Deckel beschränken.

Los gings. Ab in den Baumarkt, Zuschnitt, MDF zuschneiden lassen. Ich habe glücklicherweise einen gewissenhaften Zuschneider in unserem Baumarkt, was man bestellt, wird millimetergenau auch so zusägt. Wie man hört, ist das nicht überall selbstverständlich. Kurz nachgemessen, eingepackt und ab nach Hause. Ich übernahm die originalen Abmessungen von Udo’s Bauvorschlag, lediglich die Bassreflexöffnung wurde abweichend als Rohr ausgeführt.

Zu allererst fräse ich immer die Ausschnitte für die Chassis, bevor ich etwas verleime. Ich habe einfach nicht die Gelassenheit, Lautsprechergehäuse zu bauen und am Ende beim Fräsen abzurutschen, mich zu vermessen oder aus irgendeinem blöden Grund die Gehäuse aufs Spiel zu setzen. Lieber besorge ich mir notfalls eine neue Schallwand, als hinterher Fehler ausbessern zu müssen. Die runden Ausschnitte für die 7-360er und die Bassreflexrohre wurden mit dem Fräszirkel ausgefräst, für die eckigen Öffnungen des ER4 habe ich einen einfachen Fräsrahmen aus Profilzholzreststücken zusammen geleimt. Soweit alles inzwischen Routine. Erstes Probeliegen der Chassis, passt.

Ich habe in letzter Zeit einige massive Plattenspielerzargen in Schichtaufbau zusammengeleimt, hier haben sich Flachdübel gut bewährt. Zum Zusammenleimen der Gehäuse verwende ich diese inzwischen auch. Eine einfache Lamellenfräse für unter 40 Euro reicht, um seine Nerven zu schonen und perfekte Gehäuse ohne Verrutschen der Einzelteile beim Leimen zu bekommen. Spart zudem auch viel Zeit beim anschließenden Schleifen.

Vor dem Verschließen der Gehäuse noch die Wand hinter dem Bassreflexrohr schwarz lackieren und Löcher für die Aufnahme der Frequenzweiche vorbohren. Ich verschraube die Weichen immer durch die Öffnungen der Chassis auf der Hinterwand, damit sie jederzeit wieder herausnehmbar sind.

Zum Schluss wurden noch die Schattenfugen gefräst. Da ich keine Kreissäge mit großem Tisch besitze, habe ich diese ebenfalls mit der Fräse „von Hand“ angebracht. Leider gibt es davon keine Fotos, das Prinzip ist aber simpel. Führungsschiene mit Schraubzwingen anbringen und langfahren. Die Angelegenheit ist etwas wackelig, man muss peinlich genau darauf achten. nicht zu verrutschen, sonst ist die Nut schief. Einfacher geht es mit einem Anschlag, wie es ihn für die meisten Oberfräsen gibt, der aber immer dann nicht auffindbar ist, wenn man ihn mal braucht. Schließlich wurden die Kanten abgerundet und ausgiebig geschliffen, Öffnungen abgeklebt, Löcher für Polklemmen vorgebohrt und die Gehäuse zum Lackierer gebracht.

Dieser hatte diesmal wenig bis keinen Spaß mit den Lautsprechern. Er ist kein Freund von MDF und hatte einige Mühe, mit Füllern und mehrfach Schleifen, Lackieren und wieder Schleifen, eine saubere und glatte Oberfläche zu bekommen. Zu allem Überfluss mussten die Lautsprecher auch noch schwarz werden, genauer grauschwarz, der Horror eines jeden Lackierers: schwarz verzeiht keine Fehler. Einige Wochen später bekam ich die Lautsprecher von einem sichtlich genervten Lackierer zurück. Das Ergebnis war nahezu perfekt, ein kleiner Makel blieb. Durch die vielen Lackschichten war der Ausschnitt für den ER4 an den Seiten so sehr „geschrumpft“, sodass er mit dem Drehmel mühevoll etwas freigeschliffen werden musste.

Während der Wartezeit wurden noch die Frequenzweichen zusammengelötet, einfach eine Augenweide die neuen Spulen. Fast zu schade zum Verstecken.

Vom Zusammenbau habe ich leider keine Bilder gemacht. Jeder kennt diesen Moment, alles ist vorbereitet und wartet auf die Hochzeit von Gehäuse und Chassis. Da ist man auch als fortgeschrittener Lautsprecherbauer gespannt auf die ersten Töne und vergisst dabei, das Ganze zu dokumentieren. Dafür gibt’s ein paar Bilder vom Ergebnis, das sich durchaus sehen und hören lassen kann.

Ein paar Tage Einspielzeit bei mir offenbarten feine, aber doch klar wahrnehmbare Unterschiede zu meiner eingespielten Doppel 7. Ja, es gibt eine Einspielzeit bei Eton-Lautsprechern.

Inzwischen stehen die Lautsprecher beim Onkel meiner Frau, der sich beim Abholtermin auch noch meinen Sansui AU-X901 als (Dauer-?) Leihgabe eingepackt hat. Mal sehen, ob ich ihn wiederbekomme, etwas Schwund ist ja leider bekanntlich immer. Spricht für seinen guten Geschmack. Und mal ehrlich, mehr als eine solche Traumkombination aus 80er Jahre Referenzklasse-Vintage-Bolide und Udo’s Bluesklasse braucht kein Mensch. Für mich war’s das gelungene Warm-Up für das kommende Projekt: im April ziehen wir ins neue Haus, dort habe ich ein Musikzimmer und endlich Platz, eine Duetta aufstellen und artgerecht halten zu können.

Jörg aka bauerwilkens

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Audicz

Hi Jörg,
die sind sehr schick, gefallen gut in schwarz.
Da bin ich schon mal auf die Duetta gespannt, welches Design die bekommen.
Gruß Dino

Sparky

Moin BW,

die Vorredner haben es schon beschrien, doch die Formgebung, sie ist genehm.
Der Lack hat gleichen Farbton und Glanz wie die Körbe der Chassis, nahtloser Übergang.

Bei der Betrachtung kam mir Jules Verne in den Sinn 🙂

Jaa, das Virus…. Artet bei mir in Micro-Management aus, angekommen, das bin ich. Hier und da noch bisschen frickeln, um dem Geist Zucker zu geben. Immer öfters auch zum “zurück auf Los”.

Von daher, Glückwunsch zum neuen Domizil und Duetta Projekt. Des Abends einfach per Funksteckdose das “Go!” geben, Quelle nach Wahl und Musik hören, das hat was.

Gruß,
-Sparky

MartinK

Moin Jörg. Irgendwie schick, schnörkellos und durch die Schattenfugen mit etwas Pfiff. Mir gefallen die Lautsprecher sehr gut. In dunkelgrau würde ich sie mir genau so ins Wohnzimmer stellen. Liebe Grüße Martin

Rundmacher

Das sieht nicht nur professionell aus das ist es auch.
Tolle Optik!
Sind die Schattenfugen mit einem Scheibenfräser gefräst? Ein paar Versuche mit einem eigens gekauften Schattenfugenfräser habe ich schon hinter mir, die Fugen haben einen keilförmigen Schnitt.
Das man hier höllisch aufpassen muss beim Fixieren der Fräse habe ich gemerkt. ;-(
Es grüßt freundlich
Rundmacher

HaZu

Wirklich schöne Arbeit, wie schwarze Monolithen stehen sie da. Hatte das gleiche Problem mit dem ER 4 nach der Lackierung. Hat sich aber gelohnt, es professionell machen zu lassen.

Matthias (DA)

Moin Jörg, sehr schick geworden wieder, ich mag die texhnisch elegante Lösung mit dem Kontrast aus harter Schattenfuge und weichen Rundungen!
Alles Gute im neuen Zuhause und frohen Duettabau!
Matthias

derFiend

Find auch, die Schattenfugen geben dem so einen schön “technischen” Look. Gefällt mir wirklich ausgenommen gut!