Uwes Chorus 51 – inspired by Elbphilharmonie

„Willst du nicht mal wieder zu Udo fahren?“
„Ach nee. Lass mal. Alles gut…“
„Ach komm! Seh ich doch, dass es dir in den Fingern juckt.“
„Ach weisste…hab eh keine Zeit und kein Geld für was Neues…“

Wie viele hier in der Hörgemeinde habe ich schon manche Umwege, Sackgassen und holperige Bergstrecken zum HiFi-Himmel hinter mir. Häufig ist der erste Eindruck überwältigend. Manchmal einfach, weil man nach langer Planung und noch längerer Bauphase endlich das fertige Ding zum Laufen gebracht hat. Früher oder später nagt es dann doch an einem und der Bastelwunsch ist wieder virulent…

Schon zweimal hatte ich meiner Gattin gesagt: „So. Das ist es jetzt! Besser geht es nicht. Ziel erreicht!“

So wähnte ich mich schon mal mit den SB 30 am Ziel meiner Träume, bis mir der Bass ein wenig zu weich erschien und die Höhen recht milde. Nach einem ausgiebigen Sofabesuch in Bochum sah ich als einzige Alternative die Audible. Sie spielte sehr knackig und die Höhen kamen blitzsauber.

„So jetzt aber. Das Ende der Suche ist erreicht!“
„Ach wirklich? Biste ganz sicher …?“

Tja, dieser sehr anspringende Klang kann seinen Reiz verlieren, wenn man längere Zeit klassische Musik hört. Da rundet unser T+A Verstärker wirklich nichts ab, sondern präsentiert die Musik sehr ehrlich und ostwestfälisch trocken. Das war bei der Audible dann doch manchmal zu heftig. So stand nach einiger Zeit ein komplettes Audible Surroundset im Büro.

Dort dienen sie nun als PC-Boxen mit Übergewicht  und die SB-Boxen wanderten wieder ins Wohnzimmer.

Ich war irgendwie falsch abgebogen und dann auf halbem Weg liegen geblieben.

„Komm! Wir besuchen unsere Freunde in Bochum und Du fährst mal bei Udo vorbei.“

„Meinste wirklich?“

Also Verstärker eingepackt und auf die Couch. Der beeindruckende Hörabend wurde dann von Cappu unter den Hörevents dokumentiert. Darum hier nur so viel: Ich wollte eigentlich die Illumi hören, weil sie ja das nächste Level im SB-Universum darstellen. Geflasht war ich aber von den Eton-Boxen und da speziell von der Chorus-Serie!

Ich denke bei der Planung immer in Surround, nicht etwa weil ich ein Filmfan wäre. Krachbumm ist mir nicht so wichtig. Ich bin absoluter Fan von Multichannel SACD’s! Für mich gibt es kein größeres Hörvergnügen. Wer einmal eine Mahler-Sinfonie oder Strawinsky auf SACD gehört hat, bringt seine LP’s zum Flohmarkt und steigt um auf high end??….das ist aber auch der Grund, warum der ER4 als Fünfersatz aus preislichen Gründen von vorn herein ausscheidet.

Also beginne ich meine Reise in die Chorus-Welt mit der 51. Die kann dann irgendwann nach hinten wandern und ein sehr guter Rear werden.

Kurz nach dem Besuch bei Udo hatten meine Frau und ich das Vergnügen, ein Konzert in der Elphi zu hören. Die im ganzen Saal verwendeten, geriffelten Platten hatten es mir angetan. Und noch während wir Sibelius lauschten, reifte in mir der Plan für die Aussenhaut einer neuen Box!

Irgendwie nicht flächig sollten die Seiten sein, ein wenig dreidimensional. Zudem wollte ich auch wieder etwas Welliges machen wie schon bei meiner RS 100 PC.

Wieder daheim angekommen, wurde das Millimeterpapier gezückt und darauf die ersten Entwürfe gezeichnet.

Letztlich entschied ich mich für Streifen aus Buche-MPX, die ich in Wellenform schnitt. Das dauert zwar eine halbe Ewigkeit, aber so what. Andere stricken Pullover, obwohl es dafür Maschinen gibt. Die Streifen immer entgegengesetzt aufeinander gelegt ergeben dann die Seitenwände.

Da die Holzstreifen nur jeweils 3cm breit sein mussten, konnte ich dafür auch noch einen alten Buchenholzschrank zerlegen – upcycling sozusagen).

Mir war klar, dass ich diese Seitenteile nicht so dicht bekommen würde wie für einen Lautsprecher nötig. Daher wurde der Unterbau mit 12mm MDF gearbeitet. Auf diesen habe ich dann die welligen Seitenteile geleimt. Um es noch ein wenig schwieriger zu machen, sollte sich das Gehäuse mit 7 Grad nach hinten verjüngen.

Zudem wollte ich die Optik der Front möglichst glatt haben. Dazu habe ich die Platte oben und unten mit 45 Grad Phasen versehen – ein grober Fehler wie sich noch herausstellte.

Viele Gedanken habe ich mir auch zum Übergang der Seitenteile zur Front hin gemacht. Letztlich habe ich die Front mit 9 Grad angefast und dann mit der Kreissäge unter 7Grad so viel abgenommen, dass die MDF Seitenteile und die Wellenteile zusammen hinter der Front verschwinden.

Beim ersten Zusammenhalten der Einzelteile wurde mir aber klar, dass ich so meine 45 Grad Fase an der Front nicht nutzen konnte.

Man kann sich noch so viele Details kurz vorm Einschlafen oder kurz vorm Aufwachen vorstellen, irgendetwas passt dann in der Echzeit nicht voreinander. Also nach einer kurzen, aber heftigen Implosion des Gemüts nochmal neu überlegt: Den Boden und Deckel setze ich eben doch stumpf auf.

Nachher habe ich der Ober- und Unterkante noch eine Rundung verpasst und bin mit dem Ergebnis wieder ganz zufrieden.

Als alles beisammen war, habe ich die Löcher gefräst und die Weiche aufgebaut. Die habe ich diesmal mit Klettklebepunkten versehen und auf die Versteifung hinterm Tieftöner platziert, so dass ich sie bei Bedarf schnell entnehmen kann. Außerdem muss man nicht mit der Klebepistole in der engen Box herum hantieren. Trotz mehrfacher Positionswechsel und Kippeinlagen halten die Klettpunkte gut. Das kann ich nur empfehlen!

Jetzt noch alles so lange anschleifen, bis es passt – und fertig.

Zum Schluss habe ich noch Boxenständer selbst gebaut, in dem ich durch ein Rohr eine Gewindestange in die Fuß- und die Bodenplatte geführt habe. Wenn die Löcher lotrecht geschnitten werden und das Rohr ein wenig versenkt, zentrieren sich die Platten beim Anziehen der Gewindestange ganz ordentlich.

Perfekt ist mir das nicht gelungen, aber irgendwann landen sie ja auch hinterm Sofa…

Nun also erst einmal Einspielen. Das lohnt sich hier wirklich. Die Chorus klingt von Stunde zu Stunde geschlossener! Zum Schluss noch ein paar sehr subjektive Eindrücke zum Klang:

Das erste Hören lief im A/B-Vergleich mit der SB 30. Ein nicht ganz fairer Wettstreit, da die mit 2 Tieftönern ausgestattete SB schon mehr Wumms in den Knochen hat. Die Chorus hat dafür aber mehr im Kopf – sprich in den höheren Lagen. Hier geht nochmal eine Tür auf und die Sonne scheint herein. Alles klingt freier und offener ohne diese Unbarmherzigkeit der Audible. Dazu kommt eine Räumlichkeit, die genauso tief wie bei der SB reicht, aber weiter nach vorn und über die Boxenränder hinausgeht. Bei entsprechenden Aufnahmen verschwinden die Boxen tatsächlich und die Musiker stehen im Raum! In dieser Disziplin ist der Sprung im Vergleich zu den Vorgängern in meinem Wohnzimmer am größten.

Im Moment fülle ich den Keller mit Tieftönen aus meinem Subwoofer, so dass ich in Stereo nichts vermisse. Natürlich freue ich mich aber schon auf den Ausbau zum Surroundset! Ich schwanke noch zwischen Chorus 52 ACL und 73 für die Front, wobei meine Gattin (das nur mal zum WAF) die größere 73 bevorzugen würde.

Ich hoffe, der Bericht war unterhaltsam für Euch und ich danke, wie, glaube ich, alle hier, dem Schöpfer – in diesem Fall also Udo – für seine tollen Kreationen!

„Hör mal! Klingt das nicht wunderbar? Das isses jetzt aber!“

„Ach…tatsächlich?“

Liebe Grüße
Uwe

Zur Chorus 51 im Online-Shop

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Monti

Ui,

sind die schön geworden! Prima finde ich auch die Idee mit der Klinkerwand. Da die Verkleidung aufgesetzt und vermutlich vollflächig verleimt ist, gibt es hoffentlich keine Probleme mit Dehnungsrissen.

Ciao Chris

n8flieger

Hey Uwe,
mit wenigen Worten gesagt: Sehr geil!

Ich denke grad zurück an meine Jenga-U_Do.
Hab mir auch grad eine alte Hobelbank organisiert, insoweit hab ich trotz des geraden abgeschlossenen Baus eines Subwoofers und zweier U_Do8 schon wieder Lust auf mehr.
Da kommst du mit deiner Idee und Anleitung gerade recht, meine SB12ACL braucht dringend ein neues Kleid 🤪

Viel Spaß
Gruß Enrico

Cappu

Hi Uwe!

Einfach traumhaft! Mehr gibt es fast nicht zu sagen. Und es bezieht sich auf die Geschichte, die Gestaltung, die Ausführung, die Gattin, einfach alles. Ich wünsche Dir wunderbare Stunden mit den wirklich formschönen Lautsprechern.

LG

Reinhard

Markus Zeller

Hallo Uwe,

Sehr kreativ und klasse umgesetzt. Das ist ja mal eine Augenweide!!
Hast Du das mit den Bassreflexrohren schon mal kontrolliert? Ich denke Du hast die aus dem Bausatz genutzt .. oder?
Viel Freuden mit den Schmuckstücken!!

Gruß Markus

Rundmacher

Hallo Uwe,
ich schaue mir gerade die Frässchablone an, das ist sie doch?
Also hast du die einzelnen Riemchen mit den beiden Holzschrauben an der Schablone verschraubt, sie werden so von der Hobelbank weg nach oben an die Schablone gezogen und der Fräser schafft die ganze Seitfront des Riemchens ohne die Hobelbank zu berühren.
Durch die Keksverleimung aller Riemchen stören dann die Schraublöcher nicht mehr.
Genial.
Da könnte man glatt nach Reststücken suchen, z.B. edle Hölzer vom Schreiner usw.
Tolle Idee, tolles Aussehen, mit anderen Schablonen andere Ansichten möglich.
Perfekt.

Gruß Rundmacher

Matthias (DA)

Gratuliere!
Auch zu der tollen Partnerin, die manchmal besser zu wisden scheint, was Männe braucht 😉
Und das Design ist ein Hingucker, war den Aufwand wert, soweit ich das vom Sofa aus beurteilen kann 😛

Nu freu Dich erst mal an der Chorus , genialer Lautsprecher! Und wenn es wieder juckt guck mal den Wallross Artikel an. Chorus und ER4 sind durchaus kombinierbar 😉 Von dem Ding muss man keine 5 kaufen…

Matthias

MartinK

Eine Augenweide! Und Hut ab vor dem Aufwand. Im Laden ist so etwas unbezahlbar. Ich gratuliere. Sehr gut passt das Design zum Rest der Anlage.
Wie hast Du die Ebenen des Racks befestigt?
Gruß Martin

Audicz

Hallo Uwe, schöne Lautsprecher gefallen mir sehr gut. Upcycling und quasi Scheibchenbauweise, kreativ.
Das ist was zum Nachahmen.
Gruß Dino

Peterfranzjosef

Gefallen mit ausserordentlich gut Deine LS. Raffiniertes Design und optisch ein Hingucker.
Da kann ich mir gut vorstellen, dass auf diese Art der aussergewöhnlichen Gestaltung manch hohe Hürde des ….AF . überwunden werden kann.

Die individuelle Gestaltung des Gehäuses, ist und bleibt deshalb der unerreichbare Vorsprung bei unserem Hobby.

Peter

Shumway

Alter Verwalter, tolle Idee und Umsetzung!!!

Bei der Erweiterung zu Surround würde ich zur Chorus 52 ACL greifen. Die klingt toll und geht schön tief!
Vorletztes Jahr in Eschborn habe ich die Chorus 51 und 71 im Vergleich hören können. Die haben etwas abweichende Klancharakteristiken, so dass ich keine 5er und 7er in einem System mischen würde.

Beste Grüße und viel Spaß damit,

Gordon

HortusNanum

Ein sehr schöner und kreativer Entwurf! Herzlichen Glückwunsch zu der schönen Box. Das Schattenspiel an den Wellen ist echt ein Hingucker! Mal sehen wie lange das “Ziel” diesmal hält. 😉
Gruß, Roland

derFiend

Also wirklich: wow! Tolles Gehäusedesign und wirklich originelle Idee. Gefällt mir hervorragend. Bei allem gesagtem zur Chorus Reihe kann ich nur zustimmend nicken.

JoKa

“Andere stricken Pullover …”
Genau! Super Vergleich.
Ich finde Deinen Entwurf grossartig. Man denkt dabei gleich an Schallwellen.
All Deine Kreationen sind einzigartig, da lohnt es sich, etwas länger zu stricken.
Und ein grosses Danke für den Bericht. Der ist sehr unterhaltsam geschrieben.
Sag mal, hast Du der 51 etwas mehr als 10 Liter spendiert? Und ein zweites HP50?
Grüße, Jo