Alexanders U_Do 54 – ein ungewöhnlicher Studiomonitor

Idee
Da ich hobbymäßig sehr gerne elektronische Musik produce und auch generell ein riesen Elektro Fan bin, wollte ich mir schon länger gute Boxen zulegen. Nachdem mein Vater seinen alten Yamaha Verstärker von einem guten Freund hat reparieren lassen, brachte er mich auf die Idee, doch selber Boxen zu bauen, welche qualitäts- und preistechnisch in einer ganz anderen Liga spielen würden als herkömmlich gekaufte. Als ich im September letzten Jahres meine Ausbildung zum Schreiner begann, bot sich dies perfekt an, diese Idee nun endlich in die Tat umzusetzen.

Plattenzuschnitt
Nachdem ich Udo´s Bausatz (U_Do 54) durch ein Youtube Video entdeckt hatte, wählte ich als Material eine 21mm starke Birken-Multiplexplatte im Format 3,60m auf 1,50m. Für die Teiler kamen beschichtete MDF Plattenreste infrage.

Danach legte ich fest, wie die formatierten Platten optisch am besten zusammenpassen und drehte unschöne Stellen nach innen. Zusätzlich wurden die Höheneinteilung, die Kreise für die Chassis und die Verbindungsstellen für die Teilerplatten aufgezeichnet.

Fräsen & Löcher schneiden
Die nächsten Schritte waren das Fräsen der Verbindungsstellen, welche sich aus einer Kombination mit Lamello Tensos und normalen Lamellos zusammensetzte. Im gleichen Zuge sägte ich die Chassislöcher mithilfe der Stichsäge aus.

Verleimen
Bei diesem Teilschritt wurde mir erst bewusst, wie unzerstörbar diese Boxen werden würden. Vorher habe ich noch schnell die Löcher mit dem Bohrsenker gebohrt, welche später für die phosphatierten Schrauben dienten und mir das Anbringen weiterer Tensos ersparte. Nun habe ich alles mal probeweise zusammengesteckt und daraufhin mit Schrauben, Zulagen und Zwingen verleimt. Die Rückwand habe ich zu Reparaturzwecken aufgeschraubt.

Oberflächenbearbeitung
Im weiteren Verlauf habe ich die Überstände der verschiedenen Seiten verschliffen und umlaufend eine große Fase gefräst. Jetzt hat nur noch der Endschliff mit einer 180er Körnung und der Rotex/ dem Handschleifklotz gefehlt, bevor es zum 3 maligen Ölen ging. Meine Wahl fiel auf ein biologisches Arbeitsplattenöl.

Einbau der Elektronik
Nachdem das Öl ausgehärtet und der Dämmstoff zugeschnitten war, kam nun die Zeit des elektronischen Innenlebens. Anfangs hatte ich schon Respekt vor dieser Aufgabe, da ich absolut keinen Plan von diesem Gebiet habe. Die eindeutig beschrifteten Weichen waren hierbei sehr hilfreich und eigentlich recht selbsterklärend. Nach langem Zuschneiden, Abisolieren und Verzinnen der Kabel lötete ich diese an die Weichen, welche daraufhin oberhalb des Terminals festgeschraubt wurden. Als letztes nur noch die Kabel an die Chassis und Terminals löten und diese am Gehäuse festschrauben.

Soundcheck
Im Nachhinein bin ich so froh, dass ich das Projekt angegangen bin, da es mir mega viel Spaß gemacht hat und ich extrem viel dabei gelernt habe. Die Angst, dass nicht alle Chassis gehen würden, erwies sich zum Glück als unbegründet und der erste Song auf den Boxen war schon sehr klar und voll. Es hat eine Weile gedauert, bis ich sie so richtig wertschätzen konnte, da diese einen sehr authentischen Klang haben, welchen ich zuvor nicht gekannt habe. Da die meisten Lautsprechersysteme und Kopfhörer sehr basslastig sind, fehlte es mir anfangs etwas an Bass, was aber von der oben genannten Verzerrung/Falschdarstellung der bisher gekannten Lautsprecher kommt. Inzwischen genieße ich die Musikproduktion so sehr und kann fast nicht mehr aufhören, was vor allem an all den kleinen Details in einem Song liegt, welche ich nun endlich richtig wahrnehmen kann. Wo vorher zu viel trübes Gedröhne war, ist nun glasklarer, satter und vor allem ehrlicher Sound. Was nicht ausschließt, dass ich auch öfters mal den Bass EQ aufdrehe um ein Club  ähnliches Feeling zu bekommen. Jetzt musste ich nur noch meinen überdimensionierten Studiotisch modifizieren , damit die Boxen auch die richtige Position im Verhältnis zu meinen Ohren haben.

Vielen Dank für diese tolle Erfahrung, welche ohne meinen Vater, Udo, meinen Freund/ Arbeitskollegen und meinen Chef nicht zustande gekommen wäre. Ganz klare Weiterempfehlung, nicht zuletzt aufgrund des super schnellen und hilfreichen Services durch Udo per Email!

Alexander

Zur U_Do 54 im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2021/05/16/alexanders-u_do-54-ein-ungewoehnlicher-studiomonitor/

7 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Hallo Alexander. Da wird der Begriff PC-LAUTSPRECHER neu definiert. Ich dachte immer, ich wäre führend in der Konsequenz mit der Säge wenn irgendwo der Platz nicht reicht. Den Stab gebe ich aber nun gerne an Dich weiter.
Kannst Du noch was zu den Lamellos schreiben? Ausfräsungen, Handhabung etc?
Liebe Grüße
Martin

Haha danke ich nehme das Zepter nehme ich gerne an.^^

Ich muss dazu auch sagen, dass dies ein alter Esstisch von einer Familie war, welchen wir beim Ausliefern eines Neuen, mitgenommen haben.

Ich habe diesen vor dem Plattencontainer gerettet und als Studiotisch umfunktioniert.

Die Ausschnitte dienen unter anderem auch, weil in meinem damaligen 12m^2 WG Zimmer nicht genug Platz war.

Ist eine Zeta Lamello Fräse, mega gut in der Handhabung und sehr bequem, da die Verbinder sich selbst verspannen (Tenso-Verbinder).

Sind halt recht teuer in der Beschaffung, da man für ein Paar fast 50 Cent zahlt.
Genauso wie die Fräse an sich.
Mit ca. 1350€ als Set ist das schon ordentlich.
Von der Handhabung, könnte ich mir keine Angenehmeren Verbindungstyp vorstellen, geht sehr schnell und auch die Fehlertoleranz (vom Nutzer ausgehend) ist recht groß.

Im Heimwerker Bereich würde ich jedoch die normale Lamello Classic Maschine empfehlen, da die Verbinder an sich, (normale Lamellos) deutlich günstiger sind und mit Zwingen genauso gut heben.
Außerdem sind die Verbinder nicht aus Plastik.
LG Alex

Hallo Martin
auf Youtube sind etliche Werbevideos von Lamello zu Tenso und Clamex,….
Und wie Alexander schon schrieb, ist das Ganze für Privatanwendung doch recht kostspielig. (Zum Glück verwenden wir die auch in der Firma…)
Gruss Adi

Hallo Alexander,
Du hast mit deinem Werk dem Begriff “PC-Lautsprecher” eine neue Bedeutung hinzugefügt.
Viel Spaß mit deiner Leidenschaft für Musik.
Grüße
Rincewind

Das dachte ich mir auch, als ich die das erste mal in meinem Studio Set-Up erlebt habe.
Gibt nichts geileres zum Producen, wenn man nicht so viel Geld für professionelle Monitore ausgeben möchte.

Vielen Dank, ich habe schon 2 Songs damit gemacht mit jeweils über 100 Stunden an Arbeit.
LG Alex

Hallo Alexander,

Glückwunsch zum gelungenen Erstling.

Das sind aber mal PC-Boxen der ganz anderen Art.!

Viel Spass damit.

Vielen Dank! ^^
freut mich, dass sie dir gefallen, die Arbeit hat sich mehr als gelohnt.

7
0
Kommentar schreibenx
()
x