Hermann’s Start ins Heimkino – SB 36 Center

Die Geschichte ist eigentlich kurz erzählt. Seit Langem bin ich ein Fan des Heimkinos. Konnten wir doch irgendwann wegen unseres Nachwuchses nicht mehr wie gewohnt ins Kino gehen, bot es sich doch an, sich ein HK zu installieren. Das war so vor einigen Jahren, als sich Dolby-Digital und DTS etabliert haben. Weitere Tonformate wuchsen wie Pilze aus dem Boden, HDMI gab es noch nicht. Irgendwann hatte ich auch ein komplettes 7.1 System eines namhaften lokalen Herstellers im Wohnzimmer installiert.

Alles gut soweit, es wurde mäßig genutzt, da leider der Stereo-Sound nicht der allerbeste war. 5.1-Sound hui, Stereo pfui. Deshalb habe ich die Anlage immer seltener genutzt. Nach einer umfassenden Renovierung des Eigenheims wurde es auch gar nicht mehr aufgebaut und am Ende die HK-Lautsprecher sogar verkauft. Stereo ist geblieben, der HK-Receiver auch.

Der Yamaha war mein dritter Receiver. Der gehörte vor ein paar Jahren der 2000€+ Klasse an, schon mit HDMI, und ich bin sogar mit dem Stereo-Klang sehr zufrieden. Das konnte ich von seinem Vorgänger, dem Harman-Kardon AVR 8500 THX Receiver, nicht behaupten, dem damaligen Flaggschiff des Herstellers. Dann trat der Lautsprecher-Selbstbauvirus wieder aus der Versenkung empor, anfangs mit dem gelben Ex-Partner von Udo. Angefangen hatte ich ganz klein mit der RS100 als Soundhansa Edition, es folgten die FT12, SB18. Danach von Udo die RS100 ACL als Soundbar und noch die Rusty U_Do 18 BR. Ein Pärchen passive Duetta Tops befindet sich schon länger im Bau, dort stockt es gerade etwas.

Aber weiter im Text. Derweil wuchsen die Kinder heran und nutzten das Wohnzimmer im Souterrain als Zockerhöhle. Die Kinder zogen auch irgendwann wieder aus dem Wohnzimmer aus, die Spielkonsole wanderte ins Jugendzimmer, der Fernseher blieb. Der Lauf der Zeit halt, das werden andere hier auch so ähnlich erlebt haben. Und das Zweit-Wohnzimmer lag dann mehr oder minder ungenutzt so dar. Schnell installierte ich den HK-Receiver, meine alten selbstgebauten Lautsprecher aus den späten 80iger Jahren, gekauft bei einem lokalen Selbstbau-Lautsprecherladen. Die Größe entspricht in etwa der der Duetta, ok, der Bass hat nur 10“. Herrlich tief reicht er aber trotzdem hinab. Auch im Hochton machen die Lautsprecher mit einer Audax-Kalotte erst einmal nichts falsch. Der Sound erinnert mich etwas an SB Accoustics, ist also eher warm abgestimmt.

Als Rears habe ich die mittlerweile arbeitslosen SB18 installiert. Mit diesem 4.0 Setup habe ich mir erst einmal ein paar Filme reingeschraubt. Ohne Center war das aber irgendwie doof, und ohne Subwoofer. Aber den benötigt es erst auch gar nicht. Es fehlte allerdings …. – ja klar: der Center. Und zur SB18 passt meines Erachtens am besten der 36er SB Center, weil er die gleichen Treiber hat. Vom Volumen war das natürlich schon eine Ansage. Aber was soll´s, bau so groß es geht. Liest man hier jedenfalls hin und wieder. Also los ging´s!

Den Zuschnitt habe ich mir online 1:1 dem Bauvorschlag folgend bestellt, nur wollte ich wieder einen Rahmen mit Akustikstoff ins Gehäuse bündig integrieren. So hatte ich es schon bei meiner RS100ACL-Soundbar gemacht. Das hatte sich bewährt. Das machte das Gehäuse etwa 10mm tiefer. Lamellos nutze ich mittlerweile sehr gerne, das ist eine prima Sache.

Schattenfugen wollte ich vorne und an den Seiten auch wieder haben, hinten war es mir wurscht. Kurz bevor es mit dem Verleimen losging, kam mir die Idee, die Buchsen zu versenken. Ich benutze generell nicht die Kunststoff-Terminals, mir sind massive Buchsen lieber. Diese stehen aber knapp 30mm über. Also wurde ein kleiner rechteckiger Ausschnitt mit einer Stichsäge gemacht und aus MDF-Resten eine kleine Behausung für die Buchsen gebaut. Nicht schön, aber zweckmäßig. Alles Pi mal Auge. Mit Spachteln und Schleifen habe ich mich hier nicht lange aufgehalten. Etwas überstehendes Material habe ich mit einer Feile abgetragen. Die Löcher für die Klemmen wurden etwas oberhalb der Mittenachse angebracht. Wenn man Lautsprecherkabel ohne Bananas nimmt, fügt man das Kabel von unten ein, da ist es schöner, wenn man nach unten hin etwas mehr Platz hat.

Als erstes wurde der Boden, eine Seite und die Rückwand verleimt. Im folgenden Schritt die Front und die zweite Seite. Als der Leim etwas angezogen hatte, kam der Schreck. Ich hatte die Front falsch eingeklebt!!! Schiet! Ich hatte innen und außen vertauscht. Die Versenkungen für die Chassis waren innen. Das hätte voll krass ´nen neuen Full-Range-Bandpass-Center gegeben, alle Treiber würden nach innen arbeiten. Da hätte Udo bestimmt die Weiche etwas anpassen müssen. Aber auf diese Art der Diskussion wollte ich mich mit ihm erst gar nicht einlassen, das wäre ein zähes Unterfangen geworden.

Also alles wieder auseinandergepflückt und wie geplant zusammengesetzt. Und dann das: nach einer Weile stellte ich fest, dass die BR-Öffnungen oberhalb der Mittenachse waren, nicht unterhalb, so wie geplant. Jetzt hatte ich bei der Front oben und unten vertauscht. Akustisch dürfte das allerdings keine Rolle spielen, also habe ich es so gelassen. Komisch nur, dass die Lamellos alle passten. Ich hätte ja auch den Center drehen können, dann hätten aber die Anschlussbuchsen nicht gepasst. Und noch ein Grund mehr, einen Stoffrahmen zu verbauen.

Die Behausung der Klemmen hatte zur Folge, dass das Volumen geringfügig verringert wurde. Dies wollte ich bestmöglich ausgleichen. Deshalb wurden die Versteifungs-Brettchen des Gehäuses einfach ausgesägt. Es blieb ein etwa 15mm breiter, viereckiger Rahmen stehen. Dies gleicht in etwa das verloren gegangene Volumen wieder aus.

Udo wird wahrscheinlich nur sein weises Haupt schütteln, sind doch die Volumen-Angaben nicht allzu sklavisch zu verstehen. Recht hat er ja bestimmt auch. Aber was soll´s, falsch wird mein Ansatz auch nicht sein. Derweil wurde der Bausatz auch bei Udo geordert, genauso fix war er dann auch schon bei mir in meinem Hobbykeller. Hätte ich den Bausatz gleich von Anfang an gehabt, hätte ich die Ausfräsungen passend machen können.

Die Fräsungen hätten 1mm tiefer sein dürfen, dafür die Durchmesser 0,5mm kleiner. Hatte ich doch mit Zeichnungen aus dem Shop und I-net gearbeitet. Wieder Schiet!!! Soll aber eh alles matt-schwarz lackiert werden und hinter Stoff verschwinden. Einen Schönheitspreis wollte ich eh nicht gewinnen, verbleibt der Center doch eh im Souterrain und verrichtet seine Arbeit in dunkler Umgebung.

Als das Gehäuse fertig war, habe ich gemerkt, dass ich mich besser vorher um die Schattenfugen hätte kümmern müssen. Am besten vorm Verleimen. Und schon wieder schiet!!! Kurz geärgert, aber egal, wozu habe ich denn eine kleine Akku-Kreissäge? Flugs habe ich den Parallelanschlag passend eingestellt, eine Schnitttiefe von 2-3mm vorgegeben und ab dafür. Schnell wurden die Klebekanten abgefahren. Das hat auch besser funktioniert als gedacht, nicht schlecht für eine Improvisation.

Schattenfugen haben den positiven Nebeneffekt, dass man nicht bis zum Sankt Nimmerlein spachteln und schleifen muss, um nicht 100 %ig voreinander stehende Gehäusebretter anzupassen. Am Ende treten die Stirnflächen eh wieder hervor. Da kann man bei MDF machen, was man will, außer vielleicht das Gehäuse auf Vollgehrung fertigen. Aber die nötigen Fähigkeiten und Maschinen besitze ich dazu leider nicht.

Alle Außenkanten habe ich mit einem Abrundfräser behandelt, das wollte ich schon immer ausprobieren. Nachdem der Fräser richtig eingestellt war, ging auch dieser Arbeitsschritt überraschend leicht von der Hand. Ja, man muss sich einfach mal trauen. YouTube Videos bis zum Erbrechen schauen kann jeder, man muss sich aber dann auch mal an die Sache heranwagen. Das meiste ist halb so wild. Nicht quatschen, einfach machen!

Vor dem Grundieren kam noch eine Schicht 1K-Dichschichtfiller auf das Holz. Dieser wurde mit einem 180er Korn unter einem Brettchen geschliffen. Die abgerundeten Kanten wurden vorsichtig von Hand geschliffen. Danach kam eine Schicht Grundierung, die Stoßkanten bekamen 2 – 3 Schichten davon. Danach wieder ein Schliff mit 240er Korn. Anschließend wurde matt-schwarz lackiert, alles aus der Sprühdose. Mit etwas Geduld klappt das prima, auch im Garten.

Zwischendurch habe ich die Weiche auf einem Brettchen aufgebaut. Das Ergebnis werde ich hier nicht veröffentlichen, das ist mir etwas peinlich. Da werde ich mir beim nächsten Mal etwas mehr Mühe geben müssen. Jedenfalls wird die Weiche oberhalb der Behausung mit zwei Schräubchen an der Rückwand fixiert. So bekomme ich sie bei Bedarf schnell ausgebaut und die Kabel können maximal kurz bleiben.

Die Weiche und Chassis wurden vor dem Einbau provisorisch auf der Werkbank angeschlossen und getestet. Dem ersten Eindruck nach war alles unauffällig, es schien alles zu funktionieren. Klar ist der Klang etwas dünn und quäkig. Aber wenn die Treiber nackig auf dem Tisch liegen, verwundert das auch nicht.

Im Rahmen wollte ich wieder Magnete versenken. Dafür habe ich ihn auf die Front gelegt, etwas ausgerichtet und mit einem kleinen 2 mm Bohrer hindurch nur so just in die Front gebohrt. So wurde sichergestellt, dass die Bohrungen fluchten. In der Front habe ich kleine Holzschrauben versenkt. Diesen Tipp habe ich irgendwo hier im Forum gelesen. Vielen Dank dafür!

Im Rahmen wurden die Magnete bündig von innen versenkt und mit einem Klecks Heißkleber fixiert. Ich habe insgesamt nur 4 Magnete á 8x3mm verwendet. Die Schraubenköpfe wurden dann noch ganz dünn mit KFZ-Spachtel abgedeckt und plangeschliffen.

Kleiner Tipp von mir: nehmt keine Baumarkt-Spachtelmasse. Hier lohnt der Weg in den Fachhandel. Plangeschliffen wird wie immer mit einem Holzbrettchen, nie mit der Hand. Hat gleich beim ersten Mal funktioniert. Man sieht auch nach dem Grundieren nicht mehr, wo die Schrauben sitzen.

Den Rahmen selbst habe ich wieder aus einer 8 mm Siebdruck-Platte hergestellt. Die Aussparungen für die Chassis und BR-Rohre habe ich großzügig mit der Stichsäge ausgesägt. War nicht schön, aber zweckmäßig. Dann wurde grundiert, matt-schwarz lackiert und mit Stoff bezogen – fertig.

Ein kleines Schildchen mit ADW-Logo habe ich nachträglich online geordert. Platz war ja genügend im Bereich der BR-Rohre vorhanden. Kann ja ruhig jeder wissen, wo dieses edle Teil herkommt. Allerdings wollte ich das Schildchen etwas im Akustikstoff versenken, das war wieder so eine spontane Idee von mir. Also wieder runter mit dem Stoff. Der Rahmen wurde dann mit Ikea-Filz beklebt, nur im Bereich des Schildes nicht. Als Kleber habe ich Heißkleber verwendet. Dieser wurde schnell aufgetragen und mit dem Spachtel verteilt, damit er nicht wurstartig aufträgt. Der Filz musste dann schnell angedrückt werden, bevor der Kleber erkaltet. Diese Arbeitsschritte habe ich aus Zeitmangel nicht im Bild festgehalten – ich habe leider eh sehr wenig Bilder gemacht. Der Akustikstoff kam nun wie gewohnt über den Rahmen und das Schild wurde angeschraubt. Sieht edel aus, wenn das Schild ein wenig im Stoff versinkt. Im Bild kommt das nicht ganz so schön rüber.

Der Rest ging dann noch schneller. Von unten wurde flächig Klebefilz angebracht, um Schrank und Gehäuse voreinander zu schützen. Das Einbringen der Elektronik ist auch kein Geheimnis. Die Watte wurde gleichmäßig im Gehäuse locker verteilt, die Chassis angelötet und die Schraubenlöcher vorgebohrt. Die Chassis schraube ich aus Vorsicht immer von Hand fest. Wenn der Akkuschrauber abrutscht, oder die Rutschkupplung falsch eingestellt ist, kann das verheerende Folgen haben.

Noch ein Wort zu den Polklemmen. Ein Nachteil ist, dass diese so extrem massiv sind. Da muss der Lötkolben ordentlich Hubraum und viel Sprit im Tank haben. Dafür verwende ich gerne meinen alten Baulötkolben, mit der extrabreiten Spitze.

Und der Klang? Der war erst mal etwas dumpf, der Hochtöner schien nicht so recht zur Geltung kommen zu wollen. War die Weiche doch fehlerhaft? Also schnell wieder alles ausgebaut und die Weiche geprüft. Und tatsächlich, da war ein Fehler mit den Kondensatoren. Ich musste zwei Lötstellen auftrennen und dafür zwei Kabelbrücken einlöten, damit die Schaltung funktioniert. Da ich die Weiche eh wieder in den Händen gehalten habe, wurde auch gleich das Minus-Potential neu gestaltet. Auf den Minus-Punkt kommen alle Chassis, das Terminal und noch diverse Weichenteile zusammen, das ergibt am Ende eine schöne Wuling. Jedenfalls wurde der Knoten etwas entwirrt und ansehnlicher gestaltet. Nicht dass er jetzt professionell aussieht, aber mir ist jetzt doch etwas wohler dabei. Alles in Allem hat die Bauphase für dieses Projekt etwa 3 Wochen in Anspruch genommen. Das ist für meine Verhältnisse fast rekordverdächtig.

Nun spielt der Center wesentlich klarer im Hochton, der Klang harmoniert jetzt sehr gut mit den alten Frontlautsprechern. Der Sound ist halt SB-typisch, eher warm abgestimmt. Bei der Größe der SB36C sind auch etwas höhere Pegel kein Problem. Die Einstellung des HK Receivers kann gerne auf „groß“ bleiben. Jedenfalls kommen nun die Dialoge viel besser rüber, jetzt macht das Heimkino definitiv mehr Spaß. Aber das größte Kompliment ist vielleicht, dass man den Center gar nicht mal so als solches orten kann. Er fügt sich auffällig unauffällig ins Geschehen mit ein. Eine klassische Klangbeschreibung bei einem Center ist wohl eher sinnfrei.

Ausblick in die Zukunft? Es ist jedenfalls geplant, die beiden Hauptlautsprecher durch 2 zum Center passende SB 36, SB 240 oder gar SB 285 zu ersetzen, um alles sortenrein zu haben. Dann passt das Konzept noch besser. Und der ein oder andere Sub dürfte sich auch noch dazugesellen. Der Receiver hält ja 2 passive Kanäle dafür bereit. Ich liebäugele mit dem aktiven Sub 29. Vielleicht gibt es andere Vorschläge hier im Forum? Kommentare und Meinungen sind jedenfalls erwünscht. Jedenfalls werden als nächstes die Hauptlautsprecher getauscht, und ob ein Sub überhaupt nötig ist, sehe ich dann ja.

Und noch eine Erweiterung auf Atmos oder Ähnliches? Dann bräuchte ich aber einen neuen Receiver, und das wäre nicht mein primäres Ziel. Der Raum jedenfalls hat etwas mehr als 26m² (6,1 x 4,3m), die Decke ist kellertypische 2,3m hoch. Im Moment läuft die Anlage quer im Raum, der halbe Raum wird für das HK genutzt. Irgendwann wird der Raum neu gestaltet, dann wird auch die Anlage in den ganzen Raum gedreht.

Der Center war jedenfalls so ein „Zwischendurch-Projekt“, welches nicht minder Spaß gemacht hat. Und wer weiß, wenn das HK neu aufgebaut wird, bekommt der Center eventuell noch ein neues Gewand. Der Fernseher hat leider Abdrücke auf dem schwarzen Lack hinterlassen. Das ist zwar kein Beinbruch, aber auch nicht schön. Ich bin am Ende froh, dass ich ihn habe. Jeder Cent ist hier gut investiertes Geld. Jetzt geht´s weiter mit den Duetta Tops. Schleiforgien stehen an, juhu! Das hatte ich hier mit den Schattenfugen zu vermeiden gewusst. Aber das Anforderungsziel für die Tops ist ja auch ein ganz anderes.

Bis dahin,
Hermann

Zum SB 36 Center im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2021/09/19/hermanns-start-ins-heimkino-sb-36-center/

3 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Schöne Arbeit! Wenn du die nächsten Lautsprecher baust, würde ich mich freuen, wenn du den Lackierprozess ein wenig dokumentieren könntest.

Toller Bericht. Und sehr interessant in meinen Augen. Die SB240 liegt bei mir noch in Einzelteilen im Schrank. Sie wird mein Heimkino hoffentlich noch in diesem Jahrzehnt bereichern. Dazu habe ich auch den SB36 Center auf dem Schirm. Ich freue mich daher total mal wieder einen aktuellen Bericht dazu zu sehen. Der ist schon ziemlich groß…….😊. Lass krachen. Viel Spaß damit.

3
0
Kommentar schreibenx
()
x