U_Do 18 als 24l BR-Version

Nicht ganz unschuldig an diesem Bericht ist wohl Jonas, der mich beim Kauf des Bausatzes hierzu ermutigt/ genötigt hat. Und ich solle viele Fotos machen …. Nun gut, dachte ich mir, das kann er haben. Auch wenn ich Bedenken bezüglich des Interesses auf dieser Plattform geäußert hatte, da nun wieder ein Projekt im Rusty-Look veröffentlicht wird. Aber das Design stand schon vor dem Bau des Lautsprechers fest, da dieser in meiner kleinen Werkstatt seinen Dienst verrichten soll. An dieser Stelle schon mal einen herzlichen Dank an esage, aka Stefan H., als Initiator für das Design. Zum Design aber später mehr.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Meine RS100 ACL Soundbar war fertig, damit fehlte es mir in meiner Werkstatt an adäquater Beschallung. Nun liebe ich den Sound des Breitbänders, meine Hoffnung nun war, dass ein Coax-Chassis klanglich ganz ähnliche Merkmale aufweist. Grundsätzlich baue ich halt gerne verschiedene Gehäuse- und Konstruktionskonzepte. So kann man sich auch den Bedarf neuer Lautsprecher einreden. Ein Coax fehlte bis dato noch, also lag die U_Do 18 nahe, aber als vollwertiger Lautsprecher in der Bassreflex-Version.

Die Planung war am Ende schwieriger als anfangs gedacht. So wollte ich es machen:

  • Der Lautsprecher sollte in meinem Regal der Werkstatt platziert werden. Das schränkt die Stellmöglichkeit bei etwa 24l Innenvolumen ziemlich ein. Höher als 36 cm durfte der Lautsprecher nicht werden, die Tiefe war auch auf 45 cm limitiert. Und zu breit ist auch doof, dann nimmt er zu viel Stellfläche weg.
  • Eine runde Bespannung sollte das Chassis vor zu viel Werkstattstaub schützen. Der Rahmen der Bespannung sollte aber auch bündig zur Front versenkt werden. Das zwang mich, die Front aufzudoppeln.
  • Alle sichtbaren Stoßkanten sollten eine Schattenfuge erhalten, ich wollte mir zu viel spachteln und schleifen ersparen. Die Front sollte umlaufend eingelassen werden, die Seitenwände sollten aufgesetzt werden.
  • Der Rusty Look war gesetzt.
  • Eine Aufnahme für meine Standard Stands sollte auch vorhanden sein. Nur für Nordhausen/ alle Fälle.
  • Massive Polklemmen sollten montiert werden, statt der Standard-Plastik-Terminals.

Also habe ich wieder zu Papier, Bleistift, Lineal, Zirkel etc gegriffen. Ein neumodischer Taschenrechner mit fest belegten Tasten durfte mir helfen. Ich bin noch voll 2000 (würden meine pubertierenden Jungs sagen).

Als die Maße gemäß meiner Skizze feststanden, wurde alles sofort bestellt. Die Polklemmen und Fronten bei Udo gleich mit, da ich mich mit dem Versenken des ovalen Chassis sicherlich unnötig schwer täte. Das restliche Holz habe ich zeitgleich im www geordert. Und in dieser nicht-runden Form des Chassis lag auch gleich mein erstes Problem. Denn wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Der größte in der Zeichnung angegebene Durchmesser liegt bei 168 mm. Dieser bezog sich aber auf den Lochkreis für die Befestigungsschrauben, nicht auf den größten, diagonalen, Durchmesser des Chassis. Allerdings hätte ich den maximalen diagonalen Durchmesser für die Herstellung des Stoffrahmens benötigt. Als ich den Fehler bemerkt hatte, war es bei Udo schon zu spät, die Fronten waren gefräst, außerdem war ihm das 19er MDF ausgegangen. Hätte ich doch lieber die Fronten aufgesetzt, statt sie einzulassen. Klarer Fall von p.P. Um Schadensbegrenzung bemüht, habe ich versucht, den tatsächlich größten, diagonalen Durchmesser zu ermitteln. Dazu habe ich auf dem PC die Zeichnung 1:1 abgebildet und den maximalen Durchmesser auf ungefähr 182 mm geschätzt. Das war kritisch, da eine runde Ausfräsung für den Rahmen mit der oberen Schattenfuge kollidieren würde. Das hätte mir nicht gefallen. Also musste ich umdenken. Auf den Fotos des fertigen Lautsprechers kann man das Problem ganz gut erkennen.

Damit die U_Do 18 BR auch nachgebaut werden kann, hat die Redaktion mit Sketchup eine Zeichung erstellt. Sie entspricht zwar nicht den Maßvorgaben des Autors, aber das Volumen von 24 Litern wurde mit Brettern ummalt.

Aber immerhin hat Udo die Gehäusezeichnung extra für mich dahingehend geändert, dass nun auch das diagonale Einbaumaß des Chassis für (betriebs-) blinde eindeutig angegeben ist, und zwar von 186 mm. Ich hatte mich also um ganze 4 mm verschätzt. Naja, eigentlich nur 3 mm auf jeder Seite. Aber das machte es nicht gerade besser. An dieser Stelle einen Dank an Udo für diesen prompten Service. Das Paket kam dann auch wenige Tage später bei mir wohlbehalten an, zeitgleich mit dem übrigen Holz. Hätte ich gleich von vorne herein ordentlich geplant, hätte ich das ganze Gehäuse anders aufgebaut, zumindest die Front nicht eingelassen.

Nach langem Hin und Her kam mir die Idee, den Stoffrahmen nicht rund, sondern mit der Kontur des Chassis zu fertigen, nur etwas größer. Dazu habe ich die Zeichnung des Chassis am PC soweit vergrößert, bis ich die gewünschten Außenmaße hatte und der Abstand zur oberen Schattenfuge minimal blieb. Nur müsste jetzt alles in Handarbeit erledigt werden. Also habe ich den vergrößerten Ausdruck des Chassis auf die doppelte Front gelegt, die Kontur übertragen, mit einer Stichsäge ausgesägt und mit einer Halbrundfeile schön geglättet. Eigentlich hätte ich für die runde Version die Oberfräse nehmen wollen, aber das war jetzt der berühmte Satz mit X. Das Ganze würde jetzt viel länger dauern, aber der Weg ist ja auch gewissermaßen das Ziel. Den Rahmen habe ich entsprechend ausgesägt. Der Ausschnitt der doppelten Front diente mir als Schablone für den Stoffrahmen. Die Kontur wurde übertragen und der Rahmen mit der Stichsäge ausgesägt. Alles wurde schön glatt und möglichst gleichmäßig von Hand gefeilt, die Außenkanten des Rahmens wurden für den Stoff großzügig mit der Feile abgerundet. 1 mm sollte der Rahmen umlaufend kleiner als die Aussparung der doppelten Front sein, damit der Stoff noch etwas Platz hat. Die Rahmen wurden nicht breiter als 10 mm, hoffentlich würde er halten, wenn ich den Stoff antacker. Von dieser Bauphase gab es leider wenig Bilder, sorry Jonas!

Zwischendurch habe ich die Weichen nach Plan gelötet, das war weiter kein Problem. Die Bauteile wurden auf einer kleinen 5 mm dünnen MDF Platte mit etwas Heißkleber aufgeklebt und direkt miteinander verlötet, möglichst ohne unnötige Leiterbrücken. Die große Spule bekam auch noch einen Kabelbinder zur Sicherheit. Ein kurzer Systemcheck hat mir verraten, dass alles ok war. Eine Klangbeschreibung macht an dieser Stelle noch keinen Sinn. Also hat der Test auch nicht länger als nötig gedauert.

Weiter ging es mit den Gehäusen, die Schattenfugen wurden angebracht. Dazu hatte ich die einzelnen Bretter einfach auf einer großen, mit Schmiergelpapier beklebten Holzplatte im 45° Winkel geschliffen, bis die Kante mit einer kleinen Fase gebrochen war. Ich musste nur darauf achten, dass ich die richtigen Kanten erwische, sonst verläuft schnell mal eine Schattenfuge im Inneren des Lautsprechers, oder eine Außenkante erhält eine kleine ungewollte 45° Fase. Das Ganze war sehr schnell erledigt.

Ein viereckiges Loch von 130×130 mm für die Aufnahme der Stands wurde mit einer Stichsäge in den Boden eingebracht und von Hand mit einer Feile begradigt. Zwei M5 Gewindeeinsätze im doppelten Boden sollten später den Lautsprecher fest auf dem Stand fixieren. Der doppelte Boden wurde innen verklebt und mit Schrauben fixiert, damit es auch dauerhaft hält.

Danach bekamen alle Gehäuseteile Lamelloschlitze. Diese kleinen Keile sind wirklich nützliche Helferlein, die Gehäuse werden schön in Form gehalten. Da verrutscht (fast) nix mehr, wenn diese verleimt werden. Dumm nur, wenn man diese Arbeiten spät abends macht und man eigentlich schon ins Bett gehört. Da sind Flüchtigkeitsfehler vorprogrammiert.

Die Rückwände wurden schon einmal für die Terminals gebohrt. Danach wurde alles zusammengeleimt und die Frequenzweichen eingebaut. Alle Kabel wurden vor dem Einbau noch schnell (!!!) an die entsprechende Stelle der Weiche angelötet und beschriftet, damit es später nicht wieder zu Stress kommt. Am Ende habe ich die Kabel mit einem Klecks Heißkleber im Gehäuse fixiert, es soll ja nix klappern.

Sonst verlief die Montage der Gehäuse eher geräuschlos, aber erst jetzt fiel mir auf, wo ich die Lamellofräse überall falsch angesetzt hatte. Teilweise mussten neue Schlitze angebracht werden, andere mussten dafür mit Spachtelmasse verschlossen werden. Das war dann so eine Phase im Projekt, die weniger Spaß bereitete. Die Löcher für das Reflexrohr wurden auch schnell auf die doppelte Front übertragen, mit der Stichsäge ausgesägt und mit einer Halbrundfeile angepasst. Nun sitzen die Rohre schön prall im Gehäuse. Leider hat Udo, so gesehen, die Löcher für die BR-Rohre umsonst in die Fronten gefräst. SORRY!!!

In der Zwischenzeit konnte ich mich am Finish versuchen. Irgendwo hatte ich im I-net gelesen, dass man prima alten Kaffeesatz verwenden kann, um eine etwas authentischere Rostoberfläche zu erhalten. Leider hatte das anfangs das nur bedingt geklappt, da die dunklen Körner des Kaffeepulvers immer wieder zum Vorschein kamen. Auch eine Schicht 1-K Spritzspachtel vermochte erst das Pulver nicht abzudecken. Eventuell lag das auch daran, das Kaffee einen kleinen Anteil von Öl enthält. Nach dem zweiten Auftrag Spritzspachtel hat es dann ganz gut gedeckt.

Für die Feldversuche hatte ich noch Reste von weißem Filler verwendet, am lebenden Objekt habe ich dann schwarzen Filler verwendet. Als Alternative zum Kaffee habe ich auch einige Versuche mit Sägespänen unternommen. Kaffee wirkte aber besser. Für die Rostoptik habe ich verschiedene Vorgehensweisen getestet. Zum Beispiel habe ich den Aktivator auf die noch etwas feuchte Grundierung aufgetragen. Auch habe ich mal den Aktivator für etwa 30min mit einem Zerstäuber feucht gehalten. Oder habe ein noch nicht ganz getrocknetes Probebrett auf den Ofen gelegt, damit alles schneller trocknet. Das Ergebnis waren ganz nebenbei herrliche kleine Risse im Rostlack, die das Ganze sehr realistisch aussehen ließen.

Allerdings würde es wohl nicht so ganz einfach werden, das fertige Gehäuse auf den Ofen zu packen. Leider konnte ich später diesen Riss-Effekt nicht mehr wirklich reproduzieren. Ein dagegen ganz ungewollter und etwas peinlicher Nebeneffekt war, dass die Rostgrundierung wirklich überall funktioniert. Beim Auswaschen des Pinsels sollte man tunlichst darauf achten, dass man das Waschbecken nach getaner Arbeit peinlichst säubert, denn sonst bleiben auch dort Rostflecken zurück. Die Farbe ist zwar wasserlöslich und mit viel schrubben auch wieder zu entfernen, aber es macht keinen Spaß, zumal solch eine Aktion auch nicht dem heimischen Familienfrieden zuträglich ist. Meine Frau war unwissend und schon der Verzweiflung nahe, sie wollte mich schon in den Baumarkt schicken, damit ich ein neues Waschbecken besorge. Unser Waschbecken in der Waschküche fing plötzlich an zu rosten! Sie hatte nicht gemerkt, dass ich mit der Rostfarbe rumhantiere. Und ich hatte mich gefreut, dass das Waschbecken immer mal wieder gereinigt wurde. Das spricht aber auch für die Authentizität der Farbe. Übrigens, das nachfolgende Foto des Waschbeckens ist noch die harmlose Variante.

So sieht es nach einmaligem Ausspülen des Pinsels aus. Nach 4 Tagen sieht es dann ganz übel aus. Allerdings war meine Frau mit der Reinigung schneller, als ich mit der Kamera.

Im Laufe der weiteren Planungen und Studierens von YouTube, bin ich darauf gestoßen, dass man ganz einfach Metallbeschläge mit Spachtelmasse modellieren kann. Einfach zwei Lagen dickeres Klebeband parallel auf die Fläche kleben, mit Spachtelmasse auffüllen und mit dem Spachtel abziehen. Und schwups hat man das Gehäuse mit einem umlaufenden Metallband versehen. Diese „Metallbänder“ sollten später schwarz lackiert werden, um etwas mehr Kontrast auf das Gehäuse zu bekommen.

Passende Deko-Beschläge an den Enden sollten das Bild etwas abrunden. Vorlagen der Beschläge habe ich im www gefunden, ausgedruckt und auf das Klebeband übertragen. Dazu passten dann auch die Niete perfekt. Ein Lautsprecher sollte die Metallbeschläge bekommen, der andere sollte angedeutete Deckel oder Serviceluken an den Seiten erhalten. Dazu wurden kleine 3 mm dünne MDF Platten seitlich auf die Gehäuse aufgeklebt. Auch hier sollten dann die hölzernen Halbkugeln als Niet-Plagiat zum Einsatz kommen. Nachdem die Dekoelemente trocken waren, wurde das Gehäuse grob mit Holzleim bestrichen und das Kaffeepulver verteilt und etwas angedrückt. Schnell war dieses getrocknet, überschüssiges Pulver habe ich durch bürsten und abrubbeln entfernt. Der hartnäckige Rest durfte bleiben. Die Gehäuse wurden dann draußen mit 2 Schichten Filler eingenebelt, der Boden mit Rally-Black Decklack matt-schwarz lackiert. Schnell habe ich gemerkt, dass die offenen Schnittkanten wieder extrem viel Grundierung ziehen, also habe ich dort noch einmal eine Portion extra Kaffee aufgetragen. Der Vorteil der Rusty-Look Methode ist einfach der, dass man gar nicht auf sauberes Arbeiten achten muss. Umso mehr Shabby Look, desto besser! Ein Ditscher hier oder eine kleine Kerbe da, waren nicht unwillkommen, sie lassen ja alles nur noch authentischer wirken. Dieser Teil des Projekts hatte mal so richtig Spaß gemacht. Schnell machte sich in mir die Befürchtung breit, dass dieses Projekt wieder mehr mit Modellbau, als mit Lautsprecherbau zu tun haben könnte.

Die Abdeckrahmen für den Stoff wurden zeitgleich mit schwarzer Grundierung behandelt und der Stoff festgetackert. Obwohl der Rahmen auf einer Stelle nur 8 mm dünn war, hat die Siebdruckplatte gehalten. Ich hatte da so meine Bedenken. Die Reflexrohre bekamen dann auch noch von innen eine Lage Stoff verpasst, dann bleibt es im Lautsprecher auch bei kalten Temperaturen immer schön warm. Fixiert wurde der Stoff mit doppelseitigem Klebeband und Heißkleber. Sicher ist sicher. Jedenfalls hätte man bei ungünstigem Licht durch das Rohr die Frequenzweiche sehen können. Das wäre nicht so schön. Nicht das ich mich für mein Werk schämen würde, aber schön geht anders.

Jaaaa, und dann kam auch irgendwann der große Moment, dass ich mit dem Rostlack anfangen durfte. Die spannendste Phase des Projekts sollte beginnen. Hoffentlich hatte ich genügend Rostgrundierung noch übrig, ich hatte ja schon bestimmt 15 Feldversuche vorher gestartet und bis dahin etwa 25x den Pinsel ausgespült. Das Waschbecken sah zwischenzeitlich aus … Jedenfalls war der Füllstand der Flasche schon merklich gesunken, die Tupfmethode ist die reinste Materialschlacht. Nach nochmaligem Lesen der spärlichen Anleitung auf den Flaschen, wollte ich mich in etwa daran orientieren, meine Erkenntnisse aus den Feldversuchen aber mit einbeziehen. Jede Seite wurde immer einzeln mit Grundierung behandelt. Angefangen habe ich, welch Wunder, mit der Rückwand. Zwei Schichten Grundierung habe ich aufgetragen, und jede mindestens 5 Stunden trocknen lassen. Die erste Schicht habe ich mit einem Flachpinsel gleichmäßig aufgetragen, die zweite Schicht wurde dann mit dem Pinsel aufgetupft. Übrigens ist die Konsistenz der Grundierung der eines leckeren, von Oma gekochten, Schoko-Puddings nicht ganz unähnlich. Mit einem Fön habe ich versucht, den Ofen zu simulieren, um wieder diese feinen Risse hinzubekommen, hat aber diesmal nicht wirklich geklappt. Allein mit der Grundierung hat man schon eine sehr ansehnliche und rostige Oberfläche, welche aber eher gleichmäßig ist. Bevor ich weitere Flächen grundiert habe, wurde die erste Fläche mit dem Rostaktivator behandelt. Da der Aktivator leider recht flüssig ist, wollte ich diesen nicht im aufrechten Zustand auftragen, also musste ich hier waagerecht arbeiten. Den Aktivator habe ich dann nass in nass aufgetragen, und zwar möglichst unregelmäßig. An den Stellen mit Kaffee habe ich mehr Aktivator aufgetragen als an den glatten Stellen. An einigen wenigen Stellen habe ich gar keinen Aktivator aufgetragen.

Am Ende habe ich dann auch diesen aufgetupft. Wie gesagt, der erste Auftrag des Aktivators war fast flächendeckend, im weiteren Verlauf immer kleiner werdend. Insgesamt waren es dann 3 – 4 Schichten Aktivator. Dann musste ich eine Nacht warten, um das Ergebnis zu sehen. Ich war soooo gespannt, wie ein Kindergartenkind zu Weihnachten. Am nächsten Morgen bin ich noch direkt vorm Aufwachen in meinen Bastelkeller gelaufen, um mir das Ergebnis anzuschauen. Ich war begeistert, ich war auf dem richtigen Weg.

Die restlichen Gehäuseteile habe ich dann nach dem gleichen Prinzip gemacht. Pro Tag war es immer eine Wand je Box. Unter der Woche dann morgens vorm Aufstehen die erste Grundierschicht, nach der Arbeit sofort die zweite, und abends vorm Schlafengehen noch den Aktivator mit mehreren Schichten. Zwischen den Aktivatorschichten habe ich am Ende fast eine Stunde gewartet. Dieser trocknet deutlich langsamer als die Grundierung.

Vor dem finalen Zusammenbau stand dann nur noch das Versiegeln des Rosts mit einer Art Klarlack an. Eigens dazu hatte ich mir aus der Bucht ein günstiges, gebrauchtes Airbrush Set besorgt, obwohl ich keinerlei Erfahrung mit so etwas hatte. Übrigens hatte mich Udo bei einem spontanen Besuch im Laden darauf hingewiesen, dass ohne Klarlack der Rost abfärbt und den Griffeln einen orange-bräunlichen Touch verleiht. Also sollte sich die Investition des Klarlacks lohnen, denn billig sind diese Farben alle nicht.

Praktisch dagegen war, dass auch der Klarlack lackierfertig geliefert wurde, da musste nix verdünnt werden oder so. Diese Arbeiten wurden im Bastelkeller erledigt und waren nach einer kurzen Übungsphase auch nicht weiter schwierig. Angefangen habe ich natürlich wieder mit dem Heck, im weiteren Verlauf dann die Haube, die Kotflügel und die Front als Letztes. Der Unterboden war ja schon fertig. Als ich dann Fläche für Fläche abgesprüht hatte und voll im Fahrwasser war, fiel plötzlich der Kompressor aus. Überhitzung, oder Kühlerschaden!!! Das hat man davon, wenn man billig kauft. Nach etwas Wartezeit konnte es dann auch wieder weitergehen, ein gezielt ausgerichteter Ventilator hat dann für die nötige Kühlung des Kompressors gesorgt. Den Klarlack habe ich an einem Abend komplett aufgetragen.

Jetzt fehlte nur noch der finale Zusammenbau. Dies geschah wieder relativ spät abends, das Ziel bereits vor Augen. Die Kontermutter der Polklemmen wurde im Inneren der Box über das Kabel gestülpt, dann das Kabel aus der Bohrung geführt. Außen habe ich das Kabel an die Polklemme gelötet. Die Polklemmen waren doch schon ein ordentlich dickes Stück Metall (Messing?). Der Lötkolben musste da schon einiges leisten, bis das Lot flüssig wurde. Mit so einem kleinen 30W Spielzeuglötkolben und feinen Spitze wird das nichts. Wie gut, dass ich auch noch so ´nen ollen Maurerlötkolben habe.

Das Festziehen der Kontermutter im Inneren der Box war auch so eine fummelige Angelegenheit, hat aber ganz gut funktioniert. Hier zahlt sich die Qualität der massiven Polklemmen wieder aus.

Die Chassis konnten nun montiert werden. Zu meinem Verdruss waren dann auch aus irgendeinem Grunde die Kabel für den Coax (fast) zu kurz. Hier hatte Udo etwas wenig Kabel beigefügt, aber ich hatte mir mit 1,5mm² Kabel beholfen. Was hatte mich da nur geritten, die Kabel so kurz zu lassen? Also war ich mal wieder selbst schuld! Es hatte aber dann doch alles irgendwie noch funktioniert. Vorher noch schnell etwas Dämmwolle in das Gehäuse locker gestopft, als die nächste Überraschung kam. Auch hier war die gelieferte Menge etwas knapp bemessen. Offensichtlich hatte Udo Zutaten für die geschlossene Version beigefügt. Für ein größeres BR-Gehäuse waren die Mengen etwas gering.

Glücklicherweise hatte ich noch von anderen Projekten genügend Sonofil übrig, so dass ich die Lautsprecher fertig montieren konnte. Mit Sicherheit hätte Udo noch weiteren Füllstoff geliefert, aber ich hatte ja keine Notwendigkeit.

Alle Schrauben der Chassis drehe ich immer von Hand in das Gehäuse, so habe ich ein besseres Gefühl für die Festigkeit der Schraube. Die Gefahr des Überdrehens ist nicht gegeben. Und von Hand rutsche ich nicht so schnell ab, was ja hier fatal wäre. Noch schnell die Abdeckungen aufgesetzt, und dann konnte es losgehen. Eine Abdeckung saß doch etwas arg stramm in der Aussparung, aber egal. Der Verstärker wurde flugs angeschlossen und Genesis (diesmal vom Handy) durfte wie immer die ersten wohligen Akkorde von den Lautsprechern ertönen lassen. Erster Eindruck ….. okaaaaay. Geht so. Jedenfalls war elektrisch alles in Ordnung, es gab keine übelriechenden Rauchzeichen. Die Höhen und Tiefen kamen da her, von wo man sie erwarten würde. Das ließ mich wenigstens ruhig schlafen.

Am nächsten Tag habe ich mich dann etwas genauer mit meinen neuen Schätzchen befasst. Die Lautsprecher wurden erst einmal aus meiner Werkstatt verbannt, das Wohnzimmer war die erste Station. Dort entstanden dann auch die ersten Fotos des fertigen Produkts.

Es wurde vieles rauf und runter gehört. Da ich ein Kind der 80iger Jahre bin, lag dort natürlich auch mein musikalischer Schwerpunkt. Aber auch Nils Lofgren unplugged durfte ran, genauso wie Katie Melua. Abba, Tina Turner, Yellow, Koto, die Dire Straits und viele mehr. Der zweite Eindruck war erst einmal: die Dinger müssen sich noch etwas einwobbeln, der Bass könnte etwas mehr Kontur vertragen. Nun gut, unser Wohnzimmer ist auch nicht der optimale Lebensraum für solch einen Lautsprecher. Bei knapp 60m² und einer Deckenhöhe von fast 4 m im Giebel ist der Lautsprecher vielleicht doch etwas überfordert. Der Klang erschien erst einmal etwas zu mittenbetont.

Nach diesem ersten, etwas ernüchternden Eindruck brachte ich den Lautsprecher 2 – 3 Tage später in mein Büro, welches schon besser geeignet für einen Lautsprecher dieser Größenordnung war. Dort gebe ich ihm nun (ich bin in diesem Bericht in der Gegenwart angekommen!) etwas mehr Zeit zum Einspielen, dort kann ich auch etwas mehr am Lautstärkeregler drehen. Und nach einer Weile, auuuu weia …. Da kommt richtig was. Die Bühne ist klar gezeichnet, so wie ich es mir erhofft hatte. Ähnlich der des RS100, natürlich voluminöser, keine Frage. Der Bass gewinnt an Qualität. In Räumen bis etwa 25 m² funktioniert die U_Do 18 super. Zu groß sollte der Raum dann aber doch nicht werden. Meine Werkstatt mit etwa 14m² wird der Lautsprecher locker rocken, ein Subwoofer wird nicht fehlen.

Den Klangcharakter würde ich eher als warm, statt analytisch oder kühl bezeichnen, SB-Sound halt. Der Lautsprecher spielt sehr fein auf, er macht auch leise Spaß – faszinierend. Alles in Allem ist Udo´s Handschrift hier wieder klar zu erkennen, was ich positiv meine. Und das, obwohl die Lautsprecher sicherlich noch nicht ganz eingespielt sind, da geht bestimmt noch was. Was soll ich sagen? Der Lautsprecher ist eigentlich viel zu schade für die Werkstatt, aber da wird er nun einmal einziehen müssen. Das wird aber wohl erst nach dem Jahrestreffen in Nordhausen geschehen. Solange genieße ich die U_Do 18 erstmal noch in meinem Büro.

Übrigens, gedauert hat das ganze Projekt etwa 6 Wochen, von der ersten Kontaktaufnahme zu Udo, über die Planung, bis zum fertigen Lautsprecher.

Und dann passiert das, was immer nach einem fertigen Projekt passiert. Das ist immer so eine etwas gefühlsduselige Angelegenheit. Zum einen freut man sich natürlich über das fertige Produkt, auf der anderen Seite ist man danach aber auch arbeitslos. Ein flaues, depressionsartiges Gefühl breitet sich in einem aus, man steht plötzlich etwas hilflos und orientierungslos mit leeren Händen so im Bastelkeller rum. Manch einer hier wird dieses Gefühl sicherlich kennen, das sind die Symptome des Virus!

Die Lautsprecher habe ich Ende 2019 mit zum Event nach Nordhausen genommen, dort haben sie nicht nur optisch gefallen.

Fazit:

  • Das Handling der Rostfarbe ist wirklich etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist nicht so ganz einfach, ein Ergebnis zu reproduzieren. Die Anleitung auf dem Produkt ist eher vage. Rezessionen im I-net belegen das. Man sollte schon vorher etwas üben. Die Tupfmethode von esage ist jedenfalls klasse und ergänzt sich super mit dem Kaffeesatz. Größten Einfluss auf den Rostgrad hat aber der Aktivator, besonders wenn man ihn nass in nass aufträgt. Ist der Aktivator einmal angetrocknet, scheint sich mit weiteren Aufträgen kein stärkerer Rost mehr zu bilden. Man sollte auch nicht zu viel Klarlack auftragen, das lässt dann den Rost wieder etwas abdunkeln. Alles in Allem ist das Ergebnis überragend und lässt sogar ganz ungewollt Waschbecken rosten.
  • Rusty Look in Kombination mit Schattenfugen sind ein klasse Einsteigerprojekt, da man viele Gehäusefehler kaschieren kann. Die Oberfläche muss nicht bis zur Unendlichkeit gespachtelt und geschliffen sein, wie man es für eine herkömmliche Lackierung benötigt. Und es geht ziemlich schnell von der Hand. Man muss ja auch nicht unbedingt einen Stoffrahmen versenken. Oder die Panscherei mit dem Kaffee kann man sich auch sparen, ohne sieht´s auch gut aus.
  • Eine gute Planung ist durch nichts zu ersetzen. Besser ist es aber, wenn man improvisieren kann. Trotzdem werde ich beim nächsten Projekt eine maßstabsgetreue Zeichnung (von Hand) anfertigen. Das erspart Überraschungen.
  • Niemals komplizierte Arbeitsschritte durchführen, wenn man müde ist.
    Niemals einen Baubericht schreiben, wenn man müde ist.

Danke für´s lesen, es grüßt
Hermann

Zur U_Do 18 BR im Online-Shop

Hier noch ein kleines Lautsprecher-Pörnchen:

 

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Guten Morgen Hermann.
Das ist ja eine Arbeit für geduldige Menschen, die konsequent ein Ziel verfolgen. Hut ab dafür.
Ich finde das Ergebnis sehr gelungen. Der geneigte Nachahmer bekommt viele wertvolle Tipps. Das ist einer der Gründe warum ich dieses Forum liebe.
Schönen Sonntag.
Gruß Martin

Hallo Hermann,

die praktische Ausführung der Rost-Optik hast du ja bis ins letzte Detail super beschrieben, da kann nichts mehr schief gehen, ein komplettes Kochrezept zum Nachmachen. 😉
Ein kürzlicher Besuch bei einem DIYler in einem ganz anderen Bereich (Modellbau) brachte weitere Materiallösungen zu Tage. Er hatte, um noch gröbere Alterungseffekte zu generieren, mit Sanden gearbeitet. Sogar feiner Strahlkies kam zum Einsatz. Das sind recht eindrucksvolle Effekte.
Und anorganisch.

G Rundmacher

Hach schön, ein Bericht aus dem Leben!

Die Rost-Optik hat schon was, passt bei mir nur nicht zum Interieur. Aber vielen Dank für den Hinweis, dass für den Klarlack „viel hilft viel“ nicht gilt. Die eingepasste Abdeckung finde ich übrigens sehr gelungen.

Ciao
Chris

Moin Moin,

in Nordhausen durfte man die Schatztruhen ja begutachten. Ich muss schon sagen: Real kommt das noch besser rüber! Nicht nur akustisch und optisch…. auch haptisch.
Kann mich daran erinnern das die ganz schön oft im Treppenhaus spielen durften, da reges Interesse bestand.
In Deinem Bericht sind echt interessante Details und Anregungen … das schöne am DIY.

Wünsche weiterhin viel Freude mit den Truhen!

Grüße aus der Eifel.
Markus

Grüß dich Markus. Dem kann ich nur zustimmen. Auch ich konnte die Schatztruhen in Nordhausen begutachten und war vom Gesamteindruck der “Teile” sehr beeindruckt. Vor allem hatten die Teile ein sehr bassstarkes Fundament. Da sie mir einen Tick zu groß waren, habe ich mir jetzt die Nummer kleiner geholt. Ich bin schon gespannt.
P.S. ich habe deinen Arsch mit Ohren stets dabei 😉

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