U_Do 54 selfmade by Erik.

Das Holzkombinat Chemnitz bietet Bauwilligen jeder Art Raum, Werkzeug und Know-how gegen kleine Miete an. Hier kann man seine Möbel aufarbeiten oder gleich neu bauen, professionelle Hilfe steht neben großen und kleinen Maschinen zur Verfügung. Eine löbliche Einrichtung, die auch Erik nutzte, um seine U_Do 54 und 72 vom Schnitt bis zur Farbe zu gestalten.

„Das Thema Lautsprecherbau schwirrt schon sehr lange in meinem Kopf umher. Oft habe ich das Projekt hervorgekramt und dann aber wieder weggelegt…“

Das ist bei so einem großen Unterfangen kein Wunder und vermutlich haben wir alle diese Projekte im Kopf, die schon seeehr lange auf Ihre Umsetzung warten. Erik hat sich etwas vorgenommen, was selbst einem erfahrenen Bastler und Heimwerken wie ihm viel Schweiß und Mühe abverlangt, doch für so ein Klangparadies macht sich das bezahlt.

Ein Umzug in eine neue Wohnung gab letztendlich den nötigen Impuls und es war an der Zeit, die ausrangierten Speaker zu ersetzen und etwas Richtiges ins neue Heim zu holen. Die Boxen wurden gebaut für den Anschluss an einen vorhandenen ONKYO TX-NR696. Die Baupläne samt Anleitung und fertig zusammengestellten Bausätze stammen von Acoustic Design, Magazin und Händler für den Lautsprecher-Selbstbau.

Die eigene Werkstatt war für das besondere Vorhaben zu klein und wir konnten Erik zudem mit der Materialbeschaffung, hochpräzisen Maschinen, einer Lackierkabine und einer experimentellen Oberflächenbehandlung unterstützen.

Außerdem bekommt man bei uns auch viel Hilfe und Unterstützung von den Mitarbeitern bzw. von den „Werkstatt-Mitbenutzern“ und kann auch mal herrlich ein paar Stunden fachsimpeln.

Großen Dank an Erik an dieser Stelle für sein ausführliches und sehr freundliches Feedback samt Projektbericht an uns!

Materialwahl & Ausplanung
Die Wahl fiel auf die Boxen der Typen U_Do 54 & U_Do72, welche sich insgesamt zu einem Heimkino-System von fünf Lautsprechern ergänzen. Die Pläne waren Dank des Fachmagazins quasi komplett vorhanden. Doch Erik entschied sich für eine Modifikation mit einer dickeren Materialstärke von 22 Millimetern.


Ausgangsmaterial war MDF (Mitteldichte Faserplatte), welches sehr gut für den Gehäusebau geeignet ist. Es dämpft den Schall besser als andere Materialien, lässt sich exakt verarbeiten und hat einen günstigen Preis. Außerdem bringt es genug Gewicht mit, um auch bei hohen Lautstärken nicht in Eigenschwingung zu geraten.

Formatkreissäge & CNC-Fräse für die exakte Bearbeitung
Auf der Formatkreissäge wurden alle Seitenwände exakt zugeschnitten mit einem 45° Gehrungsschnitt, um diese danach zu einem rechtwinkligen Kasten verleimen zu können. Die Aussparungen für das Einsetzen der Lautsprecher samt Elektronik wurden passgenau mit unserer CNC-Fräse umgesetzt.

Verleimen
Die Einzelteile wurden Stück für Stück zu Kästen zusammengefügt. Kein einfaches Unterfangen, bei dem helfende Hände angesichts der Größe der U_Do 54 unabdinglich sind. Verwendet wurde PU Leim. Die Kanten wurden mit Klebeband in Form gehalten. Zum Anpressen kamen dann noch mehrere 15-Kg-Gewichte zum Einsatz.

Herausforderung Oberfläche
Eigentlich war die Oberflächenbehandlung der Teil des Projektes, bei dem es bis zuletzt noch keine richtige Lösung für die Vorgehensweise gab. Es war ursprünglich die Idee, dass das MDF eine Lackoberfläche bekommt, aber so Erik:

„Erstens habe ich noch nie lackiert und zweitens steht Hochglanzweiß im Pflichtenheft. Die Vorstellung: Grundieren – Schleifen – Spachteln – Schleifen – Fillern – Schleifen – Fillern – Schleifen – und dann irgendwann Lackieren, trieb mir dann doch die Schweißperlen oder besser die Angstperlen auf die Stirn.

In einem Baubericht auf Udo’s Seite las ich das Stichwort „shabby Chic“ …. hhmmmm.
Folie? Nein! Da sieht man jede noch so kleine Unebenheit drunter.
Gar nichts? Das sieht bei OSB-Platten noch ganz gut aus… aber bei MDF? Nein… die braun-graue Farbe ist einfach zu monoton.“

Ein parallel laufendes Projekt in unserer Werkstatt gab dann den Denkanstoß, es doch einfach mal mit weiß pigmentierter Lasur auf Leinölbasis auszuprobieren, die wir sowieso in unserem Sortiment führen. Auf Reststücken wurde experimentiert, welche Effekte sich auf MDF mit der Lasur herstellen lassen. Wir selbst hatten auch noch keine Erfahrung für diesen Anwendungsfall. Verschiedene Farben wurden aufgetragen, denn mit der Auflösung von Eriks „Lackier-Blockade“ war seine Kreativität wieder entfacht.

Nach Begutachtung der Ergebnisse fiel die Wahl dann doch auf Naturöl-Siegel von Livos in Weiß, passend zur restlichen Einrichtung. Aus dem ursprünglich angedachten Hochglanz wurde ein sehr edel wirkendes, mattes Finish und eine sehr spannenden Oberflächenstruktur durch die Fasern des MDF-Materials.

Einbau der Technik
Der Einbau der Weichen und der Chassis gestaltete sich dann eher unspektakulär. Mit der Anleitung, die dem Bausatz beiliegt, kriegt das jeder hin, der schon einmal einen Lötkolben in der Hand hatte. Die längeren Kabel wurden innen mehrmals an den Wänden mit Heißkleber fixiert, damit da nichts klappern kann. Zum Schluss noch die Dämmwolle hinein und die Chassis in ihren Öffnungen verschrauben.

„Aufbauen, anschließen, CD einwerfen, den ONKYO auf „Pure Audio“ stellen und… genießen!“

Großes Kompliment von uns für die Erarbeitung dieses Projektes, Erik. Ganz viel Freude damit!

Herzlichst Euer Team vom Holzkombinat

Zur U_Do 54 im Online-Shop
Zur U_Do 72 im OnlineShop

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Hallo,
das ist ja mal ein ganz anderer Bericht -sehr interessant-, Erik braucht neue Boxen und gleich eine ganze Menge davon.

Es soll fürs Heimkino reichen. Das ist, wenn man selber bauen will, im wahrsten Sinn des Wortes ein Haufen Holz.

ADW bietet gefräste Fronten an, fertig gestellte Weichen, das hilft oft.
Er sucht weitergehende, je nach gewähltem Unterstützungsgrad bis zu allumfassender Hilfe, so z.B. die Werkzeuge (welche man nicht hat), das restliche Holz (was man sich ergattern muss), Leim, Weichen. Eine CNC Fräse!

Er bekommt sie.

Es gibt verschiedenste Werkstätten, so z.B. in der Autotuner Szene wo begeisterte Automobilfans unter fachkundiger Anleitung und Hilfestellung nach Herzenslust an ihren vierrädrigen Lieblingen herumschrauben. Ein finanzieller Obolus ist Standard, man hat ihn unter Kontrolle.

Tja, warum nicht auch beim Boxenbau. Ich bin beeindruckt.

So kommen auch die Unterstützung gebenden Werkstätten mit einem ADW-Produkt in Berührung, ich hoffe der Erik hat auch mal in den Stereomodus geschaltet und eine audiophile Aufnahme (bitte kein mp3) abgespielt…
Wir sind noch nicht in der Bluesklasse angelangt (welche allerdings für das Heimkino schon sehr üppig dimensioniert wäre), das hätte mit Sicherheit zu einem Hörerlebnis auf gehobenem Niveau geführt, dort im angehenden sächsischen Boxenbau-Woodstock in Chemnitz. 😉
Ein weiterer Link hier im Thread gleichartiges in Lübeck. Es wird mit Sicherheit in weiteren Orten auch noch Holzwerkstätten geben welche ähnliche Leistungen anbieten. Ich meine der eine oder andere immer noch verzagte potentielle Boxenbauer könnte sich davon angesprochen fühlen…
Hier bei ADW, im Forum, in den hunderten Bauberichten hatten wir bereits öfter Meldungen über Gemeinschaftsprojekte. Dort, wo sich zwei, drei Leute getroffen haben um zusammen ihr Projekt zu stemmen. Genau wie Erik, manch einer hat halt nicht den Platz oder die Werkzeuge um sich zu verwirklichen.

Man hilft sich untereinander.

Hmm, ich Schluderjan habe mich im Forum in der „Liste der Hörgelegenheiten“, welche nur für angemeldete User sichtbar ist, noch nicht angemeldet. Das wird jetzt nachgeholt. Sollte diese Liste um eine weitere Spalte „Werkstattnutzung möglich“ erweitert werden würde ich dort ein Häkchen setzen. D.h., nach Einzelabsprache wäre es für potentielle Boxenbauer möglich diese, meine Werkstatt mit meiner Hilfe zu nutzen. Was da im Einzelnen passieren soll, evtl. auch wenn weitere ADW-Boardies dies anbieten, bleibt dem jeweiligen Fall überlassen.

Einfach machen, ich starte mal.

Grüße an Erik, viel schöne Stunden am Heimkino.

Viele Grüße nach Chemnitz, Sachsen hat schon immer hervorragende Akustikprodukte gebaut!

Es grüßt freundlich
Rundmacher

Servus Rundmacher,

ich habe mich beim Lesen des Berichts an ein Konzept erinnert, von dem ich einmal gehört habe. Der Link von Lübeck kommt von dieser Seite: https://www.offene-werkstaetten.org/werkstatt-suche

Die haben nicht nur Holzwürmer

Gruß

„Sollte diese Liste um eine weitere Spalte „Werkstattnutzung möglich“ erweitert werden würde ich dort ein Häkchen setzen. D.h., nach Einzelabsprache wäre es für potentielle Boxenbauer möglich diese, meine Werkstatt mit meiner Hilfe zu nutzen. Was da im Einzelnen passieren soll, evtl. auch wenn weitere ADW-Boardies dies anbieten, bleibt dem jeweiligen Fall überlassen.“

Klasse Idee Rundmacher, bin ich dabei.

Peter

So ein Holzkombinat brauchen wir in Lübeck auch 🤩 leider konnte ich die Udo 54 noch nirgends hören, würde mich wirklich mal reizen. Ich vermute da bleiben wenig Wünsche offen zu einem wirklich fairen Kurs 🤗

Vielleicht bekommst du hier geholfen: https://fablab-luebeck.de/de

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