U_Do 51 CoIn und CoOn – Sound von oben

Es gibt mittlerweile viele konkurrierende Theorien zur Aufstellung von Lautsprechern, die im Heimkino den Sound von oben als dritte Dimension erzeugen sollen. Als einfachster Weg wurden schräg nach oben zeigende Aufsatzkästen für die Mains gepriesen, die über Reflexionen dem Ohr Höheneffekte vorgaukeln sollen. Leider war das mehr Marketing als praktikabel, denn der Schall müsste dafür als stark gebündelter Strahl möglichst ausschließlich am gewünschten Platz die Decke erreichen.  Schade nur, dass die benachbarten Luftmoleküle keine Prospekte lesen und trotzdem alle fröhlich mit den eigentlich vorgesehenen mittanzen. So erreicht eine ganze Menge Direktschall den Zuhörer von vorn und verwischt das „von oben“ fast bis zur Unkenntlichkeit.

Trotz weit kleinerem WAF, aber physikalisch sinnvoller setzt Dolby auf den Einbau von  Höhenlautsprechern in oder unter der Decke, Auro platziert sie an der Wand  kurz unter der Decke. Wie sie und wieviele jeweils dort angebracht werden sollen, hat man in Vorschriften gebettet, die hier leicht verständlich beschrieben werden. Dass es zusätzlich auch noch anderes zu beachten gibt, wurde hier lesenswert erklärt.

Meist sind die Gehäuse klein, gern wird ein 13er bis 15er BMT verwendet. Die sind ausreichend pegelfest für die kleinen Signale, die von oben auf den Zuhörer einprasseln. Umgesetzt habe ich diese Art von Lautsprechern bereits in Form „herkömmlicher“ Zweiweger. Platzsparend und rundum gleich abstrahlend kommen diesmal die nunmehr auch runden SB 13 PFCR-4 Coax zum Zug.

SB 13 PFCR-4 Coax

Parameter:
Fs 48 Hz Cms 1,1 mm/N
Diameter 110 mm Mms 10,3 Gramm
Re 3,3 Ohm BL 4,9 Tm
Rms 1,05 kg/s VAS 12,3 Liter
Qms 2,98 dBSPL 87 dB/2,83V
Qes 0,43 SD 91 cm²
Qts 0,38 MMD 9,7 Gramm

Messungen Bassteil


Messungen Hochtöner

Ein geschlossenes Gehäuse ist für In- und Onwalls Pflicht, damit sie eine passende  Arbeitsumgebung haben. Aus den selbst gemessenen Parametern ergab sich, dass der Coax einen Kasten mit 4 Litern hinter der Membran braucht. Darin kommt er bei etwa 80 Hz auf halbierten Pegel. Damit das Gehäuse nicht übermäßig tief werden muss, habe ich für die Front ungefähr 20 x 20 cm Innenmaß festgelegt. So ergaben sich 10 cm Tiefe. Der digitale Bleistift hatte in wenigen Minuten eine Freecad-Zeichnung parat.


U_Do 51 CoIn

Ein kleiner Fetzen  (20 x 40 cm) Polsterwatte füllt das Kästchen locker. Auf der Messwand hatte es schnell ein geeignetes Plätzchen gefunden, an dem es plan mit der Ersatzdecke abschloss. Das ist zweifellos die beste Einbaulage für den Coax, der so keine vorstehenden Kanten und Ecken in unmittelbarer Nachbarschaft „sieht“.

Bass und Hochton wurden im Kasten gemessen und insgesamt sechs Bauteile zur Begradigung des Frequenzgangs vorgeschaltet. Der Konus durfte davon vier nutzen, die als Hochpass 1. und als Tiefpass 2. Ordnung dienen. Ein über die Spule gelegter Kondensator beseitigt die dicke Erhebung um 7 kHz. Die Kalotte ist bereits mit einem Hochpass aus Kondensator und Spule ausreichend geglättet.


Da in der Box nur wenig Platz vorhanden ist, habe ich die Weiche zweiteilig aufgebaut. So kann ich die Zweige rechts und links weit hinten in die Ecken der Seiten kleben, um genügend Abstand zum Magneten zu erhalten.

Messungen:

Über den Klang der Effekt-Lautsprecher will ich mich nicht auslassen. Sie haben lediglich die Aufgabe, Töne aus der Grundebene nach oben zu ziehen. Keinen Zweifel habe ich daran, dass sie dieser Rolle gewachsen sind.

U_Do 51 CoOn

Wer seine Lautsprecher nicht  bündig in der Decke einlassen kann, muss sie notgedrungen darauf setzen. Und hier ist schon die Krux dieses Aufbaus genannt: Notgedrungen. Störend zeigen sich frühe Reflexionen von der Decke als ausgeprägte Beulen im Frequenzgang. Was bei bündigem Einbau glatt war, wird in den mittleren Lagen durch Phasenverschiebungen zwischen Direkt- und Indirektschall zwangsläufig stark verbogen.


Verhindern lässt sich das nicht, aber die Überhöhungen im Mittelton können bearbeitet werden. Hierzu wird ein Saugkreis parallel zum BMT gelegt, der den Pegel in diesem Bereich reduziert.


Theoretisch ist es natürlich möglich, die Amplitude mit mehr Bauteilen fast glatt zu zwingen. Doch irgendwie muss man am Ende die Kirche im Dorf lassen, zumal die kleinen Unebenheiten dem Ohr im Konzert von bis zu 15 gleichzeitig ertönenden Lautsprechern und der ablenkenden Aktion auf der Leinwand völlig verborgen bleiben. Der Helikopter wird von oben einschweben, den genauen Typ wird man aus seinem Geknatter wahrscheinlich nicht herauslesen können. Das bleibt dem Auge überlassen, wenn das Vehikel im Bild auftaucht. Für die Handlung wird aber selbst das nicht sonderlich relevant sein.

Messungen:

Ob die U_Do 51 CoOn streng der Vorschrift folgend angewinkelt werden müssen, sollte mit den Mitbewohnern abgesprochen werden. Manch einer kommt mit schiefer Optik im Wohlfühl-Wohnzimmer nicht wirklich klar. Und ohne Zweifel sind dann machbare Kompromisse angenehmer als gar keine obere Ebene. Wer allerdings einen speziell für Heimkino abgestellten Raum zur Verfügung gestellt bekommt, sollte neben der perfekten Aufstellung auch Wand- und Deckenverkleidungen einplanen, um nicht den Sound durch unerwünschte Reflexionen zu verfälschen.

Beide Versionen der U_Do 51 Co sind für das Zusammenspiel mit der U_Do-, aber auch der SB-Reihe abgestimmt. Um es aber auch einmal deutlich zu sagen: Ihre Aufgabe besteht nicht darin, dem Zuhörer ein reines Musikvergnügen zu bescheren. Das soll keineswegs ihre Qualität ungebührlich herabsetzen, sondern nur falschen Erwartungen vorbeugen, die gelegentlich in Anfragen offenkundig werden. Und all denen, die heute eher die Fortsetzung der BelAir-Reihe erwartet haben, kann ich antworten: Jeder Lautsprecher-Bauer arbeitet am liebsten auf dem höchsten Niveau, aber der Kaufmann lebt auch von Brot und Butter. Auch in dieser Rubrik macht das Arbeiten Spaß und die Herausforderung ist nicht wirklich geringer.

Udo Wohlgemuth

Zur U_Do 51 CoIn im Online-Shop
Zur U_Do 51 CoOn im Online-Shop

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7 Comments
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Hallo,

super interessant! Taugen die auch OnWall als Rear-Effekt Lautsprecher?

Grüße Matthias

Schöne Ergänzung zum SB allround Programm, würde mich nicht wundern, wenn da früher oder später doch noch der Ruf nach einer BR Version für Wohnmobil ist Gartenhütte kommt 🙂
Liebe Grüße
Matthias

Moin moin!
Es macht spaß, zu lesen, wie du dich genötigt fühlst, Kunden ein Portfolio zu bieten, von dem du nichts hälst.. 😂
Aber den Schritt gab es damals weg vom Stereo zu 5(7).1-Aufstellungen auch und das hat sich ja anscheinend gelohnt, wenn man die Anfragen im Forum so liest.
Mein Wohnzimmer bietet dafür einen halben Meter zu wenig Deckenhöhe, daher bin ich nicht die Zielgruppe. Aber als eine Bereicherung sehe ich die Reihe trotzdem. Gerade zu dem Preis treibt es das Budget bei den benötigten Mengen nicht extrem nach oben..

Gruß
Niklas

Hallo Udo,
aus anderen Beiträgen von dir habe ich interpretiert, dass Du zu Hause mehr als Stereo nicht benötigst. In Sachen Musik sehe ich das genauso, seit ich Räumlichkeit von anständigen (deinen) Lautsprechern kenne.

Dass es hier nur Projekte gibt, hinter denen du stehst und die Du für eine Bereicherung hälst, sollte jedem klar sein, das ging wohl aus meinem Beitrag nicht hervor.

In treuer Demut
Niklas

Last edited 1 Monat her by Niklas
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