Robert baut die Chorus 52 ACL

Hallo liebe Freunde der gepflegten Musikwiedergabe. Aufgrund der aktuellen Situation sitze ich nun hier und habe auf einmal viel mehr Zeit als sonst – was tun? Alle alten CD´s und Schallplatten mal wieder hören, die Bude putzen, noch mehr Musik hören und ach ja: den längst fälligen Baubericht meiner Chorus 52 ACL schreiben, welche allerdings schon mein drittes Paar Lautsprecher aus Udos Musikschmiede sind. Die ersten beiden, RS 100 PC für die Küche und U_do 71 für den Nachwuchs waren die Probe, haben allerdings schon auf äußerst erstaunliche Weise gezeigt, was für kleines Geld und mit wenig Aufwand möglich ist.

Aber mal von vorne….
Begonnen hat das Baufieber bei mir vor ca. 3 Jahren, als ich beschlossen hatte, dass ich mich irgendwie an meinen KEF IQ 7 sattgehört habe. Bis dahin war eigentlich alles gut, aber ich war überzeugt, dass mehr aus meiner Anlage rauszuholen ist als mit den KEF Lautsprechern. Also begann die Odyssee durch verschiedene Hifi-Läden in der Umgebung, da ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht ans Selbstbauen gedacht hatte. Dieser Gedanke kam mir erst nach und nach, als ich ernüchtert und enttäuscht nach diversen Hörproben in den sogenannten „High-End“ Hifi-Läden feststellen musste, dass die von mir gehörten diversen Lautsprecher in der 2000 bis 3000 €-Klasse mal so gar nicht meinen Vorstellungen von gepflegter Musikwiedergabe entsprachen und erst recht nicht für diesen Preis.

Klar, man muss ja auch immer die Räumlichkeiten und die verwendete Anlage usw bedenken, aber keiner der von mir gehörten Lautsprecher hat mich irgendwie angesprochen oder nachhaltig beeindruckt. Ich dachte zwischendurch sogar, dass meine alten KEF-Teile doch gar nicht so schlecht sind. Aber es muss doch irgendwie besser gehen, ohne vorher eine Bank zu überfallen.

Da ich sowieso grundsätzlich bei vielen Dingen denke: „Selbstgemacht ist doch immer noch am besten“ und auch schon auf diverse andere, erfolgreiche Selbstbauprojekte mit Holz, Metall und Beton zurückblicken kann, kam dann irgendwie von selbst der Gedanke, mich mal nach Bausätzen für Lautsprecher zu erkundigen und umzuschauen. Und, was soll ich sagen? Vielen von Euch muss ich es nicht lange erklären: man landet irgendwie automatisch auf Udos Seiten, erst recht, wenn man keine 20 km entfernt von seinem Laden wohnt (was ich vorher natürlich nicht wusste). Erstmal ein bisschen über mich selbst gewundert, noch nie etwas von ihm oder seinem Laden gehört zu haben, aber egal.

Die nächste Gelegenheit genutzt und mal direkt hingefahren, aber zu früh gefreut. Was sind das denn für Öffnungszeiten??? Komisch, aber auch irgendwie sympathisch. Also stand ich an einem Freitag gegen 11 Uhr vor verschlossenen Türen eines Ladens von dem ich, zugebener Maßen, zuerst dachte, ob ich hier wirklich richtig bin.


(Quelle: Google Maps)

Einige Tage später, Mittwoch kurz nach 15 Uhr, ich war der erste Kunde im Laden, nach Udos herzlicher und sympathischer Begrüßung und kurzem Vortragen meines Anliegens wusste ich allerdings sofort, dass ich hier goldrichtig bin.

Leicht überfordert vom relativ großem Angebot an verschiedensten Möglichkeiten und Preisklassen entschloss ich mich nach kompetenter Beratung und sehr beeindruckenden Hörproben erstmal für ein Paar RS 100 PC um meine alten Plastikkisten am Computer auszutauschen und um auszuprobieren, was so für kleines Geld möglich ist und um überhaupt erstmal in das Thema Lautsprecherselbstbau einzusteigen.

Tja, was soll ich sagen? Die kleinen Biester stehen bis heute nicht neben dem PC, sondern pimpem, in Verbindung mit dem kleinen Nobsound-Amp, zur Freude aller Familienmitglieder das Internet-Radio in der Küche. Als sie damals fertiggebaut waren und zum Testen an meine Anlage angeschlossen wurden, haben sie mich schon staunend mit offenem Mund zurückgelassen. Ich konnte damals kaum glauben, was ich da hörte. Die kleinen Teile klangen schon fast genauso gut oder sogar besser als meine KEF-Boxen. Klar, beim Thema Basswiedergabe und Pegelfestigkeit stoßen sie aufgrund der Gehäusegröße schnell an ihre Grenzen, aber was den reinen Klang und die Stimmwiedergabe betrifft, haben sie mich sofort überzeugt.

Also war klar, dass dies erst der Anfang war. Aber welche Lautsprecher sollten es denn nun für die Anlage werden? Nach vielem hin und her und noch mehr Berichte im Forum lesen dachte ich zuerst an die Duetta. Da ich auf schlanke Standlautsprecher stehe und mein Hörabstand mit ca 3 Meter recht klein ist und ich deshalb eine wandnahe Aufstellung bevorzuge, habe ich immer mehr über die diversen ACL-Modelle nachgedacht. Außerdem, wollte ich nicht unbedingt sofort in die Königs-Bluesklasse einsteigen, um später immer noch ein bisschen Luft nach oben zu haben. Ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich habe gerne immer etwas, auf das ich mich noch freuen kann und ich wusste, egal welche Box ich als nächstes bauen werde, es wird auf jeden Fall besser als das, was ich jetzt habe. Um mir meine Entscheidung etwas zu erleichtern und um ACL mal live zu erleben, bin ich dann nochmal bei Udo im Laden aufgetaucht.

Ob man nun an Zufälle glaubt oder nicht, egal, es war genau der Tag, an dem ein anderer Kunde seine neuen, von Udo entwickelten und gebauten Linie 52 ACL im Laden abgeholt und vorher ausgiebig getestet hat. Ich war der andere Kunde im Laden, der, wie in Udos Bericht „Linie 52 ACL – Marks Neue“ erwähnt wird. (Zitat): „Kaum hatten wir unseren Hörtest begonnen, gesellte sich ein weiterer Besucher zu uns. Er war sichtlich beeindruckt von der schlanken Kiste, die da so fröhlich vor sich hin musizierte.“

Ja, genau so war es, ich war schwerst-mehrfach beeindruckt und wusste seitdem, dass es eine schlanke ACL-Variante werden sollte. Wie schon erwähnt nicht unbedingt die „Endstufe“ in Form der Linie 52, aber es gibt ja auch noch genug kleinere und günstigere Modelle.

Nach weiteren Hörproben hatte ich mich dann relativ schnell gedanklich auf die Chorus 52 ACL eingeschossen. Denn eins war für mich klar: es sollte ein Modell mit Eton-Chassis werden. Warum? Erstens weil ich schon seit einer Ewigkeit mit hoher Begeisterung im Auto nur Eton-Lautsprecher höre, zweitens weil ich die etwas höheren Preise der Eton-Chassis in Verbindung mit dem gebotenem Preis-Leistungsverhältnis als absolut gerechtfertigt empfinde und drittens, na ja, weil Eton-Lautsprecher irgendwie eine Klangfarbe ausstrahlen, die mich anspricht. Als die Entscheidung feststand also wieder nach Bochum und die Kartons ins Auto gepackt.

Da ich eine aufgesetzte Schallwand wollte, musste noch der vorgegebene Bauplan etwas geändert werden, was aber kein großes Problem war. Die Schallwand aus schwarz durchgefärbten MDF und ausgefrästen Öffnungen hab ich bei Udo direkt mitbestellt, da ich keine Oberfräse besitze. Da ich auch keine Tischkreissäge besitze, die Gehäusewände allerdings auf Gehrung zusammenleimen wollte, musste ich erstmal einen kompetenten Schreiner in meiner Umgebung finden, der dies für mich erledigen konnte. Nach einigen erfolglosen Telefonaten fand ich dann schließlich einen netten Schreiner in meiner Nähe, der schnell und unkompliziert die von mir aus dem Baumarkt mitgebrachten 18 mm Multiplex Platten mit schönen, sauberen 45 Grad Gehrungsschnitten versehen hat. Zu meiner Überraschung und Freude sogar kostenlos, da er seinen neuen Lehrling so in die Kunst des Gehrungsschnittes an der großen Tischkreissäge eingeführt hat. „Bezahlt“ habe ich das Ganze dann einen Tag später trotzdem zur Freude der Mitarbeiter mit einer 1 kg Dose Weingummi.

Als das Material fertig und komplett vorhanden war konnte es endlich losgehen. Ab in den Keller und die Bretter nach Bauplan zusammenleimen, was kein großes Problem darstellte. Benutzt habe ich Ponal Fugenleim und Paketband zum Fixieren.

Die Frage nach der Farbe der Oberfläche erwies sich schon eher als Problem. Nach langen Diskussionen mit der Frau wurden dann 5 Probepäckchen mit farblich unterschiedlichen Ölen bei Osmo bestellt (ans Furnieren wage ich mich evtl. beim nächsten Mal), Probebretter bepinselt und schließlich war dann irgendwann klar, dass es Bernstein (doppelt aufgetragen) werden soll.

Vorher natürlich noch die obligatorischen Schleiforgien im Garten und mit Schwingschleifer: 80er, 120er, 240er, 400er. Hierbei stellte sich später beim Einölen heraus, dass ich wohl nicht sauber genug gearbeitet hatte und sich noch an einigen wenigen Stellen eine dünne Schicht Leimreste auf dem Holz befand, die beim Zusammenleimen rausgequollen waren und beim Schleifen übersehen wurden. An diesen Stellen konnte das Öl deshalb nicht richtig ins Holz einziehen und hinterließ einige hellere Stellen.

Erst hab ich mich geärgert, dann gedacht, dass man ruhig sehen darf, dass es selbst gemacht ist und so schlimm war es dann auch wieder nicht. Beim nächsten Mal werde ich allerdings drauf achten. Was soll`s, man lernt halt immer was dazu.

Die von Udo gelieferten schwarzen Schallwände passten perfekt. Die gesamte Box hat dann noch abschließend zwei Anstriche Osmo Hartwachsöl seidenmatt bekommen.

Beim Zusammenlöten der Frequenzweichen habe ich in der ersten Runde zwei Widerstände verwechselt, worauf Udo mich jedoch noch rechtzeitig aufmerksam gemacht hat, nachdem ich ihm Fotos der Weichen geschickt hatte. Gut, dass ich mich vor dem Einbau bei ihm abgesichert hatte.

Dann konnte die Verkabelung und der Einbau der Chassis erfolgen. Ich hab sie allerdings vor dem endgültigen Einbau erst mit der Frequenzweiche getestet….kein Scheppern, kein Brummen, alles klang ganz vernünftig, die Vorfreude stieg. Also Dämmwolle und Weiche rein, die Chassis festgeschraubt und ab ging die Post!

Was soll ich sagen? Komplizierte und detaillierte Klangbeschreibungen überlasse ich lieber anderen. Die Chorus 52 ACL haben mich vom ersten Moment an umgehauen und einfach nur begeistert. Schlagzeug klingt wie Schlagzeug und Gitarre wie Gitarre. Gute Aufnahmen vorausgesetzt, schwebt die Stimme des Sängers oder der Sängerin in der Mitte zwischen den beiden Boxen. Der Bass ist knochentrocken, geht abgrundtief runter und lässt das Sofa schön vibrieren.

Schon mehrfach wurde ich von Freunden beim Probehören gefragt, wo ich denn den Subwoofer versteckt hätte. Selbst bei hoher Lautstärke klingen die Lautsprecher überhaupt nicht unangenehm oder anstrengend, so dass man auch längere Zeit laut hören kann (und will).

Meine momentanen Lieblingsscheiben sind unter anderen:
The K&D Sessions von Kruder und Dorfmeister
Audioslave von Audioslave
The world is bigger than you von The Baboon Show
The Score von den Fugees
Taste of Honey von Ulf Wakenius
Good Company von The Dead South

Die meisten dieser Alben besitze ich schon jahrelang, allerdings habe ich sie mit den neuen Lautsprechern wieder aufs Neue ins Herz geschlossen. Eigentlich kann ich nun meine gesamte Musiksammlung neu durchhören und entdecke auf jeder Scheibe Geräusche, Laute, Noten oder Instrumente, die ich vorher nicht kannte. Was für ein Erlebnis!

Lieber Udo, vielen Dank für deine Arbeit, deine schnellen, kompetenten und netten Antworten und dafür, diese seltsame, momentane Zeit mit solchen tollen Lautsprechern etwas angenehmer und erträglicher zu machen. Vielen Dank auch an alle anderen Foren-Mitglieder, die hier bisher ihre Bau- und Erfahrungsberichte haben einfließen lassen. Für mich sind die Chorus 52 ACL im Moment die „eierlegende Wollmilchsau“, was Klang, Bass, Größe, Aufwand und Preis-Leistungsverhältnis angeht. Und wenn ich daran denke, was mich noch alles erwartet, wenn mich wieder das Baufieber packt und ich noch höher in der Bluesklasse aufsteige, komm ich aus dem Grinsen gar nicht mehr raus.

Robert (Esox)

Zur Chorus 52 ACL im Online-Shop

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Sehr schöne Ergebnisse. Das Wachsöl sieht traumhaft aus. Das merke ich mir für mein nächstes Projekt. Ich konnte noch keine Choruse hören, aber ich glaube sofort, dass sie überzeugen.

Ich habe das Hobby HiFi – Selbstbau leider erst entdeckt, nachdem ich mir für (zu) viel Geld schon Standlautsprecher von KEF zugelegt hatte. Das hielt mich aber nicht davon ab jede weitere Gelegenheit zu nutzen was selber zu bauen.
Man bekommt einfach so viel mehr für sein Geld und hat am Ende etwas Eigenes 🙂

Moin Teddy,
Das schöne an Markenlautsprechern ist ja, dass man sie immernoch zum halben Preis wieder verkaufen kann. Und mit diesem Geld immer noch was selbst bauen kann was dann fünf mal soviel wert ist 😉
Falls du sie noch hast:
Nicht lange ärgern, raus mit den Kefs… Oder nimm sie mal mit zu Udo und vergleiche sie mit der neuen Reihe. Danach folge dann deiner Gier 😉
Liebe Grüße

Hi Robert,

schöne Umsetzung der C52ACL!
Bei mir spielen sie jetzt schon ´ne ganze Weile und bisher hab ich noch nicht dass Gefühl dass mir etwas fehlt. Allerdings saß ich auch noch nie auf der berühmten Couch – unter Umständen könnte das kostspielige Begehrlichkeiten wecken 😉

Viel Spaß weiterhin und beste Grüße aus Mainz
Alex

Hallo Robert,

herzlichen Glückwunsch zur gelungenen C52 ACL. Ich habe sie beim derFiend ausgiebig im Vergleich mit meiner SB36, der Little Prinzess (erste Version) und auch der SB23 hören dürfen.

Für die Größe der Box und der Chassis überragend.

Viel Spass beim Neuentdecken Deiner Musiksammlung.

Servus Peter

PS: Ich bin vor über 30Jahren durch einen Mitbewohner der öfters aus der K&T Lautsprecher baute, direkt zum Selbstbau gekommen. Somit wurde ich auch von den monatlichen Weltneuheiten und den Lobpreisungen der Akustikteppichhändler aus der sogenannten Fachpresse verschont. Viel Lärm um Nichts.
20km Abstand zu einer Urquelle des Selbstbaus ist beneidenswert.

Moin Robert,
“ ernüchtert und enttäuscht nach diversen Hörproben in den sogenannten „High-End“ Hifi-Läden feststellen musste, dass die von mir gehörten diversen Lautsprecher in der 2000 bis 3000 €-Klasse mal so gar nicht meinen Vorstellungen von gepflegter Musikwiedergabe entsprachen und erst recht nicht für diesen Preis. “

Genau so bin ich auch bei Udo gelandet und seitdem geblieben 👍

Herzlichen glückwunsch zu deinem Aufstiegswerk!

So wie es scheint spielt es schon etwas länger, bin gespannt was als nächstes kommt.

Matthias

Bei mir war es genau der selbe Weg.

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