U_Do 54 – Matthias-Style

Vorüberlegungen zum Bau
Vor vier Jahren hatte ich meinen Einstand gefeiert im Boxenbauen. Das war ein Klang&Ton Cheap Trick 285. Reizvoll war dort die Kombination aus zwei Breitbändern und drei verschiedenen Weichen, um den Einfluss der Weiche direkt zu hören. Ich bin recht schnell bei der 2-Wege Abstimmung geblieben, war sehr zufrieden mit dem Klang und wusste, dass ich irgendwann nochmal ein besseres Paar bauen will.

Auf die Seite von Udo stößt man quasi automatisch, sobald man nach Boxenbau sucht. Da habe ich viele Bauberichte gelesen und die verschiedenen Bausätze angeschaut. Preislich durfte es schon ein Sprung sein zu CT285, übertreiben wollte ich aber erstmal auch nicht und bin bei der U_Do-Reihe hängen geblieben. Optisch und von der Klangbeschreibung gefiel mir die 54 recht schnell und ich war froh, dass die Chassis wieder kreisrund sind. Das trifft eher meinen Geschmack.

Planung
Da bei mir zwei kleine Musikhörer durch das Wohnzimmer sausen, war klar, dass die Chassis geschützt gehören. Ein klassisch eckiger Rahmen um alle Chassis traf meinen Geschmack nicht. Also kam ich nach einigem Grübeln und Entwürfen mit FreeCAD auf die nun gebaute Variante. Da wollte ich optisch einer Front ohne Schutz nahekommen und eine Brücke zu meinen ersten Boxen schlagen mit dem nach oben auslaufenden Streifen. Meine Bedenken, ob die tiefer liegenden Chassis akustisch ungeschickt seien, hat Udo nach kurzer Rücksprache zerstreut.

Der Bau beginnt
Die große unhandlichen Platte vom Baustoffhandel habe ich dank gutem Wetter direkt in der Einfahrt in transportable Stücke sägen können.

Der restliche Zuschnitt ging dann mit der Tischkreissäge. Der Plan, das Gehäuse auf Gehrung zu bauen, wurde schnell verworfen. Die Maße der Zuschnitte sind schon am Limit für die Säge gewesen und es fehlt dann die Genauigkeit, um eine formschlüssige Verbindung hinzubekommen.

Daher habe ich mich für die Verbindung auf Stoß entschieden mit leichtem Zumaß. Die Überstände können leicht mit dem Bündigfräser angeglichen werden.

Gehäuse und Rahmenhalter
Nach dem Abschluss des Zuschnitts ging es an die Fleißarbeit, alles zu verleimen. Als große Hilfe stellten sich dabei sowohl die Flachdübelfräse, als auch meine kleine Assistentin heraus.

Beim Verleimen fand ich es herausfordernd, jeweils die zweite Seitenwand sowie die Front auf die komplette Kontaktfläche zu verspannen. Da musste meine komplette Sammlung an Zwingen und die dazu gekauften Rahmenspanner herhalten. Die Idee, das Bassreflexbrett beim Leimen mit Abstandshaltern auf Position zu halten, kam mir erst beim zweiten Brett. In einem anderen Baubericht ist mir später aufgefallen, dass es dort genauso gelöst wurde.

Innen auf die Frontplatten habe ich noch eine 3mm HDF Platte aufgeleimt, da keine 22mm Platte zur Hand war und es durch die tiefen Fräsungen für die Stoffspannrahmen etwas zu dünn geworden wäre für die Auflagefläche der Chassis. Der Netzstoff sollte flächenbündig mit der Front abschließen. Daher habe ich erst im größeren Radius für den Rahmenhalter eine Vertiefung gefräst und dann die eigentlichen Fräsung für das Chassis.

Beim MT-HT Bereich war es flächiger. Die Fläche rein mit der Oberfräse zu machen, war eher eine Qual für den Fräser. So kam mir die Idee, das erst händisch mit Stemmeisen auszuräumen und nur die Feinarbeiten der Oberfräse zu überlassen.

Die Rahmen habe ich aus der 9mm Multiplexplatte ausgesägt, respektive mit dem Fräszirkel ausgefräst. Ein Opferbrett, mit dem ich sämtliche Radien vorher eingestellt und angefräst habe, war eine große Hilfe, da ich so ohne Messen und damit gern verbundenem Vermessen anhand der bestehenden Radien die leicht kleineren für die Rahmen einstellen konnte. Abschließend wurden noch die Vertiefungen für die Magnete am Gehäuse frei Hand mit Tiefenstopp und am Rahmen mit der Tischbohrmaschine gebohrt.

Die Lackierung
Da standen nun die Gehäuse im Rohbau und es galt, die Werkstatt gründlich zu saugen und mit dem Umluftfilter die Luft so gut es geht zu entstauben. Danach folgte eine Grundierung und zwei Anstriche in Weiß und abschließend die beiden Anstriche der schwarzen Segmente. Das hat optisch schon mal die Box zum Leben erweckt. Bei allen Lackierschritten gab es ein händischen Zwischenschliff mit einem Handklotz mit integrierter Absaugung.

Der Aufbau
Mit der Sackkarre und gut verpackt wanderten die Gehäuse von der Werkstatt ins Wohnzimmer in den zweiten Stock. Der Aufbau bestand dann aus dem Löten der Weichen, Bespannen der Rahmen mit einem Netzstoff, Zuschnitt der Dämmung, verschließen der MT-HT Abteilung nach dem Kabel ziehen, Terminal anschließen, Chassis anschließen und einschrauben und Schutzrahmen anbringen. Für die Aktion war das Wohnzimmer und ein Teil vom Esszimmer vier Tage belegt, was meine Familie aber mit stoischer Ruhe ertragen hat. Neben dem Aufbau liefen trotz meiner Ungeduld, einen Abschluss zu finden, die familiären Aktivitäten und Arbeit für die Zeit irgendwie parallel weiter. Aber dann standen die stattlichen U_Do 54 endlich fertig an ihrem Platz.

Outtakes beim Bau
Bisher ist meine Reihe noch ungebrochen und in jedem Bauprojekt ging irgendetwas schief. Mit schief sind wir gleich beim Thema. Trotz Flachdübeln und trocken alles zur Probe zusammenstecken, war ein Brett vom Reflexkanal schief eingeleimt. Es ließ sich schnell korrigieren mit einem neuen Brett, nachdem ich das schiefe ausgeschlagen und die Seitenwände geglättet hatte.

Die Anschlussterminals sollten nicht zu tief sitzen, das hat mich aber trotzdem nicht davon abgehalten, das Zentrierloch für den Fräszirkel erstmal zu weit unten zu bohren. Immerhin war es noch innerhalb des Terminals, so dass der Fehler unter der Haube bleibt.

Beim Schleifen der Front mit den Bandschleifer habe ich es trotz Schleifrahmen gepackt, eine Macke einzuschleifen an der Seite der Front. Das ist mir beim Anheben des Schleifers passiert. Musste dann mit Sägemehl-Leim Gemisch die Stelle wieder aufbauen und bin dann mit den Abrundfräsern nochmal drüber. War natürlich die Stelle mit zwei Abrundradien.

Beim Aussägen der Ausschnitte für die Anschlussnasen der Hochtöner bin ich zu beherzt rangegangen und der Ausschnitt wurde zu groß. Auch da kam wieder das Sägemehl-Leim Gemisch zum Einsatz.

Beim Streichen der schwarzen Bereiche der Front habe ich mir wilde Abklebereien erspart. Ich bekomme das meist sowieso hin, dass die Farbe unter das Kreppband zieht. Entgegen meiner Erwartung ließ sich das frische Schwarz nicht einfach von der durchgetrockneten weißen Farbe abwischen, wenn etwas neben die Kontur kam und ein grauer Schleier blieb. Habe dann einfach weitergestrichen und ein paar Stunden später die Idee gehabt das mit einem Schmutzradierer (so ein weißer Schwamm aus der Drogerie) zu probieren. Siehe da: ich konnte die Konturen säubern und die weiße Farbe war wieder reinweiß.

Als letztes Missgeschick habe ich das noch fast volle 1000er Pack Flachdübel von der Hobelbank geschoben. Das nennt man, glaube ich, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Es hat mich dann doch verblüfft, an welchen Stellen die Outtakes aufgetreten sind. Vor dem Projekt erwartete ich, mich bei den Fronten mit den vielen Fräsungen garantiert zu verfräsen. Da ging jedoch alles glatt.

Das Hören und der optische Auftritt
Im Wohnzimmer schauen die Boxen dann doch etwas größer aus, als ich es mir vorgestellt hatte.

Meine Frau kommentierte das mit einem entspannten: „Sieht doch fett aus!“ und der Sohn wandelte einen Crocodile Dundee Spruch ab: „Papa, du denkst das sei eine Box (deutet auf die alten) – aber DAS ist eine Box“ und steht grinsend vor der U_Do 54.

Manchmal sitze ich auch nur auf der Couch ohne Musik und genieße den Anblick. Wenn ich allerdings hörte, hat mich zunächst der überdominante Bass gestört. Das ließ sich zum Glück recht schnell auf die ungünstige Verteilung der Dämmung zurückführen. Die war nämlich zu sehr an den Außenwänden ausgerichtet und hat in den Freiräumen die Schallwellen Salsa tanzen lassen. Die Neuausrichtung der Dämmung ließ sich gut durch die Öffnung des oberen Basschassis erledigen und danach war der dominante Bass Geschichte.

Aufgefallen ist mir gleich die räumliche Abbildung. Das empfand ich bei den Vorgängern nie gelungen. Alles in allem gefällt mir der Klang sehr gut, ich hatte schon mehrere Gänsehaut-Erlebnisse. Nach und nach entdecke ich meine Musiksammlung im neuen Klang-Gewand. Und dann frage ich mich, was denn die Bluesklasse noch besser kann als meine Aufsteiger. Naja, das werde ich vielleicht auch noch hören.

Matthias

Zur U_Do 54 im Online-Shop

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12 Comments
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Nabend Matthias,

vor paar Wochen habe ich auch eine U54 fertiggestellt.
Da ich auch im Besitz einer U71 bin wunderte mich die Auflösung des HT und der beiden 5″ MTs überhaupt nicht. In Anbetracht des Preises staunte ich umso mehr.

Was mich aber wunderte war der relativ dünne Bass zu Beginn der Testphase, in der Testaufstellung standen die Lautsprecher ca. 1m vor der Rückwand und ebenso ca. 1m von der Seitenwand weg, also mehr oder weniger mittig im Raum. Trotz einiger Bass lastiger Songs war ich nicht wirklich zufrieden. OK, ich hatte relativ viel Dämmwolle im Basshaus, also eine Matte raus. Das klang jetzt schon bauchiger.

Ich lies CD um CD durchlaufen und in der Tat muss der Bass bisserl geknetet werden bis sich ein homogenes Klangbild abzeichnet. Jetzt schob ich die Lautsprecher immer näher Richtung Wand und die vier Achtzöller spielten immer wuchtiger.
Die Krönung war das Drumsolo von Ginger Baker bei „Toad“ in der Royal Albert Hall. Jetzt müsste die entnommene Dämmwolle eigentlich wieder ins Gehäuse.

Fazit: Die U54 packt gewaltig zu wenn sie zu wandnah steht, darunter leidet etwas die Auflösung. Hat man aber sein Optimum zur wandnähe gefunden bleiben kaum Wünsche offen.

Das es noch besser geht ist mir bekannt, aber das wollte ich einfach mal loswerden.

Gruß Schülzken

Hallo,
Ich gratuliere zu den schönen LS. Hab letzte Woche die U_Do 53 fertig gestellt und kann mir gut vorstellen das die 54 mindestens genauso begeistert.
Bis jetzt hat mich noch kein LS in weiß angesprochen, aber diese beiden würde ich auch nehmen.
Haben die Deckel eine leichte Neigung zur Seite oder täuschen die Bilder?

Gruß Belgabad

Moin Matthias
Wie schrieb Sparky jüngst sinngemäß: …wenn Du glaubst, Du hast schon alles gesehen…….
Das trifft hier voll zu. Abdeckung versenkt. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Mir gefällt es und die Idee ist gespeichert.
Ich wünsche Dir noch viel Spaß beim Hören und schauen.
Gruß Martin

Hallo Matthias,

ein sehr schön zu lesender Bericht!
Das Lautsprecher-Ergebnis gefällt mir sehr gut – Glückwunsch!
Eine wirklich tolle Umsetzung der U_Do54. Die Kontraste von schwarz und weiß sehen echt schick aus.

Diese vielen kleinen Missgeschicke passieren mir auch ständig.
Beruhigend, dass ich da nicht alleine bin.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit Deinen neuen Schätzchen!

Gruß
Henning

Hallo Henning,

der Volksmund sagt: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Und hier irrt er ausnahmsweise einmal. Doch widersprüchlich, wie das Leben nun einmal ist, sagt er auch: Nur wer losgeht, kommt ans Ziel. 😉

Gruß Udo

Hallo Udo,

ja, da sprichst Du wahre Worte.
Danke für die Aufmunterung!

Gruß
Henning

Servus Matthias,

Da hast Du Dir sehr schöne LS gebaut. Die Abdeckungen sind sehr geschickt integriert worden.

Dein Design des CT 285 ist passend weiterentwickelt. (Hatte ich auchmal so wie Du als 2-Weger, den ich an einen Schlagzeuger, der vom dynamischen Auftritt begeistert war, verkaufte)
Ich hatte auch zeitgleich Guido´s C85 gebaut, seitdem liebe ich 20cm TMT´s

Genug abgeschweift.

Deine U 54 wirken relativ schlank, Dein Design werde ich mal für einen eventuellen Umbau der Duetta zu einem einteiligen Gehäuse im Hinterkopf behalten, weil es mir sehr gut gefällt.

Viel Spass beim Hören und verdientem „Anhimmeln“.

Endlich mal ein „Adventskranz“ mit vier 8-Zöllern.

Peter

Moin Matthias.

Beim vorletzten Bild dachte ich zuerst an einen Sehfehler, bis dann, im weiterhin mechanischen Denkteil, das Schaltrad sich etwas weiterdrehte, gelesene Textstellen ihren Platz einnehmen konnten und das Bild einen Sinn ergab. Sehr schön sind sie geworden. Und im Vergleich zu den Vorherklingern sicher auch im Klang einen großen Schritt nach vorne.
Bis zur Maximaldehnung musste ich lächeln bei den Aussagen Deiner Frau und Deines Sohnes
U_Dos hat sich auch der Sohn eines Freundes zugelegt, was diesen, Besitzer weit überteuerter Wohnzimmer-Raumforderungen älterer Bauaurt beim anklingen ungläubig sagen ließ: „Für was habe ich meine Riesenkisten im Zimmer stehen“.
Du stellst mit ‚was denn die Bluesklasse noch besser kann’….die richtige Frage. Sie zeigt, dass der Virus sich an Deinem Immunsystem vorbeigeschlängelt hat;-)
Frohen 4. Advent.
Um die kalten Tage zu überstehen, hast Du ja das richtige in der ‚Bude‘ stehen.

Rodscher

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