Sörens MiniACL-Soundbar für die Eltern

Immer wieder, wenn mindestens einer von uns drei Brüdern bei unseren Eltern zu Besuch war und es sich ergab, dass man vor dem Fernseher versackte, mussten meine Eltern das immer gleiche Gemecker ertragen: Das Bild sei fürchterlich und der Ton scheppere schrecklich. Der Gipfel war erreicht, als alle drei samt Partnerinnen Anfang des Jahres zu Besuch waren und die Freundin meines älteren Bruders den Rest der Anwesenden davon überzeugen konnte, zusammen den ESC (Eurovision Song Contest) zu schauen.



(Von EBU – eurovision.tv, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=11035507)

Über die dort vorgestellte Musik kann man sich sicherlich streiten. Unstrittig ist aber, dass jede Performance furchtbar nervt, wenn der Fernsehton klingt wie ein Telefonhörer mit Megafon in der Badewanne. Da wurde fix eine Bluetooth Box ausgekramt und per Klinke angeschlossen, um das Elend zu beenden. „Das ist ja viel besser!“ kam es von meiner Mutter.

Etwas unverständlich war der mangelnde Qualitätsanspruch an den Fernsehton schon immer, denn die recht umfangreiche Musiksammlung wird hier seit 20 Jahren via Platte oder CD durch solide Standlautsprecher inkl. Subwoofer ins Wohnzimmer transportiert. Die Bereitschaft, Ton und Bild aufzuwerten, war also gegeben.

Dann gab es wenige Wochen später erstmal einen neuen Fernseher. „Um den Ton kümmere ich mich“ sagte ich, da ich seit einiger Zeit dem HiFi– (und insbesondere dem Selbstbau-) Wahn verfallen bin und keine Gelegenheit unversucht lasse, noch ein neues Projekt – ob für mich, Familie oder Freunde – umzusetzen.

Die Anforderungen waren wie folgt:

Es muss eine Soundbar sein, denn in der Fernsehecke des zur Küche und Wohnzimmer offenen Wohnbereichs sind Stereo Lautsprecher nicht aufstellbar.

Die Soundbar muss an der Wand unter dem Fernseher befestigt werden können.

Es muss ein optischer Eingang und damit auch ein eingebauter DAC integriert sein, denn die meisten modernen Fernseher sparen sich analoge Ausgänge für das Musiksignal. So auch der neue Fernseher meiner Eltern.

Eine Fernbedienung muss dabei sein.

Die Soundbar sollte einigermaßen vollwertig klingen und nicht auf einen Subwoofer angewiesen sein.

Klare Sprachverständlichkeit und Musik sollte Spaß machen.

Nach etwas Recherche landete ich beim Soundbar Konzept der MiniACL.

Zwei Bauberichte dazu gibt es schon, nämlich einmal hier im Magazin und einmal in Form eines Youtube Videos auf dem Kanal „Ralfs Refugium„. Es handelt sich dabei um zwei Mini ACL Bausätze, die in der langen Version aufgebaut und auf die Seite gelegt werden. Die Breite von 1m der Skizze ist variabel. Eine MiniACL in der langen Version hat eine Höhe von 438mm, zwei davon nebeneinander gelegt hätten also eine Breite von minimal 876mm. Ausgedehnt wird dies auf einen Meter, wenn man in der Mitte einen 12,4cm breiten Hohlraum lässt. In diesen Hohlraum kann man hervorragend einen Verstärker integrieren. Die Breite des Hohlraumes wollte ich von der Wahl des Verstärkers abhängig machen.

Verstärkerwahl

Die bisher hier vorgestellten Nachbauten nutzen einen kleinen MiniAmp mit Bluetooth und AUX – Eingang. Das war für meinen Zweck zu wenig, denn ich benötigte einen optischen Eingang und möglichst eine Fernbedienung. Der günstigste mir bekannte Miniverstärker, der eine Fernbedienung, Bluetooth, Höhen – und Bassanpassung, USB -, AUX – und vor allem einen optischen Eingang besitzt, ist der Sabaj A3.

Dieser hat mit Außenmaßen von (BxHxT) 11,9×3,9×10,6 (cm) die erfreuliche Eigenschaft, in der 12,4 cm breiten Kammer in der Mitte noch gerade Platz zu finden. Also war der Plan klar: Soundbar nach Bauplan aufbauen und dem Sabaj A3 in der Mitte eine kleine Ausbuchtung basteln.

Aufbau

Als Material wurde 12mm Multiplex gewählt, weil man es leicht lasieren oder lackieren kann und man durch Abrund – oder Fasenfräser eine wunderschöne Kante erhält. Zunächst wurden die Ausschnitte bzw. Vertiefungen für die Chassis, die Reflexrohre und die Terminals gefräst. Man hat die Wahl, ob man die Chassis vollständig innen verkabelt und sich dadurch die Anschlussterminals für Lautsprecherkabel auf der Rückseite spart oder nicht. Da die Soundbar aber an der Wand montiert wird, habe ich nur Vorteile durch die Terminals gesehen. Denn man kann so leichter den Verstärker auswechseln, sollte es nötig werden. Zunächst habe ich alle Platten bis auf den Deckel verleimt, denn man muss zur Verkabelung noch an das Innere der Box herankommen.

Etwas umständlicher ist es ein angemessenes Fenster aus der Front und Rückseite der Soundbar auszusägen/fräsen, sodass der Sabaj hineinpasst, hinten genug Platz für die Anschlüsse hat und das ganze optisch nicht fürchterlich aussieht. Der Sabaj A3 hat an den beiden Oberkanten eine Abrundung, die einem Kreis mit Durchmesser 20mm entspricht. Die Breite des Fensters ist durch die Breite der Kammer in der Mitte der Soundbar gegeben, nämlich ca 12,4 cm. Vom Boden der Kammer wählte ich eine Höhe von 4,2 cm. Nach dem Anzeichnen kann man in den beiden oberen Ecken links und rechts mit einem 20mm Kreisbohrer perfekt die Rundung des Sabaj nachamen. Den Ausschnitt kann man mit einer Stichsäge grob aussägen, wobei man ein paar Millimeter übrig lassen sollte, um dann mit einem Bündigfräser und einem Parallelanschlag einen perfekten Ausschnitt zu erhalten. Auf der Rückseite kann man es genauso machen oder nur einen Streifen aussägen, der allen relevanten Kabeln genug Platz lässt. Soweit zur Theorie, praktisch hat es natürlich nicht ganz funktioniert, aber das Ergebnis ist trotzdem ganz ordentlich geworden.

Nun kann man die Frequenzweiche aufbauen und mit den Lautsprecherkabeln in die beiden Gehäuse der MiniACLs legen. Am besten festkleben, damit beim weiteren Arbeiten am Gehäuse die Frequenzweiche nicht durch das Gehäuse purzelt, oder man die Kabel nicht aus dem Gehäuse fischen muss, wenn man Terminal und Chassis montieren möchte. Man kann die Frequenzweiche auch auf das Terminal kleben.

Nachdem alles verlegt war, habe ich den Deckel aufgeleimt. Hier präzise zu arbeiten ist schwierig aber extrem wichtig, denn den Deckel muss man erstmal in das Gehäuse quetschen. Nutzt man dann noch Leim ist eine nachträgliche Bewegung nicht mehr möglich, sollte der Deckel an einer Seite überstehen. So habe ich mir einen guten Millimeter Überstand eingeheimst, den die Oberfräse später korrigieren musste.
Mit einem 45 Grad Fasenfräser wurden anschließend alle sichtbaren Kanten abgerundet und natürlich das ganze Gehäuse geschliffen. Anschließend wurden zunächst die Chassis, Terminals und der Verstärker montiert und das Ergebnis einmal getestet.

Einige Zeit später hat mein Vater dann selbst das Gehäuse nochmal mit Birkenlasur bearbeitet und eine Wandhalterung gebastelt. Da ich den Teil nicht selbst bearbeitet habe, kann ich dazu nicht viel sagen. Das Endergebnis kann sich meiner Meinung nach aber wirklich sehen lassen.

Klang und Funktionalität

Nun haben meine Eltern eine Soundbar mit Fernbedienung, optischem -, AUX – und USB – Eingang, Bluetooth und einer Tonanpassung für Bässe (+- 8dB) und Höhen (+- 8dB) sowie einigen EQ Voreinstellungen.

Gespannt habe ich natürlich die ganze Zeit darauf gewartet, die MiniACL Soundbar mit Musik zu füttern. Meine Hoffnung war, dass sie sich im Vergleich mit handelsüblichen Bluetooth Lautsprechern in der Preisklasse gut schlägt. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Die Fernsehsofas stehen in der Fernsehecke meiner Eltern an der Wand und die Soundbar wurde ebenfalls an der Wand montiert, so erhält man natürlich doppelte Aufdickung im Tiefton, und das merkt man! Bis 50Hz bekommt man schon Punch, der schon fast spürbar ist. Insbesondere Drums, Bassgitarren aber auch elektronische Basslinien machen so ziemlich Spaß. Klar, die 55Hz Raummode in der Fernsehecke spielt da sicherlich eine Rolle, aber es bleibt trotzdem recht knackig und sauber. Wunderbar! Stimmen kommen gut durch und einen richtigen Hochton gibt es auch. Hier fehlt es erstmal an nichts, also Ziel erreicht: Musik macht so Spaß! Zumal der eigentliche Zweck, nämlich den Fernsehton aufzubessern, allemal gelungen ist. Insbesondere tiefe Männerstimmen, die auf einigen zu bassbetonten Bluetooth Lautsprechern zum Dröhnen neigen, bleiben hier sauber. Klasse! Und wenn es in einigen bassbetonten Filmsoundtracks mal zu viel des Guten wird und Stimmen etwas untergehen, hilft der Equalizer des Sabaj A3. Minus 2 – 4dB im Bass und schon ist das Problem gelöst.

Fazit

Obwohl die Kombination aus zwei Mini ACLs und dem Sabaj A3 nicht gerade supergünstig ist, kann sich das Ergebnis absolut sehen lassen. Insbesondere, wenn Stereolautsprecher wegen Platzmangel nicht aufstellbar sind, aber man nicht ein halbes Vermögen für eine Soundbar + Sub Kombi namenhafter Hersteller ausgeben möchte, kann ich die MiniACL Soundbar nur wärmstens empfehlen. Insbesondere für die Fernsehecke meiner Eltern kenne ich keine bessere Lösung in der Preisklasse!

Sören

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3 Comments
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Schön zu sehen, dass die Idee ADW Soundbar weiterlebt, im Vergleich zu den Zumutungen in Plastik aus Blödplanet eine Ohrenweide 🙂

Die Lösung mit dem mdf Kontrast gefällt mir!

Jetzt kann man dir nur noch wünschen, dass Formate wie ESC nicht überhand nehmen 😅

Moin, jaaa, ich persönlich fand den Sabaj A4 deutlich besser als den A3, aber könnte auch Montags A3 gewesen sein. Aber für TV Ton kann man auch Mal die Kirche im Dorf lassen, Decke das passt schon.
Bei Bedarf könntest du noch ein besseres Netzteil probieren.

Kontrast: die Fase ist auf den Bildern dunkler, kommt gut finde ich, aber natürlich abhängig von Lichteinfall

Und natürlich meinte ich mpx, keine Ahnung was da los war 😅

Lieben Gruß

Last edited 8 Tage her by Matthias (DA)
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