8. März 2026

Die RS 100 als Kurschatten

Autor: hermanillo

Dies ist kein normaler Baubericht im herkömmlichen Sinne. Dies ist eher die Reaktion auf Udos Aufruf an die Community, Bauberichte zu verfassen. Dem komme ich gerne nach. Ich möchte nur Anregungen geben, wozu solche Lautsprecher noch gut sein können und welche Einsatzmöglichkeiten sich bieten können. Vom Bau des Lautsprechers gibt es leider keine Bilder, ich hatte keinen Baubericht geplant. Es ist ja aber auch kein Geheimnis, wie man 6 oder 7 Bretter zu einer Einheit verleimt, dazu gibt es hier ja schon mehr als genügend Anleitungen. Die Front hatte ich von Udo gleich mitbestellt, da ich dieses Projekt eigentlich so nebenbei erledigen wollte und die Zeit doch etwa knapp war. Mein damals 6-jähriger Sohn hat mir beim Bau geholfen, das nennt man wohl musikalische Früherziehung. Das Gehäuse entspricht 1:1 dem Bauplan, wie ihn Udo veröffentlicht hat.

Der Bausatz wurde schon 2024 gekauft und gebaut. Das Design wurde von meiner Gattin festgelegt, ist doch der natürlich Lebensraum dieser Anlage das Büro meiner Frau. Die Front wurde creme-weiß aus der Sprühdose lackiert, nach einer 3-schichtigen Grundierung mit Zwischenschliff. Den BR-Schlitz habe ich von Hand matt-schwarz gepinselt, genau wie die Einfräsung des Treibers und Schattenfuge. Helles Ahorn-Furnier (Saraifo mit Vlies Unterlage) wurde auf den Korpus aufgebügelt und mit 3 Schichten glänzendem 2K Klarlack versiegelt.

Die schwarze Schattenfuge zwischen Front und Korpus dient als optische Trennung. Der Bau ging ziemlich zügig vonstatten, und dürfte nicht viel länger als 2-3 Wochen gedauert haben. Als Zuspieler dient ein älterer kompakter Onkyo CD-Receiver, der vor einigen Jahren ein Kinderzimmer beschallt hat und nun schon einige Zeit ungenutzt und gut verpackt in der Ecke lag.

Dies ist bereits die dritte RS100, die ich baue. Die erste war meine Soundhansa aus dem Jahr 2017,

danach kam eine RS100 ACL als Soundbar,

welche aber zur normalen RS100PC umgebaut wurde und nun unser Urlaubsdomizil beschallt.

Neben Udos Aufruf wurde ich von einem Hifi-Nerd zu diesem Bericht inspiriert. Ich bin gerade zu einem 3-wöchigen innerbetrieblichen Gesundheitstraining entsendet worden, von wo aus ich diese Zeilen schreibe. Manche nennen es auch Kur. Drei Wochen ohne Musik und standesgemäße Beschallung wären für mich unvorstellbar gewesen. Meine Frau hatte Einsehen, und ich durfte die Anlage mitnehmen. Sollte sie doch klein genug sein, um in einem kleinen Hotelzimmer ohne Probleme untergebracht werden zu können.

Jedenfalls lernte ich hier nach kurzer Zeit einen hifi-infizierten Kollegen kennen, wir kamen schnell ins Gespräch. Er besitzt eine hochwertige Anlage mit entsprechender Elektronik und einem höherpreisigen Plattenspieler. Als Lautsprecher nutzt er das Flaggschiff von einem bekannten deutschen Direktvertrieb, ansässig in Baden-Württemberg. Die 1,7m Türme kosten etwa 8k€ und sind bereits die zweiten Lautsprecher, die er von diesem Hersteller besitzt. Er betreibt das Hobby schon intensiver, Raumakustik, hochwertige Kabel, Steckerleisten und anderes Zubehör sind ihm wichtig. Es bedurfte keiner weiteren Überredungskünste, ihn zu einer kurzen Hörprobe auf mein Zimmer einzuladen.

Die Firma ADW aus Bochum war ihm nicht bekannt, jetzt allerdings schon, so viel sei schon einmal verraten. Wir verbrachten fast zwei kurzweilige Stunden und hörten einige CDs oder streamten Musik vom Handy. Es wurden die üblichen Titel gespielt, Chris Rea: Road to hell Part 1+2, Billy Idol: Rebel Yell, Eyes without a face und Sweet sixteen, diverse Titel von Dire Straits, Enya: Orinoco flow, Storms in Africa und Cursum perficio, Schiller: Soho und Salton sea, Dominik von Francois: Panorama …. Von 80er Rock ging es über Elektronik zu Folklore Pop.

Der Kollege war tief beindruckt ob der nicht vorhanden Größe der Lautsprecher. Auf der anderen Seite beeindruckte die Bühne, die Klangfarben und die Musikalität dieser Zwerge. Es fehlt weder im Bass noch im Hochton irgendetwas. Dieses direkte und zeitrichtige Klangbild dieser kleinen Breitbänder ist jedes Mal zum daniederknien. Direkte Unterschiede an den Frequenzenden wird man nur im direkten Vergleich zu einem ausgewachsenen Lautsprecher mit einem Vielfachen des Volumens oder Membranfläche vernehmen können. Meiner Meinung nach gibt es keine besseren Lautsprecher für das Nahfeld (!).

Wie schon oben angedeutet, diese Zeilen sollen Unentschlossenen dazu ermutigen, solch ein Projekt in Angriff zu nehmen und umzusetzen. Man kann mit wenig Mitteln so einen schmucken, kleinen Lautsprecher bauen. Wer lackieren möchte, muss nicht zur Sprühdose greifen, Eine Rolle tut es auch. Furnier mit Vlies lässt sich problemlos verarbeiten. Einfacher ist es, wenn man es ölt, statt es mit Klarlack zu versehen. Ein Einsteiger-Lautsprecher mit Oberklasse Klang-Genen.

Man weiß nie genau, welcher Einsatzzweck sich ergeben kann. Die Anlage war jedenfalls schneller aufgebaut, als der Koffer ausgepackt. Mir helfen sie über den 3-wöchigen Aufenthalt hier im Hotel hinweg. Die ganze Anlage passt eingewickelt in eine Vliesdecke und eine kleinere Sporttasche hinein und kann so platzsparend transportiert werden.

Ob ich Udo einen weiteren ADW-Jünger bescheren kann, weiß ich nicht. Er wohnt in München, und für eine Hörprobe ist ihm das etwas zu weit. Aber man weiß ja nie, ich habe ihm einen Denkanstoß gegeben, das muss jetzt eventuell noch etwas reifen. Ich weiß aber, dass er sich mit der Internetseite von Udo beschäftigt.

Grüße, Hermann

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Hallo,

schöner Bericht und ein tolles Statement.
Aber erst einmal, ich hoffe die Kur war deiner Gesundheit zuträglich, das ist doch wohl das Wichtigste.

Wenn dann per Zufall ein weiterer audophiler Mensch dort auftauchte, super, da wird es nicht langweilig. Ihr werdet bestimmt (!) einiges besprochen haben, toll.

Ich hatte vor ein paar Jahren bei meiner REHA-Kur überlegt ob ich die Mini-ACLs mitnehme, dann war es nur der Laptop, ich hatte endlich Zeit meine Musiksammlung zu katalogisieren.
(Amazon musste mir noch eine ext. USB-Festplatte in das Heim liefern)
Das hatte fast den vollen Zeitraum benötigt, mit EZ CD Audio Converter und EZ Meta Tag Editor plus dem etwas schwachbrüstigen Laptop dauert es eben. Seit dem ist da alles im Reinen.

Aber die Idee solch etwas transportables mitzuschleppen ist nicht verkehrt.

Der RS100 liefert schön ab, die Reaktionen von Ersthörern kennen wir doch. 😉

VG Rundmacher

Last edited 2 Tage her by Rundmacher
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