23. August 2026

Pauls BelAir71 … weniger ist mehr und ich bekam mehr!

Autor: Friedrich Paul Lindner

Meine Reise durch die Welt des Lautsprecher-Selbstbaus währt nun schon etwa 35 Jahre. Meine Geschichte mit den Bausätzen von Acoustic Design Wohlgemuth (ADW) begann – wie bei vielen anderen auch – im Jahr 2017 mit einer Mona 2.1. Es folgten schnell weitere Projekte zur Beschallung von Haus und Hof: die Needle, ein U_DoSub oval2 als Ergänzung für vorhandene Satelliten sowie ein PartyTop mit Sub.

Irgendwann kam der Wunsch auf, die gekauften Front-Lautsprecher im Wohnzimmer zu ersetzen. Die Wahl fiel auf die Duetta – erst passiv, später aktiviert. Klanglich dachte ich, am Ende aller Wünsche angekommen zu sein; die Duetta hatte ich schon seit den “Klang und Ton”-Zeiten verfolgt.

Das Schreiben von Bauberichten gehörte bislang nicht zu meinen Hobbies, ich lese aber schon so lange mit im ADW Magazin, muss mal was zurückgeben – fotografier mal mit und mit Hilfe von KI, dachte ich, entsteht dann schon ein Text. (Scherz, alle Zeilen incl. fehlender Kommas und österreichischen Eigenheiten der Grammatik kommen original aus meinem Keyboard).

Warum nun die BelAir71?

Ich habe die Duetta Top einmal gehört und war verblüfft, dass der Oberbass (Kickbass – sagt man das noch?) präsenter war, als ich es von meiner Duetta gewohnt war. Da ich eher ein Leisehörer bin und Orgelmusik in Originallautstärke nicht zu dem gehört, das ich regelmässig abspiele, kam mir das sehr entgegen. Der Platzbedarf der Duettas und der hinten rausragende (weil nachgerüstete) Hypex Plate Amp haben mich auch schon länger gestört. Und die geplante Neugestaltung meiner TV Wand wäre besser für schlankere Vertreter der Standlautsprecher planbar. Wir schreiben 2024, die Duetta top gabs damals nicht mehr, BelAir 71 aktiv sollte der würdige Nachfolger sein.

Also bestellte ich mir den Bausatz und legte los mit einer Planung für 22mm starke 3 Schichtplatten (Fichte). Um meine Fräsmaschine zu nutzen, entstand eine Einlage aus Eisenholz (Ipé Lapacho ist eines der härtesten Hölzer der Welt und wird aufgrund seiner extremen Dichte von bis zu 1.300 kg/m³ treffend als „Eisenholz“ bezeichnet.) Das sind Abschnitte von einem Terrassenholz, in das ich die Chassis einbetten wollte.

Der technische Plan sah folgende Details vor:

Ein Nettovolumen von ca. 22,7 Litern.
Gut versenkte Plate Amps in einem eigenen Fach im unteren Bereich der Box.
Zwei Aussteifungsbretter im Inneren.
Das Bassreflex-Rohr mittig auf der Rückseite

Da das Terrassenholz nicht breit genug war, verleimte ich zuerst je 2 schmälere Brettchen für die Einlagen.

Dann fräsen auf einer Felder HNC Fräsmaschine. Nach einem erfolgreichen Probelauf mit Fichtenholz wagte ich mich an das extrem harte Ipé.

Die Fräsung gelang (puh…), und die Chassis (der AMT-Hochtöner und der Tiefmitteltöner) passten exakt in die massiven Einlagen.

Der weitere Zusammenbau folgte dem klassischen Weg: Die Fichtenfront wurde für die Aufnahme der Ipé-Einlage präzise ausgenommen.

Die Gehäuseteile wurden schrittweise verleimt. Vor dem Aufsetzen der Front brachte ich die Dämpfungsmatten ein.

Für den perfekten Kontrast zum braunen Eisenholz wählte ich weißen Acryllack. Auch wenn ich nicht den Aufwand für eine professionelle Hochglanz-Lackierung betrieben habe, ist das Ergebnis in Kombination mit der neuen TV-Wand und dem weiß gerahmten 65-Zoll-TV optisch absolut stimmig.

Klanglich erinnert die BelAir 71 stark an die Duetta, was aus meiner Sicht vor allem am AMT-Hochtöner liegt. Ich bin ein großer Fan dieser Hochtöner, da sie extrem fein auflösen, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Besonders bei Gitarrenmusik zeigt die BelAir für mich ihre Stärken:

Klassisch: Asturias von Ana Vidovic.
Akustisch: Hotel California von den 40 Fingers.
Elektrisch: Whatever you want von Status Quo.

Gerade akustische Westerngitarren profitieren massiv von der Detailtreue des AMT. Und das Wichtigste: Ich habe den erhofften, fetteren Kickbass bekommen. Solange ich keine Aufnahmen der Passauer Domorgel mit ihren 16-Hz-Registern spiele, vermisse ich gegenüber der großen Duetta absolut nichts.
Ich bin zufrieden und klanglich angekommen.

Ein großes Dankeschön an Udo und die Community für die jahrelange Inspiration und die tollen Bausätze.

Paul

Zur BelAir 71 passiv im Online-Shop
Zur BelAir 71 aktiv im Online-Shop

zum Thema

Ähnliche Beiträge

SB 23/ 3

Ohne jede Übertreibung kann ich sagen, dass der Job eines Bausatzentwicklers zu den abwechslungsreichsten Tätigkeiten des täglichen Arbeitseinerlei gehört. Seit

Weiterlesen »
Community

Kommentare

2 Comments
neuste
älteste

Servus Paul,

die Boxen und das Gesamtensamble sind sehr schön geworden.

Hast Du das Fichtenholz grundiert?

Die Verschlankung meiner Duetta, deren Gehäuse ich ziemlich massiv aufgebaut habe, ist bei mir auch ein schwebendes Projekt. Die Duetta-Top oder Doppel 7 kam mir dabei auch schon in den Sinn, allerdings will ich die 11-Zöller weiterhaben, somit also die “Verschlankung”. A bisserl was geht scho.

Viel Spass beim Hören und Schauen.

Peter

Hallo Paul,

vielen Dank für deinen kurzen knackigen Kickbassbericht!

Das Eisenholz kommt auf meine ewige Materialliste. Sehr schön sind die Boxen geworden und sie passen wirklich hervorragend in dein TV Ensemble!

Viele schöne Hörerlebnisse wünscht

Uwe

Nach oben scrollen
2
0
Kommentar schreibenx