Da fehlte doch was – die U_Do 53

Eigentlich mögen wir keine halben Sachen, wir haben sie trotzdem gemacht. Als die runden Chassis in die U_Do-Reihe einzogen, wurden alle Bausätze neu formiert. Die größerem Körbe erzwangen mehr Abstand. Zeitgleich haben wir sie mit leichter verständlichen Namen versehen, um auch selbst der Verwirrung zu entgehen, die durch die einfache Durchnummerierung entstand. Doch ach, es gab eine Lücke, die durch die U_Do 4 gefüllt wurde, obwohl sie gar nicht wirklich in die Reihe passte. Generelles Gebot für unsere Bauvorschläge ist die Upgrade-Fähigkeit, aus der kleinsten Box kann fast verlustfrei bis zur größten aufgerüstet werden. Das galt aber nicht für den Lückenbüßer, dessen Vierohm-Chassis nicht für die Steigerung auf die U_Do 54 genutzt werden konnten. Dort hätte für einen nahtlosen Übergang eine U_Do 53 mit den Achtohm-Chassis hingehört, hier ist sie nun.

Das Video anzuhalten, um die Maße abzulesen, ist etwas aufwendig. Deshalb gibt es den Bauplan auch in gewohnter Form als .jpg und als Sketchup-Datei namens U_Do53.

Gespart haben wir uns dieses Mal die Ablichtung des Klebevorgangs. Er hat recht große Ähnlichkeit mit dem Vorgehen bei anderen Bauvorschlägen und sollte auch ohne Bilder anschaulich gelingen. Auf die Front wird die erste Seite, dann der Deckel, das untere Kammerbrett und der Boden geklebt.  Eine leichte Schwierigkeit bereitet bestenfalls das Einleimen der Kammer-Rückwand. Dafür muss das Konstrukt zwischendurch auf die Seite gelegt werden, damit das Brett nicht auf die Front fällt. Auch die 2. Seite wird in dieser Lage aufgeleimt, bevor nach erneutem Drehen die Rückwand den Bau abschließt. Schleifen und Ölen konnten wir die Kästen nach dem Trocknen des Fugenleims.

Und so kamen wir recht schnell zum Weichenbasteln. Wie immer begannen wir mit dem Bass, der sich mit einem Filter 2. Ordnung unseren Wünschen beugte. Beim Mitteltöner waren ein paar Bauteile mehr nötig. Zum Tiefpass erster und Hochpass 2. Ordung kam ein Saugkreis, der den frontbedingten Anstieg kompensierte. Schnell zufrieden war der Hochtöner, dem ein 12dB-Filter und ein Vorwiderstand zur Pegelanpassung ausreichte.


Gemeinsam ergaben die Filterungen bei verpoltem Bass einen recht ebenen Verlauf in allen üblichen Messkategorien.


Weil wir immer wieder in diversen Foren lesen, wie einfach Weichenentwicklung mittels Simulation ist, haben wir unsere gemessenen Daten testhalber in das zu Recht beliebte Vituix-Cad eingegeben. Alle Chassis wurden in der Box mit unveränderter Mikrophon-Position und jeweils wiederholter Abstandsmessung aufgenommen,  dann alle Bauteile für die Weichenzweige eingetippt, der Bass gegen den Rest verpolt. Hier das ernüchternde Ergebnis:

Als wir in der Simulation auch den Hochtöner verpolten, kam das Ergebnis näher an die Realität heran. Doch leider zeigt die ohne Erbarmen den doch recht beträchtlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis, auch wenn die Skalierung unterschiedlich ist.

Auch hier hätte man sicher weiter versucht, einen lineareren Verlauf zu erzeugen, was klanglich zu einem noch größeren Desaster geführt hätte. Nun, vielleicht bin ich tatsächlich nur zu blöd, eine fachgerechte Simulation durchzuführen. Möglicherweise bewahrheitet sich aber auch nur, dass der Mensch ein Augentier ist. Er sieht einen glatten Verlauf in der Simulation, deshalb zweifelt er nicht an seinen Ohren. Im Übrigem ergab auch eine Überprüfung mit LSPCad das nahezu gleiche Resultat. Es mag ja ein, dass in anderen Fällen bessere Realitätsnähe erreicht wird. Doch bleibt nach jeder Simulation die Ungewissheit, ob wirklich die Wahrheit dahinter steckt.

Wenn wir schon so schön bei der Praxis sind, wollen wir die mit dem Aufbau der Weiche fortsetzen. Gerade in der Zeit des Home Office und der Kontaktbeschränkung finden viele Menschen zum Lautsprecherbau, der bisher für sie ein völlig unbekanntes Terrain war. Für sie ist eine kleine Anleitung sicher hilfreich. Beginnen wir also mit dem wilden Bauteil-Haufen, der nach und nach mit Hilfe des Schaltplans geordnet wird.

Links fangen wir mit dem Aufbau an. L1 ist die dicke Kernspule, C1 ein Kondensator. Die genauen Werte stehen in der Liste, die wir natürlich beim Bausatz mitliefern, hier aber zum Schutz unserer Arbeit ausgeblendet haben.

Spule und Kondensator werden einseitig verzwirbelt, verlötet und mit Heißkleber auf ein Holzbrett geklebt.

Links ist das Kabel zum Terminal angelötet, rechts ebenfalls das zum Bass, der verpolt (siehe Schaltplan) angeschlossen wird.

Für den Mittelton bauen wir erst einmal zwei Gruppen auf.

Es folgen die Hochton-Komponenten.

Nun kommt Ordnung in das Ganze.  Hierbei halten die Spulen mindestens eine Daumenbreite Abstand voneinander, der Minuspol für alle Bauteile wird an einem Punkt zusammen geführt und zum Schluss nehmen die Kabel ihren Platz ein.


Im nächsten Teil des Boxenbau-Kurses zeigen wir Hochzeit von Korpus, Weichen und Chassis, damit auch das einmal in diesem Magazin nachvollziehbar erklärt wird.

Mit einem 8 mm Bohrer werden Kabeldurchführungen zum Mittel- und Hochtöner gebohrt. Wir haben uns angewöhnt: rechts Mittelton, links Hochton. Die zweigeteilte Weiche wird auf die Rückwand kurz unter den Bass geklebt. So kommen wir im Bedarfsfall bequem ran. Das ist auch der Grund, warum wir die Weichen nicht auf Platinen löten. Auf einen Blick sehen wir alle Verbindungen und können leicht verfolgen, ob die Kabel zum richtigen Endpunkt führen. Mit Heißkleber werden die Bohrungen luftdicht verschlossen, bevor die beiden Weichenteile an das Terminal gelötet werden.

Der Dämmstoff (50 x 160 cm pro Box) wird aufgeteilt. 20 x 50 cm füllen die MHT-Kammer, 40 x 50 cm liegt unterdem Reflexrohr und der Rest wird zusammengefaltet hinter die Abkammerung und den Bass bis kurz über dem Reflexrohr geschoben.

Schnell noch die Chassis angelötet. Die breite Fahne ist Plus, dorthin führt das rote Kabel. Nach dem Vorbohren mit 3 mm folgt das Anschrauben und dann bald der Hörgenuss.

Ach ja, klingt gut, was wir aus den U_Do 53 vernommen haben. Der Bass ist erstaunlich tief und sauber, Bassdrum und Tuba sind leicht unterscheidbar. Die zum Ohr transportierte Dynamik und Auflösung traut man der doch recht preisgünstigen Box nicht zu, aber das ist ihr egal. Sie kann es, dann macht sie es. Die Bühne ist breit und tief, alle Ereignisse darauf haben die richtige Größe und Tonalität. Wo die Boxen stehen, ist nicht ortbar. So soll es sein. Für die ansprechende Demonstration ihrer Fähigkeiten verliehen wir der U_Do 53 das Prädikat Aufsteigerklasse.

Wo wir gerade beim “Ach” sind, wollen wir das “Ach so” nicht vergessen: Gehört haben wir in der filterlosen Einstellung mit den Monoblöcken, die wir uns aus den Fullrange-Subwoofer-Modulen Hypex FA 251 gebastelt haben. Zugespielt wurde per PC von Festplatte und aus dem Internet.

Udo Wohlgemuth

Zur U_Do 53 im Online-Shop

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Udo, mal eine Frage zu dem Simulationen. Warum zeigst Du die Graphen für Soundpower und Directivity-Index, um bei den englischen Ausdrücken zu bleiben?

Grüsse vergessen …
Grüsse,
Thomas

Das meinte ich nicht, Udo. Wenn Du die Simulationen mit Deinen Graphen vergleichen willst, musst Du auch “SPL” ausgeben, nicht “Power & DI”; das sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. Wie sehen denn die SPL Graphen aus?Dass gute Software viel Kosten muss, na ja, Linux und alle Programme die darunter laufen wäre ein klassisches Gegenbeispiel. Hier passender könnte man auch die Werke von Jeff Bagby (R.I.P.) nennen, der soll durchaus sehr brauchbare LS mit selbstgestrickten Excel Tools (frei verfügbar) simuliert haben, bevor er dann in der Tat die Bauteile in die Hand nahm & die Weichen optimiert hat.

Das ist zugegebenermassen wirklich schlecht! Die Einzelzweige passen eigentlich ganz gut bis auf den HT, die Summen im Bereich der Übernahmefrequenzen überhaupt nicht.Und Soundpower sowie SPL sollten in jedem Fall unterschiedlich ausfallen, da Soundpower im Grunde den LS im Raum unter Berücksichtigung der Winkelmessungen und angenommener Reflektionen simuliert. Sehr seltsam. Dass Simulationen nicht der Wahrheit letzter Schluss sind ist natürlich auch richtig (“die Wahrheit liegt auf dem Platz”), mir ist erst neulich an anderer Stelle ein Projekt über den Weg gelaufen, wo es anders herum nicht funktioniert hat. Simulation top, in echter Hardware & Messung so schlecht, dass es nicht einmal veröffentlicht wurde.

Guten Abend,bei solch komplexen Dingen ist eine Simulation doch eh nur ein Wegweiser zum Ziel, mehr oder weniger genau. Simulatoren arbeiten eben mit “idealen” Bauteilen, wohingegen ein Wickelkondensator auch eine Induktivität hat, eine Spule gerne ankoppelt usw. usf.Darüber kann man sich immens das Hirn zermartern oder man probiert es eben aus.Das fängt doch schon beim BR an…. den rechnet man aus, probiert, evtl. anpassen, also andere Rohrlänge berechnen… und am Ende steckt man doch zwei Rohre zusammen, variiert die Länge und ermittelt empirisch, was gefällt. Bei Weichen ist das natürlich nicht so “leicht”. Aber elektrische Bauteile tun selten das, was der Computer geschätzt hat.Getreu dem Motto: “Verstärker schwingen IMMER, Oszillatoren NIE” :DGruß,-Sparky

Wie schön, jetzt kann durch die Bank ‘ge-upgraded’ werden! Bei mir werkelt eine U_Do4, bei der das Eckige noch ins eigentlich Runde musste. Bis zur U_Do4 wurde bei mir im Keller  immer an was Neuem gebastelt. Erstaunt stelle ich mittlerweile selber fest, dass die Werkezeuge seit Monaten schweigen. Die U_Do4/53 bietet sehr viel fürs kleine Geld und schiebt ordentlich Luft durchs Wohnzimmer. Da fühlt man sich klanglich schon weit vorne angekommen. So viel Lautsprecher für so wenig Geld gehört aus dem Blickwinkel des Geschäftsmannes vermutlich verboten. Toll das Udo ihn trotzdem raushaut. Ich kann sie als Preis-Leistungs-Tipp nur wärmstens ans Herz legen.

Na, wenn das Mal keine ausgewachsene Einstiegsdroge ist! Nur der Preis ist verwirrend niedrig.
Da fehlt eigentlich nur noch die Option ‘inkl’ Aktiv Modul’ im Shop 😉 und schon kann der geneigte Neubauer in ungeahnte Klangwelten aufsteigen.

Da die Frage früher oder später eh kommt und mich aber jetzt schon interessiert… Welchen Unterschied macht das relativ hohe bassreflex Rohr zum alternativen Kanal an der unteren Kante?

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