SB 18 und 36 für die Wand

Lange ist es her, dass mir zum ersten Mal bewegte Bilder aus einem rechteckigen Kasten begegneten. Wir schrieben das Jahr 1956, als mein Vater eine horrende Summe für den ersten Fernseher in der weiten Nachbarschaft ausgab. Wir Kinder wussten gar nicht, was aus dem gewölbten, grauen Fenster im braunen Holzkasten heraus kommen würde. Brav setzten wir uns auf das Sofa und harrten geduldig auf das so neue Erlebnis. Gefühlt einige Minuten nach Betätigung des Ein-/ Ausschalters erschien Irene Koss und verkündete, dass uns nun gleich Clemens Wilmenrot mit seinen eher einfachen Rezepten zum Nachkochen animieren wird. Man, war das spannend! Da bereitete ein Mann im fernen Hamburg ein Essen zu und wir durften ihm dabei hunderte Kilometer entfernt zusehen. Ob er genau in dieser Sendung seinen berühmten Toast Hawaii erfand, weiß ich nicht. Für eine spätere Erinnerung war ich zu geflasht von den unglaublichen Eindrücken, die da schwarz auf weiß – naja 16 Grautöne waren auch dabei – auf mich niederprasselten.

Von Rainer Z … – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9665330

Ja, so fing es damals an, ein Programm, Sendezeit von 18 bis 23 Uhr, dazwischen das Testbild. Beim WM-Spiel zwischen Schweden und Deutschland sahen an die 20 Leute in unserer kleinen Zweizimmer-Wohnung den Platzverweis von Erich Juskowiak etwas vernebelt, weil die Antenne nicht so ganz richtig ausgerichtet war.  Wegen der großen Spannung wollte aber niemand auf den Dachboden laufen, um das Problem durch Drehen am Mast zu beheben.

Und heute? Programme bis zur Unendlichkeit, Streaming-Dienste mit noch mehr Filmen und Serien. Der gute Ton kommt von allen Wänden, nicht einmal die Decke bleibt davon verschont.  Weil das alles im Wohnzimmer kaum geduldet wird, darf ein Kellerraum mit allem Zipp und Zapp eingerichtet werden. Hier darf man alles machen, was für den Sound zum Großbild ideal ist.  Holzwände, die ordentliche Dämmung verbergen, sind heute Standard, Absorber und große Subwoofer – nicht nur einer – sind das Mittel zum Sehgenuss. Ist es dann nicht zwangsläufig, auch die Lautsprecher gleich in die Wände zu integrieren?

Wenn ich mir unser Sortiment ansehe, gibt es tatsächlich mit den SB 15 und 30 Inwall zwei Bauvorschläge, die dafür vorgesehen sind. Sie erreichen im geschlossenen Gehäuse die sinnvolle Grenzfrequnz von 80 Hz. Ultimativ sind sie nicht, mehr Membranfläche könnte nicht schaden.  Und schon frage ich mich, weshalb ich den SB 17 NRXC-8 nie in dieser Bauweise in der Wand getestet habe. Er braucht etwa 10 Liter Volumen, die leicht in einem Vorbau untergebracht werden können. So bewährt er sich schon in der CB-Version der SB 18, die wir als akzeptablen Partner zum SB 29 SWCBFA  für das Wohnzimmer vorstellten.

SB 18 Inwall

Also mal gerechnet. Bei  15 cm Tiefe und 30 cm Höhe innen ergibt sich großzügig gerechnet eine Breite von 23 cm.  Für die aufgesetzte Schallwand brauchen wir also ein Brett mit 27 x 34 cm. Um die Box in meiner auf die Schnelle ans Regal geschraubten Fake-Wand mit 40 x 50 cm Öffnung befestigenzu können, schnitt ich die Front trotzdem fast in diesem Maß zu.  Das Verleimen der Bretter dauerte weniger als 10 Minuten, Schleifen und Lackieren sparte ich mir für den Test. Eine Sketchup-Zeichnung habe ich für die Box auch gemacht.

Und schon ging es an die Weichenentwicklung. Da die Chassis bündig in der Wand stecken, strahlen sie den Schall in eine “Halbkugel” und nicht rundum ab. Das verstärkt vereinfacht gesagt die tiefen Frequenzen, schön zu sehen im Vergleich der CB (rot) und Inwall (blau) unter nahezu gleichen Messbedingungen. (Das “Mehr” um 1 kHz entsteht durch Kantenreflexionen.)

Begonnen habe ich mit dem Bass, dem mit einem Sperrkreis gegen leichtes Aufbuckeln oberhalb von 700 Hz, einer Spule mit übergelegtem Kondensator und einem parallelen Kondensator die Grenzen gesetzt wurden. Der Hochtöner braucht nur den üblichen Filter 2. Ordnung und einen Vorwiderstand.

Zusammen ergaben sich bei phasengleichem Anschluss der Chassis diese Diagramme:

Wer sich seinen separaten Heimkino-Raum einrichtet, wird vermutlich keinen Schwachbrust-AVR nutzen, der mindestens 6 Ohm Impedanz sehen will. Doch auch der würde mit den SB 18 Inwall nicht überhitzen.

SB 36 Inwall

Wenn wir mehr Membranfläche forderten, haben wir diesen Anspruch mit der SB 18 Inwall gegenüber der SB 30 gleicher Bauweise natürlich nicht erfüllt. Legen wir also noch einen drauf und basteln uns die SB 36 Inwall. Auch 20 Liter lassen sich recht leicht in eine Vorbauwand unterbringen, ich klebte mir dafür einen 46 x 35 x 15 cm (innen) Kasten zusammen, den ich wiederum bündig in meine vorgetäuschte Holzmauer setzte. Den Bauplan gibt es hier.

Beim Weichenbau hielt ich mich streng an die Vorgaben der SB 18 Inwall, da beide Bauvorschläge auch gemischt gut zusammenarbeiten müssen. Fast genügte es sogar, nach der theoretischen, praktisch aber nie passenden Faustformel die Bauteile von 8 auf 4 Ohm umzurechnen.


Generell gilt für alle Lautsprecher, dass der Hochtöner auf die Ohrhöhe (nicht auf das Ohr) des Zuhörers zielen soll. Gibt es davon mehrere, dürfen die Boxen auch über deren Köpfen schweben. Sie müssen dann aber angewinkelt werden, damit die menschlichen Hindernisse den Hochtöner nicht verdecken.

Nun werden aber nicht alle Heimkino-Betreiber rundum die Mauern ihres Filmraums mit Holz abdecken wollen, obwohl das natürlich aus klanglicher Sicht das Optimum darstellt. Deshalb haben wir die flachen Holzkästen auch mal auf die Wand geschraubt und die Weiche an diese Gegebenheit angepasst.

SB 18 Onwall

Auch für die Onwalls hielten wir uns an den Weichenaufbau der Inwalls, sogar die wesentlichen Bauteile konnten übernommen werden. Lediglich die Sperrkreise mussten auf die Beulen im unteren Mittelton verschoben werden., Die Chassis wurden leicht aus der Mitte geschoben, wodurch die Abstände zur Wand unterschiedlich groß und die Senke etwas milder wurde.  Ob diese Maßnahme auch im Wohnzimmer erlaubt würde, mag ich nicht beurteilen. Doch im Hobbykeller ist erlaubt, was nützt. So werden die immer nötigen Kompromisse hier nicht zu Gunsten des Auges verschoben.

SB 36 Onwall

Ein Manko dieses Aufbaus lässt sich nicht wegreden, erst recht nicht wegmessen. Die frühen Reflexionen der Schallwellen an der zurückliegenden Wand sind phasenverschoben zur Direktstrahlung und ergeben so eine deutliche Senke für das Mikrofon. Auch die nunmehr “sichtbaren” Kanten der Boxen hinterlassen ihre Spuren.  Das Ohr leidet unter beiden Effekte dennoch nur wenig. Diese Erfahrung haben wir seit Erfindung der Wallstreets immer wieder gemacht. Erst nachdem wir die Diagramme gezeigt hatten, “hörten” sich die Probanden die Senke und die Welligkeiten herbei. Messungen sind also kein alleiniges Mittel, um Klang zu beurteilen.

Und da sind wir schon beim wichtigsten Kriterium, das den Leser interessiert. “Wie klingt es denn?” Nun, das ist schnell zusammmengefasst: Typischer SB-Charakter mit etwas wärmerem Grundton, gut aufgelösten Mitten und Höhen, nie aggressiv, aber auch nicht nur gemütlich. Sprache, aber auch Filmmusik kommen ohne Makel, die SB 18-Versionen können leise und laut, die 36er selbstverständlich lauter. Natürlich fehlt ordentlich Bass. Ach so, wir habe uns Heimkino-Satelliten angehört. Natürlich fehlt da ordentlich Bass.

SB 34 SW_BRFA Wandversion

Nun, dann müssen wir zum guten Schluss auch noch einen Subwoofer erfinden, der nicht ständig im Weg steht. Gut, dass seit einiger Zeit der SB 34 SWNRX-6 im Lager liegt und seither auf eine sinnvolle Verwendung wartet.  Seine Vorzüge zu beschreiben, spare ich mir, denn das hat SBAcoustics schon selbst gemacht. Unsere  gemessenen Parameter decken sich nahezu mit denen der indonesischen Dänen.

LspCAD schlug 60 Liter mit einem 12,4 cm langen HP 50 vor. Nun ja, die Geräusche der durch das kleine Rohr strömenden Luft will ich niemandem zumuten. Ein angemessenes HP 100 sollte dagegen fast 60 cm lang sein, kann man auch eher vergessen. Fraglich ist zudem, ob in einem Spezialraum unbedingt ein großer Bass in ein kleines Gehäuse gezwängt werden muss. Also erhöhte ich das Volumen auf 105 Liter und nun wollte die Simu nur noch machbare 35,2 cm, wenn ich auch die Öffnungsfläche von 78 auf 92 cm² vergrößerte.

Wer seine Lautsprecher in oder auf Wänden versteckt, braucht einen Subwoofer, mit dem man ähnlich verfahren kann.  Breite ist egal, die Tiefe soll so gering wie möglich sein. Mit 125 (B) x 46,6 (H) x 25 (T) cm außen und aus 22 mm MDF sollte mein Brummer gebaut werden. So kann er sich eng an die Wand schmiegen. Rechts und links befindet sich je ein Reflexkanal mit 2,2 cm Höhe und 21 cm Breite, innen ein paar Versteifungen. Für den Nachbauer gibt es natürlich auch den Bauplan.

Den Aufbau des Gehäuses habe ich fotografiert. Schaden kann es nicht, wenn es Bilder gibt und genügend Platz auf der Seite haben wir zudem.

Das war’s dann schon, auch hier sparte ich mir das Schleifen und Lackieren. Die Box füllte ich komplett locker mit Dämmstoff, den Bereich vor den Reflexkanälen ließ ich frei. Den Kasten stellte ich auf vier Gummifüße, schraubte den Bass hinein und schloss mein FA 251 extern an. Die Software von Hypex startete ich auf meinem PC, Clio Pocket lief auf meinem Laptop. So wurden die per USB an das Modul versendeten Presets direkt per Messung am lebenden Objekt überprüft, bis sie für gut befunden wurden.


Ein Hochpass 4. Ordnung schützt den Lautsprecher vor unbekömmlich tiefen Frequenzen, oben werden die drei Presets ebenfalls mit 24 dB bei 80, 70 und 60 Hz getrennt. Dazwischen war nur noch ein BoostCut bei 40 Hz nötig, um einen kleinen Buckel zu glätten. Mit dem SB 34 SW_BRFA fehlte nun natürlich kein Bass mehr.

Udo Wohlgemuth

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12 Comments
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Moin Udo,
Na das ist doch Mal was amtliches, nur die falsche Produkt Linie 😇 wo bleibt Chorus 🥰

Spaß beiseite, ich halte SB für hervorragend für Heimkino geeignet!
Nice one. Ungehört eine dicke Empfehlung.

Und nach dem Motto nie zufrieden, ein Plädoyer für die Duetta Cineasten und deren Wand Bedürfnisse

Liebe Grüße!

Schick das Mal wieder was aus dem Labor kommt

Matthias

Ein komplettes 5.1 System für knappe 1600€ kann sich sehen lassen. Wenn man dann noch beim Material nicht übertreibt und einen guten AVR dazu rechnet sind wir bei um 3000€.

Kann man nicht meckern!

N’Abend Nicolas,

so unterschiedlich kann die Sicht auf Gleiches sein. Der Eine freut sich über einen fairen Preis, manch Anderer käme sicher daher und würde sagen “Was?! So teuer ist das? Ich habe da für 287,55€ so ein Entertainement-System von Hersteller XY im Elektronikmarkt ZZ gekauft und das ist BOMBE!”

Wer über den großen Bruder möglicherweise hier her findet über den Begriff “Heimkino” und dann entweder sagt “Viel zu teuer!” (oder “Viel zu billig!”, soll es auch geben…) Hört es euch an. “You get what you pay for”, also auch all die Testberichte in den entsprechenden Magazinen, Marketing etc.

Gruß,
-Sparky

Schönes Ensemble soweit, vielleicht finde ich ja doch mal Gefallen an einem Heimkino, wenn die Brut das Haus verlässt.

Eine Frage: wenn ich die Frequenzgänge mit “Stereoaugen” so anschaue, würde ich sagen:
Überhöhung im Oberbass um Bass vorzutäuschen, wo keiner ist.
Überhöhung in den Höhen, um Details etwas “präsenter” zu machen, ist aber dauerhaft etwas anstrengend.

Ist das der speziellen Hörsituation im Heimkino geschuldet?

Grüsse
Thomas

Hallo,

ein passender Bausatz, zugeschnitten für die Heimkinoenthusiasten mit beschränktem Platzangebot.
Und wie immer alles aus einem Guss, aufeinander abgestimmt. Was habe ich schon gesehen -und gehört- bei Leuten welche mir stolz ihre nach und nach zusammen gekauften, edlen Boxen verschiedenster Hersteller präsentiert haben. 😉

Beim Sub musste ich schmunzeln, mal eben ein 40 Hz ‘Buckelchen’ weg gebuckelt. Ohne das Hypex, also ein normaler 0815-Verstärker, ich denke das wäre mit einer passiven Weiche kaum gegangen. Monsterinduktivitäten, große Kondensatoren, irgendwie wohl möglich, aber in der Praxis? Oh je.

Super.

G Rundmacher

Häresie, der Meister propagiert Häresie. Spaß beiseite, kleines DSP Einmaleins: nur Buckel senken, Senken NICHT aufbuckeln.
Grüsse
Thomas

Beides ist korrekt, aber das ist schon großes Einmaleins ;-). Pegelverluste in CB sind aber keine Senken und wenn man zu sehr nachhilft, begrenzt einen dann irgendwann Xmax des Chassis. Das ist keine gute Idee und kann “klötern”, deshalb lieber: nicht machen.
Grüsse
Thomas

I LIKE ….

gruss Dirk

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