11. Juni 2023

U_Do 53 – Sound für die Lounge

Autor: Xxlet

Der letzte Raum des Hauses wartet auf eine hochgradige Aufwertung. Neuer Boden, vertäfelte Wände, eine Bühne, eine Bar – die Lounge klang nach vielen Abendstunden Arbeit. Aber den Anfang musste etwas machen, das den Umbaumarathon mit guter Laune unterstützt: Musik. Zunächst wollte ein Stereopaar entstehen, das die 35qm raumfüllend beschallt. Im Weiteren sollte das Pärchen zu einer 5.1/ 7.1 Anlage ausgebaut werden, zeitgleich zum finalen Kino. Damit das alles schließlich auch funktioniert, habe ich das ADW-Forum mit der Raumskizze bemüht und stellte den Plan des zukünftigen Kinokellers zur Diskussion, wo wie gewohnt fundierte Ratschläge erteilt wurden.

Und so wich der ursprüngliche Plan nach der optisch ansprechenderen U_Do 73 der U-Do 53. Zum Probehören der beiden wäre ich wirklich gerne nach Bochum gekommen, aber das ist von Ulm doch ein knackiges Stück weg. Etwas Vorerfahrung hatte ich schon mit dem Bau einer Soundbar auf Basis der MiniACLs, die seitdem dem Flachbildfernseher die richtige Klangtiefe verleiht.

Doch mit den U_Dos wollte ich auch die erste Weiche aufbauen und war diesbezüglich schon recht nervös. Die Lautsprecher sollten vorne und hinten ein Eschefurnier tragen und an den Seiten schwarz sein. Ich bin alles andere als ein Profi beim Furnieren und das sollte auch noch eine Herausforderung werden.

Ich hatte eigentlich ein Rüsterfurnier bestellt, aber das gefiel mir nun gar nicht. Die Kernesche gabs für wenig Geld dazu. Sie gefiel mir für den Lautprecher viel besser, allerdings war das Furnier schmaler als die U_Do53 Front. Ich dachte zuerst daran, die Front schmaler zu machen und die Box tiefer, um das gleiche Volumen zu behalten. Aber zum einen ist der Bass schon so breit, dass die Front schmaler kaum geht bzw. zweigeteilt gewesen wäre. Dann kam mir eine andere Idee: ich machte links und rechts Schlitze in die Front. so dass das Furnier genau dazwischen passte. Außerhalb sollte es wie die Seiten schwarz sein. So entstand die Optik aufgesetzter Seiten, wobei die beiden Wangen wiederum dünner waren, als das 19mm MDF.

Zuerst wurden also die Seiten zugesägt, dann mit der Fräse die Oberkante abgerundet. Anschließend erfolgten mit der Tischkreissäge zwei 8mm tiefe Schlitze längs 14mm vom linken und rechten Rand in die Front. Um zum Übergang auf die Oberseite den Schlitz zu behalten, kippte ich am Ende des Schnitts das Brett nach oben. Das gelang leider nur einmal sauber. Ich ärgerte mich, hatte aber auch zu knapp mit dem 19mm MDF kalkuliert. Es waren nur noch 16er und 22er Platten zuhause, daraus konnte ich die Front nicht neu machen.

Da kam mir die Idee, die Rückseiten ebenfalls oben abzurunden und den Schlitz gleich zu setzen. Auf der Rückseite würde mich der kleine Ausriss nicht stören. So verklebte ich die Vorder- und Rückseite mit einer Seite, während die andere offen blieb. Ich lackierte schon einmal die Schlitze und Seitenwangen schwarz, auf dass ich später keine Flecken auf das Eschenfurnier setzte. So verleimte ich nun die Box bis auf eine Seitenwand.

Und nun machte ich mich ans Furnieren. Das ging natürlich nicht Brett für Brett. Die Rundungen oben hatte ich doch extra deshalb gemacht, um das Furnier durchlaufend zu haben. Also leimte ich zunächst die Front zwischen den Schlitzen ein, setzte das Furnier mittig dazwischen und presste über Nacht an, was gut gelang. Am nächsten Tag drehte ich die Box und stellte sie auf ihren Boden während das Furnier noch herunterhing, so dass ich die Oberseite und wieder einen Tag später die Rückseite furnierte. An den Rundungen hatte ich nicht extra angepresst, dafür hatte ich mit etwas Zug am Furnier gearbeitet, das trotz seiner 0,6 mm nicht gebrochen ist. Gerade an der Rückseite fehlte mir wohl dennoch die Geduld. Eine der beiden Boxen hatte hier etwas Blasen geworfen. Am Schluss musste das Bügeleisen aus dem letzten Jahrhundert herhalten und glich mit etwas Feuchte einzelne Blasen v.a. der Oberseite aus, für einige Stellen auf der Rückseite half aber auch kein Bügeleisen mehr. Oben hatte ich immer noch keine Schlitze, die würde ich erst ganz zum Schluss einsägen.

Als nächstes machte ich mich an die Ausschnitte. Auch das wäre einfacher gewesen, hätte ich nicht auf mein durchgehendes Furnier bestanden. Denn dann hätte ich den Ausschnitt wie die meisten Boxenbauer im Forum vor dem Verleimen der Box gemacht. Nun durfte ich mir keine Fehler erlauben, sonst hätte ich ganz von vorne anfangen müssen, anstatt einfach nur ein anderes Frontholz anzufertigen.

Ich liebe meinen Kreisschneider und war mir sicher, so sauber, wie mit dem, bekomme ich keine runden Schnitte rein. Weit daneben: Dort, wo das Furnier nicht perfekt auf dem MDF verleimt war, kam es sofort zum Ausriss. Klar, angefangen hatte ich an den Terminal-Löchern auf der Rückseite und es ist zu verschmerzen. Gelernt hab ich aber, dass selbst mein scharfer Kreisschneider mit dem suboptimal verleimtem Furnier auf der Rückseite Probleme hat. Der Fräse auf dem Fräszirkel wars dann egal, mit dem Ergebnis eines rundum sauberen Ausschnitts.

Dann aber das nächste Malheur: Ich hatte den Kreis für den Hochtöner einen Milimeter zu schmal gemacht und leider bereits das kreisrunde Loch ebenfalls bis ganz nach unten ausgesägt. Einfach mit dem Kreisschneider nachfräsen ging nun nicht mehr, da dieser ja in der Mitte die Fixierung braucht. Es hätte mit der Fräse sicher Alternativen gegeben, aber gerade der Hochtöner machte mir aufgesetzt nichts aus. Ich achtete später darauf, dass er ganz fest am Gehäuse saß.

Nachdem alles fertig war, setzte ich mich an einem netten Abend dann an die Weiche. Dank Udo, der gerade für die U_Do 53 sehr hilfreiche Bilder von der Weiche in Schritt für Schritt Manier gemacht hatte, gelang auch mir das korrekte Verlöten auf Anhieb. Udo nahm sie mir noch am Abend ab, nachdem ich ein nur 15 Minuten vorher gemachtes Foto zur Kontrolle geschickt habe (Sonntag abend). Auf dem Foto fehlen allerdings noch die beiden Hochton-Kondensatoren, die nicht im Bauteile-Beutel lagen. Sie kamen zwei Tage später bei mir an und wurden umgehend zwischen C2 und L4/ R2 eingelötet.

Tja, und am Ende stand Sie nun da und wartete nur darauf, die verkabelten Chassis aufzunehmen. Anschließend stopfte ich vorsichtig Sonofil in das Gehäuse während die Lautsprecher bereits erste Töne von sich gaben und so fiel mir direkt auf, dass die befüllte Box auf die Sekunde anders klang. Ein verlötetes Kabel hatte sich gelöst. Nachdem das behoben war, schloss ich die Seiten mit den verbleibenden Seitenwänden, was ich ebenfalls zweimal machen musste. Immerhin setzte ich die Seiten ja nicht auf, sondern ein und drückte dabei den Leim in die Box rein, während er an den Kontaktstellen fehlte. Als ich die Box dann etwas lauter drehte, merkte ich, dass der Bass an der rechten Seitenwand durch ein deutliches Vibireren zu spüren war. Als die Seitenwand mit einem Stemmeisen von unten supereinfach wieder raus ging, wurde mir erst bewusst, wie schlecht der Leim hier hielt. Beim zweiten Versuch spreizte ich die Box beim Einsetzen der Seitenwand um 1-2mm (für den Leim) und klemmte sie mit Schraubzwingen wiederum ein, als sie komplett drin war.

Und nun wurde querbeet eingespielt. Begeistert hat die unplugged Version von “Hotel California” mit raumfüllendem Klang, und auch “Chan Chan” vom Buena Vista Social Club und Norah Jones “Come away with me” entlockte mir ein breites Grinsen, bevor mein Kopf zum knackigen Beat von Seven Nation Army wippte. Besonders liebt meine U_Do53 aber Lennie Kravitz “Are You Gonna Go My Way” rockt dermaßen **** aus dem Eschetröten, dass man sich wundert, warum nicht schon alle Nachbarn zur Party vor der Tür stehen. Gegen die vom Volumen deutlich kleineren KEFs habe ich sie noch nicht gehört und bislang auch nur am 7.1 Onkyo statt der Stereo Marantz. Aber schließlich muss man sich auch was für die „Stille Zeit“ vornehmen. Udo habe ich auch schon gedankt. Was er in den großen Versandkisten durch Mitteleuropa verschickt, ist Freude pur.


P.S. Worüber man bei einem Glas Rotwein und laufender Musik so sinniert:

1) Im Nachhinein war die Geschichte mit dem Schlitz für den Einsatzzweck Quatsch, denn im Dunkeln bemerkt man ihn gar nicht und im Hellen sieht man eher die Fusseln, die sich darin sammeln. Die schwarzen Randstreifen in der Front tun der Box aber gut, das passt.

2) Auch die abgerundete Kante hatte wie erwähnt Schwierigkeiten gemacht: Ich konnte nicht einfach Seite für Seite furnieren, sondern musste zuerst 3 Seiten der Box fertigmachen und dann das Furnier um die Biegungen am Stück aufkleben. Zudem blieb so nicht die Rückseite offen, sondern die Seite, die ein- statt aufgesetzt werden musste. Für die Standlautsprecher ist das wirklich mühsam, für Regallautsprecher (wie als Rear und Center geplant) werde ich es aber wieder so machen. Erst so wird aus dem Pärchen eine unverwechselbare Familie.

Eugen

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Hi Eugen,

Meine U_Do4 wollte deine U_Do53 mal nach ihrer Nummern fragen! Nachdem ich ihr deinen Artikel vorgelesen und ein paar Fotos gezeigt habe, ist sie ganz aufgeregt. Sie spielt schon den ganzen Morgen mit Inbrunst und Feuereifer. Das ist eindeutiges Balzgehabe. Die Rundungen deiner U_Do wissen also zu gefallen 🙂

Viel Spass

Ja Glückwünsche!
Mitten aus dem Leben, immer schön zu sehen dass irgendwas immer ist, was das Eigenwerk zum Unikat und damit umso wertvoller macht.
Viel Freude damit
Matthias

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