23. Juli 2023

Kaditzjaners SB 36 Center

Autor: Kaditzjaner

Hello again! Baubericht Nummer 4. Diesmal möchte ich Euch auf meinem Weg zum SB36 Center mitnehmen. Der Start des neuen SB-Heimkinos für unser Wohnzimmer. Der Zustand der heimischen Wohnzimmerbeschallung war Anfang 2022 eher traurig. Ich hatte meine beiden U_Do 9 ACL voreilig demontiert, um diesen eine neue Hülle zu spendieren. Außerdem wollte ich eine neue Weiche einbauen, welche à la esage etwas für das Auge sein sollte. Naja….Weder aus der Weiche, noch aus dem Gehäuse wurde was. 2 Kinder und 2 vollzeitarbeitende Eltern beanspruchen dann wohl doch etwas das Zeitkontingent. So standen im Wohnzimmer zwei wieder halbwegs zusammengeflickte, aber bereits teilweise abgeschliffene und damit hässliche ACL-Türme und eine RS 100 ACL als Center Lautsprecher.

Dann kam im April unser Umzug in eine neue, größere und schönere Wohnung. Die Chance, das Wohnzimmer von vornherein HIFI-tauglich zu gestalten. Denn es stand schon lange fest: Es wird ein Paar SB 240 einziehen. Der Bausatz liegt seit irgendwann 2021 bereit und wird sicher noch in diesem Jahrzehnt fertiggestellt werden. Nun hatte ich dazu passend den Center-Lautsprecher gesucht. Udo hat klar die SB 36 Center empfohlen. Aber ich war mir ob der Größe sehr unsicher und wollte erst ein kleineres Modell bevorzugen. Nur leider war im Hinterkopf diese Stimme. Und die bevorzugt nun mal Hubraum. HUBRAUM!!! ….Ist ja gut. Also doch die SB 36… Wird schon an Frau verkauft werden können. Irgendwie. Erstmal bauen, dachte ich mir. Und zack, eine Woche später lag der Bausatz der SB 36 Center bei mir.

Zwischenzeitlich habe ich mir Gedanken zum Design gemacht. Das neue Wohnzimmer soll perspektivisch weiße Echtholzmöbel erhalten. Weniger Möbel, größere Lautsprecher. Find ich super! Ich mag Vintage-Optik, gepaart mit schlichten Linien. Und natürlich möchte ich wieder mit Furnier arbeiten. Die SB 240 werden diesbezüglich abweichen. Aber beim SB 36 Center bleib ich bei meinem Rezept. Ach ja, und eine Abdeckung wird auch benötigt. Klein Sohnemann ist mittlerweile zwei Jahre alt und spielt gerne mit Papas Spielzeug. Also müssen die Treiber geschützt werden. Dann haben wir ja die Eckpunkte.

Als Baumaterial habe ich, wie sonst auch, 19 mm MDF genutzt. Platte im Baumarkt gekauft, an der Formatkreissäge im örtlichen Maker Space zugesägt. Dort bin ich seit Januar Mitglied und darf damit auch an die großen, interessanten Maschinen. Ich habe hier das erste Mal mit Lamellos experimentiert. Hilft zumindest beim Zusammenbau und verhindert das Verrutschen der Platten. Wenngleich ich beim nächsten Gehäuse die Platten mit Überstand sägen werde und diesen dann mit einem Bündigfräser abnehme. Ach ja: Natürlich kann die dicke Formatkreissäge auch Gehrung sägen. Auf den zehntel Millimeter genau. Die Platten für die SB 240 habe ich daher gleich mit gesägt. Liegen im Keller und warten auf die weitere Verarbeitung…aber das soll ja hier der Bericht zum SB 36 Center sein. Also weiter im Text.

Auf dem zweiten Bild sieht man, dass die beiden Seitenwände über die Rückwand hinaus gehen. Dadurch wird die SB 36 C insgesamt deutlich tiefer. Das Ziel ist, dass ich in diesem entstehenden Freiraum die diversen Kabel und Stromverteilungen des Heimkinos verstaue. Der Center dient also zeitgleich als Stromverteiler und Kabel-Müllhaufen. Damit wird die von mir „cleane“ Optik im Wohnzimmer erreicht. Den Frontdeckel habe ich für das Foto nur lose angestellt. Der wird erst verklebt, wenn die Halterung für die Frequenzweiche vorbereitet wurde.

Die Frequenzweiche wird auf einem stabilen Brett aus Multiplex verlötet. Ich habe das Brett mittig unterhalb des Hochtöners platziert. Damit ich zwecks Kabelgewirr Abstand zur Rückwand erhalte, habe ich aus Aluminiumrohren kurze Distanzstücke zurechtgesägt. Dort kommt eine Schraube durch, die dann durch ein Einschraubgewinde in der Rückwand fixiert wird.

Die Frequenzweiche wird zwar für immer im Dunkeln verschwinden, dennoch wollte ich es für das gute Gewissen schön haben. Also habe ich die Bauteile entsprechend drapiert und große Teile unterhalb des Brettes verlötet. Um die grundsätzliche Funktion zu testen, dienten 2 Pappkartons als Resonanzkörper. Es kam Ton raus. Immerhin. Das letzte Wort ist an der Stelle aber leider nicht gesprochen.

Nachdem nun auch die Aufnahme für die Frequenzweiche vorbereitet war, konnte ich die Front aufkleben und das Gehäuse zur weiteren Bearbeitung in den Garten nach Dresden-Kaditz fahren. Aha, Dresden-Kaditz. Kaditzjaner. Zufall? Wer weiß ??…….Kanten wurden begradigt und ich habe Löcher für die Magneten zum Halten der Frontbespannung platziert. Die Magneten wurden eingelassen, mit Sekundenkleber fixiert und später mit Holzspachtel (natürlich Eigenproduktion) versteckt. Der Rest des Spachtels wurde für eine aufwendige, und höchst sozialkritische Kunstinstallation verarbeitet. Frei nach dem Motto „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ kam es dann weg.

Zurück im neuen Wohnzimmer war nun das Furnier dran. Ich habe mich diesmal klassisch für Eiche entschieden. Eiche weiß vorbehandelt. Ergibt ein recht kräftiges Muster, was aber später mit dem neuen Wohnzimmerschrank harmonieren sollte.

Den Tipp habe ich beim letzten Bericht schonmal weitergereicht, möchte ihn aber nochmal wiederholen: Ich habe das Furnier mit einem rückseitig verleimten Vlies ausgewählt. Das verhindert das Reißen des Furniers beim Bügeln. Auf die eigentliche Methode werde ich hier nicht detailliert eingehen. Man kennt Sie: Alle Flächen einleimen, trocknen lassen, übereinanderlegen, bügeln, Kanten mit der Feile brechen und hoffen, dass man es an der Stelle nicht verkackt. Ist mir leider an zwei Stellen passiert. Das geht aber zum Glück am Gesamtkunstwerk unter.

Momente der Inspiration:
Nur zu gern versuche ich, meine diversen Interessen miteinander zu verbinden. In diesem Fall hat die abendliche Sonne das frisch furnierte Gehäuse in ein warmes und aufregendes Schattenspiel verwandelt. Was mich dazu motiviert hat, die Sony aus dem Schrank zu holen und ein wenig verträumten Fotografencontent zu erstellen. Instagram dankt es. Und ich war zufrieden. Hifi kann so schön sein.

Standortwechsel: Zurück in Dresden-Kaditz. Der “Verkackfaktor” steigt ein weiteres Mal. Die Ausschnitte für die Treiber sollen gefräst werden. Ich habe mir für diese Zwecke vor geraumer Zeit eine Handfräse von Makita geholt. Die ist nicht so laut wie mein Oberfräsenungetüm unten im Keller. MDF verwandelt sich damit eins zwei fix in Staub. Und aus den anfänglichen Kornkreisen werden in kurzer Zeit respektable Ausschnitte. Für die Tief-Mitteltöner war der Ausschnitt fast in Ordnung. Leider ein kleines bisschen zu groß. Aber das guckt sich weg. Muss ich eben weiter üben.

Allerdings hatte ich beim Hochtöner ein echtes Problem. Denn dort war der äußere Ring zu klein. Der innere Ring war aber schon durchgefräst. Ich konnte also nicht neu ansetzen. Somit musste ich mit einer Feile den äußeren Ausschnitt solange bearbeiten, bis der Hochtöner irgendwie reinpasste. Entsprechend sehen nun leider die Kanten aus. Ärgerlich. Guckt sich von Ferne ebenfalls weg. Und die Front ist sowieso meistens abgedeckt. Trotzdem doof.

Uiiihhh, ein neuer Standort zum Basteln: Die Loggia. Das Feature meiner neuen Wohnung. Quasi ein geschlossener Raum. Aber mit vielen Fenstern. Dort kann man hervorragend lackieren, lasieren und wild mit Chemikalien experimentieren, ohne dass das Produkt äußerlichen Einflüssen ausgesetzt ist. Toll! Ich hatte von meinem letzten Projekt noch OSMO Wachs in Natur übrig, wovon ich nun drei Schichten mit einem alten Unterhemd aufgetragen habe. Immer ganz dünn und mit polierenden Bewegungen verteilt. Damit musste ich keinen Überstand abtragen und bin dennoch zu einer samtig glänzenden und glatten Oberfläche gekommen. WICHTIG: Unbedingt das Unterhemd danach ausgebreitet hinlegen, oder nass machen. Wenn man das knüllt, fängt es tatsächlich an zu brennen. Ich habe das in der Holzwerkstatt vom Verein ungewollt ausprobiert und war erstaunt, wie schnell so ein Haufen ölgedrängter Lappen anfängt zu brennen. Das dauerte keine 30 Minuten! Von wegen, dass die Erwachsenen nur Quatsch erzählen und übervorsichtig sind.

Nun ging es in die heiße Phase. Die Frequenzweiche wurde eingesetzt und alle Treiber verschraubt. Ich war sehr gespannt. Der Center wurde am Harman&Kardon AVR angeschlossen und los geht’s!

Aber was ist da los? Mini-Joda beim Mandalorian ist zwar süß. Aber wieso muss ich so laut aufdrehen um das Gesprochene zu hören? Und überhaupt: Wieso ist das alles so dumpf? Muss ich mich erstmal an den Center gewöhnen? Kann nicht sein. Kurze Nachricht und die Antwort der lieben Kollegen aus der ADW WhatsApp Gruppe haben meine Befürchtung bestätigt: Die SB 36 Center sollte nicht dumpf klingen.

Irgendetwas ist da schiefgelaufen. Schuldig war wohl die Weiche. Leider konnte ich Udo diesbezüglich nicht um Hilfe bitten, da ich ja einen Großteil der Drähte unterhalb des Brettchens verlötet hatte. Unmöglich für Udo, anhand eines Fotos zu beurteilen, ob ich irgendwo einen Fehler gemacht hatte. Die herrlich trockene Antwort von Udo zu dem Thema: „Deswegen verlötet man die Bauteile oben auf dem Brettchen. Damit man erkennt, ob etwas falsch angeschlossen ist.“…Recht hat er. Da haben wir es wieder. Diese Erwachsenen…

Kleiner Einschub der Redaktion: Ein beliebter Fehler beim Verlöten auf der Platinen-Rückseite ist, den Anschluss für Terminal + und Bass + zu vertauschen. Dann muss das Signal zuerst durch die Spule, wo Mitten und Höhen um 6 dB pro Oktave leiser werden. Das war vermutlich auch hier der Fall.

Also musste ich leider wieder alles demontieren, die Weiche ausbauen, mich kurz am Anblick erfreuen und dann doch alle Bauteile voneinander trennen. Natürlich ist dabei auch das ein oder andere Beinchen weggebrochen, sodass ich ein paar Bauteile nicht neu verlöten konnte. Wenn es doof wird, dann wenigstens richtig. Also nochmal eine neue Weiche geortert und alles von null an neu zusammengelötet. Dabei habe ich beschlossen, dass ich zukünftig die Optik der Weiche weitestgehend ignoriere, alle Verbindungen gelötet werden (Massepunkte wurden vorher per Klemme verbunden) und um Gottes Willen keine billigen Kabelendschuhe von Amazon mehr verwendet werden. Die Litzen habe ich nun auch fest an die Fähnchen der Treiber gelötet. Ach ja: Lieber mehr Kabelbinder und weniger Heißkleber nutzen. Sollte dann doch nochmal was sein, lässt sich die Weiche unfallfreier demontieren.

Irgendwann zwischendurch hatte ich noch meine Frontbespannung gebaut. Sie sollte möglichst schmal sein. Ich hatte zu diesem Zweck in der Werkstatt schmale Streifen aus einer Massivholzplatte zugesägt. Daraus habe ich einen Spannrahmen gefertigt. Die Verbindungen wurden mit zusätzlichen Holzdübeln gesichert, da ich der reinen Leimverbindung nicht getraut habe. Zum Schluss konnte ich die Magneten einsetzen. Ohne Stoff folgte ein Passungstest. Die Magneten erledigen ihren Job mehr als ausreichend. Der Rahmen hört sich an wie eine Mausefalle, wenn er an die Front geklappt wird. Sind ja immerhin auch 16 Neodym-Magnet-Paare pro Seite.

Als Bespannung habe ich mir einen Vintage-Stoff ausgesucht, welcher leider deutlich teurer war als die klassischen Akustikstoffe. Aber meiner Meinung nach belohnt die Optik jede Mehrinvestition. Der Stoff ist deutlich robuster und dicker, hat aber dennoch keine Auswirkung auf die Akustik.

Ich war bereit für einen neuen Versuch, hatte aber auch ein wenig Furcht, dass der Ton erneut enttäuschen könnte. In diesem Fall hatte ich vor dem inneren Auge bereits ein Lagerfeuer im Garten geplant….

Zum Glück kam es nicht so weit. Ich habe die SB 36 Center an meinen SABA Mi 215 angeschlossen und diesen in Mono laufen lassen. Diesmal ging vor mir der Vorhang auf und ich konnte klare Stimmen und feinzeichnenden Ton wahrnehmen. Gerade bei „Long After Your’re Gone“ von Chris Jones bereitet mir am Anfang der detaillierte Klang der Akustikgitarre viel Freude. Die Spitzen kamen nun deutlich klarer hervor. Dasselbe bei „All Your Love“ von Sara K. Vorher klang es, als würde ich einen Vorhang vor dem Lautsprecher haben. Hat sich nun mit der neuen Frequenzweiche geändert. Es folgten zwei Stunden Musikgenuss und eine ausgiebige Fotosession, bevor der Center an seinen reservierten Ort umziehen durfte. Es war mittlerweile 1 Uhr Nachts am 3.10. Ein Tag vor meinem Geburtstag. Ich denke, ein besseres Geschenk kann man sich selber nicht machen.

So konnte ich nun wieder neue Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln. Meine Große bekommt nun erstmal ihr neues Hochbett. Aber danach, versprochen, folgt die SB 240. Solange kann ich noch am Design entwickeln und mich hoffentlich irgendwann mal festlegen.

Bis demnächst.

VG Kaditzjaner

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Huch! Mein Name 🙂 Ich fühle mich geehrt, das meine Weiche immer mal wieder Erwähnung findet.
Tolles Projekt jedenfalls, auch wenn sie nun drin gelandet ist. Das Furnier sieht toll aus und die Abdeckung ist doch auch nicht schlecht.

Viel Freude bei allen Projekten die noch kommen werden!

Und Fehler gehören dazu! Sonst wäre es ja Massenfertigung. Nur mit den jeweiligen Fehlern kommen die echten Einzelstücke zustande 🙂

Gruß Stefan, aka esage

👍🏻👍🏻👍🏻

Sehr, sehr schönes Furnier. Für die Abdeckung ist viel zu schade. Na die Kurzen werden auch mal groß werden. 👍

Sehr, sehr gut geworden! Und ich sehe Parallelen zu meinen Projekten. Da klappt auch nicht alles auf Anhieb und ich mag den Vintage-Look. Darf ich fragen wo du den Akustikstoff geordert hast?

Besonders mag ich übrigens auch die Fotos. Sieht alles sehr professionell aus! Danke für den tollen Bericht und viel Spaß beim Filme schauen

VG Alex

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