Baubericht SB 15 STC – Das Runde muss ins Eckige

OK, OK, ich werf ja schon die 5€ ins Phrasenschwein. Dennoch passt das eigentlich ganz gut und da ich jeden Sonntag die Bauberichte lese, nun auch für euch mein Dritter nach RS 100PC und der Chorus 51.

Wie es oft so ist, braucht man ja gar keine neuen Lautsprecher, man(n) will sie trotzdem einfach bauen und haben. Dieses Mal sollten es ein Paar Rears fürs kleine Heimkino werden. Da stehen sonst zwei Berliner, die offen gesagt auch ganz ok klingen, nur passen die weder geometrisch, noch optisch ins neue Regal. Ergo müssen es für die Ecken des Regals auch dreieckige Lautsprecher sein, am besten in Eiche, sonst passt nur die Geometrie.

Eiche rustikal, echt jetzt? Nein, keine Sorge! Eiche Natur. Mag auch nicht jeder, muss ja aber auch nicht, es geht hier ja stets um individuelle Unikate. Bei Udo in den Shop geschaut … ja, die SB 15 STC passen am besten für dieses Projekt.

Am Anfang steht der Plan …
Da die Einlegeböden des Regals eine Tiefe von 24cm haben, lag es nahe die Seiten, 1 cm kürzer, also 23 cm zu machen, weil es einfach schöner aussieht, wenn die Lautsprecher etwas versetzt nach innen stehen. Bei einem gleichschenkligen Dreieck ergibt sich dann aber eine sehr breite Front und die Grundfläche ist trotzdem recht klein. Also im 90 Grad Winkel noch zwei gezeichnete Bretter dran. Sieht schon besser aus! Viel mehr Grundfläche, also auch weniger benötigte Höhe. Die Rückseite wird zwecks Verbau der Anschlussterminals auf 45 Grad angefast. Aus einem Dreieck wird ein … ja was eigentlich? Nennen wir es der Einfachheit halber Diamant. Der aufmerksame Leser wird sofort bemerkt haben, dass ich in Mathematik als Kind eher selten eine 1,0 nach Hause gebracht habe. Also wie nun die Grundfläche bei Multiplex 18mm berechnen? Schnell gegoogelt und einen Online-Rechner gefunden. Perfekt! Die Fläche ist berechnet.

Nun noch das Volumen von 12 Litern in die Formel basteln und ich habe die Höhe. 10-12 Liter sollten es lt. Beschreibung sein und da ich noch Versteifungen einbringen möchte, passt das so. Reflexrohr rein, statt einem Kanal und alles ist in Butter. Kurz Udo eine Mail geschickt, welches Rohr ich bestellen soll – prompte Antwort: Es gibt kein Reflexrohr in dem Durchmesser, welches einer Öffnungsfläche von 16,4cm² entspricht.

Für einen Kanal der üblichen Form hat das Gehäuse aber definitiv zu wenig Tiefe (15,9 cm werden benötigt). Ich muss mich auf eine quadratische oder doch runde Form konzentrieren. Etwas aus Holz basteln? Nee, bekomm ich ehrlicherweise nicht in schön hin. Rundrohre gibt es ja aber zu Hauf im Baumarkt. Im www fand ich dann schlussendlich einen Händler, der Aluminiumrundrohre in 50 mm Außendurchmesser mit verschiedenen Wandstärken anbietet. Kurz gerechnet und die 2,5 mm Wandstärke bestellt. Passt (fast) perfekt! Die 0,43 cm² Fläche bzw. den ca. 1,4 mm kleineren Durchmesser nehme ich in Kauf (entspricht knapp 3 % Abweichung), wird das Rohr am Ende des Tages ohnehin innen noch geschliffen. Die Profis werden mit dem Kopf schütteln, ich kann gut damit leben. Da noch weitere Teile in Aluminium verbaut werden sollen, versteife ich mich auf das Rohr. Also ab an den Bau.

Der Bau
Zehn Brettchen in 18 mm Multiplex Birke mit einer Fase von 45 bzw. 22,5 Grad sind auf der Kreissäge schnell gemacht. Ich hatte auch noch 21 mm MPX Reststücke die gerade so für die Fronten reichten. Ohnehin kamen mir die 18 mm beim ersten Zusammensetzen mit Klebeband nicht sehr stabil vor und war froh um die 21 mm an der Front. Das Gefühl kam aber sicher auch daher, dass ich zuvor wochenlang Eichenbohlen in 20 bis 30 mm verarbeitet hatte. Der Blick zum späteren Aufstellungsort zeigt, dass die Größe gut passen wird.

Nun ging es flott ans Verleimen und das Anfasen der Kanten. An die Kanten (90 Grad und kleiner) leime ich grundsätzlich Massivholz, um nach dem Furnieren leichte Rundungen anschleifen zu können und wenn man mal dranstößt, blickt man auch nicht gleich auf die Birke.

Wer richtig mitgezählt hat, wird bemerkt haben, dass Deckel und Boden fehlen. Da habe ich mir länger Gedanken gemacht, weil ich die Frequenzweiche nicht hinter dem Magneten des Tiefmitteltöners befestigen wollte. Da geht es schon sehr, sehr eng zu und am Boden stört das Bassreflexrohr. Ergo kommt für mich nur ein abnehmbarer Deckel und konsequenter Weise auch Boden in Betracht. Sicher hätte man die Weiche vor dem Verleimen des Gehäuses einbringen können, dann bekommt man sie aber fast nicht mehr heraus, falls doch mal was kaputt geht.
Passend zum Rohr sind Deckel und Boden ebenfalls in Aluminium und zur besseren Abdichtung mit 10 mm Multiplex unterfüttert. Gut, hätte ich gewusst, was es heißt, 5 mm Alu mit der Stichsäge und Flachfeile zu bearbeiten … ich hätte es nicht getan. Die Kanten der Aluteile habe ich bewusst als Kontrast nur mit max. Körnung 400 geschmirgelt, wohingegen die großen Flächen mit 240 / 400 / 600 / 800 / 1000 / 1500 / 2000 bearbeitet wurden. Nach dem Schmirgeln dann noch mit Schleifpaste, Politur und Wachs nachbearbeiten und „wenige“ Stunden später kann man sich drin spiegeln.

Weiter ging es mit dem Korpus, der zwei Bohrungen für die Polklemmen und vier Magnete für eine Abdeckung spendiert bekommen hat. Wer sich wundert, warum die Magnete von Dübeln überdeckt werden … die Dinger sind dermaßen stark, dass ich die Abdeckungen nie wieder unfallfrei von den Lautsprechern bekommen hätte.

Fix im gleichen Atemzug das Bassreflexrohr mit Epoxidkleber eingesetzt, nach dem Aushärten an der Kante zur Front plangeschliffen und schon geht es ans Furnieren. Durch die diamantene Form der Box ging das meist nur schräg zum Tisch, hat am Ende des Tages mit der Bügelmethode trotzdem gut geklappt, auch wenn mir das angewinkelte Arbeiten am nächsten Tag einen leichten Muskelkater beschert hatte. Nun die Überstände abschneiden und die Flächen mit 240er Papier anschleifen, um eine erste Schicht Flüssigwachs aufzutragen.

Wie? Jetzt schon? Ja, ich trage Wachs oder Öl immer gerne auf, bevor ich fräse. Da die Fasern verfestigt werden, hat man deutlich weniger Ausriss. Gerade bei offenporigen Hölzern wie der Eiche. Das Einstellen des Fräszirkels hat dieses Mal länger gedauert, bis ich nach mehreren Tests die perfekten Durchmesser für Hoch- und Tiefmitteltöner gefunden hatte. Das Ziel war, die Chassis quasi übergangslos in die Box einzupassen. Nach dem Fräsen dann noch zwei Mal schmirgeln und wachsen und schon sieht´s außen fast nach einem Lautsprecher aus.

Innen kann man jetzt die Y-förmige Versteifung einleimen und das Ganze mit Alubutyl auskleiden. Ob notwendig oder nicht, darüber scheiden sich die Geister, der Klopftest war danach auf jeden Fall positiver. Die fertig gekaufte Weiche eingeschraubt (wer sich meine Lötstellen für die Polklemmen anschaut, der weiß, warum ich die Weiche aufgebaut gekauft habe). Und schon ist es Zeit für den Dämmstoff. Der ließ sich übrigens Dank abnehmbarem Deckel kinderleicht hineindrücken. Deckel und Boden noch flächig mit EPDM Zellkautschuk (alias Moosgummi) zur Abdichtung bekleben und samt Chassis ans bzw. ins Gehäuse schrauben.

Während ich die Abdeckrahmen sägte, fräste, lackierte und mit Stoff bezog, hingen die Boxen auch schon zum Einspielen am Nobsound NS-14G und dem McGee Legend. Übrigens ist der Stoff natürlich kein Möbelbezugstoff, wie es den Anschein haben könnte, sondern sehr dünnes Material aus Leinen. Da gibt es in der Bucht eine sehr nette Händlerin, die „Vintage“ Stoffe für die Lautsprecherbespannung vertreibt.

Am Ende steht der Klang:
Anfangs hatten die beiden 9,5 kg Zwerge in den Mitten und Höhen noch eine Überhöhung, das hat sich aber nach ca. 15 Stunden gelegt. Auch die Sorge, Strömungsgeräusche am Reflexkanal zu hören, da der ja an der Schallwand nur eine sehr kleine Rundung hat, hat sich glücklicherweise als unbegründet herausgestellt. Im Bereich des Tiefbasses gibt es natürlich weiterhin eine Überhöhung aufgrund der Platzierung der Lautsprecher in den Raumecken. Das ist für mich aber eher ein positiver Aspekt. Die LSP´s klingen trotz allem recht harmonisch und auch hinten im Heimkino ordentlich Druck zu haben, ist für mich kein Fehler.

Der Bass ist trotz allem konturiert und erstaunt mich jedes Mal wieder, mit welcher Vehemenz er zu Werke geht. Egal ob Michel Petrucciani zart die Tasten streichelt, Walter Trout hart die Seiten zupft oder Boris Blank die elektronischen Beats durch den Raum hämmert, die SB´s sind Herr der Lage!

Für ein paar Rears im Heimkino viel zu schade … öhm ja, und nun bin ich auch schon wieder dabei Front und Center zu planen. Vor dem Bau stehen aber noch Regale, zwei Nachttische und die Restaurierung der Gartenbank auf der allgegenwärtigen To Do Liste. Gerade deshalb freue ich mich schon auf 2024 und drei neue Lautsprecher, die ich nicht brauche, aber ihr wisst es längst, unbedingt bauen und haben möchte.

Alexander

Zur SB 15 STC im Online-Shop

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Hallo Alexander,

höchste Anerkennung auch von meiner Seite! Ich mag Projekte mit leicht „paranoiden“ Details (Bitumenfolie auf der Innenversteifung) und besonderen Designelementen. Ich hatte mir auch mal was mit Alu-Platten oben und unten überlegt, mich aber nicht getraut, sowas selbst zu sägen und zu polieren.

Womit genau hast du die Eiche behandelt? Bei mit sieht Eiche am Ende immer dunkelbraun-rustikal aus, egal was ich nehme.

Beste Grüße, Martin F

Alu, Holz und Vintage-Abdeckung. Trotzdem sieht es geil aus!
Das ist Selbstbau in Perfektion. Das maßgefertige Ergebnis spricht für sich. Nicht auszudenken was ein Profi für Planung und Umsetzung verlangt hätte.
Leider bin ich meist zu faul, meine eigenen Designideen umzusetzen. Deshalb: leicht neidische Anerkennung!!!
Gruß Martin

Selbstbau auf höchstem Niveau! Perfekt in den Wohnraum integriert.
Chapeau!
Grüße Achim

Hallo Alexander,

Hut ab und große Kniefall! Was für ein cooles Design und was für eine hochwertige Umsetzung! Es ist immer eine Sache sich etwas ausgefallenes auszudenken. Eine ganz andere ist dann die perfekte Umsetzung. Ich arbeite meistens nach dem 80%-Prinzip. Das hier bei Dir sind 100%!

Und Brauchen oder Haben wollen wird auch bei mir nicht mehr in Relation gesetzt, wenn es um neue Boxen geht…

Liebe Grüße und viel Spaß bei den nächsten Projekten!
Uwe

Hallo Alexander,
hervorragende Arbeit! Hut ab!.

(Oh, oh, oh, es ist wie fast immer, von Deinem Bericht inspiriert, meldet die Projektfindungsabteilung meines Hirns hinterfotzig, dass die von Dir erdachte Form, auf dem Schreibtisch für die PC-Boxen,
welche zudem auch noch scheinbar ein Provisorium sind, sehr gut passen würde. Gleichzeitig wäre eine Zwangsausrichtung gesichert.)

Dein Bericht zeigt wieder, wie Selbstbau die gewünschten, maßgeschneiderten Lösungen hervorbringt.

Vielen Dank

Weiterhin viel Spaß und Freude am Bauen und Haben.

Peter

Moin Alex.

Joar, da hast Du ja mal einen rausgehauen… Gute Planung und noch bessere Ausführung! Da sieht man was geht wenn bis zum Ende denkt. Sowas kann man dann auch gerne in der Qualität für 2-3000€ kaufen und hat nicht das super Gefühl echte Unikate geschaffen zu haben. Guter Tipp übrigens mit den Echtholzkanten unter dem Furnier.

Good Job!
Liebe Grüße Andreas

Hallo Alexander,
Donnerwetter, die sehen aber chic aus!
Da hast Du bestimmt einiges an Zeit investiert. Du hast wirklich tolle Ideen eingebracht: Diamantenform, Alubutyl, Aludeckel und -boden. Es scheint, Du hast sehr viel Spaß am Bau gehabt, sonst hättest Du nicht so detailverliebt gearbeitet.
Tolles Ergebnis!

Gruß
Henning

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