Manchmal gehst du abends schlafen und wachst am nächsten Morgen mit einer Idee auf, die dich nicht mehr loslässt. So ging es mir mal wieder, als ich vermehrt nach den im Laden vorführbaren Bausätzen aus der BelAir-Reihe gefragt wurde. “Ich würde gern die Lady mit der GrandLady vergleichen, interessant wär dazu die Little Lady geschlossen oder Bassreflex als Center und die geschlossene BelAir 71 als Rear. Am besten natürlich alles in passiv und aktiv.” Klar doch! Da stell ich mir 10 Boxenpaare in den Laden, alle komplett bestückt mit Weichen oder Aktiv-Modulen, dazu selbstverständlich noch die anderen Vorführboxen und das Sofa. Dann hat nicht einmal mehr mein Kater Platz im Laden und die Besucher müssen draußen durch die offene Tür ihre Hörtests verrichten! Vollkommen sinnlos, denk ich gar nicht weiter drüber nach!
“Ach – modulare Aufbau sagst du” antwortete ich meinem Unterbewusstsein, bevor meine Frau mich mit dem üblichen und wie immer freundlichen “Guten Morgen” in die Welt des neuen Tages holte. Als ich vormittags im Büro meine Mails sichtete, wanderte mein Blick immer wieder in Richtung Flur, in dem meine Holzvorräte lagern. Da stehen ja noch die vier 139 x 68 cm großen MDF-Platten mit weißer Grundierfolie, die ich eigentlich gar nicht brauche. Könnten die nicht …
Genug war es nicht, um alle Bretter für 2 x drei optisch ansprechende Kisten zu schneiden. Aber hier geht es nicht um Schönheit, sondern ausschließlich um Funktionalität. Das Bassabteil der zweiteiligen Lady ist 68 cm hoch, 30 cm breit und 43 cm tief. Zwei der Kisten stehen hier mit aufgesetzter Multiplex-Front in schön aufgebaut als Unterteile der Lady, für zwei weitere brauche ich bei seitlich eingesetzter Front:


Für zwei MW 16-8 in getrennten Kammern, die den AT60NC in ihre Mitte nehmen, reichen bei gleicher Breite und Tiefe 49 cm Höhe aus. Obwohl er es nicht braucht, darf dabei auch der AMT ein Eigenheim mit gut 7 cm Höhe bewohnen.


Um die vorhandenen Platte maximal effizient zuzuschneiden, habe ich die Maße in CutMicro eingegeben und schnell war klar, dass mein Vorrat nur ausreichte, wenn ich für die Seiten anderes Material nehme.

Zwei Platten Eliotis mit 125 x 65 cm standen auch noch im Flur, daraus wurden die Seiten der MHT-Gehäuse. Mehrere Platten schwarz durchgefärbtes MDF in 68er Breite waren ebenfalls vorhanden, daraus schnitt ich die vier Seiten für die zusätzlichen Bassabteile.
Um die Ausschnitte für Chassis und Reflexe kümmerte sich die CNC-Fräse. Außerdem gelang es mir damit nahezu mühelos, mit dem großen 45 Grad-Fräskopf die Fronten und Rückwände oben und die Deckel vorn und hinten mit Gehrungen zu versehen. Dies geschah keineswegs wegen der Schönheit, sondern reineweg als Fingerübung für die zukünftige Umsetzung weiterer Ideen, die nachts über mich herfielen.
Keine Sorge, jetzt folgen nicht die vielen Bilder namens “Udo leimt Bretter zusammen”, der Tower entstand nicht als Nachbau-Anregung aus der “So geht es”-Rubrik. Diesmal reicht es aus, das Ergebnis in seiner ganzen Hässlichkeit auf den Leser wirken zu lassen. Die drei Kisten pro Seite wurden einfach übereinander gestapelt, Halt geben zwei seitlich angeschraubte Bretter. Dass auf dem Bild tatsächlich 16 BelAir-Bauvorschläge zu sehen sind, wird niemand auf den ersten Blick ahnen. Doch bei genauem Hinsehen erkennt man unter der Röhre meine beiden Monoblöcke aus Hypex FA 122 und auf den Big 5 die FA 123, mit denen alle Boxen aktiv oder passiv laufen.

Kommen wir nun zur Funktionalität des 190 cm hohen Ungetüms, das nicht weniger als zehn kleine bis riesige Bauvorschläge auf äußerst sparsamen 2 x 0,15 m² Stellfläche vorführbar macht.

Das Geheimnis steckt auf der Rückseite, wo jedes Chassis direkt an einem Polklemmenpaar angeschlossen mit jedem anderen kombiniert werden kann. Für jeden Bausatz gibt es eine Weiche.


Und so haben wir hier zum einen die BelAir 71 BR mit geöffneten Reflexrohren oder die BelAir 71 CB, wenn fest zusammen gerollte Dämmwatte in den Rohren steckt:

Auch die BelAir 72 kann geschlossen oder mit offenen Reflexrohren vorgeführt werden:


Die unteren drei Chassis ergeben zusammen die BelAir 73 (Lady):


Bleibt noch die BelAir 74 (GrandLady), die sich nicht weiter im Boxenaufbau verstecken kann:


Für das fehlerfreie Umstecken habe ich ein Brettchem mit Polklemmen mit den Weichen verbunden. Wo das Signal anliegt, habe ich durch einen Strich markiert. Auf der anderen Seite wird immer der Hochtöner abgeschlossen, dazwischen Bass und – wenn vorhanden – Mitteltöner. Um die BelAir 72 vorzuspielen, werden die beiden MW 16 P-8 parallel geschaltet. Bei der GrandLady kommen auch noch die Bässe dazu. Beim aktiven Aufbau dürfen die Weichen nicht mitmachen. Also werden sie einfach abgestöpselt und die Chassis in der jeweiligen Konstellation direkt mit dem FA 122 oder FA 123 verbunden.
“Ja, aber die einzelnen Boxen haben doch andere Frontenbreiten als die Originale. Muss da nicht die Weiche angepasst werden?” Diese Frage habe ich schon vor vielen Jahren beantwortet, als ich meine Meinung zu “Gehäuseformen” kundtat. In dem Artikel sind zwei Messungen unterschiedlich geformter Symphony 285 zu sehen, die nur in schmalen Bereichen um 600 und 5000 Hz kleine Unterschiede aufweisen. Dies nehme ich auch bei den BelAirs in Kauf, die wesentlichen Eigenschaften wie Tonalität, Dynamik, Feinauflösung oder Räumlichkeit leiden nicht darunter. Aber ich kann nun mit wenig Aufwand den eingangs geäußerten Wunsch erfüllen: “Ich würde gern die Lady mit der GrandLady vergleichen, interessant wär dazu die Little Lady geschlossen oder Bassreflex als Center und die geschlossene BelAir 71 als Rear. Am besten natürlich alles in passiv und aktiv.”

Auch wenn ich es im Traum nicht erwartet hatte, ist der erste GrandLady-Bau im Towerhaus bereits im Gange. Josef baut sie dreiteilig in Multiplex. Das sei doch viel handlicher als ein einteiliges Mehrfamilien-Hochhaus, sagte er. Sie werden – das ist sicher – sehr viel schöner aussehen als meine 10.1-Vorführer.
Udo Wohlgemuth
PS: Tatsächlich ohne neuerlichen Schlaf habe ich für die Big 5-Familie auch schon eine Idee, wie deren Vorführung ebenso platzsparend gelingt. Schaun wir mal.
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Moin Udo,
und genau so habe ich die SPS-Programme unserer Maschinen aufgebaut.
“Sie möchten einen Gurtförderer?” – Kein Problem, eben ein Bit gesetzt und eine ganze Maschinenbaugruppe wird aktiv.Ich liebe Baukastensysteme, die alles abbilden können.
Hut ab zu dieser Innovation!
Gruß,
-Sparky
Uih! Da hast du meine Idee der zweiteiligen Little Lady aber sowas von auf die Spitze getrieben! Ich kann ja nur mit dem Volumen spielen und das Reflexrohr verschließen.
Da hatten Zwei offenbar die gleiche Idee 😜
Auch noch Weichen mit einzubeziehen ist dann das End-Level. Finde ich gut, spart Platz, Material und am Ende Resourcen und Geld.
Guten Morgen Udo, nicht schön aber sehr effizient. Finde ich super.
Liebe Grüße aus Wesel
Markus