Ich wurde von Lukas, einem jungen Mann, den ich sehr schätze, gefragt, ob ich mal die Boxen, die er von seinem Vater geerbt hatte, anschauen könnte, denn sie wären wohl kaputt und klängen komisch. Ein erster Blick nach Abnahme der Blenden bestätigte das hörbare Problem. Die Beschichtungen der Hochtonkalotten hatte Risse und auch Fehlstellen. Das war die Ursache für schnarrende Geräusche und Kinderrasselgetöne schon unterhalb Zimmerlautstärke.


Die Sicken der Tieftöner der 3-Wege BR Box hatten auch ihre gewünschte Elastizität verloren, ein Mitteltöner war eingedrückt. Durchweg also ein Sanierungsfall.


Ein Ersatz durch Orginalchassis wurde von uns beiden nach kurzer Erörterung als Blödsinn betrachtet. Die Lautsprecher sind aber als Erinnerungsstücke eine Herzensangelegenheit für Lukas. Somit schlug ich vor, neue Technik einzubauen. (Aktiv oder 2.1 stand nicht zur Debatte, weil der klassische Verstärker vom Vater weiter benutzt werden wird).
In Udo´s Portfolio würde sich schon was finden. Allerdings keine 3-Wege-BR-Box mit 20cm TMT in spartanischen 22 Litern Nettovolumen, wie ich nach kurzem Sinnieren wusste. Allerdings würden doch 2-Wege mit 17ner funktionieren. Einwand: Schallwandbreite und Volumen? Volumen kann verkleinert werden, die breitere Schallwand könnte gerade noch im Toleranzbereich liegen.
Wie groß ist denn Dein Zimmer? Lukas sagte: so ca. 23m² mit Dachschräge, wo die LS auf Ständern bisher standen. In diesem Raumvolumen war ich mir sicher, reichen gute 17er TMT für den notwendigen Druck aus.
Um ihm einen einigermaßen passenden klanglichen Eindruck von 2-Wegeriche mit 17er zu verschaffen, führte ich ihm den CT 270 vor, der jetzt anstelle der SB 18 (Aus der SB 36 wird die SB 18), die Küche sehr selten beschallt. (Nein, nicht besser, aber schöneres Gehäuse). Vom Bass und Lautstärke her war es ihm “angenehm”. Um ihm noch einen klanglichen Eindruck der Bluesklasse zu vermitteln, habe ich die eingemotteten SB 36 C in der Werkstatt angeschlossen.
Der Unterschied kam ihm natürlich nach den ersten Tönen des selben Vorführliedes sofort zu Ohren. Ich erklärte an dieser Stelle, dass der Unterschied zur SB 18 im geringeren Druck bzw. geringerer Bassenergie bestünde und die SB 36 C nicht tiefer spielen könnte. Klanglich wären beide gleich (die Besonderheiten des D`appolito-Prinzip habe ich nicht erwähnt).
Selbstverständlich wanderte die Phalanx von Udo´s 2-Wegeriche an meinem geistigen Auge vorbei, wich aber auch überwiegend dem gesteckten Preisrahmen aus. Selbstkritischer Einschub beim Berichterstellen: Es wäre nicht aufrichtig gewesen, eigene Vorstellungen (Ceram, Chorus, Bel Air) vorzuschlagen.
Nachdem feststand, dass Lukas die SB 18 nimmt, ging es Tage später an den Umbau. Die Chassis waren schnell ausgebaut, ebenso die Frequenzweiche u.a. mit ihren 3 Winzspulen aus 0,5mm Draht, alle auf gleichgroßen Spulenkörpern und kaum größeren Elkos. Naja.

Das Gehäuse ist aus 21mm Spanplatte, also schon mal gut. Ich habe zunächst ein Schnittmuster der SB 18 Front 1:1 auf Papier gezeichnet. Mit diesem habe ich die Lage der neuen Chassisausschnitte angezeichnet. Hier stellte ich fest, dass die mittlere Strebe des Abdeckrahmens über dem TMT liegen würde. Ratzfatz war meine Fragemail an Udo beantwortet: Klanglich nicht störend. Muss erst dann weg, wenn die Sicke anschlüge.
Ich habe dann Aussparungen angebracht, somit dürften mit dem vorher schon bestehenden Abstand fast 1 cm Luft nach vorne für die Sicken sein. Das reicht allemal.

Plan war, die alte Front grosszügig auszuschneiden, eine untere Frontplatte als Rahmen einzuleimen, und dann wieder mit einer weiteren Platte darauf, auf das Niveau der alten Front zu kommen.

Die Breite des Ausschnittes orientierte sich an der von Udo gefrästen Front meiner ersten SB 36. Sie waren auf den Korpus meiner ersten selbstgebauten Boxen, der MS 7, aufgeleimt gewesen. Als aus der SB 36 die SB 18 für die Küche wurde, kam das Gehäuse auf den Speicher. Als meine jüngere Tochter auch eine SB 18 bekam, konnte ich die Fronten mit einem Stechbeitel und wenigem Hebeln, fast widerstandsfrei und unbeschädigt ablösen. Das Träger-MDF aus dem Jahre 1991/92 war etwas mürbe geworden, noch nie richtig fest oder doch was ganz anderes gewesen. Das Oberteil haben wir abgeschnitten und gleich wieder als Front verwendet. Die unteren Teile (zweiter TMT+BR-Rohr) waren noch im Restefundus. Ach ja, die Front ist zufällig aus schwarzem MDF. Das Orginal sollte ja soweit wie möglich erhalten bleiben, somit auch die mit einer matten, leicht rauhen Folie beschichtete Front.
Diese Beschichtung ist spröde und splitterfreudig, das konnte ich an den Rändern der Chassis-Ausschnitte feststellen. Hat ja auch ein paar Jahrzehnte auf der Schwarte, das Plastik. Ich habe deshalb mit einem Cuttermesser die Sägeschnitte bis auf das Holz vorgeschnitten, dann war es auch mit der Stichsäge kein Problem mehr. Langsam schneiden, wenig Vorschub, einen Anschlag für den geraden Schnitt, und es wurde mit wenigen Aussrissen einigermaßen gut.
Nach dem Ausschnitt konnte ich an das notwendige Verringern des Innenvolumens herangehen. Das Innenvolumen mit ca. 22 Litern wurde durch das Einkleben von zwei auf 45° Gehrung geschnittenen Platten, die langen Seiten platziert an zwei Wänden, die kurze an der dritten Wand über die Ecke, auf ca. 18,5 Liter verringert. Eine gut dimensionierte kleine dreieckige Platte als Deckel, fertig.


Ich hatte die Länge der Gehrungsplatten so bemessen, dass ich auch gut mit der Hand den Deckel ein- und aufleimen konnte. Als Nebenwirkung habe ich gleich noch eine ordentliche Gehäuseversteifung bekommen. Die restlich 0,5 Liter Volumen werden durch die Hilfsfront und das kleine, eigene Volumen für den Hochtöner verdrängt. Behaupte ich mal frech. Der Hochtönermagnet ragte nämlich in der aufgedoppelten Front nur noch ein paar Millimeter ins Innere. Er bekam einen kleinen Deckel, dann war sein Einbauort zweifelsfrei dicht.

Immer wichtig: Kabellängen vor dem Verkleben ihrer Durchgangslöcher überprüfen.

Zunächst wollte ich einen vierteiligen Rahmen machen, das schien mir zu fummelig. Zwei L-förmige Teile habe ich auch verworfen. Am Ende wurden es zwei Platten, jeweils länger als die Hälfte der Frontöffnung. Die Unterzüge hatten fast die gleiche Innenfläche wie die Front, denn sie mussten auch die Bohrungen der Gummidübel für die Abdeckrahmen und alte Schraubenlöcher an der Unterseite abdichten. Diese Gummidübel wagte ich nicht heraus zu popeln.


Insgesamt ergab sich dadurch eine mehr als ausreichende Leimfläche für Halt und Dichtigkeit nach unten, denn mit dem Gelingen einer nahtlos dichten Einfügung des Fronteinsatzes habe ich erst gar nicht geplant. Den tiefer liegenden TMT-Ausschnitt habe ich ungefähr auf die Höhe des tatsächlichen gelegt. Ist ja zum einen klar. Der TMT mag mit seinem Hinterteil ganz hinein, zum anderen brauchte ich eine Öffnung für die Schraubzwingen.
Ganz, ganz froh war ich über den Impuls vor dem Einleimen der ersten Teilplatte, die zweite schon ins Gehäuse zu legen. Nach der Verkleinerung des Ausschnittes durch die erste hätte ich sie nicht mehr hineingebracht. Puh! Glück gehabt.


Apropos Glück gehabt: Die Boxen werden immer mit Abdeckrahmen betrieben, da kann die Front durchaus auf die letzten feinen Nuancen der Oberflächengestaltung verzichten. Ebenso vor dem Einleimen der Frontteile schwärzte ich die Rückwand großflächig gegenüber der BR-Rohr-Öffnung. Der verbleibende Halbmond des alten TMT-Ausschnittes wurde mit genau passenden MDF-Ausschnitten vom Bau der „Guido´s C85“ aufgefüllt.

Der Frontrest der SB 36 hätte zwar die erforderliche Gesamtlänge gehabt, um den Halbmond erst gar nicht entstehen zu lassen, jedoch hätte ich dann den zu großen Reflexrohrausschnitt zu verkleinern gehabt.
Ein wenig gespachtelt, geschliffen und die Einsätze schwarz angestrichen. Damit die neue Oberfläche nicht spiegelt, habe ich zuletzt mit dem Pinsel in den feuchten Lack getupft. Das Gegenteil vom normalen Streichprozedere. Letzte Fehlstellen habe ich, soweit erreichbar, mit einem dicken und einem dünnen Edding geschwärzt.

Die alten BR-Rohre auf der Rückseite, in deren Ausschnitte exakt die neuen Terminals gepasst hätten, habe ich abgeschnitten und mit Spanplattendeckelchen, die eine eingesägte Kreisnut zur Aufnahme der Rohre erhielten, zugeklebt. Ich wollte ja möglichst viel Orginalbox erhalten, somit kamen die neuen Terminals nicht zum Einsatz.

Die Gehäuse habe ich noch gründlich entstaubt und feucht mit Holzreiniger geputzt. Dann Frequenzweichen (vierte Überprüfung) und BR-Rohre einbauen, verkabeln, Dämmstoff einbringen, Chassis einbauen, fertig.



Testhören: ja, es passt alles, die Lautsprecher produzieren hervorragend Musik. So richtig, richtig gut. Sofort kam der Impuls, meine ovalen SB 18-Gehäuse vom Speicher zu holen, Chassis aus der SB 36 C verpflanzen und wieder selbst eine SB 18 zu haben, die als drittes Boxenpaar weder im Musikzimmer, noch in der Werkstatt Platz hätte, noch Sinn machten. Jetzt beim Bericht verfassen, keimt er wieder auf, der Impuls. Ihr kennt das ja.
Lukas ist begeistert Er sagt, so gut hätte er noch nie Musik gehört! Ziel erreicht! Die SB 18 ist und bleibt Klasse.
Zum Schluss nun noch die Recycle-Credits:
Unterzug: Georg G.´s alter Jugendzimmerschrank
Volumenverkleinerung: Dieter+Christa´s altes Ehebett (Echtholzfuniert)
Neue Front: Peters SB 36
Neue Front-der Halbmond: Guido´s C 85 TMT Ausschnitte
Kleine Holzteile: Kiste der heiligen Holzreste
Rest: Fa. Technics
Peterfranzjosef
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Gratuliere. Da fällt mir nur ein: Operation gelungen, Patient lebt besser als zuvor!