Nein, lackieren ist nicht meine Stärke. Viel zu groß ist der vorbereitende Aufwand, damit ein halbwegs ordentlicher Auftrag gelingt. Auch wenn es dank CNC-Fräse und großem 45°-Fräskopf für einen Vollgehrungs-Zuschnitt reicht, bei dem keine offenen Schnittkanten gesondert bearbeitet werden müssen, habe ich für einen brauchbaren Lackauftrag viel zu wenig Geduld. Grundieren, im Schleifstaub stehen, erster Lack, im Schleifstaub stehen, zweiter Lack, polieren und ärgern über Fehlstellen, die aufwendig versteckt werden müssen, ist nicht umsonst ein Lehrberuf. Ich habe größten Respekt vor jedem, der die drei Jahre durchgestanden hat und dann zu Recht damit sein Geld verdient.
Ich kann aber etwas anderes, das mir vor gut 40 Jahren ein Möbel-Restaurateur beigebracht hat: Furnieren mit dem Bügeleisen. Ja, auch hierfür ist es gut, wenn alle Bretter auf Gehrung gefräst sind. Stumpfe Verleimungen sind trotz intensiven Schleifens spätestens nach einer Heizperiode als abgesetzte Kante selbst unter Furnier deutlich sichtbar. Und jetzt das “Aber”: Furnieren ist sehr zeitaufwendig und der natürliche Holzwerkstoff oft störrisch. Nach dem Einleimen rollt er sich wie eine Zigarre ein. Es entstehen Spannungen, die beim Aufbügeln gerne zu Rissen führen. Echtholz wird meist als Pack mit 24 Blättern verkauft, da kommen schnell viele Quadratmeter zusammen. Das gilt im Besonderen, wenn man große Breiten braucht, um nicht mehrere schmale Blätter zu fügen (hab ich nie fehlerfrei geschafft). Also lass das mal den Franz machen, denn bei ihm weiß man genau: Der Franz kann’s.
Gerd ist ein alter Bekannter aus den Anfangstagen von ADW, natürlich längst Rentner und so hat er den Wunsch, seine Freizeit mal wieder mit guter Musik zu verbringen. Seine jetzigen Boxen sind halb so alt wie er, sie wurden damals in meiner Werkstatt von ihm selbst gebaut und unter meiner Anleitung furniert. Leider haben die Sicken der Bässe den Weichmacher verloren und deshalb Risse bekommen.


Sie mit neuen Chassis zu ersetzen war nach mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr möglich, außerdem waren die Kästen für den zugeteilten Hörraum viel zu wuchtig. Etwas Kleineres sollte her. Wir einigten uns auf die Ceram 17 BR in kompakten 20 Litern.
“Hast du schon mal mit Saraifo gearbeitet?” fragte er mich, als wir über die Gestaltung der Gehäuse sprachen. Irgendwie war ihm wohl klar, dass ich sie für ihn bauen würde. “Verwendet habe ich das Furnier noch nicht, aber es wurde schon mehrfach hochgelobt und in Leserberichten genutzt.” Ausgesucht haben wir Nussbaum, vorweg kann ich schon sagen, dass es im Originals viel schöner ist als auf dem Produktbild von designholz.com.

Der Gehäusebau beginnt immer mit einem Plan, dafür gibt es Freecad. Saraifo-Furnier wird in 32 x 250 und 64 x 250 cm geliefert. Aus der Zeichnung “Ceram 17 Rohr aufgesetzt” entstand in wenigen Minuten mit Rücksicht auf die Blattmaße die “Ceram17 Rohr Gehr” inklusive der darauf modifizierten Holzliste.


Daraus erstellte ich einen Schneideplan für meine 68 x 130 cm MDF-Platten und die CNC-Fräse.



Es ist kein Zufall, dass die Platten und der Frästisch die gleichen Maße haben. Schon seit Langem fräse ich die Fronten aus dem “Vollen” und schneide sie nicht mehr auf der Tischkreissäge zu. Neu war nur der dreieckige Fräskopf mit 45 mm Durchmesser, den ich für die Gehrungsschnitte angeschafft hatte. Die Fräse brauchte fast eine Stunden, um alle Bahnen nach und nach mit einer Zustellung von 1,5 mm abzufahren. Ich konnte die Zeit für andere Arbeiten nutzen.



Vor dem Verkleben der Bretter mussten die Fronten und Rückwände furniert werden, damit die Chassis-Ausschnitte ausgefräst werden konnten. Furnier und Bretter wurden mit der Schaumstoff-Rolle dünn beleimt und, nachdem der Kleber glasig war, wurde gebügelt.




Mit der Dreiecksfeile wurden die Überstände an der sauber ausgerichteten Tischkante abgeschnitten und mit feinem Schmirgelband nachbearbeitet, bevor die furnierten Bretter der Fräse ausgesetzt wurden.




Mit Paketband verband ich die restlichen vier Platten jeder Box, wobei ich natürlich auf die richtige Reihung achtete. Umdrehen, Leim in die Falze, zusammenklappen, Rückwand und Front einpassen – das war’s.







Das Furnieren der restlichen Bretter folgte der schon bekannten Anleitung und ging zügig von der Hand. Während der Leim auf Box 1 trocknete, wurde Box 2 bearbeitet. Kurzzeitlich musste das Licht eingeschaltet werden, weil ein heftiges Gewitter durch Bochum zog.



Furnieren mit Saraifo ist einfach und garantiert einen maßgeschneiderten Anzug für die Boxen. Was spricht da noch dagegen, kompakte Fertig-Boxen im Shop anzubieten? Allerdings gibt es eine kleine Einschränkung: Nach dem Feinschliff mit 240er Papier ist meine Arbeit getan, obwohl die Boxen ohne abschließende Oberfläche noch etwas fad aussehen. Ich trau mich nicht, frisch lackierte oder geölte Boxen als Paket zu verschicken. Beim Transport werden sie mit großer Sicherheit leiden. Also überlasse ich dem Käufer diesen wunderbaren Moment, der nicht nur die Augen leuchten lässt, wenn das Furnier mit Öl angefeuert wird. Wir betreiben Selbstbau und da dürfen am Ende auch noch ein paar kleine Dinge mit eigener Hand erledigt werden. Dafür braucht man eine Microfaser-Rolle, ein wenig Hartwachsöl und die Geduld, den Auftrag mit Zwischenschiff zweimal trocknen zu lassen. Das sollte nach Ansicht der folgenden Bilder auch für den ungeübtesten Doppellinkshänder machbar sein. Es ist aber auch keine Schande, die Verschönerung auf eine Zeit in ferner Zukunft zu verschieben. Auf diese Idee wird jedoch wohl niemand kommen, der nun den Unterschied von vorher zu nachher sieht.



War bisher alles nahezu werkzeuglos zu bewerkstelligen, kommt nun die Abteilung Weichenbau. Wer löten kann, ist natürlich im Vorteil. “Ich habe aber gar keinen Lötkolben und wo man ihn anfasst, weiß ich auch nicht.” höre ich schon im Hintergrund. Na gut, dann gibt es zu den Gehäusen eben fertige Weichen mit Steckern an den Kabeln, wenn “auf einem Holzbrett aufgebaut” als Option gewählt wird.


Die schwarzen Flecken auf der Weichenrückseite sind Klettpads. Mit ihnen wird das Bauteil-Set innen auf der Rückwand hinter dem Bass befestigt. Meine übliche Heißkleber-Methode würde gegen “werkzeuglos” verstoßen.

Zwei 40 x 40 cm Dämmmatten (eine links, eine rechts) füllen die Boxen so, dass das Reflexrohr nicht verstopft wird. Auf dem Foto sind es noch drei Matten, die hätten aber die Box nicht mehr locker gefüllt. Danach können die Stecker auf Terminal (schwarz breit) und Chassis (schwarz schmal) gesteckt werden. Nach dem Vorbohren wird alles verschraubt – fertig!




“Mann, sind die schön!” sagte Gerd, als er die Cerams abholte. Nun, über Geschmack kann man trefflich streiten, doch ich sah dafür wahrlich keinen Grund. Klanglich trafen sie ebenfalls seinen Geschmack. “Diese Bühne, diese Auflösung, dieser saubere Bass, alles an seinem Platz, nichts vorlaut oder zu hintergründig! Was würden sie wohl kosten, wenn sie als Fertigboxen in irgendeinem schicken Geschäft verkauft würden?” fragte er sich unauffällig umblickend mit echtem Interesse. “Das weiß ich nicht. Ich habe noch in keinem Laden handgefertigte Fertigboxen gesehen.”
Udo Wohlgemuth
Nachtrag: Als Ferdinand die Boxen sah, fragte er spontan, ob sie auch für die SB 18 passen. Klar doch!



Die brauchen laut Bauplan zwar zwei Liter weniger, doch die Aufstellung hat im Bass weit mehr Einfluss auf den Klang als das absolute Volumen. Im größeren Gehäuse reicht der Bass bei gleicher Rohrlänge um unbedeutende 2 Hz tiefer, wird aber etwas früher um nicht wahrnehmbare 1 dB leiser.


Und weil nahezu jeder 17 cm-Bassmitteltöner in 20 Liter (42 x 23 x 30 cm) und fast jeder 15 cm Bassmitteltöner in 12 Liter (39 x 20 x 25 cm) gut aufgehoben ist, kann ich diese kompakten Fastfertigboxen für alle 15er und 17er Chassis der ADW-Serien in diesen Einheitsgrößen anbieten. Als Furnier stehen erst einmal Eiche, Nussbaum, Olive und Zebrano bereit, aber auch andere Holzsorten gibt es auf Wunsch. Wer seine Lautsprecher selbst folieren oder lackieren möchte, bekommt die “nackte” MDF-Box zusammengebaut und geschliffen auch in natur oder zum Ölen in schwarz.





Zu den Fastfertig-Boxen im Online-Shop



Moin Udo.
Ich stimme zu, es ist eine klasse Idee für Einsteiger den “Rund-um-Sorglos” Service buchen zu können. Die alten Hasen werden vielleicht auch sagen, Brauch ich nicht…
Ich find’s gut, es ist ein logischer Schritt vorwärts. Ich bin auf die Angebote und Preise der großen Kracher gespannt.
Liebe Grüße an die Gemeinde!
Andreas
Hallo Andreas,
meinen Satz zu den großen Kisten habe ich schon in der Antwort weiter unten geschrieben. Ich will mir mit der Schlepperei doch nicht den Spaß an der Arbeit verderben 😉
Gruß Udo
Ahh. Übersehen…
Stimme Dir uneingeschränkt zu. Die großen Kawenzmänner haben schon gut Gewicht.
Jonas hat recht. Auch in meinem Umfeld werden die Doppellinkshänder mit zwei rechten Daumen immer mehr. Vor allem die jüngeren die ich kenne konzentrieren sich eher auf ihr Handy und KI. Das mal wirklich wertneutral gesagt! Ich hingegen bekomme schon eine Krise, wenn mein Handy Sachen macht, die es aus meiner (Horn)Brille heraus nicht tun sollte. Interessen verändern sich offenbar…
Daher gut, dass du die Fastfertig-Boxen anbietest. Könnte mir vorstellen, dass das gut laufen wird! Ein wenig DYI, Manufakturcharakter und einfach nicht von der Stange. Gut so!
Hallo Alex,
Otto Thiele hatte dem Laden ursprünglich den Namen “Hifi-Manufaktur” gegeben, zu “Acoustic Design” wurde er erst später. Also nun back to the roots 😉
Gruß Udo
Hallo Uwe und Peter,
Jonas hat mich dazu getrieben, die Fastfertigboxen anzubieten. Er ist der Meinung, dass das Bastelzeitalter so langsam endet, weil vielen das Vertrauen in die eigene, handwerkliche Kunst fehlt. Da ist sicher etwas dran und schaden kann es nicht, das Angebot zu erweitern. Ich beschränke mich allerdings auf die Kompaktklasse, weil ich diese Größe allein dreimal zum Schleifen vom Laden in den Keller tragen kann. So bleibe ich beim Bastelspaß in Bewegung, ohne durch Krafttraining überfordert zu werden. Für die großen Kisten haben wir ja den Franz.
Gruß Udo
Servus Udo,
die Ffb´s sind für mich eine überlegenswerte Alternative für alle, die weder über eine Werkstatt, Werkzeug oder einen Bekannten in der Nähe, der es könnte oder hat, verfügen.
Das sind mehr Leute, als es Doppellinkshänder mit 10 Daumen gibt.
Seriöses Werkzeug anzuschaffen, das man selten braucht und dann im Keller döst, hat auch seinen Preis. Lieber stünde mir da jahrelang eine klasse Fertigbox zum gleichen Preis herum. 🙂
Saraifo nehme ich auch gerne her, da es mit dem rückseitigen Vlies bestens verarbeitbar ist. Zudem gibt es echt Granaten jenseits der “klassischen” Furnieroptik.
Alles Gute
Peter
Moin Udo,
das ist mal ne tolle Idee und wird den ein oder anderen Zauderer zum guten Klang führen! Ich hoffe die Fastfertigboxen werden gut angenommen!
Liebe Grüße
Uwe