BelAir 54, alias Big 5 von Markus aus Schöntal

Nun war bei mir endlich die Zeit gekommen, mein Hi-Fi Setup etwas zu verbessern. Das Leben mit kleinen Lautsprechern funktioniert mit all den elektronischen Spielereien in den neuen Verstärker-Generationen zwar recht gut, jedoch so ein wahrer Musikgenuss in reinem Stereo und ohne notwendigen Subwoofer ist damit, wie ich finde, eher unspektakulär. Equalizer, Digitale Soundprozessoren und Pegelanpassungen steuern die Audiosignale bei Dolby Surround und ähnlichen Systemen recht gut an, um im Zusammenspiel der vielen kleinen Lautsprecher für die alltägliche Beschallung auszureichen. (… hatte ich mir über die Jahre eingeredet …). Neulich war ich mit dem System mal wieder unzufrieden und beschloss, mich auf die Suche nach neuen Lautsprechern für eine gute Stereo-Wiedergabe zu machen.

Es muss wahrscheinlich nicht erraten werden, wo ich am Ende meiner Findungsphase gelandet bin. Und schon mal vorneweg, mit dem Ergebnis und der Entscheidung, die Bausätze bei ADW zu bestellen und selbst meine Lautsprecher zu bauen, bin ich absolut zufrieden und mittlerweile mit der Verstärker-Einstellung „Stereo – pure direkt“ beim Musik hören sehr glücklich. (… Auch das Dolby Surround Dings, das normalerweise so nebenbei mit dem TV läuft, hat davon sehr profitiert …)

Die BelAir 54 sollten es werden (… meine „Grand Lady“ wäre bei den BelAir 74  ausgeflippt …). Standlautsprecher mit Doppel-Tieftöner und Doppel-Mitteltöner ergibt jeweils eine große Membranfläche, die Lautsprecher bleiben dabei schön schlank und die Impedanz durch die Parallelschaltung wird Verstärker freundlich auf ca. 4 Ohm gesenkt. Nebenbei bemerkt ist die Wirkleistung von den Satori Chassis auch beachtlich.

Beim Bauen der Lautsprecher habe ich mich komplett an die Baupläne von Udo gehalten. Da mir die Optik von reinem MDF nicht so gefällt, wurde noch ein Furnier (Olivenholz-Maser) um das Gehäuse gebügelt und die Frequenzweiche außen angebracht, um eventuell später die Lautsprecher zu aktivieren. Die benötigten MDF-Platten hat der freundliche Mitarbeiter hier in einem Baumarkt nach dem Vorlegen der Freecad-Holzliste zugeschnitten. Die Holzteile mussten nun noch zusammengeleimt werden. Dies wird hier auf der Seite gut beschrieben dargestellt.

Nach der Trocknung des Leimes wurden die Holkisten erst mal nach draußen in den Holzschuppen gebracht und das überschüssige Material mit einer Handfräse und einem eingesetzten bündig Fräser abgetragen. Mit einer KFZ-Spachtelmasse habe ich noch kleine Löcher, Spalte und angeschlagene Kanten ausgeglichen. Nach dem Trocknen der Masse war das Schleifen der Oberflächen mit einem Vibrationsschleifer dann nur noch etwas Fleißarbeit. Hier noch Hut ab für diejenigen aus dem Forum, die Schleifarbeiten im Bad durchgeführt haben.

Zurück in meiner Werkstatt habe ich mich dann dem Furnieren der Holzkisten gewidmet. Für mich war es das erste Mal, aber dank der großartigen Beschreibungen hier im Forum durchaus machbar.

Viel Geduld beim Furnieren ist nötig und eine saubere Arbeitsweise. Belohnt wird man aber durch eine großartige Oberfläche und saubere, gerade Kanten.

Nach dem Kleben des letzten Blattes Furnier kamen die Holzkisten noch einmal in den Schuppen zum Feinschleifen der Oberfläche und zurück in die Werkstatt zur ersten und zweiten Ölung mit Hartwachs. 24 Stunden Trockenzeit pro Schicht kann sich ganz schön lang anfühlen.

Genau der richtige Zeitpunkt die Frequenzweichen aufzubauen. Da seit einiger Zeit so ein 3D-Drucker in der Werkstatt rumsteht, wurden die Grundplatten kurzerhand mit Vertiefungen zum Einkleben der Bauteile mit der Heißklebepistole gedruckt. Auch die Deckel mit einem eingebetteten Terminal sind auf dem Druckbett entstanden. So konnten die eingeklebten Bauteile dann leicht mit dem Lötkolben miteinander verbunden werden.

(Anmerkung: Nach Udos Einwand wurden die Spulen den Regeln entsprechend neu angeordnet)

Es folgte das Einziehen der Kabel, Abdichten der Kabelbohrungen mit Heißkleber und das Vorbohren der Löcher für die Lautsprecherchassis. Die Dämmwolle wurde, wie in der Anleitung beschrieben, zugeteilt und in die Holzkisten eingelegt. Nach und nach lötete ich die Kabel an die Lautsprecherchassis und setzte jedes an seinen Platz. Von Hand setzte ich die Schrauben, um nicht mit dem Akkuschrauber abzurutschen und die Membranen oder die Schrauben zu beschädigen. Die Frequenzweichen waren von außen schnell montiert und angeschlossen.

Der erste Verstärker, der das Pärchen mit Signalen versorgte, war ein vor ca. 30 Jahren gekaufter Klasse A Verstärker. Ein treuer Begleiter, aber mittlerweile in die Werkstatt verbannt. Ich erinnere mich noch, als ich das Teil von meinem ersten und zweiten Lehrgehalt stolz gekauft hatte.

Beim Anspielen des ersten Musikstückes – im Player war gerade noch „Get Up, Stand Up“ von Bob Marley – war die Musik einfach nur bass- und höhenlastig. Klar, am Verstärker den Bassregler und die Höhen voll aufgedreht, Loudness-Taste aktiv und auch noch zusätzlich den Equalizer im Player genauso eingestellt. … Eventuell ein neues Bauprojekt … weiter.

Also am Verstärker alles auf Grundeinstellung, Regler mittig, Loudness aus. Beim Equalizer alle Regler mittig und neuer Versuch.

Es dauerte ein wenig, bis sich die Ohren an den neuen Klang gewöhnt hatten. Die Musikstücke wechselten noch ein paar Mal quer Beet. Von Metallica über Karajan, AC/DC, Kate Bush, ZZ Top und viele andere. Verschiedene Lautstärken wurden ebenfalls ausprobiert. Zum Glück war niemand da und sah mein breites Grinsen.

Hängen geblieben bin ich dann schließlich bei der Musikrichtung Blasmusik. Und egal ob große oder kleine Kapelle, Marsch oder Polka, die Instrumente wie z.B Hörner, Tuba, Klarinette und selbst die Querflöten kamen extrem sauber an. Ich meinte sogar, die Position der Instrumente orten zu können. Das meinen die Autoren hier im Forum wohl mit der Bühne … Sorry, ist mein erster Bericht über Lautsprecherbau. Falls es einen nächsten gibt, kann ich meine Höreindrücke bestimmt besser beschreiben.

Fazit für mich war dann: Keinen Fehler in der Frequenzweiche eingelötet und echt großartig, wie sich Musik zuhause anhören kann. Die Lautsprecher dürfen in das Wohnzimmer einziehen und den neuen Class D Verstärker kennenlernen!

Liebe Grüße

Markus

Zur BelAir 54 Big 5 im Online-Shop

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Sehr schöne Boxen. Ich liebe das Funier.
Die Idee mit der 3d gedruckten Weichenbox ist auch interessant. Schönes Nebenprojekt. Viel Spaß mit den Lautsprechern!

Moin,

immer wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen,
kommt wer und druckt ne „Tupperdose“ für die Frequenzweiche.
Man lernt nie aus, klasse Idee mit den passenden Aussparungen
für die Teile. Viel Spaß mit den großen 5!

Gruß,
-Sparky

Gute Morgen, Markus. Sehr schön umgesetzt. Dieses Projekt steht mir noch bevor. Wie hoch war der Aufwand, die Fräsungen der Front nachträglich auszuschneiden? Ich erinnere mich an Liter an Blut & Schweiß, als ich das bei unserer Vota 4 gemacht habe 😎

Wie auch immer – die Big 5 ist für mich eine endgültige Lösung. Viel Spaß mit den Schönen!

Moin Markus und Gemeinde.

Ja, die Big5. Eigentlich müsste sie 10 heißen, so kann die schieben. Yogas mündliches Erstaunen hab ich immer noch im Ohr, als wir bei Udo saßen und die ersten Bassschübe durch den Laden in Richtung Sofa rollten.
Viel Freude mit Deinen optischen Leckerbissen. Die Idee, die Weiche eimzukorben, ist ne super Idee!
Schönen Sonntag Gaudete
Rodscher

Hallo Markus,
Schöner Bericht und eine tolle Umsetzung. Hab viel Spass mit der Kreation.
Mir haben die bei Udo sehr gut gefallen.
Die Fellnase ist auf alle Fälle tiefenentspannt. Apropos Fellnase, ist das ein Greyhound oder ein Lurcher?

Hallo Markus,

ein Whippet, toll.
Ich mag die Sorte Hund, am liebsten Lurcher.
Grüss ihn schön und knuddel ihn.

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