Vor ca. 3 Jahren kam bei mir die Idee auf, unserem kläglichen Fernseherton etwas auf die Sprünge zu helfen. Bei den Recherchen stolperte ich über die Webseiten von Udos Acoustic Design Magazin. Angetan von den überhaus netten, humorvollen und hilfreichen Berichten blieb ich bei Udo hängen und entschied mich, eine Mona 2.1 zu bauen. Als handwerklich nicht ganz Ungeschickter wollte ich gucken, ob mir so ein Selbstbauprojekt gelingt. Erstaunt hatte mich, wieviel Enthusiasmus und Wissen im Forum herrscht und wie unkompliziert man Tipps und Hilfe bekommt. Bei der Bestellung und einigen E-Mails, die hin und her gingen, versprach ich, einen Baubericht zu schreiben. Wie so oft, ist es bei dem Vorsatz geblieben und ich gelobte Besserung bei meinem nächsten Projekt.

Das hatte im letzten Jahr im November Fahrt aufgenommen – meine vor ca. 35 Jahren gekauften Ecouton ML50 hatten den Geist aufgegeben und eine Reparatur der Sicke war leider nicht von Erfolg gekrönt. Also musste etwas Neues her – es sollte größer und imposanter werden als die bisherigen Regallautsprecher. Dazu habe ich den Shop von Udo und die Bauberichte studiert und mir alles mögliche auf den verschiedensten Webseiten angelesen. Die Seiten auf Udos Website sind wirklich empfehlenswert mit viel Hintergrundwissen.
Nach einem kurzen, unterhaltsamen Telefonat mit der Bochumer LS-Zentrale hatte ich mich für die SB240 entschieden. Die passten gut auf unseren ausgebauten Dachboden, wo ich mein neues Musikzimmer einrichten konnte. Einen neuen gebrauchten NAD 325C und einen DAC besorgte ich mir in den einschlägigen Portalen im Netz.

Mitte Dezember wurden die Pakete geliefert. Ein Blick auf den Inhalt offenbarte mir: Jetzt kannst du dein Lötdiplom machen, denn die Weichen waren nicht aufgebaut, sondern es lagen eine Vielzahl von Widerständen, Spulen etc. in dem Paket. Au weia, dachte ich. Auch das noch. Udo bot mir an, die Weichen doch noch aufzubauen – doch ich lehnte dankend ab. Jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt!
Die Erklärseiten auf Udos Webseite sind sehr gut geeignet für einen Laien und so legte ich mir die Bauteile zurecht. Alles etwas verwirrend zu Anfang, doch wenn man die Teile sortiert und den Plan studiert, gibt es Licht am Ende des Tunnels. Also frisch ans Werk, dachte ich mir.
Der ortsansässige Tischler versprach mir, das Holz auf Maß zu schneiden. Da ich nicht über eine vernünftige Tischkreissäge verfüge, bat ich ihn, mir Multiplexplatten in 21 mm Stärke zuzuschneiden. „Aber nicht mehr vor Weihnachten“, war seine Aussage. Okay, dann kann ich in der Zeit schon die Weichen machen.


Dann Anfang 2025 passierte das, was nicht passieren sollte: Ich rutschte bei meinem täglichen Arbeitsweg mit dem Vorderrad meines Fahrrades in einem Kreisverkehr weg und riss mir die Bänder der linken Schulter. Eine OP wurde flugs durchgeführt und schon war mein linker Arm für die nächsten Wochen in einer Schlinge gefangen. Na gut, dachte ich – dann muss das LS-Projekt eben noch ein bisschen warten. Dann im April konnte ich meinem Arm wieder einigermaßen bewegen und es ging an den Bau der Lautsprecher.
Alle Arbeiten konnte ich im Keller durchführen; nur das Fräsen der Rundungen für die Chassis machte ich im Freien. Die einzelnen Bretter für die Boxen legte ich dann nach Plan zusammen, beschriftete sie und fing an, die Teile zusammenzuleimen. Ich baute nicht beide Lautsprecher parallel, sondern fing mit der ersten Box an.



Die Schallwände fräste ich dann im Garten, um nicht den ganzen Staub im Keller zu verteilen. Ich hatte mir fürs erste Projekt schon mal einen Fräszirkel zugelegt, der ganz gut funktionierte. Ein bisschen Bammel hatte ich schon, als ich anfing, den ersten Kreis zu schneiden. Die Fräse geht wirklich gnadenlos zu Werk. Wenn sich die Arretierung des Zirkels lockert, wars das mit der Schallwand, dachte ich. Aber zum Glück lief alles so wie gewünscht. Das hat dann richtig Spaß gemacht und als auch die Chassis dann noch reinpassten – ich war richtig stolz auf mich, dass das so wunderbar klappte. Das war und sah richtig perfekt aus!



Als ich dann die erste Box bis auf die Schallwand fertig hatte, legte ich schon mal die Bretter für die zweite Box zurecht. Doch was war das?! Ich hielt 2 Bretter in der Hand, die eigentlich über den Bassreflexschlitz positioniert werden. Das konnte doch nicht sein. Ich sollte doch nur noch ein Brett übrig haben. Was hatte ich denn da bloß eingeleimt?
Ich hatte doch glatt ein Brett verbaut, was dummerweise die gleiche Breite wie die anderen Bretter hatte – aber es war um einiges zu lang/tief, so dass es relativ weit in die Box führte. „Was tun?“, war die große Frage. Herausnehmen aus der Kiste ging nicht mehr. Das Brett, so lang wie es war, einfach drin zu lassen, traute ich mich nicht. Also griff ich zum Telefon und fragte Udo, was ich in dieser misslichen Lage tun könne. Er riet mir, dass Brett zu kürzen, da es bei der jetzigen Länge den Bass wegen viel zu tiefer Reflex-Abstimmung zu dünn klingen lässt, meinte er.
Okay, also kürzte ich das Brett umständlich mit Bohrer und Feile – einen Schönheitspreis konnte ich damit nicht erzielen, aber zum Glück sieht man die Kante ja nicht.



Der Rest ist eigentlich schnell erzählt: Es sind keine weiteren Katastrophen passiert. Den Schlitz für den Bassreflex habe ich nicht sonderlich sauber hinbekommen. Ich wollte die Ecken des Schlitzes im 90 Grad-Winkel sägen. Das habe ich mit meinen Mitteln nicht geschafft. Die Ecken sind eher rund als richtige Ecken. Sieht nicht so besonders gut aus, aber mit etwas Abstand zu den Boxen fällt es nicht mehr so auf.

Bevor ich die Schallwände verleimte, machte ich zuerst einen kurzen Test, ob alles richtig verdrahtet war. Erfreulicherweise kam auch ein Ton aus den Chassis heraus – es hörte sich zwar noch ein bisschen kläglich an, aber das war ja auch nur ein Test.




Als beide Lautsprecher dann komplettiert waren, konnte ich meine Ungeduld natürlich nicht zügeln und ich machte mich provisorisch daran, Zuspieler und Lautsprecher miteinander zu verbinden. Als dann die ersten Töne aus den Boxen rauskamen, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Was für ein atemberaubender Sound aus den selbst gebauten Boxen. Einfach umwerfend. Ich spielte einige Stücke aus meiner Sammlung und auch ein paar Musiktipps aus Udo’s Forum. Unter anderem Roger Waters „Amused to death“, Pink Floyd und andere Kandidaten. Geniale, zeitlose Musik. Ich könnte jetzt noch etwas von Bühne, Dynamik etc. schreiben. Das erspare ich Euch aber jetzt, da ich kein Fachmann und nicht so audiophil bin, wie andere hier im Forum.
Die Musik erfüllte den ganzen Kellerraum mit einem wahnsinnig guten Sound, die Bässe gehen tief runter, die Höhen klar und sauber – ich war und bin sehr stolz auf dieses Selbstbauprojekt. Es wird nicht mein letztes sein – es gibt ja zum Glück immer noch etwas Luft nach oben.

Ein aufwändiges Finish habe ich den LS nicht verpasst. Ich habe sie nur angeschliffen und mit Hartwachsöl 3 mal geölt mit jeweils 400er Zwischenschliff. Jetzt stehen sie bei mir im Dachboden und fast jeden Tag genieße ich Musik. Einfach wunderbar.

Für alle, die eventuell noch zögern, ein Lautsprecherprojekt zu bauen: macht es! Es wird schon gehen – und Hilfe und Tipps gibt es hier im Forum. Sind ja nur Lautsprecher und keine Raketenwissenschaft. Es macht einfach irre viel Spaß, so ein Projekt umzusetzen. Und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wenn ich sehe, was hier einige Leute bauen, muss ich immer wieder staunen. Das sind teilweise ja Profis, wenn ich da so manche Resultate sehe.
Ein herzliches Dankeschön geht an Udo und die Community des Acoustic Design Magazins, die mir beim Bau viele Ideen gaben und mir mit Geduld weitergeholfen haben.
Christian
Zur SB 240 im Online-Shop



Hallo Christian,
danke für deinen tollen Bericht! Endlich mal wieder eine Männerbox in voller Pracht! Da hast du dich für ein (fast) Erstlingswerk richtig was getraut. Und schön sind sie auch noch geworden.
Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit den beiden!
Liebe Grüße
Uwe
Vielen Dank, Uwe!