Haralds SB 24 Center

So, wieder einmal Baubericht! Dies ist mein dritter innerhalb eines Jahres. Hätte ich damals während der Schulzeit meinem Deutschlehrer gesagt, dass ich mal Berichte schreibe, die auch veröffentlicht werden, wäre er wahrscheinlich aus dem Fenster gesprungen! Egal, ob offen oder geschlossen!

Okay, zurück zum Thema:

Mein Sohn erfreut sich täglich an seinen JunioRS 100. Mir gefallen sie auch sehr gut und ich freu mich schon, wenn er etwas älter ist und sie in ein größeres Gehäuse umziehen.

In dem Bericht dazu erwähnte ich ja schon, dass mir noch ein Center zu meinem Glück fehlt. Und nachdem sich keiner meiner Freunde Lautsprecher von mir bauen lassen wollte, entschloss ich mich mal wieder, etwas für mich zu bauen. Eigentlich wollte ich für einen meiner besten Freunde, für sein „Männerzimmer“, ein kleines Heimkino bauen. Es sollte aus U_Do’s bestehen und den Subwoofer wollte ich im V8-Stil (nur als V-4) als Motorblock bauen. Pläne sind fertig gewesen, Udo hatte sein Okay gegeben und dann kam der gute Freund mit gebrauchten, aber geschenkten MB Quart um die Ecke! Super! Er freut sich und ich schau mit dem Ofenrohr ins Gebirge! Aber den Sub werde ich trotzdem irgendwann bauen, auch wenn er dann bei mir nur rumsteht.

Nun ja, so kommt mein Center halt früher als geplant. Als erstes hatte ich die Überlegung, ob nicht auch die U_Do 9 als Center zu den SB 18 passen könnte. Dieser Lautsprecher braucht 2 Liter weniger Volumen und ist auch wesentlich günstiger. Der Preisunterschied war aber nur zweitrangig. Nachdem mir viele, nette Forumsmitglieder dazu geraten haben, in der Front nicht die Lautsprecherlinien zu mischen, entschied ich mich dann für die SB 24. Der Center sollte so niedrig wie möglich gebaut werden können. Dies war ein Regierungswunsch (ihr wisst schon WAF, Hausfrieden und so). Daher kam weder die SB 30 STC noch die SB 36 Center in Frage. Optisch muss der Lautsprecher natürlich auch zu seinen Mitspielern passen.

Also war Birke Multiplex schon mal gesetzt. Plexiglas und eine sichtbare Weiche mussten auch irgendwie dazu. Nun ging es an den PC, die ersten Entwürfe erarbeitet und sie zur Genehmigung vorlegt. Soweit so gut. Wie oben schon erwähnt, sollte er so flach wie möglich unter den Fernseher platziert werden. Als das endgültige Design feststand, ging es an die Materialbeschaffung.

Ich entschied mich für 15 mm Materialstärke. Beim Online-Händler bestellte ich den Plexiglas-Deckel und das Birke-Multiplex wurde per Online-Zuschnitt-Reservierung beim „YeppieYeeYee”-Markt bestellt. Es war günstig und erstaunlich maßhaltig.

Nachdem das Holz dann zuhause lag, war der nächste Schritt, die Seitenteile und den Boden auf Gehrung zu schneiden. Seit ich eine Tischkreissäge mein Eigen nennen darf, geht so was wunderbar einfach und genau. Als nächstes waren die Chassis-Löcher dran. Ich verzichtete hier bewusst darauf, die Lautsprecher zu versenken. Zum einen hätte das bei der geringen Höhe unter dem Plexiglas komisch ausgesehen und zum anderen ist mir das bei 15 mm Materialstärke zu heikel, 7 mm rein zu fräsen. Also verrichtete der Kreisschneider schnell seine Arbeit und schnitt mir drei perfekte Löcher in die Frontplatte. Das gleiche in der Rückwand für das Terminal.

Jetzt konnte schon verleimt werden! Ich weiß, die meisten verleimen Gehrungen mit Klebeband auf den Außenseiten, aber bei mir funktioniert das irgendwie nie. Wahrscheinlich bin ich zu doof dafür, oder mein Klebeband ist einfach schei…..! Egal, ich fand für mich eine andere Lösung, mit der ich bestens zurecht kam. Zuerst wurden die Front und die Rückwand auf die Grundplatte geleimt und im Anschluss die Seitenteile. Hatte für mich auch den Vorteil, dass man die Vorder- und Rückseite nicht zwischen zwei schon fest verleimte Platten reinpressen musste.

Weil der Lautsprecher ja direkt unter dem Fernseher platziert werden soll, braucht er eine Abstützung. Um hier auch wieder das Design der SB 18 aufzugreifen, schnitt ich zwei Leisten aus MPX-Birke zu und bohrte Löcher für je zwei Alu-Rohre, sowohl im Gehäuse als auch in den Leisten.

Die seitlichen Unterkanten bearbeitete ich dann mit einem Abrundfräser. Ähnlich den Seitenwänden von den SB 18. Hier riss mir dann an einer Stelle ein recht großes Stück aus der Platte aus. Ich weiß nicht, ob es an den Einstellungen meiner Fräse lag oder am Material. Wie ich im Forum schon schrieb, ist in den MPX-Platten ein Art Gewebe eingearbeitet. Ich vermute, dass dies für die Ausrisse verantwortlich war. Wofür das da drin ist, konnte mir bisher keiner sagen. Auch der freundliche Mann im Baumarkt konnte hier nicht weiterhelfen. Zur Probe kurz zusammen gesteckt, passt!

Dann wieder zerlegen und ab geht es zum Schleifen. Zuerst mit 120er, dann mit 240er. Die Kanten noch ein bisschen brechen und schon kann geölt werden. Ging alles recht flott! Die Ölung wurde wieder mit Pinsel durchgeführt und mit 1000er Schleifpapier geglättet. Als ich die Unterseite sah, dachte ich: Wow, fast zu schade für die Unterseite!

Als nächstes kam die Plexiglasplatte an die Reihe. Die wollte ich, wieder passend zu den SB 18, mit Zylinderkopfschrauben oben auf dem Gehäuse verschrauben. Also alle Löcher ringsum aufzeichnen und anschließend vorsichtig bohren. Soll ja nichts ausreißen. Die Löcher habe ich dann auf die Oberseite des Gehäuses übertragen und im Bohrständer gebohrt. Somit sind die Löcher absolut gerade.

In der Zwischenzeit traf auch das Paket von Udo ein. Ich hatte ja mit dem Bau schon vor der Bestellung begonnen, um meiner Frau ein bis auf das Plexiglas 1:1 Modell präsentieren zu können.

Der nächste Schritt war dann, die Weiche zu zusammen zu bauen. Sie muss sich selbstverständlich an der der SB 18 orientieren. Da ich aber kein separates Fach dafür vorgesehen hatte, musste sie in das Gehäuse hinein. Aufgebaut wurde sie wieder auf einer weißen Plexiglasplatte, die durch kleine Stützen quasi im Gehäuse schwebt. Die Grundplatte wurde von mir versehentlich etwas zu klein dimensioniert. So stellte mich die Anzahl der Teile doch vor eine Herausforderung. Mit ein bisschen hin und her schieben passte dann aber doch alles drauf und sah auch ganz ordentlich aus. Auf dem zweiten Bild hier, ist auch schon das Zellkautschukband zu erkennen, das wieder zur Abdichtung zum Plexiglas dient. Darunter befinden sich die Rampa-Muffen für den Deckel.

Zu guter Letzt wurden die Chassis verlötet und eingeschraubt. Davon machte ich jetzt keine Bilder. Was ich aber erwähnen will, ist ein Zentrierbohrer. Den hatte ich mir mal für Scharniere zugelegt, aber er funktioniert auch bei Lautsprechern ausgezeichnet. Die Schrauben sitzen exakt mittig im Loch.

Als Abschluss wurde noch der Plexiglasdeckel aufgeschraubt und fertig ist die Kiste! Zeit um sich zwischen den SB 18 einzureihen und die Arbeit auf zu nehmen!

Kommen wir abschließend zu der Klangbeschreibung, wenn man das bei einem Center so nennen kann. Es ist für mich unheimlich schwer, einen Lautsprecher klanglich zu beschreiben. Zum einen, weil ich mit den SB 18 erst vor etwas mehr als einem Jahr meine ersten High-End-Lautsprecher baute, und zum anderen, weil ich davon wenig Ahnung habe. Ich habe das Glück, dass ich gleich mit dem ersten einen für mich tollen Lautsprecher fand. Ob andere besser wären oder nicht, ist ein anderes Thema.

Vorweg möchte ich sagen, dass man einen Center vielleicht nicht zwangsweise braucht. Vor allem nicht, wenn man Lautsprecher von Udo besitzt. Aber wenn man einen hat, will man ihn nicht mehr missen! Ich betreibe jetzt ein 3.1 System an einen Marantz AV-Reciever. Das .1 wird durch zwei alte 20 cm Subs an einem Aktivmodul bereitgestellt. Für die Einrichtung verwendete ich das im Receiver integrierte Einmesssystem. Ich habe zurzeit keine Lust, das mal manuell zu versuchen. Das System macht das für meinen Geschmack schon sehr gut. Einzig den Bass regelte ich nachträglich etwas runter.

Zu dem Center selbst muss ich sagen, dass ich sehr froh darüber bin, die SB 24 gewählt zu haben und nicht die U_Do 9. Das ist bestimmt auch ein toller Lautsprecher, aber alle Aussagen von den Forumsmitgliedern, bezüglich unterschiedlicher LS-Linien in der Front, waren richtig. Ich schloss davor kurzzeitig zum Test einen alten Lautsprecher als Center an. Man hat ihn irgendwie immer gehört. Er war nicht lauter als die anderen Lautsprecher, aber er hat nicht wirklich dazu gepasst. Mit dem SB 24 ist es absolut anders. Klingt alles wie aus einem Guss. Für Film und Fernsehen möchte ich nicht mehr auf einen Center-Lautsprecher verzichten. Stimmen und Dialoge werden super sauber wiedergegeben und sind im Vergleich zu dem restlichen Sound auch nicht mehr extrem leiser. Ich kann jedem, der überlegt, sich einen Center für den TV-Betrieb zuzulegen, nur dazu raten, es zu tun. Für mich war es ein enormer Gewinn und ich halte ihn fast für wichtiger als einen Subwoofer (vorausgesetzt man hat jetzt keine kleinen Kompaktboxen als Front).

Zum Schluss möchte ich mich noch bei allen im Forum bedanken, die mir bei der Entscheidung zu diesem Lautsprecher geholfen haben. Und bei Udo für die Entwicklung von so tollen Lautsprechern. Und natürlich auch bei meiner Frau, die mir wieder einen Lautsprecher mehr erlaubt hat. Jetzt muss ich sie noch zu den Rear’s überreden und ich bin rundum zufrieden. Und Danke an alle, die mal wieder mein Geschreibsel gelesen haben.

Gruß Harald

Zur SB 24 Center im Online-Shop

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dirk

Ich gehe mal davon aus das Du noch einen Beamer hast oder schaust Du etwa auf diesem Mini TV Filme?

Der Center sah auf den einzel Bilder echt gross aus , auf dem Gesamtbild eher klein.

Glückwunsch zum tollen Projekt. Das mit dem Plexi und der sichtbaren Weiche finde ich klassse!

derFiend

Schön das die Idee mit der “Einsehbaren” Box mal jemand umgesetzt hatte. Ich glaub darüber nachgedacht hat hier fast jeder mal! Gratuliere, und danke für den schönen Bericht 😉