Hallo liebe Baugemeinde,
alle Räume sind bestückt. Musik schmeichelt den Ohren in Wohn-, Koch- und Schlafzimmer, im Büro genau so wie in der Höhle des Juniors. Und doch bleibt das Baufieber erhalten. Udos Bericht zur Point Source 95 hat die Temperatur mal wieder steigen lassen. Normale Kisten habe ich schon einige gezimmert. Aber ein Breitbänder mit einem versteckten Bandbass war für mich neu! Also ran an die Planung.
Beim Treffen in Nordhausen 2024 hat mich die BelAir 17 BB von Joka am nachdrücklichsten beeindruckt. Trotz Breitbänder fehlte es an nichts und der Klang war räumlich so überzeugend, dass ich unbedingt etwas ähnliches wollte. Vor allem aber fand ich die verwendete Baubuche so wunderschön. So etwas muss ich auch machen!

Bei meinem letzten Projekt, der Ceram 17, hatte ich schon mit einer Teilabdeckung der Chassis experimentiert, so dass man die Schrauben nicht mehr sieht. Den Weg wollte ich weiter beschreiten. Also Udos Shop geplündert und Design geplant.
An den Grundmaßen habe ich nichts verändert, nur die Tiefe wurde um eine Brettstärke verlängert, da ich für meine Version eine „doppelte“ Frontplatte benötige. Beim Zuschnitt hatte ich das natürlich schon wieder vergessen, so dass die Seiten zu kurz waren. Zum Glück waren noch genügend Reststücke von der Baubuche vorhanden, so dass ich etwas anstückeln konnte. Durch die tolle Maserung ist der Übergang nach dem Kleben nicht mehr zu sehen. Puh… Glück gehabt!


Was in normalen Boxen einfache Versteifungen sind, hat Udo hier als Raumteiler zwischen eigentlicher Box und Subwoofer eingesetzt. Man muss sich also genauer als sonst mit dem Innenraum beschäftigen. Dabei kam mir der Raum hinter dem Breitbänder mit 62 mm Tiefe sehr klein vor. Daraus sollen ordentliche Mitten kommen? Ich habe dreimal nachgemessen und mit Udos Zeichnung verglichen. Es soll so sein…!


Beim Terminal habe ich abweichend zu Udos Plan das Bi-Wiring-Teil mitbestellt. Finde ich irgendwie wertiger. Das muss natürlich auch eingelassen werden.

Nun zum wichtigsten Punkt: die Ausschnitte in Frontplatte 1 (die im Gehäuse verbaut wird) müssen exakt mit denen von Frontplatte 2 (die als Abdeckung dient) überein stimmen. Hier habe ich das Loch für die Frässchablone durch beide Bretter gebohrt. Leider hat das im Ergebnis bei einer Box nicht funktioniert – den Grund dafür weiß ich bis heute nicht…

Jetzt wurden erstmal die Ausschnitte für Chassis und Reflexrohr in Frontplatte 2 gefräst und anschließend verrundet. Dann habe ich aus der Rückseite 1 cm ausgefräst. Das schafft den Platz für Frontplatte 1.


Dabei habe ich mir eine kleine Fräspause gegönnt, indem ich das Kabel der Oberfräse zersäbelt habe. Passiert ist zum Glück nichts. Nur meinen Wutschrei konnte man wahrscheinlich noch im Nachbardorf hören! Nach der Reparatur ging es dann frohgemut weiter.

Eine erste Anprobe zeigte mir dann die Maläse mit der nicht exakten Zentrierung. Zum Glück konnte ich den Ausschnitt in Frontplatte 2 ein wenig vergrößern und das Chassis dann in die Mitte schubsen.


Nun wurden beide Platten mit Magneten versehen, wobei man hier natürlich vor dem Einkleben auf die richtige Polung achten muss ….Ich hab es fünfmal kontrolliert.

Das restliche Zusammenfügen des Gehäuses konnte dann routiniert durchgeführt werden und war die reine Freude.



Na ja. Bis auf die Sache mit Boden und Deckel. Hier sollte durchgefärbtes MDF halb ins Gehäuse eingelassen werden. Dazu muss man natürlich die Fräse ansetzen. Der schwarze Staub verbreitet sich in der kompletten Werkstatt schneller als Fakenews im Netz. Das hatte ich schwer unterschätzt. So dauerte die Reinigung des Arbeitsbereiches dreimal so lange wie das eigentliche Fräsen. Und noch Wochen später finden sich Ecken unter Tischen, die schwarz bedeckt sind. Beim nächsten Mal würde ich die Platten einfach stumpf aufsetzen und fertig.

Jetzt also nur noch alles schleifen und ölen und schließlich die Chassis einbauen. Es fühlte sich komisch an, diesmal keine Weiche zu brutzeln. Aber die saubere Trennung und Glättung der Frequenzen übernimmt hier ja das DSP des Arylic-Amps, so wie es von Udo programmiert wurde.




Dazu müssen einige Kabel zwischen Amp und Lautsprechern verlegt werden. Damit es nicht so wuselig aussieht, hat meine Frau jeweils zwei Kabel für den Sub und den Breitbänder verflochten. So haben wir nur einen Strang zu jeder Seite. Dazu habe ich ein Stück Kabelverkleidung aus dem Netz bestellt.


Nun sieht es recht professionell aus im Rücken des Amps. Diesem habe ich noch ein Kleid aus den Holzresten der Baubuche geschneidert, so dass es optisch zueinander passt.



Noch schnell zwei Lautsprecherständer drunter geschraubt und schon konnte der Hörtest beginnen. Der Amp verbindet sich sehr schnell mit dem iPhone – und das sowohl per normalem Bluetooth als auch per AirPlay! Eine App gibt es zwar auch zum Gerät, ich habe sie aber nicht im Einsatz.
Beim Lauschen meiner Hörtest-Playlist fällt sofort auf, dass es an nichts fehlt. Die Höhen kommen für einen Breitbänder extrem gut ans Ohr. Und der Bass lässt einen mit offenem Mund vor den kleinen Boxen sitzen. Mit jedem Stück ist das immer wieder erstaunlich. Größe und Klang passen für das Gehirn einfach nicht zusammen. Wir haben das Ensemble ja beim 2025er Treffen in Nordhausen mit der versammelten Community gehört und ich glaube, den allermeisten dort ging es ähnlich wie mir.


Mittlerweile stehen Boxen und Amp an unserem Schreibtisch und hier kommt eine weitere Eigenschaft hinzu. Sie können auch leise ganz hervorragend Musik gestalten! Viele Details kommen wie selbstverständlich ans Ohr, der Bass ist federnd und übertüncht nie den Rest der Musik. Und schließlich ist die Räumlichkeit auch im Nahfeld überragend!
Mal wieder herzlichen Dank an Udo für diesen etwas anderen Bausatz!
Liebe Grüße aus dem nördlichen Ostwestfalen
Uwe
Zum Point Source 95-Set im Online-Shop



Hallo Uwe,
ich hatte in Nordhausen 2025 ja die schöne Gelegenheit, Deine wunderbaren Exemplare der Point Source 95 zu bestaunen. Optisch war das schon ein sehr überzeugender Auftritt, klanglich erlebte ich jedoch eine regelrecht überwältigende Darbietung, das kann ich nur bestätigen. Was die kleinen Kisten abliefern, ist sehr, sehr hörenswert, ich traute meinen Ohren nicht, um ehrlich zu sein.
Das Du handwerklich eine Menge draufhast und auch keinen Aufwand zu scheuen scheinst, um Deine ausgefeilten Ideen umzusetzen, zeigen nicht zuletzt auch Deine beiden großen Lautsprecher, die ebenfalls in Nordhausen zu bestaunen waren. Deine Point Source 95 jedoch überzeugen in besonderem Maße in ihrer Gesamtheit der Umsetzung. Dein Werk hat mich derart inspiriert und meine Bastel-Lust so genährt, dass ich mit meinem Sohn gemeinsam gleich ein neues Projekt, diesmal für sein Zimmer gestartet habe und den Bausatz bestellt habe. Das Design dazu hat sich mein Sohn ausgedacht.
Wir befinden uns nun auf der Zielgeraden, ich denke, in zwei Wochen sollten wir fertig sein. Wir sind sehr gespannt, wie sich die kleine Anlage in unseren Räumen schlägt. Sicher wird die Point Source auch den Vergleich zu meinen Ceram 85 antreten müssen.
Beste Grüße aus Hamburg
Kai
Hammerstory! Großes Dankeschön Uwe.
Und Buche ist so ein stabiles und wertiges Holz, einfach wunderschön.
Dann lass es (weiterhin) krachen, die Dinger können viel.
Schöne Grüße, Johannes
Vielen Dank für die vielen netten Kommentare! Die Dinger machen mir jeden Tag am Schreibtisch enorm viel Spaß und sie haben auch bei mir zu Hause schon so manchen Gast ungläubig staunen lassen…
@AlexG: Ich konnte keine Unterschiede im Klang wahrnehmen, wenn ich die Abdeckung mal probehalber abgenommen habe. Ich habe die Boxen allerdings auch auf den Hörplatz eingedreht und sitze recht nah davor.
Liebe Grüße an alle Mitleser!
Uwe
Hallo Uwe,
da bist mir mal wieder einen Schritt voraus… Die Point Source stehen bei mir auch gaaanz oben auf der To-Do Liste.
Wow, was für ein handwerklicher Augenschmaus Dir da gelungen ist! Chapeau… Es gibt keine Fragen meinerseits, nur tiefe Anerkennung und Begeisterung. 👍Viel Spaß damit!!!
Liebe Grüße, Andreas
Hallo Uwe,
ich war dabei in Nordhausen, einer der „alten Hasen“, wie das Kollege Rundmacher so nett geschrieben hat. Die Boxen sind optisch und akustisch ein absolutes Statement! Schön, dass wir jetzt hier auch an deren Entstehung teilhaben können.
Baubuche merke ich mir mal als Material für 1…2 Möbelprojekte vor.
Beste Grüße,
Martin F
Hallo Uwe,
Glückwunsch, die sind wirklich schön geworden! Und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt – wie Terminals zu versenken und die Kabel zu flechten.
Alternativ zu dem staubintensiven Fälzen des MDF könnte man auch Deckel und Boden stumpf einleimen und dann eine zweite dünne Platte MDF oder Hartfaser (3 oder 6mm) aufleimen.
Interessant, dass offenbar so einige insgeheim mit der PS6 flirten. Abgesehen davon, dass alle Räume bestückt sind, hab ich bisher v.a. mit der Optik gefremdelt (kleines Chassis auf breiter Front). Ein 5-eckiger Grundriss würde die Box für mich gefälliger machen > schmalere Front und der TT passt trotzdem noch rein – vielleicht diesen Sommer …
Viel Spaß mit den Kleinen und viele Grüße,
Jo
Moin. Sehr Schöne Umsetzung!!! Die reizen mich auch. Ich möchte die gerne drucken. Das Modell ist fertig, für LS und AMP. Jetzt fehlt mir nur die Zeit🫣
Viel Spaß mit kleinen Wundern 🍀
Hallo Markus,
wenn es dir nützt, geb ich dir gern etwas von meiner – zugegeben recht knappen – Zeit für solch ein tolles Druck-Projekt ab 😉
Gruß Udo
Hallo an alle,
schön sie wieder zu sehen. 🙂
Für alle die welche beim Jahrestreffen 2025 nicht dabei sein konnten, im großen Flur hatten sie einen kleinen Extraplatz zwischen der großen ACL-Bank und der Rincewind-Ecke. Zwei, drei Stühle mit etwa vier Meter Abstand und los ging es mit dem abwechselnden Probehören.
Ich darf es wiederholen, auch sie saßen da, die alten Hasen.
Die, die schon alles kennen, die selber schmunzeln wenn sie die Reaktionen von Erst-Hörern bei kleinen ADW-Boxen erleben.
Erstaunte Blicke von ihnen, leichtes Kopfschütteln (nein, nicht ungläubig, schließlich ist man ja ein alter Hase) und man bleibt doch etwas länger sitzen.
Man kam wieder, nach einer oder zwei Stunden, um noch einmal dabei sein zu können bei dieser Machtdemonstration. Und -unvermeidlich- um leicht zu schmunzeln über die Mimik der sitzenden Hörer.
Das darf man, als alter Hase.
Es grüßt freundlich
Rundmacher
Hallo Uwe, mit den ersten Worten hattest du mich und ich musste bereit grinsen. Mir geht es ganz ähnlich. Ich habe nun mittlerweile mehr Lautsprecherpaare als Zimmer aber trotzdem liebäugel ich noch mit einem guten Point Source und Rundstrahler, gerade weil es komplett was anderes ist und ich es bauen möchte.
Das mit dem Bohren durch zwei Bretter um den gleichen Punkt zu erwischen, schaffe ich nur, wenn ich die Bretter spiegelbildlich zueinander verzwinge. Weil sonst, wenn ich den Bohrer auch nur 2° von 90° schief halte nichts mehr fluchtet. Je dicker das obere Brett, je übler wird es. Ich vermute, das war bei dir ganz ähnlich.
Ein Kabel habe ich zum Glück noch nie durchgefräst, aber mir wäre in dem Moment auch das Herz stehen geblieben. Richtig gut, finde ich hingegen die Idee mit der Messuhr für die Tiefe. Ist das Serie bei der Fräse?
Alles in allem, auch die technische Umsetzung und das Design sind Mega!
Beim Deckel hätte ich vielleicht ein MDF in 5 mm genommen und dann von unten her mit einem anderen Brett Aufgedoppelt. Ehrlicherweise habe ich aber noch nie gefärbtes MDF unter 19 mm gesehen. Gibt es aber vielleicht(?)
Von mir auf jeden Fall ein dickes Lob und Daumen hoch!
Liebe Grüße aus dem Schwobaländle
Alex
Nachtrag: Hört man eigentlich einen Unterschied zwischen aufgesetzter Front und flächenbündigen Chassis?