31. Mai 2026

Martins Rockkit BB – Die Partys können kommen

Autor: Maetes

Vor kurzem hat unser Ältester zusammen mit einem Freund seinen 18. Geburtstag auf unserer Terrasse gefeiert. Ein in mehreren Dimensionen eindrucksvolles Erlebnis, so viel kann ich sagen. Die beiden konnten zu ihrem Glück – und zum „Pech“ der Nachbarn – auf eine großzügig dimensionierte PA-Anlage zurückgreifen, die auch mit angezogener Handbremse mehr als ausreichend beschallen konnte. Leider ist zu fortgeschrittener Zeit dabei auch ein Mittel-Hochtöner-Modul zu Bruch gegangen.

Da noch vier weitere Kinder in der Party-Pipeline nachkommen und unser Verhandlungsspielraum mit der genehmigten Party etwas eingeengt war, haben wir einen Deal gemacht: Jedes Kind eine Party. Die Älteste wollte ihr Ticket nur gut einen Monat später für ihren 17. Geburtstag einlösen. Soweit so gut.

Auf die PA-Anlage konnten/wollten wir für dieses Event nicht mehr zurückgreifen. Also: Soundcheck auf der Terrasse mit der RS 100 ACL, die seit einigen Jahren bei unserer Tochter mit einem günstigen Bluetooth-Amp mehr als ordentlich ihre Dienste verrichtet. Viel erhofft hatte ich mir angesichts der geringen Membranfläche dabei nicht. Aber was die beiden dann ablieferten, hat mich mehr als erstaunt. Klare Höhen und angemessene Bässe. Als ich mir bei gehobenem Pegel dann aus der Nähe die hin- und herwabernden Membranen angesehen hatte, war mir allerdings auch klar: Die machen das nicht lange! Hm, da muss also etwas anderes her; es wäre ja schließlich auch sehr schade um die beiden Kleinen.

„Ich könnte doch mal wieder…“. Gedanken, die so oder so ähnlich beginnen, kennen vielleicht einige der Leser hier schon. Sie sollten in bestimmter Gesellschaft erfahrungsgemäß nur mit Bedacht auch in gesprochene Sätze umgewandelt werden. „Du hast doch schon…“ sind wahrscheinliche Repliken, die der ein oder andere hier vielleicht auch schon gehört hat. Dieser Gefahr bewusst, habe ich mich trotzdem auf die Internetseite von Udo gewagt. Allein auch schon der Kinder wegen (zwinker, zwinker…).

Audience 12, nicht schlecht, aber ob der China-Amp die Teile antreiben kann? Huch, das sieht ja toll aus: Rockkit BB, schöner Baubericht und auch schon ein interessanter Leserbericht.

„Was haltet ihr denn davon?“ „Jaaa! Wir helfen dir auch!“ Allerdings plagte mich schon ein schlechtes Gewissen, auch wegen der damit verbundenen ungeplanten Kerbe in unserem Budget. Trotzdem: Der Kauf wurde im Familienrat abgesegnet!

Da die Party schon bald anstand und die Lieferung der Bauteile aufgrund von Wochenende und Feiertagen noch etwas auf sich warten lassen würde, wollte ich schon im Vorfeld mit dem Bau beginnen und habe mir deshalb zügig die zugeschnittenen Bretter im Baumarkt besorgt. Dieser hatte OSB allerdings nur in 18mm Stärke; die entsprechende Umrechnung der Holzteile in der von Udo bereitgestellten FreeCAD-Datei war kein Problem – Danke für diesen Service! Dann ab in die Werkstatt meines Schwiegervaters, die ich auch schon für den Bau der SB 30 ACL und der RS 100 ACL nutzen durfte. Mein Jüngster stand mir hilfreich zur Seite beim Anreichen, Leimen, Halten, Absaugen, Motivieren usw.

Da ich beim Leimen und Zwingen der SB 30 ACL mit verrutschenden Brettern zu kämpfen hatte, habe ich mich – wie auch schon bei der RS 100 ACL – der Drahtstiftmethode bedient (diese hatte ich in einem Leserbericht hier im Magazin dankbar aufgegriffen – Danke für den Tipp!): An den zu leimenden Stellen zwei kleine Nägel setzen und diese kurz abknipsen. Dann Leim auftragen und das Brett platzieren und andrücken. Anschließend kann das Brett selbst unter Schraubzwingengewalt nicht mehr verrutschen – einfach, aber genial für einen Doppellinkshänder wie mich!

Hier ein paar weitere Fotos vom Zusammenbau:

Beim Subwoofergehäuse hatte ich lediglich bei der Front den Bassreflexkanal vorher gefräst. Die Front wollte ich dann zum Schluss auf das zusammengeleimte übrige Gehäuse kleben. Hierbei muss man allerdings dann sehr genau arbeiten. Im Nachhinein hätte ich besser mit der Front und einer Seite beginnen und auf die Front von hinten das Reflexbrett bündig anleimen sollen. So ist der Kanal an einer Seite etwa einen Millimeter zu klein geraten, was ich aber mit einer Feile zumindest optisch einigermaßen begradigen konnte.

Für das anschließende Fräsen der Boxen hatte ich mich im Vorfeld mit Udo über die Fräsradien und -tiefen verständigt, um nach Lieferung der Chassis keine bösen Überraschungen zu erleben. Breitbänder und Anschlussterminals haben top gepasst; beim Tieftöner hatte ich den Ausschnitt wohl etwas zu eng gefräst, so dass ich dort Lack und etwas Holz mühsam wieder abschleifen musste und mit schwarzem Edding kaschiert habe. Ich würde sagen, das Spaltmaß ist jetzt für mein Handwerksniveau überragend.

Ebenfalls beim Fräsen des Tieftönerausschnitts ist mir beim Eintauchen der Oberfräse der Tiefenanschlag durchgerutscht (wie auch immer das passiert ist). Gott sei Dank fand ich direkt neben der Werkbank einen Eimer mit Rundstäben, von denen einer genau passte, auf Maß gesägt und eingeleimt wurde.

Zum Abschluss haben mein Sohn und ich noch die Kanten mit einem Abrundfräser bearbeitet. Ich finde, dieser Look passt ausgezeichnet; etwa so, wie ihn auch ESAGE bei seinen Rockkit BB geschaffen hat.

Anschließend wurden die Gehäuse draußen mit einem Akku-Excenter-Schleifer (wunderbar!) zuerst mit 120er, dann mit 240er-Papier und abschließend noch mit einer 4000er Schleifmatte per Hand geschliffen. Das Ergebnis ist tatsächlich eine verblüffende Glätte, die ich so beim eigentlich groben OSB-Holz nicht vermutet hätte.

Im nächsten Schritt wurden die Kisten mit einer Lackrolle zuerst grundiert. Während der Trocknungszeit konnte ich den Arylic-Verstärker zusammenschrauben und schon einmal die von Udo aufgespielten Audio-Presets mittels ACPWorkbench-Programm auf dem PC sichern.

Nachdem die Grundierung getrocknet war, habe ich einen Premium-Lack in mattschwarz ebenfalls mit einer Lackrolle aufgetragen. Diesen Schritt habe ich einen Tag später nach kurzem Zwischenschliff wiederholt. Das Ergebnis fand ich sehr gelungen; es lohnt sich meines Erachtens, ein paar Euro mehr in höherwertigen Lack auszugeben.

Vor dem nächsten Schritt hatte ich am meisten Respekt. Daher hatte ich schon im Vorfeld meinen Schwager gefragt, ob er zum wiederholten Male die Lötarbeiten übernehmen könne. Da es mich aber zu sehr in den Fingern gejuckt hatte und die Zeit bis zur Party der Tochter immer knapper wurde, fragte ich kurzerhand meinen Nachbarn nach einen Lötkolben. Allerdings hatte er nur eine Lötpistole, aber egal, ich wollte jetzt endlich die Teile fertigbekommen und hören! Also, Lötmeister werde ich in meinem Leben wohl nicht mehr werden, aber es hat geklappt – die Kontakte konnten hergestellt werden und sind offenbar auch haltbar. Und die „Lötknubbel“ sieht von innen sowieso niemand.

Dann nur noch entsprechend des Bauplans die Dämmung einlegen, die Chassis über die vorgebohrten Löcher befestigen und an den Verstärker anschließen – einschalten und: wow. Toller Sound! Hört sich irgendwie rund und „laid back“ an. Und ja, der kann wirklich laut, wenngleich die Lautstärke erst im letzten Drittel der Regelung so richtig anschwillt. Kurz noch vier selbstklebende Gummipuffer unter jede Box, damit sie auch sicher stehen und die Vibrationen in Richtung Untergrund etwas gedämpft werden. Die gleichen in klein kamen auch noch unter den Verstärker.

Partytime. Das System haben wir draußen auf der Terrasse auf eine Mauer zur dahinter liegenden Treppe gestellt; somit befinden sich die Breitbänder, aber auch der Subwoofer, etwas unter Ohrhöhe, sofern man steht. Da es hinter der Mauer wirklich gut bergab geht, habe ich zur Sicherheit schnell mit ein paar Latten und Schraubzwingen eine Art Geländer gebaut, damit bei der wilden Feierei nicht eine Box abstürzen kann – so, wie es dem PA-Modul bei der Party des Bruders ergangen ist.

Leider habe ich es versäumt, ein paar Fotos während der Party zu machen, aber ich würde sagen: die Teile haben richtig gut aufgespielt! Trockener und tiefer Bass bei überraschend guter Auflösung von Mitten und Höhen. Die scharfe Klinge habe ich auch gar nicht erwartet, aber das System ist ideal für eine Party. Gerade auch wegen des vielseitigen Verstärkers (Bluetooth, Spotify- und Tidal-Connect, Amazon Music, Internetradio…). Ich kann nur sagen, dass unsere Küche (durch die man auf die Terrasse kommt) tatsächlich durchgehend vibriert hat und ich schon Sorge hatte, dass gleich der Kühlschrank auf Wanderschaft geht. Sagenhaft.

Kurze Zeit später hat meine Frau auch ihren Geburtstag draußen gefeiert. Als sie mich spontan fragte, ob ich die Anlage wieder draußen aufbauen könne, wusste ich, dass ich mit der Bestellung alles richtig gemacht hatte. Wenig später kam die Anlage dann auch bei meiner eigenen Geburtstagsfeier draußen zum Einsatz. Aufgrund der starken „Performance“ bei der Party meiner Tochter hat sich auch bereits eine ihrer Freundinnen das System für ihre Party ausgeliehen. Jetzt steht das System (übergangsweise?) im Essbereich des Wohnzimmers, wo es uns immer wieder mit gutem Klang beglückt. Manchmal holen wir es spontan abends auf die Terrasse, um dort noch mehr oder weniger gedämpft Musik zu hören. Dank der Bananen-Stecker geht das Ganze recht schnell über die Bühne.

Apropos Bühne. Das System hört sich für meine Laienohren wirklich top an. Eine ausgezeichnete Mischung aus HiFi und Party-Beschallung. Breitbänder-typische Bühnendarstellung mit ordentlichem Wumms untenherum. Vor allem live-Aufnahmen kommen darauf richtig gut. Eine Zeit lang habe ich fast täglich den San-Antonio-’85-Konzertmitschnitt vom kurz zuvor veröffentlichten Anniversary-Album ‘Brothers In Arms’ der Dire Straits gehört – echt toll!

Der abschließende Dank geht an Udo für dieses (ein-)drucksvolle Out- und Indoorsystem – Danke aber auch unbekannterweise an Esage für seine Inspirationen! Kurz nach Fertigstellung hat Udo übrigens das Rockkit Maximus geboren, das mir seitdem immer mal wieder als Upgrade durch den Kopf geht. Mal sehen…

Martin

PS: Das Rockkit hatte Anfang des Monats den 1. Geburtstag und war wieder bei der Geburtstagsparty meiner Tochter im Freiluft-Einsatz – und bei vielen anderen Gelegenheiten auch. Echt eine tolle und praktische Kreation – vielen Dank dafür!

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Ehrlicher Weise dachte ich zuerst, dass das mit OSB nicht gut aussehen würde, wurde aber eines Besseren belehrt. Die Oberfläche gerade mit dem schwarzen Lack passt sehr gut zu Partyboxen und selbst im Wohnzimmer machen sie echt was her. Respekt!

Breitbänder reizen mich auch nochmal… aber da geht es mir ähnlich wie dir Martin… die Frage nach dem „und wo willst du die hinstellen?“ ist nach dem sechsten Bau schwer zu erklären ☺️ Gefolgt von einem „wenn du meinst…“ tja da geht man in sich und baut dann eben statt Boxen doch einen Schuhschrank. Auch schön, klingt aber nicht.

Euch viel, viel Spaß mit den fetten Teilen und Party on!

Grüße aus dem Schwobaländle
Alex

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