Wie es der Zufall will, ist kurz nach dem Abschluss meines „vorerst letzten“ Boxenbaus der Streaming-Lautsprecher in unserer Küche kaputtgegangen. Wenn das kein Wink des Schicksals war… Klein sollte der Lautsprecher bleiben, der Klang muss nicht das Ultimative bieten, gleichzeitig soll sich das Ganze eingliedern in eine existierende Streaming-Umgebung. Das Hirn ist angesprungen und ich konnte voller Freude planen.
Die ersten Gedanken gingen in Richtung einer kompakten Box, in die Subwoofer und Satelliten gemeinsam integriert sind. Das hatte ich mit der (ursprünglichen) Mona schon einmal gemacht und die U_Do 31-13 hätte sich hierfür auch gut angeboten. Das Konzept genau getroffen hätte die PS 95, der passende Verstärker mit DSP-Weiche wäre auch schon dabei gewesen. Doch ich habe auch schon lange mit „irgendwas“ nach dem ACL Prinzip geliebäugelt und so schwangen sich die Gedanken in Richtung einer Soundbar mit der RS100 ACL.
Bei der Größe und dem Volumen der Kammern war ich zunächst unsicher. Trotz unzähliger Bauberichte im Magazin und verschiedener Projekte im Forum habe ich nichts dazu gefunden, wie man die RS100 ACL als lange Variante bauen sollte.

Aber gut, im Endeffekt ist es dann auch „nur“ ein Umordnen der Kammern, solange Volumina und Flächen der Übergänge zwischen den Kammern stimmen. Von Udo selbst kam dann noch der Hinweis, dass viele Leute einfach die Maße der MiniACL verwendet haben und sich bisher nicht beschwert hätten.

Aber gut, ich wollte es wissen – also habe ich diesmal zwei schnelle Prototypen gebaut, einmal nach den Maßen der MiniACL und einmal anhand der RS100 ACL umgerechnet, flugs mit den (wie immer schnell und zuverlässig gelieferten) Komponenten bestückt und der Test konnte starten! Und siehe da: Man hört tatsächlich keinen allzu großen Unterschied! Sicher könnte man das jetzt ausmessen oder weiter den Eindruck vertiefen, dass ich bei der langen RS100 ACL zwar etwas mehr Bässe zu hören meine, mit den Maßen der MiniACL alles aber insgesamt ausgewogener für mich klingt. Unterm Strich baue ich aber etwas für die Küche! Der Lautsprecher sollte so klein wie möglich bleiben. Also fiel die Wahl auf die Variante mit den Maßen der MiniACL, weil mir das etwas mehr Flexibilität gegeben hat, eine nicht allzu aufdringliche Soundbar zu entwerfen. By the way: Die beiden Prototypen dienen inzwischen als Lampen – zum Wegwerfen waren sie dann einfach doch zu schade…


Der Plan war also gemacht: Zwei lange MiniACL Gehäuse auf die Seite gelegt, dazwischen Platz für einen kleinen Verstärker und die Anbindung an das bisherige Streaming-System. Beim Holz für den Bau habe ich mich für einen Multiplex-Mix entschieden, weil ich damit ein sicheres Gefühl für die geplante Wandbefestigung hatte.
Als Grundmaterial habe ich die 9mm Variante gewählt, also für alle Seitenteile und die innen liegenden Teiler. Bei der Front wurde es etwas komplizierter. Ich wollte, die Lautsprecher- und Elektronik-Abdeckungen einschließend, eine ebene Fläche haben, gleichzeitig aber auch nicht zu dick werden mit den Abdeckungen. Für die RS100 ist das nicht ganz so leicht, falls man die Membrane nicht versenkt. Der Aufbau der Front wurde daher wie folgt geplant: Multiplex mit 6,5mm Dicke. Hinter die Lautsprecher eine Aufdoppelung, ebenfalls mit 6,5mm, so dass man sie gefahrlos versenken kann und nach dem Fräsen noch genug „Fleisch“ zum Befestigen bleibt.
Die Abdeckungen wurden ebenfalls aus 6,5mm geplant und der Bereich dazwischen wiederum aufgedoppelt, so dass sich am Ende vorne die gewünschte ebene Fläche ergibt. Das zu beschreiben ist irgendwie komisch, aber ich denke, dass man es auf den Bildern vom Bau ganz gut erkennen kann.




Teilweise habe ich die Seitenteile ohne Leim mit den Zwingen zur Stabilisierung mitgepresst, damit innen alles sauber in Position bleibt und beim späteren Verleimen der Seitenteile zu keinen Problemen mehr führt – das hat dann auch sehr gut geklappt!
Das Holz wurde gesägt, die Ausschnitte mit dem neu angeschafften Kreisschneider – ein tolles Werkzeug – ausgeschnitten und die Vertiefungen zum Versenken der Lautsprecher gefräst. Um den Zusammenbau zu erleichtern, habe ich ebenfalls die Stege für die Teiler der Kammern und für die Seitenteile vorgefräst. Das erleichtert den Zusammenbau später ungemein, besonders, wenn man mehrere Teile gleichzeitig in eine möglichst exakte Endposition bringen möchte. Schritt für Schritt ging das Verleimen gut von der Hand, mit Zwingen wurde alles in Form gehalten und sah nach dem Trocknen relativ gut aus. Auch innen schien alles dicht zu sein, wie der Ausflug der Handykamera in den Bauch der Box gezeigt hat.


Die Box wurde dann noch einmal mit dem Bündigfräser an den Stößen behandelt, die Ränder der Front auf 45 Grad angefast und Magnete für die Abdeckungen versenkt. Nach dem Schleifen konnte es auch schon ans Lackieren gehen – ich habe mich für einen seidenmatten, weißen Lack entschieden, damit die Soundbar an der Wand auch schön zurückhaltend bleibt. Nach einem Zwischenschliff mit feiner Körnung gab es noch eine zweite Schicht Lack und die Soundbar durfte trocknen.


Nun wurde es Zeit für die Elektronik. Beim Verstärker habe ich mich für einen Fosi Audio V1.0B entschieden – er ist klein, hat ausreichend Leistung und dabei einen verhältnismäßig guten Klang. Für diesen Zweck also perfekt. Zum Einbinden in unsere bestehende Streaming-Umgebung gibt es dankenswerterweise Zuspieler, die auch in ihrer älteren Fassung noch immer sehr guten Klang und Performance bieten und zudem mit etwas Glück günstig gebraucht zu haben sind. Um etwas Platz zu gewinnen, wurde er vom Gehäuse befreit und nur die Platine verwendet.
Dann folgte der etwas knifflige Teil. Ich wollte nicht, dass der Verstärker 24/7 durchläuft. Viel Strom braucht er zwar nicht, aber da geht es mir ums Prinzip. Also habe ich nach etwas Recherche ein „Automatische Signaleinschaltung – Standby“ -Modul gefunden, das beim Anliegen von „Klang“ ein Relais schaltet. Super, genau was ich gesucht habe! Den Verstärker wollte ich einschalten, indem ich über dieses Relais Strom auf das Netzteil gebe. Natürlich könnte man auch ein gemeinsames Netzteil verwenden, aber auch hier wieder die Frage: Will ich ein großes Netzteil immer am Strom hängen haben oder lieber ein kleineres für den Dauerbetrieb?
Dann kam eine kleine Lehrstunde für mich, denn wie das so ist mit „eigentlich einfachen“ Dingen wie dem Schalten eines Netzteils, der Teufel steckt im Detail… Wenn der Verstärker am Strom hängt, laden sich seine Kondensatoren auf und der Einschalter kann ihn sanft zum Leben erwecken. Bekommt das Netzteil plötzlich Strom und der Schalter ist bereits an, dann ploppt es. Hätte man sich denken können, habe ich aber in der ganzen Bastel-Freude halt nicht gemacht. Also durfte nochmal ein kleines Bauteil ran und der Schalter des Verstärkers wurde durch eine Einschaltverzögerung ersetzt, die den Verstärker 2 Sekunden später einschaltet, nachdem er Strom bekommen hat. Hört sich alles vielleicht etwas nach „klein-klein“ und kompliziert an, aber wenn man die Teile mal vor sich liegen hat, ist es eigentlich relativ schlüssig und gut zu verkabeln. Und ja, selbst schuld, wenn man so eine externe Streaming Variante wählt, mit einem Arylic Up2Stream hätte ich es einfacher haben können – aber ich habe mir meine Umgebung zuhause nun einmal so aufgebaut und möchte nicht alles umstellen.


Streaming-Zuspieler und Standby-Modul

unten: Netzteile, Verstärker, Einschaltverzögerung, oben: Zuspieler und Standby-Modul
Die heiße Phase brach also an, die “Frequenzweichen” kamen an die Lautsprecher, Dämmung ins Gehäuse, Elektronik in die Mitte der Soundbar und alles wurde verschraubt. Dann endlich: Strom einstecken, mehr braucht die Soundbar ja nicht. Der Zuspieler wird über Wifi aktiviert, das Standy-Modul aktiviert die Einschaltverzögerung und das Verstärker-Netzteil, zwei Sekunden später ertönt Musik.
Und wie schon so oft beim ersten Hören eines Selbstbau Projekts stehe ich mit einem Grinsen im Gesicht davor. Da ist Freude über das Geschaffte, Freude, dass die Elektronik und die Frequenzweichen funktionieren und nicht zuletzt Freude über hervorragend klingende Musik. Ja, man darf keine Wunder erwarten bei so kleinen Lautsprechern, aber für ihre Größe machen sie einen fantastischen Job! Es ist ein Bassfundament da, das ich so nicht erwartet hätte und eine ausgeglichene Harmonie zieht sich über den gesamten Frequenzbereich. So durfte die Soundbar erstmal ein wenig vor sich hinspielen und ich mich vor mich hin freuen.



Nach etwas Probehören wanderte sie an ihren endgültigen Platz in der Küche und erfreut uns seitdem dort. Ich bin mit allen Entscheidungen auf dem Weg zufrieden. Die Größe und das Design lassen sie über der Türe verschwinden und der Klang stellt unsere bisherige Streaming-Box deutlich in den Schatten. Ziel erreicht, würde ich sagen!
Daniel
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