31. August 2025

Mal wieder etwas fürs Heimkino – die SB 36/ 3

Autor: Der Alex

Der Prolog
Herzlich willkommen zu meinem nunmehr vierten Baubericht (zu [1], [2] und [3]) auf dieser Seite. Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen, gell Udo?!. So manch einer fragt zu Recht, wozu man vier Lautsprecherpaare braucht. Und in der Tat erfreuen mich die meisten davon eher durch ihre Optik als durch die Verwendung als Schallwandler. Die Beiden aus Kirschholz, das vor 1900 geschlagen wurde, zaubern auch jetzt gerade ein Lächeln in mein Gesicht. Eine Schande? Ja! Aber ich bin ein Getriebener, der ständig etwas zum Bauen braucht und neben Regalen und Schränken auch seine etwas kreativere Seite ausleben muss.

Dieses Mal wollte ich das Heimkino optimieren und die alten, ein paar diabolische Berliner, in gute Hände geben. Für Filme waren sie immer ganz OK, Musik mit ihnen zu hören, für mich eher nicht das Optimum. Das könnte durchaus auch an meinem hohen Anspruch liegen. Ich mag es übrigens immer sehr, mehr über die Gedanken der User hier, Schreiner oder Heimwerker, zu erfahren. Daher auch ein ausführlicherer Bericht mit meinen Gedanken und Details zum Bau.

Die Entscheidungsfindung
Man mag nun denken, dass ich bei der Menge an Lautsprechern ständig bei Udo im Laden stehe. Auch in einem Baubericht, den ich vor ein paar Monaten lesen durfte, war der Kunde einige Male zum Probehören dort, um sich für ein Paar zu entscheiden. Ich selbst habe vor dem Bauen noch keinen einzigen Lautsprecher Probe gehört. Mir war beim ersten Bau der RS100 PC schon direkt klar, dass man bei Udos Bauvorschlägen absolut nichts falsch machen kann. Dennoch verschlägt es mich sicher irgendwann in die Heiligen Hallen, um die Erlkönige der Boxen zu bestaunen – eher so aus sentimentalen Gründen.

Was hat mich also dazu bewogen, gerade die SB 36/ 3 zu bauen? Der Grund war sicher die erhoffte gute Sprachverständlichkeit bei Filmen durch die zwei Mitteltöner und die Abkopplung der Tieftöner, um auch im unteren Bereich mehr Nuancen herauszuhören. (Ein guter SB 36 Center ist viel, aber eben doch nicht alles beim Filmgenuss.)

Die Optik, mit sieben schwarzen Löchern fand ich anfangs eher „schwierig“, meiner besseren Hälfte gefallen aber gerade die vielen sichtbaren Chassis. Da die erwähnte Technik genau meinen Wünschen entsprach, ging es also nach kurzer Abstimmung an die Planung.

Und die hat gedauert … wie eingangs erwähnt müssen meine Projekte neben der Funktion auch immer etwas Besonderes fürs Auge haben. Eine runde Form durch z.B. Spanten zu realisieren, empfand ich für ein kreatives Zwischenprojekt als zu aufwändig. Parallele Wände wollte ich bestmöglich vermeiden, ergo den hinteren Teil verjüngen, um quasi ein Trapez zu haben. Spitze Kanten unter 90 Grad vermeide ich grundsätzlich, da die bei einem leichten Rempler schnell eingedrückt sind. Nach Tagen des Zeichnens, Rechnens und vor allem nochmal drüber schlafen, kam ich dann doch zu einem Ergebnis. Die Idee, dass die Boxen schlank und filigran wirken … nun ja spiegelt sich glaub nicht so in der Realität wider.

Die Wahl des Materials
Das Gehäuse in 22mm MDF zu bauen, war von Anfang an gesetzt. 19mm wie beim SB 36 Center empfand ich als zu gering, ist aber wahrscheinlich auch nur so eine Gefühlssache. Der Center ist übrigens eher so auf dicke Hose gebaut. Furnier aus amerikanischer Schwarzkirsche in Seidenmatt trifft auf eine Front in Nussbaum Riegel Hochglanz. Das fand ich ganz schick und habe auch gleich zwei Fronten für die SB 36-3 gespiegelt furniert und mit Epoxidharz zum Glanz verholfen. Je länger ich den Center aber vor Augen habe, desto weniger gefällt mir die Optik. Tja, zumindest habe ich gelernt, dass das Fügen von Furnier auf über einem Meter nicht zu meinen Kernkompetenzen gehört.

Umplanen! Unser Lowboard ist aus Eiche, ergo muss ich ein Eichefurnier finden, das für zwei Lautsprecher in HBT 108 x 22,5 x 36 reicht. Gefunden habe ich ein Paket in der Länge 215cm, das in der Fläche gerade so ausreicht. OK, wieder umplanen und die Gehäuse auf 107cm schrumpfen lassen. Das verlorene Volumen habe ich durch flachere Winkel (zwölf statt fünfzehn Grad) am Trapez wieder locker reingeholt.

Der Bau
Um allen Teilen Halt und die Richtung vorzugeben, habe ich zuerst die Verstärkungen mittels selbstgebauter Vorrichtung an der Kreissäge in Form gebracht und sie anschließend um die Schalldurchlässe erleichtert. Die Durchlässe wurden von Stück zu Stück, nennen wir es „organischer“, da mir bei 34  Grad in der Werkstatt offen gesagt die Muße fehlte, es perfekt zu machen.

Im gleichen Aufwasch sägte ich dann auch gleich Deckel und Boden. Die Abtrennung des Mittel-Hochton Volumens hätte man durch bessere Planung leichter haben können, so musste ich das 18mm Brett mit diversen Fasen an die Form des Gehäuses anpassen. Es fällt auch auf, dass ich die Front in 21mm Multiplex Birke eingeleimt habe. Das MDF erschien mir, zumindest um Schrauben einzudrehen, als zu instabil. Die Baumarktqualität geht zwar gerade noch so in Ordnung, hier und da wollte ich aber was Besseres. Alle anderen MDF-Platten drumherum wurden auf Gehrung gesägt.

Mittels stabilen Klebebandes und der vorgegebenen Form durch die Versteifungen  war das Leimen auch bei hohen Temperaturen gut machbar. Für den nötigen Anpressdruck sorgen einige Schraubzwingen. Auf den Bildern gut zu sehen, dass man die Reststücke der Versteifungen gut als Verleimhilfe nutzen kann, da man ja automatisch parallele Flächen erhält.

Auf der Rückseite habe ich mich aus ästhetischen Gründen ebenfalls für Multiplex entschieden. Später wird man sehen, warum …

Da ich leider schon Möbel gebaut habe, bei denen sich der Untergrund beim Gebrauch verschiedener Materialien (MDF und Multiplex) über die Jahre durch das Furnier abgezeichnet hat, habe ich an neuralgischen Punkten, also am Deckel, der Front und der Rückseite eine Sperrschicht aufgeleimt. Das kann ein dünnes HDF-Brett oder wie in meinem Fall Furnier bestenfalls quer zum Deckfurnier sein. Bei 0,9mm Stärke, habe ich mir aber auch bei längs zum Deckfurnier keinen Kopf gemacht.

Das Aufbügeln des Eiche-Furniers, vom linken zum rechten Lautsprecher zu allen Seiten gespiegelt, ging trotz seiner Größe von ca. 107,5cm x 40cm an den Seiten erstaunlich gut und die kleineren Flächen natürlich umso einfacher. Nach dem Schleifen mit 240er Korn streiche ich meine Flächen grundsätzlich mit MIPA-Flüssigwachs. Das erhält die helle Farbe des Furniers und dringt, mit dem Schwämmchen verarbeitet, sehr tief ins Holz.

Nun die Löcher für fünf Chassis und zwei Reflexrohre ausfräsen und schwupps sehen die riesigen Kisten wie Lautsprecher aus. Auf der Rückseite dann noch ein großes Loch samt Fase eingefräst und das vorbereitete Brettchen mit den Bohrungen für die Terminals eingeleimt.

Den Boden habe ich abnehmbar gestaltet, um bei Bedarf leicht an die Weiche zu kommen und so ist sie auch weit von den Magneten entfernt, was sicher auch kein Fehler ist. Zum Test habe ich dieses Teil als Dreischichtplatte aus Multiplex und MDF verleimt. Der Klopftest war richtig gut! Macht auf der kleinen Fläche für den Klang keinen Unterschied, aber ich merke mir die Kombination für die nächsten Lautsprecher mit größeren Flächen. Um Dellen beim Staubsaugen zu vermeiden habe ich Katalox, ein Hartholz drumherum gezimmert und auch gleich die Weiche darauf verschraubt.

Da ich beim Thema Elektrik kein großer Meister bin, kam die Weiche direkt so, wie sie sein soll, von Udo. Die vielen Kabel, in Summe zwölf Stück musste ich aber selber in den Griff kriegen und habe kurzerhand Kabelbäume mit den entsprechenden Längen und Verbindern gebunden, gekrimpt und gelötet. Und ja, ich bin auch kein großer Meister beim Löten, weshalb ich Verbinder nehme, auch wenn das direkte Verlöten der Kabel an die Chassis die bessere Lösung ist. Da hätte ich Angst, dass am Chassis während der Prozedur irgendwas schiefläuft.

Der finale und für mich immer wieder schönste Teil des Baus ist das Einlegen des Vlieses, Einpressen der Bassreflexrohre und Verschrauben der Chassis. Nun noch den Boden einschrauben, an den AV-Receiver anschließen und langsam den Pegel höherdrehen.

Der Klang
Oh je … Höhen und Mitten sind da, wenn auch nicht perfekt, der Bass kaum vernehmbar. Nach dem ersten Schock, dann die Fehlersuche. Meinen Röhrenverstärker durchs Haus getragen, auf eine Holzplatte gestellt und angeschlossen. Siehe da, klingt doch schon ganz anders! Wie gewohnt sind die Höhen noch etwas schrill und der Bass wenig akzentuiert, aber das ist eher eine Frage der Geduld als ein technischer Defekt. Einspielzeit ist das Zauberwort! Und ja, auch das Anpassen des Receivers ist immer eine gute Idee, was ich in der Aufregung natürlich vergessen hatte.

Nach 20-25 Stunden Filme schauen, denn dafür sind die Lautsprecher zu 90% der Zeit gedacht, nochmal die Röhre angeschlossen und wie erwartet sind die Höhen weicher, die Mitten sehr detailreich und der Bass auf den Punkt. Durch den Aufstellungsort, der nicht optimal ist, fehlt es an Bühne, auf der anderen Seite ist der Sweet Spot riesig. Die SB 36-3 ist ja eigentlich kein Line-Array, dennoch ist der Klang gefühlt auf allen Sitzplätzen quasi identisch. Fürs Heimkino die beste Wahl, die ich treffen konnte! Während ich diese letzten Zeilen schreibe, ist fast ein Jahr vergangen und die Lautsprecher klingen, man mag es glauben oder nicht, immer besser. Nun macht auch Musik hören richtig, richtig Spaß! Zum Testen nehme ich grundsätzlich „George Duke Trio – It´s on, Live at the Java Jazz Festival 2010“. Musik ist, was zwischen den Tönen passiert, und ich liebe die Spielfreude der Drei. Fehlen darf auch „HAEVN & néomi – We are, Live in Tivoli“ nicht, in dieser Version mit Streichern …

Der Respekt
…gilt Udo Wohlgemuth, der wieder einmal einen erstklassigen Lautsprecher auf die Beine gestellt hat und all denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben. Schließen möchte ich mit Udo´s einfacher Anleitung für das Schreiben eines guten Leserechos: „Bausatz bestellt, Holz gekauft, verklebt, geschliffen, Oberfläche behandelt. Weiche rein, Kabel dran, Klanggenuss!”

Alex aus dem Schobaländle

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Hallo Alex,

die Lautsprecher sind richtig schön geworden, eine echte Augenweide. Deine Beschreibung des Weges dahin sind für mich sehr inspirierend. Ich habe gerade mein erstes Projekt abgeschlossen, aber irgedwie juckt es mir schon wieder in den Fingern… Und zwar nicht, weil ich nicht zufrieden wäre – es macht eben auch einfach Spaß, sowas Feines zu bauen. Das kommt in Deinem Bericht wirklich gut rüber.

Beste Grüße
Kai

Moin Der Alex.

So geht’s! Schöne Form, schönes Holz(Furnier), schöne Box! Ich schiel auch schon ganz lange drauf…😉

Hab viel Spaß damit. Fast zu schade um sie überwiegend zum Filmschauen zu nutzen aber man gönnt sich ja sonst nichts…

Good Job!

LG Andreas

Hallo,

endlich oder noch jemand, der eine trapezförmige Grundform gewählt hat. Ich finde die Form ansprechend, weil es nicht wie eine globige quaderförmige Kiste wirkt, wenn sie sich nach hinten verjüngt. Es ist alles Geschmackssache, für mich eine tolle Form, bei mir auch mit erhötem WAF.

Auch die zurückgesetzten Terminals mit Fase habe ich bei mir umgesetzt, sieht für mich dann auch hinten eleganter aus.

Also: Daumen hoch für die Formgebung. 😉
Leider war mein Doppel7-Bericht zu spät, ETON war verstorben und Udo meinte zurecht, dass eine Veröffentlichung keinen Sinn macht. Dennoch schön zu sehen, dass jemand die gleichen Ideen hatte.

Grüße
Matsche

Hallo Alex,

deine Projektvorstellungen sind immer wieder sehr gelungen. Die SB36/3 gefällt mir schon allein wegen ihrer Proportionen und der Aufreihung der Chassis und BR-Rohre – wie eine Planetenkonstellation. Akustisch weiß sie sicher auch zu überzeugen.
Ich nehme aus deinem Projekt mal den Tipp mit dem Wachs mit. Bei mir wurden geölte Eichenbretter bisher nur rustikal dunkel oder gelb.

Beste Grüße, Martin F
(Neigschmeckter)

Ha no,

erstklassige Arbeit!
Eine Frage zu Mipa. Ich finde nur Unterbodenschutzwachs. Ist das richtig? Wenn ja, will ich das im Wohnraum haben? Wenn da nix unanständiges drin ist nehme ich das in meine Oberflächenbehandlungsliste auf!

Viele Grüße Achim

👍

Hallo Alex,

herzlichen Glückwunsch zu den Kawendsmännern!

Ich finde es immer toll, wenn man im Baubericht so viel Liebe zum Detail erkennt. Du hast dir echt um jede Kleinigkeit Gedanken gemacht! Und das Ergebnis lohnt die Mühe.

Viel Spaß beim Wohlklangbaden!

Gruß aus OWL

Uwe

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