Einfach geht anders! Warum schreibe ich das?
Mein Schwager äußerte neulich trotz vorhander und hoch gelobter Lautsprecher ein paar Ideen, wie denn „seine zukünftigen“ klingen müssten. Irgendwann sagte ich: „Alle Theorie ist grau. Komm doch mal wieder bei uns vorbei und wir hören ein paar Lautsprecher bewusst bei mir an.“ Gesagt, getan. Eine Woche später gesellte sich neben der BelAir 91 die SB12 ACL zu uns beiden. Er war ganz zufrieden, nicht mehr!
„Sag mal, in deinem Büro stehen noch so ein paar kleine Lautsprecher rum…“
„…kann ich holen…“

Die Breitbänder angestöpselt, ne Lala laufen lassen und erwartungslos in sein Gesicht geschaut. „Sowas baust du mir, mit so einem … (???) wie heißt das nochmal? Also der Kram für die ganz tiefen Töne!“
„Theo, die sind viel zu klein für deinen Raum.“
„…ist ganz einfach Achim“ fiel er mir ins Wort “…finde ne Lösung…klein, tief und preiswert!“
Da waren sie wieder, meine 3 Probleme. Ok, auch der Satz war wieder mal aus irgendeinem Film geklaut.
Rückblende:
Aktuell hat er echt böse Lautsprecher, die zugegebenermaßen auch noch in die Jahre gekommen sind. „Bluetooth“, was ist das? Fragt mich sein Böse. „Kabel“, was ist das? Fragt mich sein neuer Fernseher. Nun gut, ein Bluetooth-Adapter für Böse ist möglich, mein Schwager will nach dem Probehören trotzdem neue Breitbänder. Wie kommt’s wohl? 🙂 Nur gut, dass der Lauthörnerschmied aus Bochum immer was Passendes hat.
Ich fange an, bei den üblichen Verdächtigen zu stöbern…
Die Mini-ACL, also die sieht ganz gefällig aus. Kann aber nicht wirklich richtig tief. Für größere Räume ungeeignet.
2.1-System der klassischen Art wäre auch eine Option. Die da wäre Ary BB 3.5. Den Omnes hatte ich ganz früher schon mal. War früher schon nicht mein BB und aus traurigem Grund nicht mehr lieferbar.
U_do 31/ 13, wenn’s wenig Pegel sein darf, richtig gut und schon gebaut.
Mona 2.1 – die hat schon was, weil es sonst nicht so viele Nachbauer geben würde.
Ach, da ist ja noch ein BB. Das Pummelchen! Point Source 95 heißt die Box. Sieht doch richtig unhübsch aus, sorry Udo. Ich weiß „Form follows function“ – diese Proportionen sind wirklich nicht sooo hübsch. Trotzdem hielt mich die Box gefangen. Was sagte mein Schwager nochmal: „…klein, tief und preiswert…“. Könnte passen: 11 Liter, fast 40 Hz, ein überschaubarer Preis inklusive Verstärker. Die Entscheidung nahte.
Was auch noch was ausmachte, war das Konzept, also das eher unübliches Konzept. Kein 2.1 sondern ein 2.2. Außerdem war es ein „richtiges“ FAST. Der TT wird so früh herausgenommen das man ihn wirklich Subwoofer nennen kann. Die meisten FAST‘s werden viel später getrennt. Alles in allem richtig gute Eigenschaften. Ach komm, das Ding wird gebaut! War da nicht noch was … immer noch ein Pummelchen.

Das Design MUSS überarbeitet werden. Also ran ans Papier.
Udo, warum so breit? Na klar, der Sub stört erstmal. 150 mm Außendurchmesser lassen keine andere Wahl! Oder?
Wie bekomme ich 2 x 4,5 Liter Bandpass-Volumen in ein schlankes Vogelhäuschen? OK, recht schnell war klar, es muss eine Lösung für einen vertikalen Einbau des Bass-Chassis her. Einige Striche weiter ging die übliche Mail mit Foto an Udo raus: „Hallo Udo, schau Dir mal die Zeichnung an. Funktioniert der Einbau so? 4 cm zur Seitenwand?“

Die Antwort kam wie immer prompt.
Die Anforderung war „klein“. Deshalb basiert der Plan auf 10er Sperrholz. Ich habe mich dann doch für 12er Sperrholz entschieden. Der Baumarkt machte mir nen Strich durch die Rechnung. Nur noch eine Platte 1200 x 600 mm war in 12 mm Stärke da. Im Zuschnitt wurde das Material nicht angeboten. Das lange Wochenende nahte. Ich habe mich kurzfristig für eine Kombi aus 12-er und 10-er Sperrholz entschieden. By the way: 12 mm dick heißt nicht in jedem Baumarkt unbedingt 12 mm dick. 8% Schwund kann da schon mal passieren!?

Langes Wochenende mit einem Feiertag am Donnerstag. An dem Freitag ist meine Frau am Nachmittag beim Kaffeekränzchen. Also los. Entgegen der ersten Skizze, siehe oben, habe ich aufgrund des vorhandenen Lowboards die Konstruktion/ Stückliste umgeschmissen. Das Design des Lowboards wollte übernommen werden. Meine Tischkreissäge in der Garage hat mal die ersten Schnitte gemacht und so den Aufbau von innen heraus ermöglicht. Ganz genau sägt die Säge leider auch nicht. Jede minimale Winkelabweichung macht sich schmerzhaft bei Zusammenleimen bemerkbar. Zudem hatte ich die Freude einer fast hochwertig zusammen geleimten Sperrholzplatte. Nach dem Sägen, sogar nach dem ersten Leimen brach die Verleimung an 3 verschiedenen Stellen.


Den Bau habe ich zwar geplant, aber die verschiedenen Brettchen habe ich immer gesägt, geklebt, gemessen, gesägt, geklebt … Ist zwar deutlich aufwändiger, aber viel genauer. Nach 5 Stunden war meine Frau immer noch nicht da. Erfahrungsgemäß steigen die Frauen von Kaffee auf ein perlendes, weinhaltiges Getränk um. So schlimm war‘s nicht, das Gehäuse war so gut wie fertig. Die Löcher sind auch schon drin.






Abstürzendes Leimgefäß und die Folgen

Vormontage des Tieftöner in den vorgefertigten Winkel


Wichtig war auch noch das höhengleiche Schleifen der verschiedenen Leisten und Brettchen für den Deckel und die Rückseite. Hier war Handarbeit angesagt. Letzte Leisten eingeleimt und Kabel eingeklebt. Passen die BR-Rohre auch wirklich?



Richtig tricky war das Einkleben des Tieftöners auf dem eingeschraubten Winkel. Eine kleine Schraubzwinge durch das BR-Loch und eine kleine von oben löste das Problem. Von oben noch 2 Männerzwingen und der Fall war geritzt. Tricky war dabei, dass die Hälfte der Dämmwolle unten mit eingebracht werden musste.


Die vor und abgebohrte Rückseite.

Provisorisches Probehören war angesagt. Erst mit einer Box. Es kam natürlich die 2. Box dazu. Was soll ich zum Hörtest sagen? Vorläufig nix – kommt später. Was ich aber vorläufig trotzdem schon sagen kann: Die App ist schnell eingerichtet und nach 5 Minuten haben die beiden schlanken Säulchen schon Probetönchen von sich gegeben.

Die Deckelplatte und die rückseitige Platte habe ich noch nicht verschraubt/ verklebt. Die Bauart führt dazu, dass der Deckel erst nach dem Folieren geklebt wird. Die Rückseite wird auch foliert. Mist, jetzt habe ich die Oberflächenveredelung vorweggenommen. Nun gut, wenn‘s schon raus ist, bleiben wir beim Thema.
Früher hatte ich schon mal mit Folie gearbeitet. Autofolie! Vergesst es. Die ist 0,03 mm dünn. Da muss der Untergrund praktisch perfekt lackiert sein, sonst wird jeder Fehler sichtbar. Diese Firma bezahlt mich nicht, wird trotzdem hier erwähnt. Resimdo macht 0,25 mm dicke Folien, die sich prima und kinderleicht verarbeiten lassen. Ein 120er Schleifpapier reicht aus, um für das Bekleben eine nahezu perfekte Oberfläche zu bekommen.
Und los geht‘s mit der Kleberei. Lasst immer ca. 5 cm pro Seite Überstand. Mit Heißluftfön lässt sich die Folie wunderbar um die Ecken ziehen. Wenn der Überstand zu kurz ist, werden zuerst die Fingernägel heiß …




Die Front wurde angerichtet. Schön, wenn eine 20 mm Radiusschablone für Silikon vorhanden ist.



Das Zusammenleimen des Deckels wurde mit aller Vorsicht vorgenommen. Es war alles fertig beklebt.

Fertig. Hübsch schlank sind sie geworden.



Klangbeschreibung. Auf den direkten Vergleich mit den BelAirs verzichte ich. Auch verzichte ich auf Fotos der überraschten Gesichter, wenn ich Bach’s Toccata und Fuge abspiele. Die Räumlichkeit ist einfach das schlagende Argument für einen Breitbänder. Alles ist genau da, wohin es gehört. In diesem Fall kommt noch ein ordentliches Bassfundament dazu. Die Stimmen sind sehr klar. Für mich ein sehr empfehlenswerter Bausatz für Leute, die für schmales Geld in Hifi einsteigen möchten. Die Dinger machen einfach Spaß. Dem Holzwurmanfänger empfehle ich „meine“ Bauweise nicht unbedingt. Da sollte echt schon etwas Erfahrung in Holzarbeiten vorhanden sein.
Gipsohr Achim
Zur Point Source 95 im Online-Shop



Hallo Achim,
wirklich sehr hübsch sind sie geworden. Pummelchen auf Diät….!
Ich habe mich ja auch schon an dem Bausatz versucht, habe aber Udos Plan für die Anordnung der Chassis übernommen. Dass man den Innenraum zu geschickt umbauen kann, hätte ich nicht gedacht. Respekt!
Zum Klang und zu den erstaunten Gesichtern der Hörenden können die Nordhausen 25 Besucher einiges sagen. Ich finde es phänomenal, wie die Box Breitbänderklang mit Bass ergänzt!
Ach, und deine Lautsprecherständer in Zwingenoptik muss ich mir auch mal merken…
Liebe Grüße
Uwe